Auszeichnung

Bundesverdienstkreuz für Professor Dr. Paul-Otto Schmidt-Michel

Berechne Lesezeit
  • Teilen
Bundesverdienstkreuz (Foto: © dpa)

Sozialminister Manne Lucha hat Professor Dr. Paul-Otto Schmidt-Michel für sein jahrzehntelanges außergewöhnliches Engagement für Menschen mit psychischen Erkrankungen das Bundesverdienstkreuz am Bande überreicht.

Für sein jahrzehntelanges außergewöhnliches Engagement für Menschen mit psychischen Erkrankungen hat Sozial- und Integrationsminister Manne Lucha am Freitag (19. Juni) in Friedrichshafen am Bodensee Professor Dr. Paul-Otto Schmidt-Michel das von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verliehene Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgehändigt.

Professor Schmidt-Michel gilt als Pionier der Sozialpsychiatrie zwischen 1990 und 2015 und maßgeblicher Initiator der Psychiatrie-Reformen in Baden-Württemberg.

„Die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit psychischen Erkrankungen am gesellschaftlichen Leben immer weiter voranzubringen: Diesen Gedanken allen Widerständen zum Trotz Realität werden zu lassen, das prägt das Lebenswerk von Professor Paul-Otto Schmidt-Michel. Ob als junger, wilder Student oder Arzt, ob als Professor in Ulm oder Ärztlicher Direktor des Zentrums für Psychiatrie in Weissenau: Paul-Otto Schmidt-Michel kämpfte hartnäckig und erfolgreich gegen die inakzeptablen, oft menschenverachtenden Verhältnisse in den damaligen psychiatrischen Anstalten, gegen die Abschottung und Stigmatisierung und für die Integration von Menschen mit psychischen Erkrankungen in die Mitte unserer Gesellschaft. Mit seinem unermüdlichen Engagement hat er ein ganz wesentliches Stück Psychiatriegeschichte in Deutschland mitgeschrieben und sich um unser Land verdient gemacht“, so Minister Lucha anlässlich der Feierstunde im Landratsamt des Bodenseekreises.

Psychiatrie-Reform vorangetrieben

Professor Schmidt-Michel machte sich in den 1980er- und 1990er-Jahren mutig auf, die baden-württembergische Psychiatrie-Reform voranzutreiben. Damit traf er den Puls der damaligen Zeit. Der Mensch sollte immer im Mittelpunkt stehen, psychisch Kranke sollten gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilhaben dürfen, so sein Credo. In diesem Zuge setzte er sich für psychisch Kranke ein, die jahrzehntelang nicht als gesellschaftlich integrierbar galten und oft mehr als ihr halbes Leben lang weggesperrt und isoliert auf Langzeitstationen verbringen mussten. Schmidt-Michels Herzensprojekt war die Wiedereinführung der psychiatrischen Familienpflege in Deutschland, die im 19. Jahrhundert unter Psychiatern diskutiert worden, doch dann weitgehend in Vergessenheit geraten war.

„Heute ist es unser oberstes Gebot, psychisch kranken Menschen Respekt und Wertschätzung entgegenzubringen und sie nicht auf ihre Erkrankung zu reduzieren. Nicht Abschottung, sondern Teilhabe – das ist das Ziel. Dass sich diese Ansicht heute zum Glück gesellschaftlich breit durchgesetzt hat, das verdanken wir zu einem großen Teil Paul-Otto Schmidt-Michel“, betonte Lucha.

Professor Schmidt-Michel wirkte maßgeblich in den Vereinen Arkade und Pauline 13 mit und prägte das dortige Engagement nachhaltig. Dabei leitete ihn stets das Ziel, Menschen mit psychischen Erkrankungen ein möglichst selbstständiges und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Darüber hinaus ist es ihm ein großes Anliegen, den Menschen, die den Gräueltaten des Nationalsozialismus zum Opfer fielen, ein Stück ihrer Würde zurückgegeben. Das Denkmal der Grauen Busse, das an den vielfachen Mord der Nationalsozialisten an Kranken und Menschen mit Behinderungen erinnert, geht zu einem großen Teil auf den Einsatz von Professor Schmidt-Michel zurück. Sein Engagement ist deshalb ein wichtiger Beitrag gegen das Vergessen und für eine lebendige Erinnerungskultur.

Dank für gelebte Mitmenschlichkeit

„Vor allem in Zeiten wie diesen, in denen Rassismus, Antisemitismus, Rechtsextremismus, Hass und Hetze leider wieder zunehmen und unsere Gesellschaft von innen bedrohen, brauchen wir engagierte Bürgerinnen und Bürger, die sich unerschrocken und mit offenem Visier für Offenheit und Demokratie, für Vielfalt und Toleranz einsetzen. Für sein vorbildliches Engagement danke ich Professor Paul-Otto Schmidt-Michel im Namen der gesamten Landesregierung sehr herzlich. Sein vorbildhafter Einsatz und seine gelebte Mitmenschlichkeit verdienen unser aller Respekt“, so Minister Lucha abschließend.

