Innovation

Land prüft Aufbau eines Innovationsparks für Künstliche Intelligenz

Symbolbild: Künstliche Intelligenz – Ein humanoider Roboter (Bild: © Friso Gentsch/dpa)

Die Landesregierung prüft den Aufbau eines großen Innovationsparks für Künstliche Intelligenz in Baden-Württemberg. Eine Machbarkeitsstudie soll Realisierungs- und Standortmöglichkeiten untersuchen.

Das Wirtschaftsministerium hat den globalen Immobiliendienstleister CBRE mit einer Machbarkeitsstudie für den Aufbau eines großen Innovationspark KI (Künstliche Intelligenz) beauftragt. „KI – Made in Baden-Württemberg. Diesem Qualitätssiegel wollen wir künftig internationale Strahlkraft verleihen. Im Bereich der KI-Forschung sind wir bereits hervorragend aufgestellt – jetzt muss es vor allem darum gehen, KI-basierte Produkte und Dienstleistungen noch schneller zu testen und an den Markt zu bringen“, sagte Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut. „Ein Innovationspark könnte dem KI-Standort Baden-Württemberg einen enormen Schub geben. Er ist eine große Chance für Baden-Württemberg, um unsere Wirtschaft zukunftsgerichtet zu diversifizieren und neue Beschäftigungsfelder zu erschließen.“

KI – Made in Baden-Württemberg

„Wir wollen einen wirksamen und sichtbaren Magneten schaffen für Unternehmen, nationale und internationale Start-ups, Forschungseinrichtungen, KI-Investoren, Business Angels und VC-Geber und ganz besonders auch für KI-Talente. Diese Akteure sind entscheidende Treiber für den KI-Standort Baden-Württemberg“, so die Ministerin. Im Innovationspark KI sollen Unternehmen KI-basierte Produkte und Dienstleistungen optimal und in hohem Tempo entwickeln, testen und an den Markt bringen. Um optimale Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, soll er Maßstäbe setzen für die Infrastruktur von Innovationszentren, etwa mit entsprechenden Rechenkapazitäten, Test- und Experimentieranlagen, bei der Zusammenarbeit für Innovationen (Open Innovation) sowie bei Klimaschutz und Ressourcenschonung. Der Innovationspark soll gleichermaßen einen Beitrag zum Ausbau bestehender Stärken der baden-württembergischen Wirtschaft sowie zur Entwicklung neuer Stärken in wichtigen innovativen Zukunftsfeldern leisten. Er soll bestehende Einrichtungen im Land sinnvoll ergänzen und damit die existierende Innovationslandschaft bereichern und ausbauen. Das Vorhaben sei auch als Leuchtturmprojekt im Sinne des Green Deals der neuen EU-Kommission zu sehen. „KI-made in BW“ stehe dabei für höchste ethische Standards und leiste einen aktiven Beitrag zur Bewältigung globaler gesellschaftlicher Herausforderungen, wie Klimaschutz, Gesundheit, Energieversorgung und Ernährung, so Hoffmeister-Kraut.

„Wenn Baden-Württemberg den Anspruch hat, in der Weltliga der KI-Hotspots mitzuspielen, dürfen wir keine Zeit verlieren und müssen schnell passende Strukturen schaffen, um unser Land noch stärker als globales Zentrum für KI-Wertschöpfung ins Blickfeld zu rücken“, sagte Hoffmeister-Kraut mit Blick auf großflächige Innovationsparks in anderen Innovationsregionen Deutschlands, Europas und der Welt. Hierzu zählen beispielsweise der LabCampus am Flughafen München, die Wissenschaftsstadt Adlershof in Berlin, aber auch der Innovationspark Zürich oder, wie jüngst auf der CES bekanntgegeben, die „Woven City“ in Japan. „Auf großen Flächen entstehen ganz neue Innovations-Ökosysteme, die als Kraftzentren die entsprechenden Regionen bei Innovationen und Wirtschaftskraft zusätzlich voranbringen. Baden-Württemberg darf hier nicht den Anschluss verlieren“, sagte die Ministerin. Von der finanziellen Dimension wäre der Innovationspark das größte Innovationsprojekt mit öffentlicher Ko-Finanzierung im Land seit Jahrzehnten.

