Schulpolitik

Gute Qualität für alle Schulen

Schülerinnen an Tafel

Kinder sind unsere Zukunft. Eine gute Bildung ist das Wichtigste, was wir ihnen mit auf den Weg geben können. Die Landesregierung investiert deshalb in die gute Qualität der Schulen.

Alle Kinder und Jugendlichen sollen – unabhängig von ihrer Herkunft – ihre Talente und Begabungen optimal entfalten und einen hochwertigen Bildungsabschluss erlangen können. Die Landesregierung investiert deshalb kräftig in die Bildung unserer Kinder.

Gute Bildung – von Anfang an

Die Grundschule legt die entscheidenden Fundamente für den weiteren Bildungsweg der Kinder. Die Landesregierung rückt die Grundschule noch stärker in den Mittelpunkt ihrer Bildungspolitik. Mit Beginn des Schuljahres 2016/2017 hat die Landesregierung die Fächer Deutsch und Mathematik durch jeweils zwei zusätzliche Unterrichtsstunden gestärkt – für bessere Grundfertigkeiten im Lesen, Schreiben und Rechnen.

Wir wollen mehr individuelle Förderung und damit mehr Methodenvielfalt, um vor allem Kinder  besser zu unterstützen.

Durch die Verschiebung des Fremdsprachenunterrichts stehen den Grundschulen künftig vier weitere Förderstunden zusätzlich zur Verfügung. Dabei ist die Stärkung der Basiskompetenzen in den Fächern Deutsch und Mathematik besonders wichtig.

Gemeinschaftsschule – bestmögliche individuelle Förderung

Die Gemeinschaftsschule bietet allen Kindern und Jugendlichen die bestmögliche individuelle Förderung und ein breites Spektrum an Schulabschlüssen an.

Mit dem Schuljahr 2012/2013 sind die ersten 41 öffentlichen Gemeinschaftsschulen an den Start gegangen. Seither entwickelt sich die neue Schulart zum Erfolgsmodell: Derzeit gibt es 306 öffentliche Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg. Das zeigt: Die neue Schulart kommt bei Kommunen, Lehrern, Eltern und Schülern gut an und ist breit im Land verankert.

Die Gemeinschaftsschulen bieten die Bildungsstandards von Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien an und führen zu den entsprechenden Bildungsabschlüssen. Das sind dieselben Abschlussprüfungen wie an den anderen Schularten. Die ersten Realschulabschlüsse haben die Schülerinnen und Schüler an den Gemeinschaftsschulen bereits erfolgreich abgelegt. Die Schule hat Lehrkräfte mit unterschiedlicher Lehrbefähigung und kann  Schülerinnen und Schüler bestmöglich nach ihren jeweiligen Voraussetzungen, Fähigkeiten und Interessen fördern.

Die Gemeinschaftsschule ist eine leistungsfähige und sozial gerechte Schule. Die Schülerinnen und Schüler lernen miteinander und voneinander in gemischten Lerngruppen, mit intensiver individueller Förderung. Lehrerinnen und Lehrer verstehen sich als Lernbegleiter. Sie  begleiten das Lernen mit Coachinggesprächen und ermöglichen so jedem Kind eine optimale Entwicklung.

Seit dem Schuljahr 2018/2019 führen erste Gemeinschaftsschulen auch eine gymnasiale Oberstufe. An dieser wird dasselbe Abitur wie an den allgemein bildenden Gymnasien abgelegt. Gemeinschaftsschulen können auf Antrag des Schulträgers eine Oberstufe einrichten, wenn insbesondere die gesetzlich vorgeschriebene Mindestschülerzahl von 60 Schülerinnen und Schülern prognostisch erreicht wird.

Mehr Ganztagsschulen für bessere Bildung

Wir schaffen ein flächendeckendes Angebot an Ganztagsschulen. Denn Ganztagsschulen sind ein wichtiger Baustein für bessere Lernleistungen, mehr Bildungsgerechtigkeit und zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Zahlreiche Eltern wünschen sich für ihre Kinder verbindliche Ganztagsangebote. Aus diesem Grund bauen wir die rhythmisierte Ganztagsschule in Verantwortung des Landes weiter aus und stärken sie qualitativ. Die Kinder nehmen dann verpflichtend am schulischen Ganztag teil, bei dem sich der Unterricht ausgewogen auf den Vor- und Nachmittag verteilt.

Die Gemeinschaftsschulen bleiben verbindliche Ganztagsschulen. Viele Eltern wünschen sich darüber hinaus ein flexibles Betreuungsangebot. Sie sollen auch künftig für ihre Kinder eine flexible Betreuung wählen können, die in Verantwortung der Kommunen organisiert wird. Das  Land unterstützt diese bisherigen kommunalen Betreuungsangebote  auch weiterhin durch Zuschüsse.

