Hochschule

Insgesamt drei Millionen Euro für die Kleinen Fächer

Studenten nehmen in Heidelberg an einer Erstsemester-Veranstaltung teil. (Foto: dpa)

Das Wissenschaftsministerium fördert innovative und kreative Projekte, um die Leistungsfähigkeit und Zukunftsperspektive von Kleinen Fächern an den Universitäten des Landes zu sichern und zu stärken.

Was wussten unsere Vorfahren, was wir nicht wissen? Was können wir von den Kulturen Asiens lernen? Und überhaupt: Wie wird wohl das Wetter in den nächsten Tagen? Die sogenannten Kleinen Fächer prägen unser Leben. Sie spiegeln die Vielfalt dessen wider, was es zu wissen gibt und liefern unverzichtbare Einsichten in unsere komplexe und vielfältige Welt.

Trotz ihrer Bedeutung ist die Lage der Kleinen Fächer vielfach prekär: „Wenn nur Quantität an den Hochschulen als Maßstab gelten würde, gingen viele wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse verloren – denn auf die Kompetenz, die Sichtweisen und Methoden der Kleinen Fächer ist die Wissenschaft zwingend angewiesen“, sagte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer. „Kleine Fächer werden schnell ganz groß. Meist wird ihre Relevanz erst deutlich, wenn die jeweiligen Forschungsthemen aktuell werden, etwa die Slavistik, die hilft die Hintergründe des Ukraine-Konflikts zu verstehen.“

Leistungsfähigkeit der Kleinen Fächer weiterentwickeln

Deshalb fördert das Wissenschaftsministerium Baden-Württemberg innovative und kreative Projekte, um die Leistungsfähigkeit und Zukunftsperspektive von Kleinen Fächern an den Universitäten des Landes zu sichern und zu stärken. Dazu wurde der Zukunftsrat Kleine Fächer als zentrale Moderationsplattform berufen und ein Strukturfonds eingerichtet, der mit insgesamt drei Millionen Euro für zunächst drei Jahre die Leistungsfähigkeit der Kleinen Fächer weiterentwickeln soll.

„Wir möchten mit unserer Initiative und unserer Förderung die Vielfalt kleiner Fächer in Baden-Württemberg fördern, ihre Kompetenzen ausbauen, sodass sie die Zukunft mitgestalten können: Kleine Fächer sind ein Garant für Innovationen, sichern ein breites Wissensspektrum und tragen mit ihren Ergebnissen zur Grundlagenforschung bei,“ sagt Bauer.

Das Projekt des Pfahlbaumuseums Unteruhldingen und der Universität Tübingen will gemeinsam Maßnahmen entwickeln, um Fachinhalte für Schulen und eine breite Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ein Vorhaben an der Universität Freiburg zielt auf die bessere Verknüpfung von universitärer Ausbildung und beruflicher Praxis, um so die Absolventen des Kleinen Faches auf den Berufsalltag vorzubereiten. Um Lehrinhalte digital vermitteln zu können, plant das Staatliche Museum für Naturkunde Stuttgart und die Universität Hohenheim die Schaffung einer Webplattform, die Interessierte weit über die Universitätsgrenzen hinaus erreichen wird.

Besonders erfreulich sei, dass sich die Kleinen Fächer wie beispielsweise im Verbundprojekt „Vernetzt lernen, Forschen, Vermitteln“ untereinander vernetzen. Gleichzeitig entstehen Kooperationen mit außeruniversitären Einrichtungen wie dem Pfahlbaumuseum Unteruhldingen oder dem Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart, um das wertvolle Wissensrepertoire dieser Fächer sichtbar zu machen.

Der Vorsitzende des Zukunftsrates Kleine Fächer Prof. Dr. Markus Hilgert ist mit der Auswahl sehr zufrieden: „Es ist gelungen, Vorhaben zu identifizieren, die das Potenzial haben, Strukturen an den Universitäten und im Land nachhaltig positiv zu verändern. Ich bin zuversichtlich, dass die geförderten Maßnahmen die Situation der Kleinen Fächer im Land langfristig verbessern werden.“

Sechs Anträge zur Förderung ausgewählt

Seit Juli 2016 werden bereits sieben Vorhaben gefördert, in denen in vorbildlicher Art und Weise zukunftsweisende Handlungs- und Strukturmodelle entwickelt werden, die die Wettbewerbsfähigkeit der Kleinen Fächer langfristig steigern. Im Rahmen einer zweiten Ausschreibung aus dem Strukturfonds sind insgesamt 14 Anträge von Vertreterinnen und Vertretern der Kleinen Fächer eingereicht und vom Zukunftsrat begutachtet worden. Sechs Anträge wurden zur Förderung ausgewählt, die mit insgesamt rund 1,15 Millionen Euro bis Mitte 2019 gefördert werden.

