Forstwirtschaft

Programm gegen Borkenkäferbefall vorgestellt

Berechne Lesezeit
  • Teilen
Ein Holzstapel liegt in einem Waldstück. (Bild: Christoph Schmidt / dpa)

Borkenkäfer haben die Wälder in Mitteleuropa fest im Griff. Mit einem intensiven Waldschutzprogramm sowie zusätzlichen Fördermöglichkeiten begegnet das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz dieser Herausforderung.

Ausgehend vom extremen Dürre-Sommer 2018 und verschärft durch teils gravierende Sturm- und Schneebruchschäden im laufenden Jahr, stellt der Borkenkäfer auch die Fortwirte heimischer Wälder vor große Herausforderungen. Experten prognostizieren allein für Baden-Württemberg für das Jahr 2019 Schäden für die Waldbesitzer in einer Größenordnung von rund 100 Millionen Euro. „Mit einem intensiven und konsequenten Waldschutzprogramm sowie zusätzlichen Fördermöglichkeiten werden wir der drohenden Käferkatastrophe bestmöglich begegnen“, sagte der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk, im Nachgang an die Kabinettsitzung vom Dienstag. Waldbesitzer werden nach den Vorschlägen des Ministers bei Präventionsmaßnahmen und der Wiederbewaldung stärker unterstützt.

Kein Markt für Holzüberschuss

Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass sich die Waldschutzsituation im Verlauf des Jahres aller Voraussicht nach weiter verschärfen wird. Aktuell sind mit rund 185.000 Kubikmetern verbuchtem Käferholz über alle Waldbesitzarten hinweg etwa die fünffache Schadholzmenge angefallen wie zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr. Das Sturmtief ‚Eberhard‘ von Anfang März 2019 hat für circa 500.000 Kubikmeter Sturmholz gesorgt. In vielen Wäldern hat zudem der nasse Schnee gravierende Bruchschäden verursacht. „Große Mengen an bruttauglichem Material in Verbindung mit Hitze und Trockenheit spielen dem Käfer in die Karten“, erklärte Minister Hauk.

Die Waldbesitzer sind in einem Dilemma. Die Borkenkäfer fressen ihnen unkontrolliert und im großen Stil die wertvollen Nadelholzbestände kaputt. Das dabei anfallende Käferholz müsste eigentlich rasch verkauft und aus dem Wald gefahren werden um weitere Schäden zu vermeiden. Das gibt der angespannte Markt allerdings nicht her. Im Wald verbleibende und unverkäufliche Holzpolter entwickeln sich so zu einer hohen Gefährdungslage.

Bewährte Mechanismen, um dem Problem Herr zu werden, wie die Entrindung, frühzeitige Abfuhr, Konzentrierung von Aufarbeitungskapazitäten oder eine Holzlagerung, wurden durch den Minister teilweise zugelassen. Hauk stimmte zudem der Verlängerung des Einschlagsstopps für frisches Nadelstammholz im Staatswald bis auf weiteres zu.

Hauk stellt Vorgehensweise im Kabinett vor

„Es müssen insgesamt Maßnahmen ergriffen werden, mit denen die Waldbesitzer bei der Bewältigung der Schäden und insbesondere der dringend notwendigen präventiven Maßnahmen unterstützt werden. Darüber hinaus müssen im Hinblick auf den fortschreitenden Klimawandel und dessen gravierende Auswirkungen auf die Wälder die forstliche Klimafolgenforschung und die Wald-Klimaberatung intensiviert werden“, erklärte der Minister.

Zusätzlich zu den bewährten Fördertatbeständen müssen neue Maßnahmen kurzfristig eingeführt werden. So wird ab sofort das Hacken käferbruttauglicher Gipfelstücke und schwachen Stammholzes, insbesondere bei fehlender Vermarktbarkeit, durch das Land gefördert. „Wir rechnen in kommenden Jahren mit einem finanziellen Mehrbedarf in Höhe von rund zehn Millionen Euro jährlich, die im Doppelhaushalt 20/21 abgebildet werden müssen“, sagte Hauk. Dabei sollen keine Schäden ausgeglichen werden, sondern die Waldbesitzer ausschließlich bei Präventionsmaßnahmen und der Wiederbewaldung unterstützt werden.