Halbe Million Euro für Machbarkeitsstudie

Dem Auftrag für die Machbarkeitsstudie ging ein entsprechender Kabinettsbeschluss der Landesregierung sowie eine europaweite Ausschreibung in Form eines Verhandlungsverfahrens mit vorgeschaltetem Teilnahmewettbewerb voraus. Die Studie soll mögliche Flächen im Land identifizieren und Auskunft darüber geben, welche Erfolgsfaktoren für Innovationsparks im „Weltklasseformat“ gegeben sein müssen, wie tragfähige Geschäfts- und Finanzierungsmodelle für einen Innovationspark KI aussehen könnten, wie ein faires Standortauswahlverfahren aufgesetzt werden sollte und welche thematischen Schwerpunktsetzungen möglich und sinnvoll sind. Das Land stellt dafür 500.000 Euro zur Verfügung.

„Angesichts des atemberaubenden Tempos bei den grundlegenden Innovationsentwicklungen weltweit müssen wir auch bei der Innovationspolitik noch mehr Tempo aufnehmen. Wir müssen noch schneller darin werden, in zentralen Zukunftsthemen Forschungsergebnisse zu Produkten und Dienstleistungen zu machen, Finanzmittel zu akquirieren und die dafür notwenigen Partnerinnen und Partner zu finden“, so Hoffmeister-Kraut. Vom Dienstleister CBRE erwartet die Ministerin daher innerhalb eines Jahres eine Entscheidungsgrundlage, ob der Innovationspark KI von Seiten des Landes weiterverfolgt werden sollte. „Projekte dieser Dimension und Komplexität müssen extrem gut vorbereitet werden, um hinterher auch wirtschaftlich tragfähig zu sein“, sagte die Ministerin.

Standortentscheidung derzeit völlig offen

Nach Aussage der Ministerin werde die Europäische Union nach heutigem Stand fünf bis zehn World Class AI Testing and Experimentation Facilities mit insgesamt rund zwei Milliarden Euro in den nächsten Jahren fördern. „Diese massiven Investitionen der EU zeigen, dass wir solch großflächige Innovationszentren benötigen, um auch künftig in der Weltliga der Innovationsregionen mitzuspielen. Wir schaffen damit in Baden-Württemberg bestmögliche Voraussetzungen für offene Innovationsprozesse, fördern die Ansiedlung großdimensionierter Testumgebungen und Reallabore für wertschöpfungsstarke Zukunftstechnologien und verbessern nicht zuletzt die Sichtbarkeit für Kapitalgeber und notwendige Talente“, so Hoffmeister-Kraut. „Wir sind in intensivem Austausch mit den Vertretern der EU, um mit der Machbarkeitsstudie hier die besten Voraussetzungen für eine Förderung seitens der EU zu schaffen.

Die Standortentscheidung für den Innovationspark KI sei derzeit völlig offen. Eine Standortauswahl werde aller Voraussicht nach erst nach einer Grundsatzentscheidung der Landesregierung für eine Realisierung des Innovationsparks erfolgen, frühestens also im Jahr 2021. Im Rahmen der Machbarkeitsstudie gehe es auch darum herauszufinden, in welchen Kommunen beziehungsweise Regionen Interesse an einem großflächigen Innovationspark bestehe, wie schnell gegebenenfalls die notwendigen Flächen verfügbar gemacht werden könnten und inwieweit auch grundsätzliche Bereitschaft für ein kommunales Engagement für einen Innovationspark KI von internationalem Format vorhanden sei. Wenn es im Rahmen der Machbarkeitsstudie möglichst konkrete Interessenbekundungen von kommunaler Seite gebe, könne dies ganz erheblich zur Beschleunigung der weiteren Prozesse beitragen. „Wir wollen möglichst schnell in die Umsetzung kommen“, sagte Hoffmeister-Kraut.

Leuchtturmprojekt in der Kommerzialisierung Künstlicher Intelligenz

Prof. Dr. Alexander von Erdély, CEO von CBRE in Deutschland, sagte: „Wir freuen uns sehr, dass wir das Land Baden-Württemberg mit unserer internationalen Expertise unterstützen können. Damit wird das Vorhaben nicht nur hinsichtlich der Kommerzialisierung von Künstlicher Intelligenz in Deutschland zu einem Leuchtturmprojekt, sondern der Rückgriff auf vorhandene Erfahrungen mit ähnlichen Vorhaben in der Immobilienbranche schafft auch nachhaltige Grundlagen für die weiteren Planungen.“

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