Während die rhythmisierte Ganztagsschule ein ganzheitliches Lernangebot bietet und eine deutlich stärkere pädagogische Schwerpunktsetzung hat, zielt die flexible Betreuung vorrangig auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die den Eltern so die gewünschte beziehungsweise benötigte Flexibilität bietet.

Ganztagsschulen werden dabei nicht „von oben“ verordnet. Sie werden nur dort eingerichtet, wo dies die Gemeinde und die Schulkonferenz wünschen. Die Familien in Baden-Württemberg sollen die erforderliche Wahlfreiheit haben. Auch an weiterführenden Schulen möchten wir die Ganztagsangebote zumindest bis zur siebten Klasse weiter ausbauen.

Die Grundschulempfehlung – Stärkung der Elternrechte

Eltern haben das letzte Wort bei der Frage, welche weiterführende Schule ihr Kind besuchen soll. Damit die aufnehmende Schule aber bereits zu Beginn des Schuljahres die organisatorischen und pädagogischen Maßnahmen treffen kann, um eine bestmögliche Förderung der Schülerinnen und Schüler sicherzustellen, ist die Empfehlung der Grundschule für die weiterführende Schulart bei der Anmeldung vorzulegen. Die Stärkung der Elternrechte bleibt erhalten.

Damit Eltern die richtige Entscheidung für ihr Kind treffen können, sollen die Schulen die Eltern bereits ab der ersten Klasse kontinuierlich beraten und so auf die später anstehende Entscheidung vorbereiten. Diese Beratungen beinhalten eine differenzierte kontinuierliche Beobachtung des Kindes. Ziel ist es, die Fähigkeiten, Talente und Potenziale zu erkennen.

Hauptschulen und Werkrealschulen

Haupt- und Werkrealschulen stärken die Basiskompetenzen insbesondere im Lesen, Schreiben und Rechnen sowie in den personalen und sozialen Bereichen und ermöglichen eine vertiefte Berufliche Orientierung. Die Haupt- und Werkrealschulen vermitteln eine grundlegende und erweiterte allgemeine Bildung und orientieren sich an lebensnahen Sachverhalten und Aufgabenstellungen. In besonderem Maße fördern sie praktische Begabungen, Neigungen und Leistungen.

Mit dem Haupt- beziehungsweise Werkrealschulabschluss haben Schülerinnen und Schüler durch das besondere Profil dieses Bildungsgangs die Möglichkeit, eine duale Berufsausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf zu beginnen oder an eine weiterführende berufliche Schule zu wechseln.

Wir stärken die Realschulen

Die Realschulen stehen vor der Herausforderung einer immer heterogeneren Schülerschaft.

In der Orientierungsstufe der Klassen 5 und 6 werden die Schülerinnen und Schüler gemeinsam auf Realschulniveau unterrichtet. Um die Kinder und Jugendlichen künftig noch besser entsprechend ihrer Begabung unterrichten zu können, werden ab der siebten Klasse zwei verschiedene Lernniveaus eingeführt. Die Realschulen können selbst entscheiden, ob sie ab Klassenstufe 7 innerhalb des Unterrichts differenzieren oder getrennte Klassen bilden, um die beste Art der Förderung anzubieten. Zur Umsetzung erhalten die Realschulen zusätzliche Poolstunden. Die Jugendlichen können an den Realschulen neben dem Realschulabschluss am Ende von Klasse zehn auch am Ende von Klasse neun den Hauptschulabschluss machen.

Das Gymnasium als tragende Säule

Das Gymnasium vermittelt eine breite und vertiefte Allgemeinbildung und führt zur allgemeinen Studierfähigkeit. Die Landesregierung hat in den vergangenen Jahren die Rahmenbedingungen der baden-württembergischen Gymnasien weiter verbessert. Dazu gehört die Erhöhung der Poolstunden, die ausschließlich für individuelle Förder- und Differenzierungsmaßnahmen in den Klassen dienen. Alle Gymnasien erhalten zwei Vertiefungsstunden für Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen in Klasse 10, damit der Übergang in die Kursstufe noch besser gelingen kann.

Mit der neuen gymnasialen Oberstufe und der Differenzierung in Basis- und Leistungsfächer gibt es mehr Qualität, mehr Flexibilität und mehr Raum für die Entfaltung individueller Begabungen auf dem Weg zum Abitur in Baden-Württemberg. Dabei wird die besondere Bedeutung der Grundlagenfächer Mathematik und Deutsch sowie der Fremdsprachen betont. Gleichzeitig wird ein Fokus auf die Naturwissenschaften gelegt.

