Corona

Wo stehen wir in Sachen Corona?

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Die Infektionszahlen sind glücklicherweise in Baden-Württemberg stabil im unteren zweistelligen Bereich. Warum gelten aber trotzdem weiter Maßnahmen wie die Maskenpflicht beim Einkaufen oder im Nahverkehr? Wir erklären, warum wir immer noch vorsichtig sein müssen und wieso das Virus schnell wieder zurückkehren könnte.

Das Heimtückische an einer Virus-Epidemie ist, dass sie sich exponentiell verbreitet. Stark vereinfacht gesprochen bedeutet das, einer steckt zwei an, zwei stecken vier an, vier stecken acht an, acht stecken 16 an und so weiter. Beim Corona-Virus wissen wir zudem inzwischen, dass sich das Virus auch vor allem durch sogenannte Superspreading-Events verbreitet. Eine Person steckt also gleichzeitig sehr viele Menschen an. Das passiert vor allem dort, wo viele Menschen in geschlossenen Räumen zusammenkommen. Tanzen, Singen oder auch Sport – also Tätigkeiten bei denen es eine erhöhte Aerosol-Produktion gibt – steigern das Infektionsrisiko deutlich. Deswegen sind etwa Singen und Tanzen auf Veranstaltungen nur unter sehr strengen Auflagen erlaubt oder ganz untersagt. Beim Sport ist auf ausreichende Durchlüftung und Abstände zu achten. Kontaktsportarten sind weiterhin nicht möglich.

Auch wenn es in Baden-Württemberg derzeit glücklicherweise nur sehr wenige Infizierte gibt, dürfen wir jetzt nicht alle Vorsichtsmaßnahmen fallen lassen. Viele Superspreading-Events der vergangenen Wochen haben gezeigt, dass Leichtfertigkeit hier fatal sein kann. Daher müssen wir weiter auf Hygiene- und Abstandsregeln achten. Dort, wo wir keinen Abstand halten können, müssen wir leider auch weiter Masken tragen.

Zahlreiche Studien haben gerade in jüngster Zeit wieder gezeigt, dass auch einfache Masken das Infektionsrisiko deutlich senken können – Links zu den Studien finden Sie am Ende des Textes. Dabei ist es natürlich wichtig, dass man richtig mit den Masken umgeht. Eine Faustregel: Behandeln Sie die Masken wie Unterwäsche. Lassen Sie nichts raushängen, wechseln Sie sie regelmäßig, legen Sie getragene Masken nicht auf Tische oder Anrichten und zerknüllen Sie getragene Masken nicht in der Hand. Fassen Sie die Maske nur an den Trägern oder Haltebändern an.

Dabei schützen Masken in erster Linie nicht den Träger vor einer Infektion, sondern davor, dass jemand der möglicherweise infiziert ist, andere ansteckt. Sie schützen also andere und andere schützen Sie.

Die geringen Infektionszahlen sind eine trügerische Sicherheit

Eine weitere heimtückische Eigenheit gerade von SARS-CoV-2 ist, dass man bereits ansteckend ist, bevor man sich selbst krank fühlt. Bei manchen Personen hat die vom Virus ausgelöste Krankheit COVID-19 (Corona Virus Desease) gar einen komplett asymptomatischen Verlauf. Die Personen fühlen sich also überhaupt nicht krank, können das Virus aber weitergeben. Was klingt, wie in einem schlechten Horrorfilm ist derzeit aber unsere Lebenswirklichkeit.

Die oben schon erwähnte geringe Zahl von Infizierten bedeutet noch nicht, dass wir die Pandemie hinter uns haben und sie jetzt langsam von alleine abklingt. Denn am Anfang ging die weltweite Verbreitung von wahrscheinlich einer oder ein paar Personen aus. Auch nach Baden-Württemberg kam das Virus nur durch vergleichsweise wenige Personen. Binnen kürzester Zeit hatten wir in Baden-Württemberg täglich vierstellige bestätigte neue Fälle.

