Forschung

Auftaktveranstaltung des 3R-Netzwerkes Baden-Württemberg

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Mit dem Aufbau eines flächen­deckenden 3R-Netzwerks, das alle wesentlichen biomedizinischen Standorte im Land einbezieht, wählt Baden-Württemberg einen neuen Ansatz, um die wissen­schaftliche Forschung und den Tierschutz gleicher­maßen voranzubringen. Eine virtuelle Auftaktveranstaltung gab den Netzwerk­partnern Gelegenheit, ihre Vorhaben vorzustellen.

Tierversuche tragen in der Medizin zu einem besseren Verständnis von Erkrankungen bei und helfen bei der Entwicklung vieler neuer diagnostischer Verfahren und Therapien. Trotz der Entwicklung von Alternativen werden sie auch in der biomedizinischen Forschung auf absehbare Zeit noch ein notwen­diger Bau­stein bleiben. Dabei immer im Fokus der Wissenschaftlerinnen und Wissen­schaftler ist das 3R-Prinzip – also Tierversuche zu verbessern, zu verringern und wenn möglich zu vermeiden (Vermeidung, Verringerung, Ver­besserung = Replacement, Reduction, Refinement – 3R). Mit dem Aufbau eines flächen­deckenden 3R-Netzwerks, das alle wesentlichen biomedizinischen Standorte im Land einbezieht, wählt Baden-Württemberg einen neuen Ansatz, um die wissen­schaftliche Forschung und den Tierschutz gleicher­maßen voranzubringen. Eine virtuelle Auftaktveranstaltung gab den Netzwerk­partnern heute Gelegenheit, ihre Vorhaben vorzustellen.

Forschung und Tierschutz voranbringen

„Die biomedizinische Forschung spielt bei der Bewältigung der COVID-19-Pandemie eine entscheidende Rolle. Nur dank der jahrzehntelangen Grund­lagen­forschung konnte bereits ein Jahr, nachdem sich das Virus weltweit verbreitet hatte, eine Vielzahl an Impfstoffen gegen COVID-19 entwickelt und eingesetzt werden. Diese Impfstoffe würde es ohne Tierversuche nicht geben, und auch die Entwicklung von wirksamen Therapien wird ohne sie auf absehbare Zeit nicht aus­kommen. Wir brauchen deshalb mehr Alternativmethoden“, sagte Wissenschafts­ministerin Theresia Bauer. Umso entscheidender sei es, sowohl die Forschung als auch den Tierschutz voran­zubringen – „und das werden wir mit unserem 3R-Netzwerk Baden-Württemberg gemeinsam erreichen. Wir wollen aktiv dazu beitragen, die Anzahl der Tier­versuche in der Forschung zu reduzieren.“ Als wichtiger Standort der bio­medi­zinischen Forschung trage Baden-Württemberg eine besondere Verantwortung.

Thema von gesellschaftlicher Relevanz

„Mit dem 3R-Netzwerk Baden-Württemberg wollen wir die Expertise in der biomedizinischen Forschung im Land bündeln, die Sichtbarkeit der Aktivitäten erhöhen und eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit dem Thema Tierschutz in Forschung und Lehre gewährleisten“, betonte die Ministerin. Nicht nur die rund 200 Anmeldungen zur Auftaktveranstaltung zeigten die Relevanz des Themas, sondern auch das breite Teilnehmerfeld aus Wissenschaftlerinnen und Wissen­schaftlern, Tierschutzbeauftragten, Tierärztinnen und Tierärzten, Studierenden, Vertreterinnen und Vertretern aus Industrie und anderen 3R-Zentren wie auch Vertreterinnen und Vertretern von Tierschutzorganisationen.

Für den Aufbau des Netzwerks wird das Land in den nächsten fünf Jahren knapp vier Millionen Euro bereitstellen. Die beteiligten Hochschulen ergänzen diese Anschub­finanzierung des Wissenschaftsministeriums mit insgesamt fast drei Millionen Euro an Eigenmitteln, so dass in den nächsten Jahren knapp sieben Millionen Euro für das 3R-Netzwerk zur Verfügung stehen.

Einfacher Zugang zu neuartigen Alternativmethoden

„Ob bessere Medikamente, sichere Operationen oder das Wissen, wie man Organe verpflanzt: Die großen Fortschritte der Medizin in den vergangenen 150 Jahren waren nur durch den Austausch zwischen biomedizinischer Grundlagen­forschung und anwendungsorientierter klinischer Forschung möglich. Mit dem 3R-Netzwerk und insbesondere mit dem 3R-Center erhält die biomedizinische Forschung am Standort Tübingen einen weiteren wichtigen Impuls, in dem Bestreben, Tierschutz und Forschung noch weiter zu verbessern“, betonte Prof. Dr. Bernd Engler, Rektor der Universität Tübingen, die zusammen mit dem NMI Naturwissenschaftlichen und Medizinischen Institut in Reutlingen Trägerin des 3R-Centers ist.

Zum Auftakt des neu gegründeten 3R-Netzwerks Baden-Württemberg stellten die zehn Netzwerkpartnerinnen und -partner ihre geförderten Projekte in jeweils zehnminütigen Vorträgen vor. Die Auftaktveranstaltung des Netzwerks richtete das 3R-Center für In-vitro-Modelle und Tierversuchsalternativen im Auftrag des Wissenschaftsministeriums aus. „Mit unserem 3R-Center wollen wir Wissen­schaftlerinnen und Wissenschaftlern in Baden-Württemberg einen möglichst einfachen Zugang zu neuartigen Alternativmethoden bieten, mit dem Ziel, die Anzahl an Tierversuchen nachhaltig auf ein notwendiges Minimum zu redu­zieren“, sagte die Gründungsdirektorin des 3R-Centers und Direktorin des NMI Reutlingen, Prof. Dr. Katja Schenke-Layland.

Fünf Zentren bilden Grundgerüst des Netzwerks

Gemeinsam mit dem bereits im Frühjahr 2020 gegründeten 3R-Center für In-vitro-Modelle und Tierversuchsalternativen in Tübingen/Reutlingen werden künftig vier weitere Zentren das Grundgerüst des „3R-Netzwerk Baden-Württemberg“ bilden: das „3R-Zentrum Rhein-Neckar“ der Universität Heidelberg mit dem Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim, das „3R-US Netzwerk“ der Universität Stuttgart und des Robert-Bosch-Krankenhauses, das „CAAT-Europe“ (Center for Alternatives to Animal Testing in Europe) der Universität Konstanz mit der John Hopkins University und das „Interdisziplinäre Zentrum zur Erforschung von Darmgesundheit“ an der Universität Heidelberg. 

Aus- und Weiterbildung mit im Fokus

Darüber hinaus werden drei weitere Forschungsprojekte gefördert, die an den Universitäten in Heidelberg, Ulm und Freiburg beheimatet sind. Zusätzlich werden zwei Projekte aus dem Bereich Aus- und Weiterbildung an der Hoch­schule Reutlingen und an der Universität Ulm gefördert.

Landesweite Forschungskompetenz: Zehn Projekte in jeweils zehn Minuten

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