Weinbau

Herbstpressekonferenz des Weinbauverbandes Württemberg

Anlässlich der Herbstpressekonferenz des Weinbauverbandes Württemberg äußerte Weinbauminister Peter Hauk die Erwartung eines in der Menge durchschnittlichen Jahrgangs, der aber von großer Güte sein dürfte. Erfreut zeigte sich Hauk über den neuen Dualen Studiengang „Wein-Technologie-Management“.

„Das Vegetationsjahr 2019 war durch ein sehr warmes, teilweise heißes Frühjahr mit geringen Niederschlägen im langjährigen Vergleich geprägt. Glücklicherweise gab es im Juli kühlere Phasen und vereinzelt Niederschlag, der die Trockenheit abmilderte. Es ist wieder ein Jahr der Wetterextreme, das uns verdeutlicht, welche Risiken die Landwirtschaft in Zeiten des Klimawandels zu tragen hat. Auf der anderen Seite können Reben Hitze und temporäre Trockenheit ertragen und trotzdem Trauben von sehr guter Qualität erbringen. Wir erwarten in der Menge einen durchschnittlichen Jahrgang, der aber von großer Güte sein dürfte“, sagte Weinbauminister Peter Hauk in Weinstadt (Rems-Murr-Kreis) anlässlich der Herbstpressekonferenz des Weinbauverbandes Württemberg.

Ertrags- und Einkommensrisiken steigen

„Aufgrund des Klimawandels steigen allerdings die Ertrags- und Einkommensrisiken in der Landwirtschaft. Die daraus resultierenden Produktions- und Einkommensausfälle wie in den Jahren 2017 oder 2018 können für unsere Betriebe existenzbedrohende Ausmaße annehmen und den Strukturwandel in unerwünschtem Maß beschleunigen“, so Peter Hauk. In Zukunft sei ein einzelbetriebliches Risikomanagement erforderlich, das ein Bündel an produktionstechnischen, investiven und betriebsorganisatorischen Maßnahmen umfasse. „Ich beabsichtige, in Baden-Württemberg ab 2020 ein Pilotprojekt zu starten und will Mehrgefahrenversicherungen gegen Frost, Sturm und Starkregen im Wein- und Obstbau, vorbehaltlich anstehender Haushaltsbeschlüsse, bezuschussen“, betonte der Minister.

„Ein anderes zentrales gesellschafts- und agrarpolitisches Thema ist die Erhaltung der Biodiversität als Lebensgrundlage. Gerade für den Weinbau als Dauerkultur ist die Vermeidung von Erosion und die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit und der Humusbildung von zentraler Bedeutung. Maßnahmen wie die Begrünung der Weinbergsböden, insbesondere von Böschungen, mit ein- und mehrjährigen Blühmischungen leisten vorbildliche Beiträge zur Biodiversität“, so der Minister.

Gerade die Steillagen im Land seien Aushängeschilder für die Artenvielfalt. Vor allem in den warmen Mauern und Böschungen würden sich mediterrane Flora und Fauna mit Arten finden, die sonst im Land selten vorkommen. Deshalb unterstütze das Land auch die Erhaltung der Weinbausteillagen mit jährlichen Bewirtschaftungshilfen.

„Aktuelle Projekte im Weinbau, wie die mechanische Beikrautbekämpfung in den Rebzeilen (Unterstockbereich) und die Weiterentwicklung des Prognosesystems Vitimeteo, stehen ebenfalls ganz im Sinne von Nachhaltigkeit und Biodiversität“, sagte der Minister.

„Ein weiteres Thema ist der Bildungssektor im Weinbau. Hier hat sich die Situation in Deutschland in der vergangenen Dekade stark verändert“, betonte Minister Hauk. Es sei ein nachhaltiger Trend in Richtung Akademisierung festzustellen. Weinsberg sei und bleibe der zentrale Bildungsstandort für Weinbau und Oenologie in Baden-Württemberg.

Dualer Studiengang „Wein-Technologie-Management“ startet am 1. Oktober

„Ich freue mich deshalb ganz besonders über das erzielte Einvernehmen mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Heilbronn und die erfolgreiche Akkreditierung des dualen Bachelor-Studienganges ‚Wein-Technologie-Management‘. Bereits am 1. Oktober wird das Duale Studium für 21 Studierende mit der Praxisphase bei den Dualen Partnerbetrieben starten“, betonte der Minister. Die Studierenden seien somit während einer sehr wichtigen Arbeitsphase von Oktober bis Dezember in den Betrieben. Das sei die besondere Struktur des praxisintegrierten Studiums an der DHBW. Am 7. Januar 2020 werde dann die erste Studienphase in Heilbronn und Weinsberg beginnen.

Parallel neben der Ausarbeitung des Curriculums für den Bachelor-Studiengang wird auch die Technikerfortbildung zeitgemäß weiterentwickelt. Damit wird das Weinsberger Profil einer praxisintegrierten Bildung weiter gestärkt. Die Bedürfnisse aus der Praxis werden aufgenommen. Am 1. September 2019 haben 26 Studierende mit der Fortbildung zum Weinsberger Techniker begonnen.

Klimawandel und Risikomanagement

Zu einem einzelbetrieblichen Risikomanagement gehören als zentrale Elemente eine steuerliche Risikoausgleichsrücklage für die Landwirtschaft, die eine entsprechende Rücklagenbildung erleichtert, die staatliche Unterstützung von Mehrgefahrenversicherungen auch durch den Bund, die Verbesserung der Fördermöglichkeiten für investive, produktionstechnische Maßnahmen (z.B. Bewässerung) und die Absenkung der Versicherungssteuer für das Risiko Trockenheit.

Unterstützungsmaßnahmen des Landes zur Erhaltung der Biodiversität im Weinbau

  • Förderung der Steillagen
    Steillagenweinberge können vielfältige Flora und Fauna beherbergen. Für Handarbeitslagen, die nicht mit selbstfahrenden Maschinen, wie Schleppern, bearbeitet werden können, wird eine Bewirtschaftungsbeihilfe in Höhe von 3000 € pro ha und Jahr gewährt. Für Steillagenweinberge, die maschinell bewirtschaftet werden, kann ein jährlicher Zuschuss über das Agrarumweltprogramm FAKT (Förderprogramm Agrarumwelt, Klimaschutz und Tierwohl) in Höhe von 900 € pro ha und Jahr in Anspruch genommen werden.
     
  • Das Prognosesystem Vitimeteo ermöglicht anhand von Wetterdaten die Entwicklung verschiedener Pilzkrankheiten, aber auch von tierischen Schädlingen, wie dem Traubenwickler im Weinbau vorherzusagen. So kann der Pflanzenschutz zielgerichtet erfolgen, was den Schutz der Reben verbessert, aber auch hilft, die Menge der eingesetzten Pflanzenschutzmittel zu verringern.

Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz: Weinbau in Baden-Württemberg