Forschung

Landesweites Netzwerk bringt Tierschutz und Forschung voran

Ein Mitarbeiter des Fraunhofer Instituts Stuttgart hält eine Platte mit Gewebekulturen in seinen Händen. (Bild: Michele Danze / dpa)

Mit dem Aufbau eines flächendeckenden 3R-Netzwerks, das alle wesentlichen biomedizinischen Standorte im Land einbezieht, sollen die wissenschaftliche Forschung und der Tierschutz gleichermaßen verbessert werden.

Tierversuche werden auf absehbare Zeit ein unverzichtbarer Baustein im Methodenmix der Forschung bleiben, auch in der biomedizinischen Forschung. Im Sinne des Tierschutzes wie auch mit Blick auf die Qualität der Ergebnisse sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler immer darum bemüht, Tierversuche kontinuierlich zu verbessern, zu verringern oder zu vermeiden – ganz im Sinne des im deutschen Tierschutzgesetz verankerten 3R-Prinzips (Vermeidung, Verringerung und Verbesserung = Replacement, Reduction, Refinement – 3R). Mit dem Aufbau eines flächendeckenden 3R-Netzwerks, das alle wesentlichen biomedizinischen Standorte im Land einbezieht, wählt Baden-Württemberg einen neuen Ansatz, um die wissenschaftliche Forschung und den Tierschutz gleichermaßen zu verbessern. Damit führt das Wissenschaftsministerium seine Strategie weiter fort und Stärken zusammen.

Tierschutz in Forschung und Lehre stärken

„Die biomedizinische Forschung ist ein wichtiger Pfeiler der exzellenten baden-württembergischen Forschung. Gerade in dieser von der COVID-19-Pandemie geprägten Zeit zeigt sich, wie wichtig eine breit aufgestellte, gut ausgestattete Wissenschaftslandschaft ist. Genauso wichtig ist es, fortwährend an der Stärkung und Verbesserung der Wissenschaft zu arbeiten, damit wir uns auch in Zukunft auf unsere Forschung verlassen können. Die 3R-Initiative leistet einen zentralen Beitrag dazu, die biomedizinische Forschung – eine der spezifischen Stärken des Landes – weiter voranzubringen und den Tierschutz in Forschung und Lehre zu verbessern“, sagte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer. Mehr Tierschutz und bessere Forschung seien keine Gegensätze – „ganz im Gegenteil – wir bringen beides zusammen.“

Beteiligt am „3R-Netzwerk BW“ sind alle in der Biomedizin aktiven Standorte in Baden-Württemberg – von Mannheim bis Konstanz und von Freiburg bis Ulm. Neben den sich räumlich über ganz Baden-Württemberg erstreckenden Aktivitäten decken die Netzwerkpartner mit ihren Projekten auch ein breites Themenspektrum verschiedener Refine-, Reduce- und vor allem Replace-Maßnahmen ab. Dabei werden verschiedene Organe und Krankheiten,unter anderem Hirn, Darm, Brust oder Eierstock, fokussiert und von unterschiedlichen Disziplinen, wie Medizin, Biologie, Mathematik oder Simulationswissenschaft, angegangen. „Das 3R-Netzwerk deckt vielfältige und hochrelevante Bereiche und Fragestellungen in Forschung und Lehre ab“, so Bauer.

Land stellt 3,8 Millionen Euro bereit

Das Wissenschaftsministerium finanziert mit 3,8 Millionen Euro jeweils rund 70 Prozent der Gesamtkosten der Projektvorhaben, 30 Prozent steuern die Hochschulen als Eigenbeitrag bei. Die Anschubfinanzierung soll die Hochschulen dabei unterstützen, tragfähige Strukturen aufzubauen, die die vorhandene Expertise bündeln und eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit dem Thema gewährleisten.

„Mit unserem landesweiten 3R-Netzwerk setzen wir in Baden-Württemberg an der richtigen Stelle an und entwickeln die passende Strategie – kein Land arbeitet so kraftvoll und vernetzt daran, den Tierschutz in der Forschung gemeinsam mit den Forschungseinrichtungen voranzubringen. Ich bin mir sicher, dass unsere Universitäten und Hochschulen mit wissenschaftlich ambitionierten Projekten herausragende Fortschritte erzielen werden – für die Forschung und den Tierschutz“, betonte Bauer.

Starke Partner in zehn Projekten

Gemeinsam mit dem bereits im Frühjahr 2020 gegründeten „3R-Center für In-vitro-Modelle und Tierversuchsalternativen“ in Tübingen/Reutlingen werden künftig vier weitere Zentren das Grundgerüst des „3R-Netzwerk Baden-Württemberg“ bilden: das „3R-Zentrum Rhein-Neckar“ der Universität Heidelberg mit dem Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim, das „3R-US Netzwerk“ der Universität Stuttgart und des Robert-Bosch-Krankenhauses, das „CAAT-Europe“ (Center for Alternatives to Animal Testing in Europe) der Universität Konstanz mit der Johns Hopkins University und das „Interdisziplinäre Zentrum zur Erforschung von Darmgesundheit“ an der Universität Heidelberg.

„Mit der Förderung dreier weiterer Projekte, die eher Forschungscharakter haben, an den Universitäten in Heidelberg, Ulm und Freiburg binden wir von Anfang an eine breit aufgestellte Expertise ein und füllen das Netzwerk mit weiterem Leben. Und auch die Lehre nehmen wir in den Blick“, so Bauer weiter. Zusätzlich gefördert würden zwei Projekte aus dem Bereich Aus- und Weiterbildung an der Hochschule Reutlingen und an der Universität Ulm.

