Mobilität

Land will erneuerbare Kraftstoffe voranbringen

Berechne Lesezeit
  • Teilen
Fotomontage aus vier Bildern mit Solarzellen, Getreidehalmen, Windrädern und Strommasten.

Die Landesregierung will zusammen mit Wirtschaft und Wissenschaft einen konkreten Fahrplan für die weitere Förderung von erneuerbaren Kraftstoffen entwickeln, die aus CO2 und Wasserstoff und mit Strom aus erneuerbaren Quellen hergestellt werden.

Erneuerbare Kraftstoffe sind aus Sicht der Landesregierung ein zentraler Baustein für die Verkehrswende hin zu einer klimaneutralen Mobilität. Das Landeskabinett votierte am Dienstag, 19. Januar 2021, dafür, zusammen mit Wirtschaft und Wissenschaft einen konkreten Fahrplan für die weitere Förderung dieser sogenannten ReFuels zu entwickeln, die aus CO2 und Wasserstoff und mit Strom aus erneuerbaren Quellen hergestellt werden. Das Verkehrsministerium wurde damit beauftragt, diese Roadmap zusammen mit anderen Ressorts zu erarbeiten.

ReFuels zentraler Baustein für klimaneutrale Mobilität

„Wir haben hohe Erwartungen in diese Roadmap für ReFuels“, sagte Verkehrsminister Winfried Hermann. „Wir wollen dafür sorgen, dass diese klimaneutralen Kraftstoffe in naher Zukunft in größeren Mengen produziert werden. Sie sollen insbesondere in Flugzeugen, im Schwerlastverkehr und in der Schifffahrt eingesetzt werden.“

Nach den Worten des Ministers eröffnet die Produktion von ReFuels auch große Chancen für die Industrie und für neue Jobs im Land. „Für den Aufbau einer globalen Versorgung mit synthetischen Kraftstoffen bedarf es vieler Anlagen wie Elektrolyseure und Chemiewerke. Das ist eine große Chance für den Anlagenbau. In diesem Wirtschaftssektor hat Deutschland und vor allem Baden-Württemberg eine große Kompetenz. In diesem Bereich könnten daher zahlreiche zukunftsfähige Arbeitsplätze entstehen. Damit könnte auch ein Teil der Arbeitsplatzverluste in Folge der Transformation im traditionellen Automobilsektor ausgeglichen werden. Eine Demonstrationsanlage bei der MiRO-Raffinerie in Karlsruhe soll hierfür die technologische Grundlage liefern.“

Da die Herstellung großer Mengen von Kraftstoffen unter Einsatz erneuerbarer Energie nur in wind- und sonnenreichen Regionen beispielsweise in Nordafrika oder in Südeuropa machbar sein wird, kann dies auch vielversprechende neue Ansätze für die Entwicklungszusammenarbeit ermöglichen.

Der Minister erklärte: „Für ReFuels können dieselben Infrastrukturen für den Transport und Vertrieb genutzt werden wie für herkömmliches Erdöl - Schiffe, Pipelines und Tankstellen. Damit muss auch weniger Geld in den Aufbau neuer Transportlogistik investiert werden, als wenn man Wasserstoff oder Strom über weite Strecken transportieren wollte.“

Die Voraussetzung, um erneuerbare Kraftstoffe auf den Markt zu bringen, ist ein regulatorischer Rahmen, der den Unternehmen Planungs- und Investitionssicherheit und damit die Basis für neue Geschäftsmodelle bietet. „Dafür brauchen wir auf der Bundesebene dringend eine Unterquote für ReFuels in der EU-Richtlinie Renewable Energy Directive (RED II) und eine Anhebung des Gesamtniveaus der Treibhausgasquote,“ sagte der Verkehrsminister.

Die vom Landeskabinett befürwortete Roadmap reFuels geht auf die genannten Themenbereiche vertieft ein. Dazu gehören Fragen wie die Kraftstoffbereitstellungspfade oder Szenarien zur Nachfrageentwicklung sowie Marktanalysen, Zielmärkte für Technologieexport, Partnerländer und internationale Wettbewerbsanalyse. Es werden sowohl politische Handlungsempfehlungen gegeben als auch konkrete Maßnahmen zur Umsetzung vorgeschlagen. In Kürze beginnt die Beteiligung der Öffentlichkeit zur Roadmap. Geplant sind Workshops mit den relevanten Akteuren aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verbänden und Politik. Im Rahmen der Beteiligung sollen weitere Maßnahmenvorschläge gesammelt werden.