Die geförderten Projekte im Einzelnen:

  • Akademische Ethnologie und berufliche Praxis (Fördersumme: rund 137.000 Euro)
    Universitäre Ausbildung und außeruniversitäre berufliche Praxis in einem Kleinen Fach miteinander zu verbinden, ist das erklärte Ziel dieses Vorhabens der Universität Freiburg. Im Rahmen von Tandem-Teaching-Modellen wollen UniversitätsdozentInnen gemeinsam mit VertreterInnen aus der Berufspraxis Seminare anbieten, die so die Sichtbarkeit des Kleinen Faches Ethnologie erhöhen und den Studierenden die Möglichkeit geben, wichtige Transferkompetenzen zu erlangen.
  • Archäologie der Zukunft – Direktvermittlung Wissen (Fördersumme: rund 196.000 Euro)
    Das Kleine Fach „Ur- und Frühgeschichte“ steht in diesem Vorhaben im Mittelpunkt: Gemeinsam werden das Pfahlbaumuseum Unteruhldingen und die Universität Tübingen zukunftsfähige Vermittlungseinheiten für Museen und Schulen entwickeln und so die Fachinhalte in die Schule und in die Öffentlichkeit transferieren. Dabei stehen innovative Materialien und Methoden im Fokus, um die Bevölkerung direkt aus den Wissenswerkstätten zu informieren.
  • DIGIPHYLL: Digitale Kompetenzvermittlung für die Paläobotanik in Forschung und Lehre (Wissenschaft über fossile Pflanzen; Fördersumme: 185.000 Euro)
    Die Leistungsfähigkeit des Kleinen Faches „Paläobotanik“ soll durch die Schaffung einer Webplattform (DIGIPHYLL) gesteigert werden. Ziel ist es einerseits, Paläobotanische Kompetenz in die studentische Ausbildung und in die interessierte Öffentlichkeit zu vermitteln. Andererseits soll die Nutzung fossiler Pflanzen in der Forschung unterstützt werden. Diese Webressource, die gemeinsam vom Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart und der Universität Hohenheim entwickelt wird, soll als Lehrportal in effektiver Weise Einstieg und Hilfestellung bei der Arbeit mit fossilem Pflanzenmaterial bieten und mittelfristig über den deutschsprachigen Raum hinaus verfügbar sein.
  • MA-Studiengang Cultural Heritage und Kulturgüterschutz (Fördersumme: rund 254.000 Euro)
    Ohne die wissenschaftliche Expertise der Kleinen Fächer ist ein effektiver Kulturgüterschutz nicht denkbar. An der Universität Heidelberg wird von einem Verbund Kleiner Fächer in Zusammenarbeit mit außeruniversitären Partnerinstitutionen ein Masterstudiengang entwickelt, der Studierenden eine in Deutschland einzigartige theoretische und zeitgleich praxisorientierte Ausbildung ermöglicht. Die Absolventen des Studienganges sollen so einen bedeutenden Beitrag zur Bewahrung des gefährdeten Kulturguts leisten und die gesellschaftliche Relevanz der Kleinen Fächer weithin sichtbar machen.
  • Objekt – Digitalisat – Bedeutung: Grundwissenschaft Numismatik im „Digital Turn“ (HisMün, Münzkunde; Fördersumme: rund 133.000 Euro)
    Im Rahmen des geplanten Vorhabens wird die Universität Freiburg ein Lehrkonzept zur Vermittlung der Grundwissenschaft Numismatik im digitalen Zeitalter entwickeln. Damit verbunden ist die vollständige Digitalisierung der Freiburger Sammlung, die so für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann. Zudem sollen Lehr- und Lernstrukturen in Baden-Württemberg weiterentwickelt werden und den Studierenden die medienkritisch reflektierte und auf Medienkompetenz abzielende Nutzung von Digitalisaten und Datenbanken näher gebracht werden.
  • Vernetzt lernen, forschen, vermitteln (Fördersumme: rund 250.000 Euro)
    Fünf wissenschafts- und sammlungsorientierte Institutionen haben sich in diesem Vorhaben zusammengefunden, um das Kleine Fach „Empirische Kulturwissenschaft“ zu stärken, indem umfangreiche vorhandene Sammlungen als Ressource für Lehre und gesellschaftlichen Wissenstransfer genutzt werden (Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie/Universität Freiburg, Zentrum für Populäre Kultur und Musik/Universität Freiburg, Badisches Landesmuseum Karlsruhe, Außenstelle Südbaden, Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft/Universität Tübingen, Landesmuseum Württemberg Stuttgart, Landesstelle für Volkskunde). So entstehen kooperative Strukturen von universitären und außeruniversitären Einrichtungen, die eine hohe Sichtbarkeit generieren und so die Wettbewerbsfähigkeit des kleinen Faches mit der ausgewiesenen Expertise zum alltagskulturellen Erbe steigern und stärken wird.

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