Wir haben den Übergang vom Gymnasium auf die Hochschule wurde durch verbindliche Maßnahmen der Berufs- und Studienorientierung in der Kursstufe, die bestehende und bewährte Maßnahmen ergänzen, weiter verbessert. Zusätzliche Angebote wie Vertiefungskurse in Mathematik und Sprache unterstützen Schülerinnen und Schülern, die sich für ein Hochschulstudium im MINT-Bereich oder für textaffine Studienfächer interessieren, schon vor dem Abitur beim gelingenden Übergang vom Gymnasium an die Hochschule.

An den Modellschulen mit neunjährigem Bildungsgang führen wir den Schulversuch unverändert weiter, sofern die Schulträger eine Verlängerung beantragen.

Das hohe Niveau der baden-württembergischen Gymnasien wird auf diese Weise bewahrt und weiterentwickelt. Die Schülerinnen und Schüler am Gymnasium erhalten eine noch bessere und intensivere individuelle gefördert Förderung. Insbesondere auch im Exzellenzbereich, zum Beispiel bei der Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Spitzenbegabungen im MINT-Bereich.

Kinder mit und ohne Behinderung lernen gemeinsam

Wir leben in einer vielfältigen Gesellschaft: Menschen mit Behinderung gehören genauso dazu wie Menschen ohne Behinderung. Diese Vielfalt muss sich auch in unseren Schulen widerspiegeln. Deshalb bringen wir die Inklusion an unseren Schulen weiter konsequent voran: Eltern sollen selbst entscheiden können, ob ihr Kind eine Sonderschule oder eine Regelschule besucht.

Wir haben deshalb die Sonderschulpflicht für Kinder mit Behinderung zum Schuljahr 2015/2016 abgeschafft. Für Schülerinnen und Schüler mit Beeinträchtigungen, chronischen Erkrankungen und mit Behinderung  hält Baden-Württemberg ein gestuftes System der Hilfen vor.  Der sonderpädagogische Dienst steht zur Beratung und Unterstützung an allgemeinen Schulen  zur Verfügung, wenn dort Schülerinnen und Schüler mit Bedarf an sonderpädagogischer Beratung und Unterstützung unterrichtet werden. Mit der Schulgesetzänderung zum 1. August 2015 hat Baden-Württemberg den Elternwillen gestärkt und die Pflicht zum Besuch einer Sonderschule durch einen lernortunabhängigen Anspruch auf ein sonderpädagogisches Bildungsangebot ersetzt.  

Die Eltern können seither wählen, ob ihr Kind mit Anspruch auf ein sonderpädagogisches Bildungsangebot ein inklusives Bildungsangebot an einer allgemeinen Schule oder ein sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum besuchen soll. Zwischen den sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren und den allgemeinen Schulen besteht im Rahmen der institutionenbezogenen Zusammenarbeit eine fachliche Kooperation. Um die Einlösung des Bildungsanspruchs an den verschiedenen Lernorten zu sichern, hat Baden-Württemberg die Aus- und Fortbildung von Lehrkräften angepasst. Für den gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung wird das Land bis zum Jahr 2022 1.350 zusätzliche Lehrerinnen und Lehrer beschäftigen.

Die beruflichen Schulen

Die beruflichen Schulen begleiten junge Menschen beim Übergang in die Arbeitswelt, vermitteln ihnen eine berufliche Grundbildung oder einen berufsqualifizierenden Abschluss und eröffnen ihnen zudem Wege, höhere allgemeine Schulabschlüsse zu erreichen. Sie bieten die Möglichkeit zum Erwerb einer Hochschulzugangsberechtigung und vermitteln ebenso Qualifikationen der beruflichen Weiterbildung.

Die duale Berufsausbildung im Zusammenspiel von Berufsschule und Ausbildungsbetrieb sichert den notwendigen Fachkräftenachwuchs der heimischen Wirtschaft und ist ein bewährter Grundstein für eine erfolgreiche berufliche Karriere.

Die beruflichen Schulen bieten mit ihrem breiten Spektrum an Schularten und Bildungsgängen ein ideales Umfeld, damit die Schülerinnen und Schüler ihre individuellen Begabungen und Kompetenzen entfalten und weiterentwickeln können. Sie stellen sicher, dass junge Menschen ihren Platz im Berufsleben finden und durch ihre hohe Qualifikation den Standort Baden-Württemberg sichern.