Diese Dynamik ließ sich nur durch die zu Beginn sehr strikten Kontaktbeschränkungen und Schließungen wieder in den Griff bekommen. 

Klarer Beleg für die Wirksamkeit der Maßnahmen

Das zeigt sich, wenn Sie die Infektionszahlen anschauen. In der Kalenderwoche (KW) 12 (16. bis 22. März) – also zu Beginn Schulschließungen, des weitestgehenden Verbots jeglicher Veranstaltungen und der Kontaktbeschränkungen – gab es 22.420 Neuinfektionen in Deutschland.

  • KW 13 (23. bis 29. März): 34.000
  • KW 14 (30. März bis 5. April): 36.103
  • KW 15 (6. bis 12. April): 27.179
  • KW 16 (13. bis 19. April): 17.345
  • KW 17 (20. bis 26. April): 12.410
  • KW 18 (27. April bis 3. Mai): 7.454
  • KW 19 (4. bis 10. Mai): 6.235
  • KW 20 (11. bis 17. Mai): 4.729
  • KW 21 (18. bis 24. Mai): 3.605
  • KW 22 (25. bis 31. Mai): 3.125

(Quelle: Robert Koch-Institut)

Hier zeigt sich deutlich, dass bis zu Beginn der Kontaktbeschränkungen die Zahlen massiv angestiegen sind und erst ab der KW 15 wieder Rückläufig waren. Durch die lange Inkubations- und Diagnosezeit von bis zu zwei bis drei Wochen, zeigt sich die Wirkung einer Maßnahme nur mit eben dieser Verzögerung – die Personen die in der KW 16 diagnostiziert wurden, haben sich höchstwahrscheinlich in der KW 13 oder 14 angesteckt. Es ist also eindeutig an den Zahlen abzulesen, dass die Kontaktbeschränkungen einen erheblichen Teil dazu beigetragen haben, die Neuinfektionen zu reduzieren. Es gibt auch schon erste Untersuchungen dazu, warum wir vergleichsweise gut durch die erste Phase der Krise gekommen sind. Eine Untersuchung in der renommierten Wissenschaftszeitschrift Science (englisch) kommt zum Ergebnis, dass nur wirksame Kontakteinschränkungen die positiven Ergebnisse ermöglicht haben: Weniger starke Einschränkungen hätten die Ausbreitung des Virus nicht verhindert. Und ein späterer Beginn hätte eine Ausbreitung nicht mehr verhindert

Nur eine Person kann für einen neuen Infektionsherd sorgen

Wie schnell es auch wieder in die andere Richtung gehen kann, zeigen immer wieder neu aufflammende Infektionsherde, wir kürzlich in Magdeburg. Die Stadt war eigentlich nahezu coronafrei. Wahrscheinlich hat ein Eintrag dafür gesorgt, dass sich das Virus wieder unter den Einwohnerinnen und Einwohnern verbreitet hat. Das hat unter anderem dazu geführt, dass Lockerungen zurückgedreht werden mussten, um den Ausbruch eindämmen zu können.

Derzeit sieht alles danach aus, dass wir mit Abstand halten, Hygieneregeln beachten und an einigen wenigen Orten Maske tragen, die Infektionszahlen weiter unter Kontrolle halten können. Und letztlich geht es unter dem Strich genau darum. Wir müssen verhindern, dass die täglichen Infektionszahlen in Baden-Württemberg wieder in den drei oder gar vierstelligen Bereich kommen. Denn dann wird es wieder nahezu unmöglich Infektionsketten nachzuverfolgen. Personen mit einem schweren Verlauf müssen ins Krankenhaus und brauchen bis zu vier Wochen Intensivbetreuung – kurzum dann stehen wir wieder da, wo wir Ende März waren. Der von uns allen hart erarbeitete Erfolg gegen das Virus wäre verloren. Um dann wieder die Kontrolle über das Infektionsgeschehen bekommen zu können, bräuchte es ähnliche Maßnahmen wie damals.

