Bildung

MINT-Exzellenzgymnasium vernetzt Schule, Universität und Wirtschaft

Berechne Lesezeit
  • Teilen
Ein Lehrer erklärt Schülerinnen etwas im Unterricht (Bild: © Ministerium für Kultus, Jugend und Sport BW).

Um leistungsstarke und hochbegabte Schülerinnen und Schüler in Baden-Württemberg bestmöglich zu fördern, plant die Landesregierung in Bad Saulgau ein MINT-Exzellenzgymnasium mit Internat. Damit werden höchstwertige Bildungsangebote in den technischen und naturwissenschaftlichen Fächern angeboten.

Jede Schülerin und jeder Schüler soll entsprechend der individuellen Fähigkeiten gefördert werden. Das ist das Ziel des Kultusministeriums – und gilt selbstverständlich auch für die leistungsstarken und hochbegabten Schülerinnen und Schüler in Baden-Württemberg. Daneben kommt der Förderung der MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) eine besondere Bedeutung zu. Daher plant die Landesregierung ein MINT-Exzellenzgymnasium mit Internat in Landesträgerschaft, das erstmals allen Schülern im Südwesten höchstwertige Bildungsangebote in den MINT-Fächern anbietet.

Das Projekt in Bad Saulgau, wo mit dem dortigen Schülerforschungszentrum bereits ein Hotspot der MINT-Förderung beheimatet ist, führt die generelle Stärkung der Naturwissenschaften im Speziellen fort und füllt die Leerstelle in der Exzellenzstrategie des Landes im MINT-Segment. Zudem stärkt es die bestehende Hochbegabtenförderung Baden-Württembergs um das erfolgreiche Landesgymnasium für Hochbegabte in Schwäbisch Gmünd sowie den 15 derzeit eingerichteten Hochbegabtenzügen an Gymnasien im Land. Das Vorhaben, an dem die vier Ministerien Kultus, Wissenschaft, Finanzen und Wirtschaft beteiligt sind, hat Kultusministerin Susanne Eisenmann nun erneut im Kabinett vorgestellt – nach einem ersten, grundsätzlichen Beschluss im November 2017.

„Mit diesem Leuchtturmprojekt nehmen wir unsere besonders motivierten und leistungsbereiten Schülerinnen und Schüler in den Blickpunkt, um sie gezielt zu fördern und internationale Spitzenleistungen in den MINT-Fächern zu ermöglichen“, sagt Susanne Eisenmann und fügt an: „Dies ist ein wichtiger Schritt, um unsere Exzellenzförderung voranzutreiben und bei der Qualität wieder die Spitze in Deutschland zu werden.“ Gerade in den MINT-Fächern brauche Baden-Württemberg Perspektiven für den hochbegabten und leistungsstarken Nachwuchs, denn besonders der digitale Wandel sowie die technologischen Herausforderungen bestimmten den Erfolg einer Region in der Zukunft.

Brücke von Schule zu Universität und weiter zu Unternehmen

Diese Förderung soll in Bad Saulgau mit einem starken Fokus auf die Verzahnung von Gymnasium, Universität und Wirtschaft geschehen – sowohl bei den Bildungsplänen als auch bei der Organisation. Dazu wird eine Brücke vom Gymnasium zur Universität und weiter zu den Unternehmen gebaut, und das funktioniert so: Die Schüler werden an der Schule mit einem besonderen Schwerpunkt auf den Fächern Mathematik, Physik, Chemie, Biologie, Informatik und Technik/Wirtschaft gefördert. Sie erhalten zudem Einblicke in Forschung und Lehrveranstaltungen an der Universität und können im Rahmen des Schülerstudiums bereits „Scheine“ für ein folgendes Studium machen. Im Rahmen von mehrwöchigen Praktika bringen die Schüler ihre Kompetenzen in Unternehmen ein und können sich in einem betrieblichen Umfeld ausprobieren. Mit den jeweils dabei erworbenen Zertifikaten haben sie gute Voraussetzungen, ihre Fähigkeiten in den MINT-Fächern auch im Studienfach ihrer Wahl und später in einem Unternehmen in Baden-Württemberg zeigen zu können. Innovative und kooperative Projektangebote von Schule, Universität und Wirtschaft, beispielsweise in Analogie zum so genannten „Cyber Valley“ im Raum Stuttgart/Tübingen, bringen die Schülerinnen und Schüler bereits während ihrer Zeit am Exzellenzgymnasium mit Zukunftsthemen wie Künstliche Intelligenz (KI) oder Industrie 4.0 in Kontakt.

