Wirtschaft

Umwelttechnikpreis 2019 verliehen

Logo Umwelttechnikpreis 2019 (Grafik: © Umweltministerium)

Das Umweltministerium hat zum sechsten Mal der Umwelttechnikpreis Baden-Württemberg verliehen. Der Preis ist mit 100.000 Euro dotiert und wird alle zwei Jahre in vier Kategorien verliehen. Er würdigt innovative Produkte und Verfahren in der Umwelttechnik.

Zum sechsten Mal hat das Umweltministerium heute den mit 100.000 Euro dotierten Umwelttechnikpreis Baden-Württemberg verliehen. Umweltminister Franz Untersteller übergab die Preise im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung in der Fellbacher Schwabenlandhalle. „Die Entwicklungsleistung der Unternehmen, deren Produkte und Verfahren wir hier auszeichnen, ist beeindruckend und faszinierend. Das trifft auf die ersten genauso wie auf die zweiten und dritten Preise zu“, sagte Untersteller. „Ich hoffe, dass der Umwelttechnikpreis dazu beiträgt, diese Produkte zum Nutzen der Umwelt und des Klimas bekannter zu machen und am Markt zu etablieren.“

Der Umwelttechnikpreis wird alle zwei Jahre in vier Kategorien verliehen und würdigt innovative Produkte und Verfahren in der Umwelttechnik. In diesem Jahr erhalten folgende Unternehmen für ihre Entwicklungen den Umwelttechnikpreis:

  • Kategorie Energieeffizienz: SEW Eurodrive, Bruchsal
  • Kategorie Materialeffizienz: NexWafe, Freiburg
  • Kategorie Techniken zur Emissionsminderung, Aufbereitung und Abtrennung: Hauraton, Rastatt
  • Kategorie Mess-, Steuer- und Regelungstechnik Industrie 4.0: Luftmeister, Kirchzarten
  • Sonderpreis in der Kategorie Energieeffizienz: Eisenmann Anlagenbau, Holzgerlingen

Umweltminister Franz Untersteller unterstrich bei der Preisverleihung die große und weiterwachsende Bedeutung innovativer Umwelttechnologien sowohl in ökonomischer als auch in ökologischer Hinsicht: „Viele Unternehmen werden im globalen Wettbewerb nur durch effiziente Technologien bestehen können. Ihre Anwendung ist unternehmerische Vernunft und praktischer Umweltschutz zugleich. Die Entwicklung solcher Technologien in Baden-Württemberg stärkt darüber hinaus den gesamten Wirtschafts- und Exportstandort.“

Die Gewinner des ersten Preises erhalten jeweils 9.000 Euro Preisgeld, die Gewinner eines zweiten Preises 7.000 Euro und die Gewinner eines dritten Preises 5.000 Euro. Der Sonderpreis ist ebenfalls mit 9.000 Euro dotiert.

Die weiteren Preisträger

2. Preis Energieeffizienz: Mahle International GmbH, Stuttgart – Corporate Startup chargeBIG: chargeBIG Ladeinfrastruktur im großen Stil

chargeBIG ist eine kostengünstige, skalierbare Ladeinfrastruktur mit sehr vielen Ladepunkten (18 bis 100+), die mehr E-Fahrzeuge (BEV) als bisher gleichzeitig laden kann, indem die verfügbare elektrische Leistung durch phasenindividuelles Lastmanagement intelligent auf alle ladenden BEVs verteilt wird. Dadurch ist sie besonders netzschonend und eine kostenintensive Erweiterung der Stromnetzanbindung kann vermieden werden. chargeBIG ist eine ideale Lösung für Flottenbetreiber und für Parkräume, in denen Fahrzeuge länger abgestellt werden. Das Ziel ist: Laden nicht so schnell wie möglich, sondern nur so schnell wie nötig. Damit unterstützt sie wesentlich den Ausbau der Ladeinfrastruktur und trägt zur Verbreitung der E-Mobilität bei.

3. Preis Energieeffizienz: Erdgas Südwest GmbH, Ettlingen: Schwimmende PV-Anlage zur Eigenversorgung von Kieswerksbetreibern

Die Jury schätzt an der Bewerbung, dass hier Baggerseen im Fokus stehen, die noch in Betrieb sind. Damit werden Flächen für Photovoltaik-Anlagen erschlossen, die nicht in konkurrierender Nutzung stehen. Außerdem werden die Auswirkungen auf die Umwelt sehr gering gehalten und die Anlage fügt sich unauffällig in das Landschaftsbild ein, da sie die Seefläche nur um 70 Zentimeter überragt und nur etwa zwei Prozent davon einnimmt. Durch die Pilotanlage werden jährlich rund 560.000 Kilogramm CO2 eingespart. Auch wenn gleichartige Anlagen im Ausland zum Teil bereits im Einsatz sind, soll die Vorbilds- und Verbreitungswirkung des Produkts durch den 3. Platz gewürdigt werden. Das Produkt ermöglicht einen klimaneutralen Kiesabbau und nutzt eine neue Flächenkulisse für die regionale Energiewende.