Alternative Kraftstoffe

Das Verkehrsministerium hat in den letzten Jahren ausgehend von ersten Studien zur Treibhausgasquote und zum Beitrag strombasierter Kraftstoffe zum Klimaschutz im Verkehr seine Aktivitäten im Bereich alternativer Kraftstoffe stark ausgebaut. „Renewable Energy Fuels (ReFuels)“ sind Kraftstoffe, die auf der Grundlage erneuerbarer Energien hergestellt werden. Aus einem ersten Projekt im Rahmen des Strategiedialogs Automobilwirtschaft BW (SDA) im Jahr 2018 ist ein Programm mit abteilungs- und ressortübergreifenden Aufgaben geworden. Zur Koordination der Aktivitäten im Verkehrsministerium und darüber hinaus wurde die „Projektgruppe reFuels“ eingerichtet.

Mit dem im Januar 2019 beim Karlsruher Institut für Technologie (KIT) begonnenen Projekt „reFuels – Kraftstoffe neu denken“ untersuchen die Landesregierung, KIT und Partner aus der Automobil-, Automobilzuliefer- und Mineralölindustrie Herstellungs- und Anwendungsmöglichkeiten synthetischer Kraftstoffe, die mit Hilfe erneuerbaren Stroms erzeugt werden, um sie als Alternativen zu fossilen Treibstoffen zu etablieren. INERATEC ist im Projekt reFuels für die Konzeption und die Bereitstellung der Anlagen verantwortlich.

Ministerium für Verkehr: reFuels

Karlsruher Institut für Technologie: reFuels

IFEU/ ZSW (2018): Beitrag strombasierter Kraftstoffe zum Erreichen ambitionierter verkehrlicher Klimaschutzziele in Baden‐Württemberg. Kurzgutachten. Im Auftrag des Ministeriums für Verkehr Baden-Württemberg, Heidelberg/ Stuttgart, S. 44 (PDF)

IFEU (2017): Weiterentwicklung der THG-Quote als Instrument des Klimaschutzes. Im Auftrag des Ministeriums für Verkehr Baden-Württemberg, Heidelberg, S. 49 (PDF)

Weitere Meldungen

Zwei Grundschüler stehen an einer Straße vor einer Schule.
Verkehrssicherheit

Bewerbungen für Verkehrspräventionspreis ab jetzt möglich

Auszubildende in einer Berufsschule (Foto: © dpa)
Ausbildung

Duale Ausbildungsvorbereitung erhöht Karrierechancen

Firma WMB Ventilatoren GmbH in Obersontheim
Ländlicher Raum

Bewerbungstart für „Spitze auf dem Land!“

Transportroboter im öffentlichen Raum
Urbane Robotik

Land fördert robotische Systeme im städtischen Raum

Mittelständischer Betrieb in Baden-Württemberg bei der Taschenherstellung aus alten PET-Flaschen (Symbolbild, © dpa)
Wirtschaft

Landtag beschließt neugefasste Mittelstandsförderung

Ein Krebsforscher arbeitet in einem Labor des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen in Heidelberg mit einer Pipette. (Bild: picture alliance/picture alliance / dpa)
Gesundheitsschutz

PFOA-Belastung bei Einwohnern im Landkreis Rastatt sinkt weiter

Marktplatz Heilbronn, Videoschutz
Sicherheit

Landtag gibt Kommunen mehr Möglichkeiten zum Videoschutz

Marktplatz in Waiblingen
Städtebauförderung

270,63 Millionen Euro für 319 Städtebaumaßnahmen

Ländlicher Raum
Ländlicher Raum

Modernisierung Ländlicher Wege ist Zukunftssicherung

Ein Haus, dessen Grundgerüst aus Holz besteht, steht in einem Tübinger Neubaugebiet. (Bild: picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa)
Holzbau

Aktualisierte Holzbau-Richtlinie stärkt Klimaschutz und Wirtschaft

Ein Fliesenleger arbeitet an einer Wand mit Fliesen (Symbolbild). (Bild: Waltraud Grubitzsch / dpa)
Handwerk

Land fördert Deutsches Hand­werksinstitut mit 240.000 Euro

Gruppenbild Neuberufene
Hochschulen

Land begrüßt 368 neue Professorinnen und Professoren

Kabinettssitzung in der Villa Reitzenstein in Stuttgart
Landesregierung

Bericht aus dem Kabinett vom 3. Februar 2026

Kinder sind auf einer Straße mit dem Fahrrad unterwegs zur Schule. (Foto: © dpa)
Sicherer Schulweg

Mehr Verkehrssicherheit durch Schulstraßen und Schulzonen

Arbeiter bauen Präzisions-Klimasysteme zusammen, die für die Lithographie-Abteilung in der Chip Produktion eingesetzt werden.
Fachkräfte

Regionalprogramm Fachkräfte­sicherung bis 2027 verlängert