Deutschlandweit Vorbildcharakter in der MINT-Förderung

„Mit diesem Brückenschlag zwischen Gymnasium, Universität und Wirtschaft liefern wir den Schülern einen starken Nährboden, auf dem ihr Talent und ihre Leistungsfähigkeit wunderbar gedeihen können“, sagt Susanne Eisenmann. „Das Exzellenzgymnasium hat nicht nur für Baden-Württemberg, sondern deutschlandweit Vorbildcharakter und ermöglicht uns hier im Südwesten im Besonderen, unsere leistungsstarken und hochbegabten Schüler früh an unsere starke Wirtschaft zu binden.“ Das Schülerpotenzial für eine Spitzenförderung in den MINT-Fächern sei im Land definitiv vorhanden, und von der engen Kooperation profitierten nicht nur die Schüler des Exzellenzgymnasiums, sondern auch die Universitäten in Tübingen, Hohenheim und Stuttgart sowie die Unternehmen in Ballungsgebieten und im ländlichen Raum.

Die Eckpunkte für das pädagogische Konzept hat das Kultusministerium gemeinsam mit Vertretern der Wirtschaft (Südwestmetall, MAHLE, Aesculap), der Universitäten Tübingen und Ulm sowie des Schülerforschungszentrums in Bad Saulgau entwickelt. „Internat“, „MINT-Lehrplan“ sowie die Module „Wirtschaft“ und „Universität“ sind dabei die Schlagworte. Das MINT-Exzellenzgymnasium soll als Internatsschule für die Klassen 10 bis 12 geführt werden. Es ist vierzügig geplant, der Klassenteiler soll wie bei vergleichbaren Einrichtungen bei 16 liegen, sodass bis zu 192 Schülerinnen und Schüler in Bad Saulgau auf das Abitur vorbereitet werden können. In einem zweistufigen Aufnahmeverfahren müssen die Schüler ihre überdurchschnittlichen Leistungen in den MINT-Fächern und einen hohen Intelligenzquotienten nachweisen. Zudem müssen sie über eine hohe soziale Kompetenz verfügen, die Voraussetzung für das Lernen im Exzellenzgymnasium und das Leben im Internat ist.

Wissenschaftliche Begleitung durch das Hector-Institut

Als Standort eignet sich Bad Saulgau schon aufgrund des dortigen Schülerforschungszentrums, das bundesweit und international erfolgreich in der Förderung des MINT-Nachwuchses ist. Von dieser Kompetenz wird das Exzellenzgymnasium profitieren, das selbst als Gemeinschaftsidee der bewährten Kooperation der Forschungseinrichtung mit der Wirtschaft und den Universitäten entstanden ist.

Die Qualitätskontrolle für das Projekt übernimmt das Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, das die Schule in einer Längsschnittstudie über einen Zeitraum von mindestens 15 Jahren untersucht. In der wissenschaftlichen Begleitung wird beispielsweise analysiert, wie sich der Besuch des MINT-Exzellenzgymnasiums auf die Schulleistungen oder auf die Aufnahme eines Studiums im MINT-Bereich auswirkt.

„Zukunftsorientierte Gemeinschaftsidee“

Das Exzellenzgymnasium wird seine Heimat in der ehemaligen japanischen Schule Toin Gakuen finden, die seit 2012 leer steht. Das Ministerium für Finanzen hat investive Kosten in Höhe von etwa 80 Millionen Euro errechnet. Das betrifft vor allem die baulichen Vorhaben und die Ausstattung. Nach heutiger Sicht werden die laufenden Kosten ab Inbetriebnahme dann ungefähr sechs Millionen Euro pro Jahr betragen, darunter fallen Personal-, Betriebs- oder Evaluationskosten. „Das ist insgesamt viel Geld, doch jeder Cent ist gut angelegt und wird am Ende mit einem Mehrwert in den Standort Baden-Württemberg zurückfließen“, sagt Susanne Eisenmann. Zumal die Verhandlungen mit der Wirtschaft über deren finanzielle Beteiligung noch laufen.

Die Idee findet jedenfalls uneingeschränkte Unterstützung von Landkreis, Kommune und den Unternehmen. „Das Exzellenzgymnasium ist ein Paradebeispiel für ein zukunftsorientiertes Gemeinschaftsprojekt. Politik, Wirtschaft und Wissenschaft stehen voll dahinter. Das sind hervorragende Voraussetzungen, die wir dann alle zusammen in einem professionell und erfolgreich gelebten Schulalltag umsetzen müssen“, sagt die Kultusministerin.