2. Preis Materialeffizienz: Lorenz GmbH & Co. KG, Schelklingen: Green Smart Meter G*SM – voll kreislaufwirtschaftsfähiger digitaler Hauswasserzähler

Der hochwertige Aufbau und das gezielte Design dieses Hauswasserzählers einschließlich eines Rücknahmesystems mit anschließendem Remanufacturing ermöglichen seinen mehrfachen Einsatz und so eine maßgebliche Senkung von Material, Kosten und Umweltauswirkungen. Als Qualitätsprodukt „Made in Germany“ bleibt es so wettbewerbsfähig gegenüber Low-cost-Fabrikaten zum Einmalgebrauch. Da Wasserzähler alle fünf Jahre vom Wasserversorger getauscht werden müssen, können bei einer realistisch anzunehmenden Wiederverwertungsquote von 80 Prozent jährliche Einsparungen gegenüber einer konventionellen Herstellung/Nutzung von 240.000 Kilogramm bleifreiem Messing, 40.000 Kilogramm Kunststoff, 32.000 Kilogramm Elektronik sowie, unter Berücksichtigung vermiedener Schmiede- und Fertigungsprozesse, 6.000.000 Kilowattstunden Strom und 3.162.000 Kilogramm CO2eq erzielt werden.

Essity, Mannheim: Tork Papier Circle – nachhaltiger Recyclingservice für Papierhandtücher

Die Firma Essity bietet den weltweit ersten nachhaltigen Recyclingservice für Papierhandtücher. Der Service hilft Unternehmen, bei Papierhandtüchern den Kreislauf zu schließen, indem sie nachhaltig und mit kurzen Transportwegen zu neuen Hygienepapierprodukten recycelt werden. Der Service enthält auch eine Entsorgungs- und Logistiklösung. Der CO2-Fußabdruck eines Unternehmens lässt sich so reduzieren.

3. Preis Materialeffizienz: J. Rettenmaier & Söhne GmbH + CO KG (JRS), Rosenberg: VIVAPUR CS Sensory 15S

Das Produkt VIVAPUR CS Sensory 15S ersetzt Mikroplastikpartikel, die nach wie vor in großem Umfang weltweit in Hautkosmetik und dekorativer Kosmetik eingesetzt werden. Im Gegensatz zu Mikrospheres mit einer Größe von über 100 µm ist es technologisch anspruchsvoll, solche in einer Größenordnung unter 30 Mikrometern (µm) ökonomisch herzustellen. Der ausschließliche Einsatz von natürlichen, nachwachsenden, biologisch abbaubaren Rohstoffen bietet dabei eine nachhaltige wie auch ökonomisch attraktive Lösung zur Reduktion des Eintrags von Mikroplastik in die Umwelt. Das Produkt zeichnet sich darüber hinaus durch hervorragende haptische Eigenschaften aus, und es bietet eine Alternative für den direkten Austausch von Kunststoff-Mikrospheres in kosmetischen „Leave-on” Produkten wie Lippenstift, Lidschatten, Mascara und Antifaltenprodukten zu einem attraktiven Kosten-Nutzen-Verhältnis.

2. Preis Emissionsminderung, Aufbereitung und Abtrennung: Kleemann GmbH, Göppingen: Effektive Lärmreduzierung in der mobilen Aufbereitungstechnik

Die Aufbereitung von Bauabfällen vor Ort ist eine wichtige Voraussetzung, die Bauabfälle sortenrein zu trennen, um daraus hochqualitative Recycling-Baumaterialien herstellen zu können. Häufig liegen Abrissgebiete in Wohngebieten, so dass aufgrund der hohen Lärmemissionen der Einsatz mobiler Aufbereitungsanlagen vor Ort nur bedingt genehmigt werden kann. Mit dieser Bewerbung wurde eine mobile Aufbereitungsanlage eingereicht, bei der durch gezielte Maßnahmen der Lärmpegel um bis sechs Dezibel gesenkt werden kann. Damit kann auch der Mindestabstand für die Arbeiten ohne Gehörschutz um bis zu 60 Prozent reduziert werden. Das eröffnet neue und umfangreichere Möglichkeiten, bei innerstädtischen Großprojekten Aufbereitungsanlagen vor Ort einzusetzen. Mit den bisher am Markt verfügbaren Anlagen war dies bisher nicht möglich.

3. Preis Emissionsminderung, Aufbereitung und Abtrennung: Schuko Bad Saulgau GmbH & Co. KG / Fraunhofer IPA, Bad Saulgau: ARS-Absaugsystem (Air Return System)

Das ARS-Absaugsystem nutzt anstelle des reinen Absaugens eine neuartige Kombination aus Abblasen und Absaugen. Über einstellbare Blasluftdüsen wird die Luft zielgerichtet über die Zerspanstelle in Richtung Absaugöffnung geblasen. Dort werden sämtliche Späne und Feinstäube erfasst und abgesaugt. Die Blasluftströmung hat eine 30-fach höhere Reichweite als Absaugströmungen. Mit diesem System werden vielfach mehr Späne und Stäube erfasst sowie die Staubemission am Arbeitsplatz und der Energiebedarf deutlich gesenkt. Die Marktchancen des Absaugsystems werden als herausragend eingeschätzt, da die Anlage die erste wirklich funktionierende und universell einsetzbare Lösung für die Fünf-Achs-Zerspanung darstellt. Hiervon können neben den etwa 20.000 Schreinereien und Möbel-/Messebauern auch die etwa 2.000 Lohnzerspaner in Deutschland (ein großer Anteil hiervon in Baden-Württemberg) profitieren.

