Landwirtschaft

Vier „Bio-Musterregionen Baden-Württemberg“ ausgewählt

Eine Obstverkäuferin wiegt in einem Bauernladen Äpfel.

Mit vier „Bio-Musterregionen Baden-Württemberg“ bringt die Landesregierung den Ökolandbau in Baden-Württemberg voran. Die Musterregionen sind in den Landkreisen Bodensee und Konstanz, Ravensburg, Enzkreis sowie im Landkreis Heidenheim mit Kommunen des Ostalbkreises. Diese Bio-Musterregionen sollen Impulse für das ganze Land bringen.

„Mehr und mehr Menschen sind überzeugt von regional produzierten Bio-Lebensmitteln. Die Nachfrage übersteigt das Angebot inzwischen deutlich. Ziel der Landesregierung ist es daher, den ökologischen Landbau weiter voranzubringen“, begründete Ministerpräsident Winfried Kretschmann die Entscheidung der Landesregierung. „Unsere neuen Bio-Musterregionen im Landkreis Bodensee und Konstanz, Landkreis Ravensburg, dem Enzkreis und dem Kreis Heidenheim mit Kommunen des Ostalbkreises werden uns diesem Ziel ein gutes Stück näher bringen. Sie sollen das Bewusstsein für ökologischen Landbau und Bio-Lebensmittel bei den Menschen in den Regionen stärken sowie alle wesentlichen Akteure wie Landwirte, Handwerk und Vertrieb bestmöglich miteinander vernetzen.“

Wachsender Markt für Bio-Produkte aus regionaler Produktion

„Wir wollen unsere heimischen Erzeuger und Verarbeiter dabei unterstützen, diese wachsenden Märkte bestmöglich zu bedienen“, so der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk. Die Landwirtschaft in Baden-Württemberg stehe für die Erzeugung hochwertiger regionaler Lebensmittel und die Pflege einer einmaligen Kulturlandschaft. Wo immer sich gute Marktchancen für die Betriebe im Land ergeben würden, müssten diese genutzt werden. „Wer den Markt hat, der hat die Zukunft“, betonte der Minister. „Die ausgewählten Regionen spiegeln unsere Vielfalt im Land wider. Jede der Bio-Musterregionen hat ihre besonderen Entwicklungspotenziale und Facetten. Wir sind gespannt, welche Erkenntnisse für den Öko-Landbau im Land sich bei der Umsetzung zeigen, die auch auf andere Regionen in Baden-Württemberg übertragen werden können“, sagte Minister Hauk.

Förderung von 100.000 Euro jährlich für drei Jahre

In den ausgewählten Regionen fördert das Land ein Regionalmanagement zur Unterstützung des Öko-Landbaus vor Ort mit maximal 100.000 Euro jährlich für einen Zeitraum von drei Jahren. Die Akteure des Öko-Sektors sollen vor Ort Maßnahmen für mehr Öko-Landbau in Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung entwickeln. Für den Start der Förderung ist jedoch noch grünes Licht aus Brüssel notwendig, das für Ende Februar erwartet wird.

„Insgesamt haben neun Regionen aus dem ganzen Land an unserem Wettbewerb teilgenommen. Dies ist ein Beleg für das große Interesse an Bio-Lebensmitteln aus Baden-Württemberg“, betonte Minister Hauk. Ausgeschrieben waren insgesamt vier Bio-Musterregionen, jeweils eine pro Regierungsbezirk. Die Regionen, deren Bewerbungen für diese erste Fördermaßnahme nicht ausgewählt wurden, erhalten für ihre Konzeption und ihr Engagement ein Preisgeld in Höhe von 2.000 Euro, was die Leistung für die Erstellung der Bewerbung honorieren soll. „Da der Landtag mit dem Doppelhaushalt 2018/19 zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt hat, ist eine weitere Ausschreibung von Bio-Musterregionen für Baden-Württemberg vorgesehen. Damit erhalten weitere Regionen die Möglichkeit einer Förderung als Bio-Musterregionen“, sagte Minister Hauk.

Ein zentraler Punkt sei für die Landesregierung aber auch die freie betriebliche Entscheidung eines jeden Landwirts, sagte Hauk: „Jeder landwirtschaftliche Betrieb sieht für sich seine ganz eigenen Entwicklungsmöglichkeiten und jeder Mensch hat die freie Wahl, welche Lebensmittel er kauft. Wir zwingen niemanden dazu, ,bio‘ zu erzeugen oder zu konsumieren.“

Die einzelnen Bio-Musterregionen

Im Bereich des Regierungsbezirks Freiburg erhielt die Bewerbung der Landkreise Bodensee und Konstanz den Zuschlag. Sie enthält konkrete Vorschläge und kreative Ideen für die Umsetzung in den nächsten Jahren. Eine Projektidee ist zum Beispiel, Bio-Regiomaten aufzustellen, also Verkaufsautomaten, an denen an sieben Tagen pro Woche Bio-Erzeugnisse erworben werden können.

Im Bereich des Regierungsbezirks Tübingen fiel die Wahl auf den Landkreis Ravensburg. Besonders hervorzuheben ist bei dessen Konzeption, dass eine intensive Vernetzung zwischen Lebensmittelhandwerk und der Außer-Haus-Verpflegung geplant ist. Weiterhin ist ein Austausch mit Regionen in Richtung Bayern möglich und vorgesehen. Als ein Leuchtturmprojekt wird beispielhaft das Projekt „Bio-Frischmilch für die Region“ vorgeschlagen.

Im Bereich des Regierungsbezirks Stuttgart kommt der Landkreis Heidenheim gemeinsam mit Gemeinden des Ostalbkreises zum Zug. Die Entscheidung für die Region Heidenheim/Ostalbkreis fiel aufgrund klarer und priorisierter Ansätze sowie der Vernetzung des ökologischen Landbaus vor allem mit dem Gewässerschutz. Eine Umsetzungsidee ist der verstärkte Anbau von Bio-Braugerste für ein „bioregionales“ Bier. Weiterhin sollen mit einer regionalen Bio-Warenbörse Angebot und Nachfrage nach Bio-Erzeugnissen besser zusammengeführt werden.

Im Bereich des Regierungsbezirks Karlsruhe wird der Enzkreis erste Bio-Musterregion. Eine große Chance für die Betriebe und die Region wird in der lokalen Vermarktung von regionalen Bio-Produkten und in der Regionalkampagne „Natürlich. VON DAHEIM“ gesehen. Darüber hinaus spielen Maßnahmen im Streuobst eine große Rolle. Um umstellungsinteressierten Landwirten den Einstieg in den Ökolandbau zu erleichtern, sollen gezielt Bauer-zu-Bauer-Gespräche im Enzkreis initiiert werden.

Mit den Bio-Musterregionen setzt die Landesregierung eines ihrer Koalitionsziele um. Die mit dem ökologischen Landbau verbundenen Wertschöpfungspotenziale sollen im Land genutzt werden. Der Wettbewerb wurde im August 2017 ausgeschrieben, die Bewerbungsfrist endete im November 2017.

Bilder der Pressekonferenz zum Herunterladen

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