Tierschutz und Forschung

Weniger Tierversuche und höhere Datenqualität in der Biomedizin

Berechne Lesezeit
  • Teilen
Wissenschaftsministerin Petra Olschowski (rechts) unterhält sich während eines Besuchs der Universität Stuttgart mit Stella Asmanidou (links), Doktorandin im 3R-US-Netzwerk.
Wissenschaftsministerin Petra Olschowski (rechts) unterhält sich während eines Besuchs der Universität Stuttgart mit Stella Asmanidou (links), Doktorandin im 3R-US-Netzwerk.

Die 3R-Initiative in Baden-Württemberg hat zum Ziel, Tierversuche durch alternative Methoden zu ersetzen und die Qualität notwendiger Experimente zu verbessern. Das Land unterstützt gemeinsam mit beteiligten Hochschulen seit 2020 den Aufbau des 3R-Netzwerks mit insgesamt rund 6,9 Millionen Euro.

Tierversuche ersetzen, reduzieren und notwendige Experimente verbessern – diese Ziele verfolgt die 3R-Initiative Baden-Württemberg (3R steht für „Replacement“, „Reduction“ und „Refinement“). Alternativen zu Tierversuchen, die im Land erforscht werden, reichen von Organ-on-a-Chip-Modellen über Computersimulationen bis zu Pflanzenmodellen als „Grüne Gefäße“. Das Wissenschaftsministerium unterstützt gemeinsam mit den beteiligten Hochschulen seit 2020 den Aufbau eines 3R-Netzwerks mit insgesamt bis zu 6,9 Millionen Euro – mit Zentren in Tübingen, Konstanz, Stuttgart und im Raum Rhein-Neckar (Mannheim/Heidelberg). Anlässlich ihres Besuches kündigte Wissenschaftsministerin Petra Olschowski an, dass das Land die Zentren in Mannheim und Stuttgart ab 2025 – ein erstes Ergebnis einer 2023 durchgeführten Zwischenevaluation der 3R-Initiative – verstetigen wird.

„Das 3R-Netzwerk leistet einen zentralen Beitrag dazu, den Tierschutz in Forschung und Lehre zu verbessern“, sagte Olschowski am Dienstag, 26. März 2024, beim Besuch der 3R-Zentren in Stuttgart und Mannheim. „Mehr Tierschutz und bessere Forschung sind keine Gegensätze – ganz im Gegenteil: Die Aktivitäten des 3R-Netzwerks zeigen, dass beides zusammengehört“, so die Ministerin.

Besondere Verantwortung beim Tierschutz

Baden-Württemberg kommt als Standort mit einer hohen Dichte an biomedizinischen Forschungseinrichtungen und pharmazeutisch-chemischer Industrie eine besondere Verantwortung hinsichtlich des Tierschutzes von Versuchstieren zu. Das Wissenschaftsministerium hat daher eine nachhaltig angelegte Strategie entwickelt, um das 3R-Prinzip noch besser in der baden-württembergischen Forschungslandschaft zu verankern und damit sowohl die Qualität der biomedizinischen Forschung – eine der spezifischen Stärken des Landes – als auch den Tierschutz in Forschung und Lehre voranzubringen.

Grundgedanke des 3R-Netzwerkes BW: Neue wie bereits vorhandene und oft komplementär ausgerichtete Aktivitäten im Bereich „Alternative Methoden zum Tierversuch“ an verschiedenen Standorten in Baden-Württemberg werden gestärkt sowie vernetzt und damit nach innen wie außen sichtbarer gemacht.

Mit dem Aufbau eines flächen­deckenden 3R-Netzwerks wählt Baden-Württemberg einen neuen, langfristigen Ansatz. „Mit unserem 3R-Netzwerk Baden-Württemberg wollen wir aktiv dazu beitragen, die Entwicklung und Anwendung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch voranzubringen und die notwendigen Tierversuche in der baden-württembergischen Forschung zu verbessern und den bestmöglichen Schutz von Versuchstieren sicherzustellen“, so Ministerin Olschowski abschließend.

Die besuchten Zentren und ihre Ziele

Universität Stuttgart: Im Stuttgarter 3R-Zentrum stehen aktuell Projekte zu alternativen Methoden für die Testung neuer Wirkstoffe gegen Krebs im Fokus. Dafür arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Zellbiologie, Biomedizintechnik und Onkologie an der Universität Stuttgart und dem Robert-Bosch-Krankenhaus zusammen und entwickeln Methoden zur Kultivierung von Tumorgeweben, zur Herstellung von Tumormodellen, die die Komplexität menschlicher Gewebe rekapitulieren, und mathematische Modelle, die verbesserte Vorhersagen zur Effizienz der Wirkstoffe ermöglichen. Im 3R-Tissue Labor stellen die Forschenden 3D-Tumorkulturen und 3D-Bioprinting-Verfahren von komplexen Geweben vor. Dabei kommen auch Leitgewebe von Pflanzen als Blutkreislaufmodelle zum Einsatz.

Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim (ZI): Am 3R-Zentrum Rhein-Neckar liegt der Fokus insbesondere auf der Qualitätsverbesserung bei notwendigen Tierversuchen. Eine wichtige Aufgabe des Zentrums ist es, Tierversuche in der Rhein-Neckar-Region noch besser zu koordinieren, den Austausch von Know-how und gegenseitiger Hilfestellung zu ermöglichen, sodass immer der höchste Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse im 3R-Bereich umgesetzt werden kann. Das Zentrum ist eine feste Anlaufstelle für eine robuste und reproduzierbare Versuchsplanung in der biomedizinischen Forschung und bietet Forschenden Hilfestellung bei der Auswahl valider Tiermodelle und Training zu den 3R-Prinzipien. Außerdem werden Forschungsaktivitäten durchgeführt, um Maßnahmen zur Verbesserung des Wohlergehens und der Behandlung der in der Forschung verwendeten Tiere zu entwickeln.

Damit ergänzt das Zentrum mit seinem Fokus auf die Aspekte „Reduction“ und „Refinement“ des 3R-Prinzips sehr gut die mehr auf „Replacement“, also die Entwicklung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden, ausgerichteten Aktivitäten der anderen Zentren im 3R-Netzwerk Baden-Württemberg. Solche Bemühungen sind vor dem Hintergrund, dass die biomedizinische Forschung in absehbarer Zeit nicht vollständig auf Tierversuche verzichten kann, besonders wichtig, um den bestmöglichen Schutz von Versuchstieren sicherzustellen.

Alternativmethoden können Tierversuche aktuell noch nicht komplett ersetzen

Obwohl zahlreiche Alternativmethoden bereits im Einsatz sind, sind diese noch nicht in der Lage, sämtliche Tierversuche in der Forschung zu ersetzen. Zudem bilden Alternativmethoden bisweilen häufig nur Teilaspekte der äußerst komplexen Vorgänge im menschlichen Körper nach. Aus diesem Grund wird die Forschung in absehbarer Zeit auf Untersuchungen am lebenden Tier nicht völlig verzichten können, insbesondere, wenn es um komplexere Fragestellungen wie Kognition oder neuropsychiatrische Erkrankungen geht.

Weitere Meldungen

Ein Ingenieur kontrolliert in einem Labor mit einem Mikroskop einen Chip zum Einsatz in einen Quantencomputer.
Innovation

Land fördert 14 Prototypen für Zukunftstechnologien

Erster Wolf im Süden Sachsen-Anhalts entdeckt
Naturschutz

Fähe im Enztal-Territorium als sesshaft nachgewiesen

Gewinnerteam Regional Cup Tübingen
Start-up BW

ELASTheal gewinnt den Regional Cup Tübingen

Eine Mitarbeiterin der Firma Lütze fertigt Bauteile für elektronische Steuerungen für Schienenfahrzeuge.
Innovation

Land fördert Technologie­kooperation mit der Ukraine

Polizei mit BW-Wappen
Polizei

Neuer Studienjahrgang startet an der Hochschule für Polizei

Die NECOC-Versuchsanlage am KIT produziert festen Kohlenstoff aus klimaschädlichem Kohlenstoffdioxid.
Wirtschaft

Land fördert innovatives Verfahren für klimaneutrale Produktion

Ein Reh springt bei Bodnegg (Baden-Württemberg) über eine Wiese, auf der Löwenzahn blüht. (Bild: picture alliance/Felix Kästle/dpa)
Forst

Forstliches Gutachten 2024 Baden-Württemberg

Ein Student im Praktischen Jahr am Universitätsklinikum Heidelberg spricht mit einem Patienten.
Gesundheitsberufe

Neuer Weg ins Medizinstudium startet

Ehrenamtskarte Baden-Württemberg
Bürgerengagement

Neue Angebote bei Ehrenamtskarte

Gefärbte Eier stehen in einer Palette (Foto: © dpa)
Verbraucherschutz

Unbeschwertem Ostergenuss steht nichts im Weg

von links nach rechts: Herr Knödler von der Justizvollzugsanstalt Schwäbisch Hall, Justizministerin Marion Gentges und Herr Mack von der Justizvollzugsanstalt Heimsheim
Justiz

108 neue Justizvollzugsbeamte im Land

Icon eines Gesetzbuches mit aufgedrucktem Paragrafenzeichen.
Verkehr

Landesmobilitätsgesetz macht gute Mobilität einfacher

Ministerin Razavi mit den neuen Regierungsbaumeisterinnen und Regierungsbaumeistern 2026. V.l.: Manuel Riedlinger, David Maihöfer, Ministerin Nicole Razavi MdL, Annika Bauer, Johannes Martin Schöckle und Salome Cynthia Schwarz.
Städtebau

Regierungsbaumeisterinnen und -baumeister verabschiedet

Ein Schüler mit Schutzbrille und Handschuhen in einer Autowerkstatt
Schule

Neues Portal zum Arbeits- und Gesundheitsschutz an Schulen

Gruppenbild auf der Bühne: Sozialminister Manne Lucha mit allen Preisträgern des Präventionspreises 2026
Gesundheit

Zwölf Projekte zur Gesundheits­prävention ausgezeichnet