Standorte mit unterschiedlichen Schwerpunkten

Ergänzt wird das Netzwerk durch die im Jahr 2018 eingesetzte und vom Land kofinanzierte Juniorbrückenprofessur „Organ-on-a-Chip“ zwischen der Universität Tübingen und dem Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB in Stuttgart. Diese beschäftigt sich mit der Entwicklung und Anwendung von neuartigen Organ-on-a-chip-Systemen. Dabei handelt es sich um die Simulation von Organen als Zellkultur auf einem Chip.

„Langfristig wird in Baden-Württemberg ein solides 3R-Netzwerk entstehen, das die unterschiedliche Expertise der Standorte bündelt und die Entwicklung und Anwendung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch weiter in der baden-württembergischen Forschungslandschaft verankert. Damit erfährt nicht nur der Tierschutz die notwendige Aufmerksamkeit. Das 3R-Netzwerk unterstützt auch die stetige Qualitätsverbesserung der biomedizinischen Forschung – und macht unsere Wissenschaft damit noch leistungsfähiger, um neuen Herausforderungen wie COVID-19 zu begegnen“, zeigte sich Ministerin Bauer überzeugt.

Bundesweit einmaliges Netzwerk

„Die Etablierung eines landesweiten 3R-Netzwerks in dieser thematischen Tiefe und Breite ist bundesweit einmalig und bringt Tierschutz wie Forschung gleichermaßen voran. Eine Win-win-Situation. Baden-Württemberg ist wieder einmal Pionier – das 3R-Netzwerk hat Modellcharakter“, betonte die Wissenschaftsministerin.

Baden-württembergische Forscherinnen und Forscher wurden mehrfach für ihre Leistungen zur Verbesserung des Tierschutzes ausgezeichnet – so wurde beispielsweise der Tierschutzforschungspreis des Bundeslandwirtschaftsministeriums im vergangenen Jahr an Dr. Anne-Katrin Rohlfing vom Universitätsklinikum Tübingen verliehen. Der wichtigste wissenschaftliche Tierschutzpreis Deutschlands – der Ursula M. Händel-Tierschutzpreis der DFG – ging mit der Verleihung an Prof. Marcel Leist und Prof. Thomas Hartung vom CAAT-Europe in Konstanz im Jahr 2020 bereits zum sechsten Mal nach Baden-Württemberg.

Geförderte Projekte im 3R-Netzwerk BW

Wissenschaftsministerium: Forschungsförderung

Zahlen, Daten und Fakten zum 3R-Netzwerk BW

Anschubfinanzierung der Strukturen

Vorhaben: Laufzeit: Förderung:

3R-Center für In-vitro-Modelle und Tierversuchsalternativen mit W3-Brückenprofessur für Organ-on-a-Chip Systeme (Universität Tübingen, NMI Reutlingen)

05/2020 bis 04/2025

840.000 Euro
3R-Zentrum Rhein-Neckar (Universität Heidelberg, ZI Mannheim) 12/2020 bis 11/2025 500.000 Euro
Interdisziplinäres Zentrum zur Erforschung von Darmgesundheit (Universität Heidelberg) 06/2021 bis 05/2026 500.000 Euro
3R-US: Ex vivo Tumorgewebe-Plattform als Ersatz für Tierversuche (Universität Stuttgart, Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart) 03/2021 bis 02/2026 480.000 Euro
Forschungs- und Harmonisierungsmaßnahmen zur Förderung der Akzeptanz tierfreier neuer Ansatzmethoden in verschiedenen Interessengruppen, NAM-ACCEPT (Universität Konstanz) 01/2021 bis 12/2025 495.000 Euro

Forschungsvorhaben

Vorhaben: Laufzeit: Förderung:
Überwindung translationaler Hürden – Verbesserung der Evidenz und des prädiktiven Wertes bei experimenteller Forschung (Universität Freiburg) 08/2021 bis 07/2024 300.000 Euro
Refinement in komplexen belastenden Versuchen an Mäusen (Universität Ulm) 03/2021 bis 02/2024 300.000 Euro
Charakterisierung und Weiterentwicklung heterotypischer 3D Sphäroide aus Kopf-Hals-Plattenepithelkarzinomen (Universität Heidelberg) 01/2021 bis 12/2023 300.000 Euro

Anschubfinanzierung Lehre/Weiterbildung

Vorhaben: Laufzeit: Förderung:
3R-BioMED-Lab (Hochschule Reutlingen) 03/2021 bis 02/2023 40.000 Euro
5R-Kurse: Reduction, Refinement, Replacement, Rigour and Reproducibility (Universität Ulm) 01/2021 bis 12/2022 16.000 Euro

Gesamtsumme der Förderung:

Förderung 3.771.000 Euro
Streuobstwiese
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Tag des Artenschutzes

Eine Patientin wird in einem Krankenhaus in Stuttgart in einem Computertomographen (CT) untersucht (Bild: © dpa)
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Autos fahren an einer Straßenbaustelle vorbei. (Foto: dpa)
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Das beschauliche Dorf Hiltensweiler, ein Teilort von Tettnang, wird von der Abendsonne angestrahlt. Im Hintergrund sind der Bodensee und die Alpen zu sehen. (Bild: picture alliance/Felix Kästle/dpa)
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Ein Bio-Bauer bringt mit seinem Traktor und einem Tankwagen als Anhänger, die angefallende Jauche auf einer Wiese aus. (Bild: dpa)
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Fünfter Förderaufruf der Europäischen Innovationspartnerschaft

 Schloss Neufra und die Pfarrkirche St. Peter und Paul werden von der aufgehenden Sonne angestrahlt. (Bild: Thomas Warnack / dpa)
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