Der Landrat des Bodenseekreises, Lothar Wölfle, sagte: „Um Geschichte zu verstehen und aus ihr zu lernen, muss man sie kennen und akzeptieren. Deshalb unterstützt der Bodenseekreis mit Nachdruck das Projekt eines Gedenkbuches an die sogenannte Euthanasie konkret hier in unserer Region. Diese Verbrechen und ihre Opfer dürfen nicht in Vergessenheit geraten. Zu wissen, dass sich diese menschlichen Schicksale hier in unserer Region ereignet haben, macht besonders betroffen. Ich bin Professor Schmidt-Michel persönlich sehr dankbar dafür, dass er mit viel Energie und Beharrlichkeit daran arbeitet, die Gesichter und Geschichten dieser Menschen sichtbar zu machen und für die Nachwelt zu bewahren.“

Weitere Meldungen

Wasser läuft aus einem Wasserhahn in ein Glas.
Masterplan Wasserversorgung

Beirat für sichere Wasserversorgung gegründet

von links nach rechts: Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Georg Kräusslich, Präsident der Heidelberger Akademie der Wissenschaften; Prof. Dr. Irena Kogan, Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung; Prof. Dr. Largus Angenent, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät der Universität Tübingen; Wissenschaftsministerin Petra Olschowski und Prof. Dr. Robert Zeiser, Medizinische Fakultät der Universität Freiburg
Forschung

Landesforschungspreise 2026 in Stuttgart verliehen

Ein Arzt hält in einem Behandlungszimmer in seiner Praxis in Deizisau im Landkreis Esslingen ein Stethoskop in der Hand, mit der anderen Hand bedient er eine Computertastatur. (Bild: dpa)
Gesundheitsreform

Nachbesserungen bei Kranken­versicherung-Reform gefordert

Wasser läuft aus einem Wasserhahn in ein Glas.
Bodenverunreinigungen

1,2 Millionen Euro für PFAS-Forschung

Das Bild ist in vier orangefarbene Kacheln unterteilt. Jede Kachel beinhaltet eine Empfehlung zum Umgang mit großer Hitze. Kachel eins: In der Mittagshitze Schatten aufsuchen und große Anstrengungen möglichst meiden. Kachel zwei: Ausreichend trinken, zum Beispiel Wasser oder Saftschorle. Koffein und Alkohol meiden. Kachel drei: Leichte Baumwollkleidung in hellen Farben tragen. Sonnenbrille und Mütze oder Hut aufsetzen. Kachel vier: Auf Menschen achten, die die Empfehlungen nicht selbst umsetzen können und ihnen helfen. Im Zentrum des Bildes ist ein Kreis in dem eine Sonne strahlt. Ein Thermometer zeigt eine Temperatur von 40 Grad Celsius.
Gesundheitsschutz

Wenn Hitze zur Gesundheitsgefahr wird

Eine Mitarbeiterin eines Pharmahändlers bestückt in Stuttgart-Münster in Baden-Württemberg eine Kommissioniermaschine.
Wirtschaft

Investitionen in Pharmaindustrie wandern ab

Promotionsfahrzeug Mehr Leben im Eigenheim
Wohnraumoffensive

Online-Dialog zu „Mehr Leben im Eigenheim“ am 25. Juni

Organspendeausweis
Organspende

Zahl der Organspenden im Land steigt leicht

Eine asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) sitzt auf einem Finger und sticht zu.
Gesundheitsschutz

Stechmückensaison hat begonnen

Abgebildet ist das Logo zum Förderprogramm "Inklusionstaler". In einem Kreis finden sich viele kleine Punkte in allen Farben. Auf halber Höhe steht rechts der Schriftzug "Inklusionstaler" in weiß auf blauem Grund.
Menschen mit Behinderung

Land fördert Teilhabe von Menschen mit Behinderungen

Eine Frau befestigt einen „Rauchen-Verboten“-Aufkleber an einer Scheibe (Bild: © dpa).
Nichtraucherschutz

Neue Regeln für Raucherinnen und Raucher vom 1. Juni an

Logo und Schriftzug der „Agentur für Arbeit“ an einem Gebäude.
Arbeitsmarkt

Moderate Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt

Logo von Start up BW
Start-up BW

OSORA medical im Landesfinale des „Start-up BW Elevator Pitch“

Teilnehmende der Jugend- und Familienministerkonferenz 2026 sitzen mit Blick auf mehrere kreisförmig angeordnete Bildschirme an einem großen Konferenztisch.
Jugend und Familie

Land setzt Schwerpunkte für gesellschaftlichen Zusammenhalt

Ein Thermometer zeigt fast 36 Grad Celsius an.
Gesundheitsschutz

Temperaturanstieg und hohe UV-Strahlung am Pfingstwochenende