Jede unterbrochene Infektionskette zählt

Die neue Corona-Warn-App ist ein weiterer wichtiger Baustein. Sie kann helfen, Infektionsketten schneller zu unterbrechen – eine Nachverfolgung ist aufgrund des hohen Anspruchs an den Datenschutz durch die App nur sehr eingeschränkt möglich – denn die App weiß nicht, wem das Smartphone gehört, auf dem sie installiert ist. Ihre beste Wirkung entfaltet die App, wenn sie möglichst viele Menschen nutzen. Ideal wären mindestens 60 Prozent der Bevölkerung. Aber auch wenn weniger Menschen mitmachen, ist sie nützlich. Denn jede unterbrochene Infektionskette ist am Ende ein Vorteil, den wir gegenüber dem Virus bekommen und nutzen können.

Die Landesregierung möchte selbstverständlich auch selbst schnellstmöglich wieder zum Normalzustand zurück. Die Maßnahmen verlangen trotz der Lockerungen weiter viel von uns ab. Das ist uns bewusst und trifft Sie genauso wie uns. Es gibt hier keinen Politiker- oder Beamtenrabatt. Daher überprüfen wir permanent alle Maßnahmen anhand des aktuellen Infektionsgeschehens und dem ständig wachsenden Wissen über das Virus und die Krankheit. Dabei gibt es nicht den einen Wissenschaftler, der alleine das Vorgehen bestimmt – so funktioniert Wissenschaft nicht und auch Politik kann so nicht gut funktionieren.

Wir beraten uns mit einer ganzen Bandbreite von Expertinnen und Experten aus zahlreichen Fachgebieten, die selbst forschen und die nationale und internationale Studien- und Forschungslage intensiv beobachten, auswerten, diskutieren und beurteilen. Nicht zuletzt sitzen in den Fachabteilungen der Landesministerien und in den Gesundheitsämtern zahlreiche Expertinnen und Experten aus Theorie und Praxis zu Gesundheit und Medizin, Bildung, Erziehung, Wirtschaft und vielen weiteren relevanten Themengebieten, zum Beispiel auch Ärztinnen und Ärzte sowie Fachkräfte aus der Pflege.

Studien zur Wirksamkeit von Masken

Spektrum.de: Späte Kehrtwende

Spiegel.de: Studie bestätigt Schutzwirkung von Masken vor Coronavirus

Johannes Gutenberg-Universität Mainz: Masken tragen offenbar deutlich zur Eindämmung der Corona-Pandemie bei

The Lancet (englisch): Physical distancing, face masks, and eye protection to prevent person-to-person transmission of SARS-CoV-2 and COVID-19: a systematic review and meta-analysis

BMJ Global Health (englisch): Reduction of secondary transmission of SARS-CoV-2 in households by face mask use, disinfection and social distancing: a cohort study in Beijing, China

The Royal Society Publishing (englisch): A modelling framework to assess the likely effectiveness of facemasks in combination with ‘lock-down’ in managing the COVID-19 pandemic

Weitere Informationen zur Corona und den Corona-Maßnahmen in Baden-Württemberg

Alle Informationen der Landesregierung rund um Corona

Aktuelle Meldungen der Landesregierung zu Corona

Fragen und Antworten zu den Corona-Maßnahmen der Landesregierung

Überblick der aktuellen Corona-Verordnungen

Disclaimer

Der Text stammt vom 19. Juni 2020. Da wir uns in einer immer noch sehr dynamischen Lage befinden, können sich kurzfristig Änderungen ergeben. Wir werden den Text möglichst aktuell halten und Änderungen hier transparent aufzeigen.

Die Online-Redaktion des Staatsministeriums

Quelle:

/red
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