2. Preis Mess-, Steuer- und Regeltechnik, Industrie 4.0: MAXX Mess- und Probenahmetechnik GmbH, Rangendingen: Pestizidprobenehmer

Das Gerät wird für das Kleingewässer-Monitoring eingesetzt. Es handelt sich um ein automatisches Probenahmegerät für Vorfluter oder Ablaufgräben in landwirtschaftlichen Gebieten, die ereignisgesteuert beprobt werden. Es stellt eine neue, einzigartige Kombination aus Partikelprobenahme, Flüssigprobe und großvolumiger Festphasenextraktion dar und ist für die mobile, netzunabhängige Überwachung von Gewässern geeignet. Die Proben werden bereits vor Ort aufbereitet und konserviert. Dies reduziert das Risiko verfälschter Untersuchungsergebnisse. Durch den minimalen Energieverbrauch bietet es extrem lange Standzeiten. Es ist manipulationssicher und mit einem GPS-Tracker und einer SMS-Einheit zur Datenübertragung ausgestattet. Damit lassen sich zum Beispiel Pestizidbelastungen sehr genau erheben.

3. Preis Mess-, Steuer- und Regeltechnik, Industrie 4.0: LOOXR GmbH, Leinfelden-Echterdingen: LOOXR – Die intelligente Software für smarte Druckluft

LOOXR überträgt den analogen Druckluftprozess in die Welt von Industrie 4.0. Die Software sorgt für mehr Prozesssicherheit und Energieeffizienz durch die Digitalisierung des gesamten Druckluftsystems. Mithilfe von Sensorik werden alle relevanten Werte gemessen und über ein CloudPlug in das LOOXR Online-Portal übertragen. Es ist möglich, die Anlage zu monitoren, zu analysieren und Schwachstellen im System frühzeitig zu erkennen und zu beheben. Besonders hervorzuheben ist, dass Nutzer die technische Anbindung aus einem herstellerunabhängigen Vertragspartner-Pool auswählen können. Mit der Smartphone-App können Druckluftleckagen digital erfasst und sofort ökologisch und ökonomisch bewertet werden. Es können Zeiträume verglichen und Reports für Audits, Umwelterklärungen oder Nachhaltigkeitsberichte erstellt werden. Produktions- und Instandhaltungsleiter werden so beim Condition Monitoring und Predictive Maintenance unterstützt.

Sick AG, Waldkirch: MARSIC300 – Mit Sicherheit auf gutem Kurs

Mit dem Schiffsemissions-Messgerät MARSIC bietet SICK die innovative Lösung zur verlässlichen Emissionsmessung auf Schiffen nach international gültigen Maßstäben. Es überzeugt durch sein modulares Gehäusekonzept. Speziell für den Einsatz auf Schiffen konzipiert, zeichnet es sich durch sehr einfache Wartung und leicht austauschbare Module aus. Über einen Remote Service steht auch schnelle Expertenhilfe zur Verfügung.

Umwelttechnikpreis Baden-Württemberg

Der Umwelttechnikpreis Baden-Württemberg wird alle zwei Jahre für hervorragende Produkte verliehen. Das Preisgeld beträgt 100.000 Euro und wird auf vier Kategorien und einen Sonderpreis der Jury verteilt. Die Kategorien sind: 

  • Energieeffizienz
  • Materialeffizienz
  • Techniken zur Emissionsminderung, Aufbereitung und Abtrennung
  • Mess-, Steuer- und Regelungstechnik Industrie 4.0

Der Sonderpreis der Jury wird ebenfalls in einer dieser Kategorien verliehen und orientiert sich an aktuellen umweltpolitischen Herausforderungen und technischen Erfordernissen.

Teilnahmeberechtigt für den Umwelttechnikreis sind Unternehmen mit Sitz oder einer Niederlassung in Baden-Württemberg. Ausgezeichnet werden Produkte, die einen bedeutenden Beitrag zur Ressourceneffizienz und Umweltschonung leisten und kurz vor der Markteinführung stehen oder nicht länger als zwei Jahre am Markt sind.

Umwelttechnikpreis Baden-Württemberg​​​​​​​

Umweltministerium: Preis Kategorie „Emissionsminderung, Aufbereitung und Abtrennung“

Umweltministerium: Preis Kategorie „Materialeffizienz“

Umweltministerium: Preis Kategorie „Mess-, Steuer- und Regeltechnik, Industrie 4.0“

Umweltministerium: Sonderpreis

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