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Tierschutz
  • 25.10.2018

Preis für Erforschung von Alternativen zu Tierversuchen verliehen

  • Eine Maus sitzt auf einem Finger (Bild: © dpa)

    Bild: © dpa

Das Land hat den Forschungspreis für Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch 2018 verliehen. Damit werden herausragende Leistungen bei der Forschung zur Reduzierung von Tierversuchen oder zur Verminderung der Belastung von Versuchstieren ausgezeichnet.

„Ziel der Landesregierung ist es, die Zahl der Tierversuche und die Belastung von Versuchstieren weiter zu verringern. Dies haben wir im Koalitionsvertrag so vereinbart. Der Forschungspreis für Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch ist hierfür ein wichtiger Baustein. Mit dem Preis werden herausragende wissenschaftliche Arbeiten ausgezeichnet, die zum Ersatz und zur Verminderung von Tierversuchen beitragen“, sagte der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk, anlässlich der Verleihung des Forschungspreises ‚Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch‘ Baden-Württemberg 2018.

Zahl der Tierversuche und Belastung von Versuchstieren verringern

„Baden-Württemberg spielt in der biomedizinischen Forschung eine wichtige Rolle. In den zahlreichen Forschungseinrichtungen im Land werden auch Tierversuche durchgeführt. Gerade als forschungsstarker Standort wollen wir deshalb ein Zeichen dafür setzen, dass wir unsere Verpflichtung zur Reduzierung von Tierversuchen ernstnehmen. Dafür braucht es aber konkrete Alternativen, die von Wissenschaftlern entwickelt werden müssen“, betonte der Minister.

Der mit bis zu 25.000 Euro dotierte Forschungspreis wird jährlich ausgeschrieben. Mit dem Preis werden herausragende Leistungen bei der Forschung zur Reduzierung von Tierversuchen oder zur Verminderung der Belastung von Versuchstieren ausgezeichnet.

Im Jahr 2018 wurden aus den eingegangenen Vorschlägen entsprechend dem Votum der Bewertungskommission, die aus Wissenschaftlern, Vertretern von Tierschutzorganisationen und Mitgliedern des Landesbeirates für Tierschutz besteht, die Arbeit einer Arbeitsgruppe an der Universität Tübingen ausgewählt.

Preisträger

Dr. Niklas Schwarz, Universität Tübingen/Hertie-Institut für klinische Hirnforschung, Abteilung für Neurologie und Epileptologie

Ausgezeichnet wird die Arbeit:
„Human Cerebrospinal fluid promotes long-term neuronal viability and network function in human neocortical organotypic brain slice cultures“

Kurzbeschreibung der Arbeit

Für den Ersatz von Tierversuchen sind moderne Zellkulturtechniken, die es ermöglichen, mit humanen, also vom Menschen stammenden, Zellen und Zellverbänden zu forschen, besonders interessant. Hauptvorteile sind dabei, dass keine leidensfähigen Tiere verwendet werden und dass die Artschranke wegfällt, also zum Beispiel nicht an Mäusen, sondern direkt an menschlichem Gewebe geforscht wird. Bestimmte Probleme der Übertragbarkeit der Ergebnisse auf den Menschen entfallen damit.

Die ausgezeichnete Publikation zeigt erstmalig, dass eine erfolgreiche Kultivierung von humanem Hirngewebe außerhalb des Körpers über mehrere Wochen möglich ist. Dies eröffnet neue Perspektiven sowohl in der Grundlagenforschung als zum Beispiel auch bei der Medikamentenentwicklung. So kann zukünftig in vitro, also in der Petrischale, getestet werden, welche Wirkung neue Arzneistoffe auf das menschliche Gehirn haben.

Ein weiterer, wesentlicher Punkt ist die Verwendung von humanem Liquor cerebrospinalis (Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit) als Ersatz für bisher verwendete Nährmedien. Viele konventionelle Nährmedien verwenden zum Beispiel fetales Kälberserum oder Wachstumshormone, um die Zellen in Kultur am Leben zu erhalten. Durch den Einsatz von humanem Liquor, der bei Klinikpatienten im Rahmen von medizinischen Untersuchungen entnommen wird und sonst entsorgt würde, kann die Kultivierung ohne zusätzliche tierische Substanzen durchgeführt werden. Die Verwendung von fetalem Kälberserum steht wegen der unter Tierschutzgesichts-punkten problematischen Gewinnung des Materials besonders in der Kritik.

Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz: Tierschutz


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