Baden-Württemberg hat seit den 1980er Jahren Angebote zur Begabten- und Hochbegabtenförderung konsequent auf- und ausgebaut – beginnend mit den Begabten-AGs, dann mit Kinder- und Jugendakademien, dem Landesgymnasium für Hochbegabte in Schwäbisch Gmünd und den Hochbegabtenklassen an ausgewählten Gymnasien. All diese Maßnahmen bieten begabten und hochbegabten Kindern und Jugendlichen durch Akzeleration, also der beschleunigten Behandlung des Unterrichtsstoffs, und durch Enrichment, das heißt mit zusätzlichen Angeboten, die über den regulären Unterricht hinausgehen, eine besondere, zu ihren Begabungen passende Förderung. Die Standorte erfassen die geographischen Räume des Landes, sodass für fast jedes hochbegabte Kind in zumutbarer Entfernung ein seiner Begabung entsprechendes Angebot erreichbar ist.

Kultusministerium: 3 Fragen, 3 Antworten zu MINT-Exzellenzgymnasium

Weitere Meldungen

Marktplatz in Waiblingen
Städtebauförderung

270,63 Millionen Euro für 319 Städtebaumaßnahmen

Ländlicher Raum
Ländlicher Raum

Modernisierung Ländlicher Wege ist Zukunftssicherung

von links nach rechts: Amtschef des Ministeriums der Justiz und für Migration Elmar Steinbacher, Ministerin der Justiz und für Migration Marion Gentges, Präsident des Landgerichts Ravensburg Matthias Grewe, Präsident des Oberlandesgerichts Stuttgart Dr. Andreas Singer
Justiz

Neuer Präsident des Landgerichts Ravensburg

Ein Haus, dessen Grundgerüst aus Holz besteht, steht in einem Tübinger Neubaugebiet. (Bild: picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa)
Holzbau

Aktualisierte Holzbau-Richtlinie stärkt Klimaschutz und Wirtschaft

Ein Fliesenleger arbeitet an einer Wand mit Fliesen (Symbolbild). (Bild: Waltraud Grubitzsch / dpa)
Handwerk

Land fördert Deutsches Hand­werksinstitut mit 240.000 Euro

Gruppenbild Neuberufene
Hochschulen

Land begrüßt 368 neue Professorinnen und Professoren

Kabinettssitzung in der Villa Reitzenstein in Stuttgart
Landesregierung

Bericht aus dem Kabinett vom 3. Februar 2026

Kinder sind auf einer Straße mit dem Fahrrad unterwegs zur Schule. (Foto: © dpa)
Sicherer Schulweg

Mehr Verkehrssicherheit durch Schulstraßen und Schulzonen

Arbeiter bauen Präzisions-Klimasysteme zusammen, die für die Lithographie-Abteilung in der Chip Produktion eingesetzt werden.
Fachkräfte

Regionalprogramm Fachkräfte­sicherung bis 2027 verlängert

Gruppenbild Pou der Hinematioro mit Māori
Kunst und Kultur

Ahnenbild kehrt nach 250 Jahren zu den Māori zurück

Ein Reh springt bei Bodnegg (Baden-Württemberg) über eine Wiese, auf der Löwenzahn blüht. (Bild: picture alliance/Felix Kästle/dpa)
Naturschutz

5,9 Millionen Euro für Naturschutzprojekte

Flurneuordnung Schefflenz-Oberschefflenz
Ländlicher Raum

Flurneuordnung in Walldürn schreitet zügig voran

Eine Mitarbeiterin demonstriert im 3D-Druck-Applikationszentrum des Maschinenbauers Trumpf in Ditzingen die Bedienung einer 3D-Druck-Maschine per Tablet. (Foto: © dpa)
Innovation

Industrienahe Dienstleistungen als Wachstumstreiber

von links nach rechts: Wissenschaftsministerin Petra Olschowski, Prof. Dr. Gerhard Huisken, Prof. Dr. Karla Pollmann (Rektorin der Eberhard Karls Universität Tübingen)
Forschung

Bundesverdienstkreuz für Prof. Dr. Gerhard Huisken

Logo der Staatspreise „Gestaltung Kunst Handwerk 2026“
Wettbewerb

Staatspreise „Gestaltung Kunst Handwerk 2026“ zu vergeben