„Es muss uns gelingen, dem Käfer auf großer Fläche Brutmaterial zu entziehen. Eine gründliche Kontrolle der Waldbestände steht dabei am Anfang jedes Handelns. Verantwortungsbewusste Waldbesitzer müssen ihre Fichtenbestände jetzt und bis in den September hinein laufend alle ein bis zwei Wochen kontrollieren. Dort, wo Sturm- und Schneebruchschäden vorhanden sind, ist besondere Vorsicht geboten“, betonte Hauk. Im Zweifelsfall helfen die zuständigen Försterweiter.

Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz: Pressemitteilung mit Kennzeichen eines Käferbefalls sowie eine Kontrollcheckliste

Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz: Wald und Naturerlebnis

Forstportal ForstBW

Dürre-, Sturm- und Insektenschäden Nadelholzeinschlag nach Forstbezirken Baden-Württemberg (PDF)

Schadholzanfall Mitteleuropa (PDF)

Weitere Meldungen

Visualisierung vom Anbau der Frauenklinik am Universitätsklinikum Tübingen Ansicht West
Vermögen und Bau

Frauenklinik am Universitäts­klinikum Tübingen wird erweitert

Eine Frau bedient das Portal ELSTER der deutschen Steuerverwaltungen zur Abwicklung der Steuererklärungen und Steueranmeldungen über das Internet.
Steuern

Digitale Steuererklärung wird deutlich einfacher

Verkehrsunfallbilanz 2025
Verkehrsunfallbilanz 2025

Straßenverkehr in Baden-Württemberg wird immer sicherer

Eine muslimische Einwanderin sitzt mit anderen Personen am Tisch und schaut sich während des Englischunterrichts Blätter mit Grammatikaufgaben an.
Integration

Lucha kritisiert Zulassungsstopp bei Integrationskursen

Stuttgart Neckarpark
Wohnraumoffensive

Land unterstützt Kommunen mit Bau-Turbo

Gruppenbild anlässlich der Unterzeichnung einer Absichtserklärung zur Intensivierung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Baden-Württemberg und der ukrainischen Region Lwiw
Absichtserklärung

Baden-Württemberg und Lwiw vertiefen wirtschaftliche Zusammenarbeit

Visualisierung Campus St. Alban
Innovationspreis

Zehn Preise für kirchliche Wohnprojekte

DEHOGA Cup
Start-up BW

Kleinblatt GmbH aus Stuttgart gewinnt den DEHOGA CUP

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Mitte) bei seiner Ansprache beim Närrischen Staatsempfang der Landesregierung vor dem Neuen Schloss in Stuttgart
Fastnacht

Närrischer Staatsempfang der Landesregierung

Forscher im Forschungszentrum M3 des Universitätsklinikums Tübingen
Innovation

Land fördert Digitales Innovationszentrum am Uniklinikum Freiburg

Forschung

4,2 Millionen Euro für Quantentechnologie-Demonstratoren

Justizministerin Marion Gentges (Vierte von links) mit dem Team des Projekts „DIE MUTMACHER“
Justiz

Begleithunde unterstützen in Strafprozessen

Ein Windrad ist auf der Holzschlägermatte bei Freiburg zu sehen.
Erneuerbare Energien

Mehr Windkraft für Baden-Württemberg

PV-Anlage auf dem Landtag in Stuttgart
Erneuerbare Energien

Photovoltaik-Ziel bereits vorab erreicht

Ein Clown der Narrenzunft Rottenburg läuft beim großen Umzug des Weißnarrentreffens in Villingen-Schwenningen durch die Innenstadt (Quelle: dpa).
Verbraucherschutz

Produktkontrollen für ein unbe­schwertes Feiern des Faschings