Gute Unterrichtsversorgung hat Priorität

Eine gute Unterrichtsversorgung hat für die Landesregierung höchste Priorität. Deshalb stellt die Landesregierung rund 63,4 Millionen Euro pro Jahr für Vertretungslehrerinnen und -lehrer bereit, um schnell und flexibel reagieren zu können, wenn Unterricht kurzfristig wegen Krankheit ausfällt. Hinzu kommen Mittel für Mehrarbeitsunterricht von rund zwei Millionen Euro.

Schulsozialarbeit mit großer Nachfrage

Manchmal sind es Probleme in der Familie oder auf dem Pausenhof, die Schülerinnen und Schüler in den Schulleistungen bremsen. Deshalb ist die Schulsozialarbeit so wichtig. Die Beratung und Unterstützung durch Schulsozialarbeiter trägt zum Schulerfolg der Kinder und Jugendlichen und zu mehr Bildungsgerechtigkeit bei.

Die Landesregierung investiert daher weiter in den flächendeckenden Ausbau der Schulsozialarbeit. Denn wir können auf die Erfolge der vergangenen Jahre aufbauen. Über die Hälfte der Schulen im Land setzt mittlerweile auf Schulsozialarbeit. Bereits 2014 gab es fast 50 Prozent mehr Schulsozialarbeiter-Stellen im Südwesten als noch 2011.

Digitales Klassenzimmer

Die Digitalisierung prägt und verändert das Leben und Arbeiten der Menschen in unserem Land wie auch in der ganzen Welt. Schulen sind zentrale Orte der Bildung und Erziehung und deshalb müssen die jungen Menschen hier die Kenntnisse und Fähigkeiten erwerben, um sich reflektiert und auf einer gesicherten Informationsbasis in der Lebens- und Arbeitswelt von heute und morgen bewegen zu können. Gleichzeitig bieten aktuelle digitale Technologien zahlreiche neue pädagogische Chancen und Ansatzmöglichkeiten, um Schulunterricht wirksamer zu gestalten, zu bereichern, individualisierte Lernprozesse zu erleichtern oder auch junge Menschen mit Behinderung im Lernen zu unterstützen. Die Landesregierung begleitet die Schulen in Baden-Württemberg auf dem Weg in die digitale Zukunft eng und unterstützt sie intensiv bei den zahlreichen Herausforderungen. So haben wir beispielsweise eine Qualifizierungsoffensive für Lehrkräfte gestartet, die Medienbildung in den Bildungsplänen verankert und den Informatikunterricht ausgebaut. Mit Tabletprojekten an rund 100 Schulen erproben wir den Einsatz mobiler Endgeräte im Unterricht. In Ergänzung zu den künftigen Bundesmitteln aus dem DigitalPakt Schule stehen für Schulen in Baden-Württemberg zudem 150 Millionen Euro bereit, um die Digitalisierung voranzubringen – immer mit der klaren Maßgabe: Die Technik muss der Pädagogik folgen. Denn nur auf Basis fundierter pädagogischer Einsatzkonzepte kann die digitale Technik ihr Potenzial im Unterricht voll entfalten.

Das baden-württembergische Ministerium für Kultus, Jugend und Sport in Stuttgart.

Kontakt : Ministerium für Kultus, Jugend und Sport

Susanne Eisenmann, Ministerin für Kultus, Jugend und Sport (Bild: © dpa)

Porträt: Dr. Susanne Eisenmann

Ministerin für Kultus, Jugend und Sport

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m Rahmen des Mediencamps 2016 fanden am Stadtmedienzentrum Stuttgart verschiedene Workshops statt: unter anderem eine Hörspiel-Produktion, eine Trickfilm-Produktion, ein Video-Workshop sowie die ComputerSpielSchule Stuttgart. (Foto: Landesmedienzentrum BW / Christian Reinhold)
  • Medienbildung

Kreativen Umgang mit Medien lernen

Ob Mediencamps für Kinder und Jugendliche, Fortbildungen für Pädagogen oder die finanzielle Förderung medienpädagogischer Projekte – die Landesregierung unterstützt mit der Initiative „Kindermedienland Baden-Württemberg“ beim verantwortungsbewussten und kreativen Umgang mit Medien.

Grundschueler liest mit seinen Mitschuelern im Unterricht (Bild: © dpa).
  • Erklärfilm

So funktioniert die neue Ganztagsgrundschule

Besseres Lernen, mehr Bildungschancen, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Die Landesregierung baut die Ganztagsgrundschulen aus. Dabei setzen wir auf flexible Lösungen, die den jeweiligen Bedürfnissen vor Ort gerecht werden.