Naturschutz

Wildbienen-Glück im ganzen Land

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Wildblumen, wie die Glockenblume, bieten Pollen für Wildbienen.
Wildblumen, wie die Glockenblume, bieten Pollen für Wildbienen.

Im Rahmen des Kooperationsprojekts „Natur nah dran“ erhalten 15 neue Projekt-Kommunen eine Förderung für insektenfreundliche Grünflächen. Insgesamt wurden bereits 106 Kommunen gefördert, über 1.000 Teilnehmende in Workshops geschult und 250.000 Quadratmeter naturnah umgestaltet.

Wildblumen und -stauden blühen bald in 15 weiteren Städten und Gemeinden in Baden-Württemberg. Mithilfe der Förderung im Projekt „Natur nah dran“ entstehen dort Blumenwiesen, Trockenmauern für Eidechsen und sandige Bodenstellen für Wildbienen. Das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg und dem Naturschutzbund (NABU) Baden-Württemberg unterstützen mit dem Kooperationsprojekt „Natur nah dran“ die ausgewählten Kommunen mit jeweils bis zu 15.000 Euro.

Die Auswahl-Jury aus Umweltministerium, NABU, Städtetag und Gemeindetag Baden-Württemberg hat folgende Kommunen ausgewählt: Aichwald, Bad Dürrheim, Bad Friedrichshall, Binzen, Bötzingen, Brackenheim, Deggingen, Durmersheim, Efringen-Kirchen, Karlsdorf-Neuthard, Neresheim, Pfinztal, Remshalden, Satteldorf und Steinhausen an der Rottum.

Wildpflanzen stärken Biodiversität

Artenschutz mit Wildpflanzen trägt zur Stärkung der Biodiversität in Zeiten klimatischer Veränderungen bei. Städte und Gemeinden, die Wildblumenwiesen und Wildstaudensäume anlegen, schaffen Lebensräume für Insekten – und wappnen sich gleichzeitig gegen Extremwetter. Denn gebietstypische Wildpflanzen sind besser an ihre heimischen Umweltbedingungen angepasst als gezüchtete Arten. Sie haben häufig tiefere Wurzeln, mit denen sie das Grundwasser anzapfen können. So blühen sie oft auch noch nach längerer Hitze und Trockenheit, wenn zum Beispiel Rasenflächen längst vertrocknet sind. Und selbst wenn eine naturnahe, artenreiche Fläche doch mal vertrocknet, regeneriert sie sich spätestens im nächsten Jahr wieder aus den Samen im Boden.

„Ich freue mich, dass sich so viele Kommunen für die biologische Vielfalt mit Wildpflanzen engagieren“, sagt Umweltministerin Thekla Walker. „Der Verlust an Tier- und Pflanzenarten nimmt bedrohliche Ausmaße an. Der Erhalt der Artenvielfalt ist somit eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Kommunen, die vor Ort neuen Lebensraum etwa für Insekten schaffen, sind ein wichtiger Teil der Lösung. Darüber hinaus erhöhen blühende Ortschaften die Lebensqualität für die Bürgerinnen und Bürger.“

„Der Rückgang der Artenvielfalt sollte uns alle wachrütteln. Wir müssen handeln, um der Naturkrise und dem Artensterben etwas entgegenzusetzen. Insekten zum Beispiel finden kaum noch Pollen, Nektar und Kinderstuben. Die Städte und Gemeinden, die ihre Grünflächen mit ‚Natur nah dran‘ insektenfreundlich gestalten, gehen mit gutem Beispiel voran und regen zum Nachahmen an. Denn auch kleine Flächen leisten einen wichtigen Beitrag – jede Blüte voller Pollen und Nektar zählt für Arten wie Rotschopfige Sandbiene und Schachbrettfalter“, appelliert Johannes Enssle, Vorsitzender des NABU Baden-Württemberg. „Wir gratulieren den neuen Kommunen und freuen uns auf die gemeinsame Umsetzung.“

Innovative Bewerbungen aus allen Landesteilen

Dr. Frank Mentrup, Präsident des baden-württembergischen Städtetags, ist begeistert vom Mehrwert, den naturnahe Flächen mit sich bringen: „In Städten gibt es oft eine verblüffend große Artenvielfalt. Mit ‚Natur nah dran‘ werden noch mehr Rückzugsräume für Pflanzen und Tiere geschaffen. Davon profitieren auch die Menschen in der Stadt. Sie können die Natur vor der eigenen Haustür erleben und sind froh, wenn Wildpflanzen an heißen Tagen ihre Umgebung abkühlen.“

Steffen Jäger, Präsident des baden-württembergischen Gemeindetags, freut sich besonders über die Resonanz des Programms bei kreisangehörigen Städten und Gemeinden: „Es gab auch viele erfolgreiche Bewerbungen aus dem ländlichen Raum. Das zeigt: Die Förderung der biologischen Vielfalt in unserer Nachbarschaft bewegt alle Kommunen. Schön ist, dass gerade unsere Gemeinden mit einem kleinen Verwaltungsteam dreifach vom Wettbewerb profitieren: Durch die fachliche Unterstützung durch Profis bei der Anlage der Flächen erwerben die Mitarbeiter das nötige Know-how. Sie werden zudem durch den, im Vergleich zu Blumenrabatten mit Zierpflanzen, geringeren Pflegeaufwand entlastet. Und die Gemeinde kann mit naturnahen Flächen beispielgebend für die Bürgerschaft und deren private Gartengestaltung wirken – eine Win-win-Situation für die Kommune und den Artenschutz!“

Bis Ende Dezember 2023 konnten Kommunen sich bewerben. Die eingesandten Bewerbungen überzeugten durch Fachkenntnis und Tatkraft: In einigen Kommunen sollen Flächen entsiegelt werden, in anderen Kommunen bilden die neuen Flächen ein Element im kommunalen Hitzeschutz. Auch dieses Jahr fiel es der Jury nicht leicht, eine Auswahl zu treffen. „Die Qualität der Anträge war so hoch wie noch nie und es war ein knappes Rennen. Wir möchten daher alle, die in der aktuellen Runde nicht zum Zug gekommen sind, einladen, es im Herbst wieder zu versuchen“, so Projektleiter Martin Klatt. Bis 2027 haben Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg jährlich die Möglichkeit, sich zu bewerben.

Kooperationsprojekt „Natur nah dran“

Das Kooperationsprojekt „Natur nah dran“ von NABU und Land wird gefördert durch das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg. Ziel ist es, Städte und Gemeinden mit Rat und Tat dabei zu unterstützen, Grünflächen im Sinne der Biodiversität umzugestalten. Von 2022 bis 2027 werden jährlich 15 Städte und Gemeinden gefördert.

Das Projekt startete 2016 und ist in der zweiten Projektstaffel. Insgesamt wurden bereits 106 Kommunen gefördert, über 1.000 Teilnehmende in Workshops geschult und 250.000 Quadratmeter naturnah umgestaltet.

Quelle:

Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft / NABU Baden-Württemberg

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