Landwirtschaft

Bundesregierung stuft die Folgen der Dürre als nationales Schadereignis ein

Berechne Lesezeit
  • Teilen

Die Bundesregierung hat die Folgen der Dürre als ein nationales Schadereignis einstuft. Baden-Württemberg begrüßt diese Entscheidung. Vor allem Futterbaubetriebe spüren die Folgen der Dürre erheblich.

„Baden-Württemberg begrüßt es sehr, dass die Bundesregierung die Folgen der Dürre als ein nationales Schadereignis einstuft und Bundesministerin Julia Klöckner zugesagt hat, dass sich der Bund zur Hälfte an Hilfsprogrammen der Länder beteiligt. Der Bund muss nun sehr schnell die notwendigen Mittel bereitstellen und auch in Baden-Württemberg werden wir im Kabinett über eine Beteiligung des Landes an den Dürrehilfen beraten“, sagte der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk.

Grundlage für die finanziellen Hilfen ist eine Existenzgefährdung der betroffenen Betriebe. „Dabei brauchen wir für unsere betroffen Familienbetriebe ein pragmatisches, schnell umsetzbares Verfahren“, forderte Hauk.

Das Land wird in den kommenden Tagen mit dem Bund die Verfahrensregeln abstimmen, die die Verhältnisse in Süddeutschland mit kleineren Betrieben angemessen berücksichtigen. „Wichtig ist dabei, dass am Ende eine Futterbeihilfe zustande kommt, um den stark betroffenen viehhaltenden Betrieben schnell helfen zu können“, so der Minister.

Unter Berücksichtigung existentieller Probleme der Betriebe, insbesondere bei der Grundversorgung von Tieren, wird in Baden-Württemberg aktuell von einem Schadensvolumen von 50 Millionen Euro, vorwiegend im Futterbau, ausgegangen. Bei einem Beihilfesatz von 50 Prozent würden sich Bund und Land dann die Finanzierung teilen. Allerdings muss zunächst abgewartet werden, wie viel Geld der Bund dem Land zur Verfügung stellen kann, um eine definitive Aussage zum Umfang der möglichen Hilfen zu treffen.

Stärkung des Risikomanagements in den Betrieben ist wichtig

Aufgrund des Klimawandels steigen die Ertrags- und Einkommensrisiken in der Landwirtschaft. Ursache sind unter anderem längere, sommerliche Hitzeperioden aufgrund stabiler Wetterlagen oder die Spätfrostgefahr infolge eines früheren Vegetationsbeginns. Die folgenden Produktions- und Einkommensausfälle wie in den Jahren 2017 oder 2018 können für unsere Betriebe existenzbedrohende Ausmaße annehmen und den Strukturwandel in unerwünschtem Maß beschleunigen.

„Dem muss dringend durch ein angepasstes, einzelbetriebliches Risikomanagement begegnet werden, das ein Bündel an produktionstechnischen, investiven und betriebsorganisatorischen Maßnahmen umfasst“, sagte Minister Hauk.

Das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz setzt sich daher mit dem Berufsstand auf nationaler Ebene für deutlich verbesserte Maßnahmen und Anreize zur nachhaltigen Unterstützung des einzelbetrieblichen Risikomanagements ein. Dazu gehören als zentrale Elemente:

  • eine steuerliche Risikoausgleichsrücklage für die Landwirtschaft, die eine entsprechende Rücklagenbildung erleichtert,
  • die staatliche Unterstützung auch durch den Bund von Mehrgefahrenversicherungen,
  • die Verbesserung der Fördermöglichkeiten für investive, produktionstechnische Maßnahmen (zum Beispiel Bewässerung),
  • die Absenkung der Versicherungssteuer auch für die Risiken Trockenheit und Hochwasser.

Weitere Informationen

Nach derzeitigem Stand sind Futterbaubetriebe in Baden-Württemberg besonders von der Dürre betroffen, allerdings regional in unterschiedlichem Ausmaß. Bei Getreide und Raps liegen die Durchschnittserträge in Baden-Württemberg 2018 nach den vorläufigen Daten der besonderen Ernteermittlung (Statistisches Landesamt) in etwa auf dem Niveau der Jahre 2012 – 2017. Auch bei den Sonderkulturen sind die Ernteaussichten überwiegend gut. Dies schließt nicht aus, dass einzelne Betriebe mit Marktfrüchten und Sonderkulturen dennoch stärker betroffen sind.

Damit die Futterbaubetriebe zeitnah unterstützt werden können, sind neben der witterungsabhängigen Möglichkeit zur Verfütterung des Aufwuchses von Bracheflächen (ökologische Vorrangflächen) und der Begrünung von Ackerflächen (ohne Sanktion hinsichtlich Verpflichtungsumfang im Agrarumweltprogramm FAKT) schnell wirksame finanzielle Hilfen für bedürftige Betriebe notwendig, um Futterengpässe zu beheben.

Nachdem über die Landwirtschaftliche Rentenbank bereits ein bundesweites Kreditprogramm zur Verfügung steht, begrüßt es das Land sehr, dass sich nun auch das BMEL bei den Dürrehilfen für eine Zuschussregelung im Rahmen der von der EU notifizierten Nationalen Rahmenrichtlinie ausspricht. Grundlage für eine mögliche Entschädigung ist danach, dass einzelbetrieblich ein Ertragsverlust (Naturalertrag) aufgrund der Dürre von über 30 Prozent der durchschnittlichen Jahreserzeugung nachgewiesen werden kann. Dazu kommt dann noch die notwendige Prüfung der Bedürftigkeit. Sind die Voraussetzungen erfüllt, kann der Schaden anteilig gefördert werden. Die Finanzierung teilen sich Bund und Land.

Als nächste Schritte werden der Bund und die Länder Eckpunkte für ein praktikables Verfahren festlegen, das letztlich in einer Verwaltungsvereinbarung zwischen dem Bund und den beteiligten Ländern mündet. Ziel ist, dass diese Vereinbarung nach Schaffung der Voraussetzungen in Bund und Ländern noch im September 2018 unterzeichnet werden kann. Erst danach kann das Antragsverfahren für Betriebe in Baden-Württemberg gestartet werden.

Weitere Meldungen

Visualisierung vom Anbau der Frauenklinik am Universitätsklinikum Tübingen Ansicht West
Vermögen und Bau

Frauenklinik am Universitäts­klinikum Tübingen wird erweitert

Verkehrsunfallbilanz 2025
Verkehrsunfallbilanz 2025

Straßenverkehr in Baden-Württemberg wird immer sicherer

Ein Windrad ist auf der Holzschlägermatte bei Freiburg zu sehen.
Erneuerbare Energien

Mehr Windkraft für Baden-Württemberg

PV-Anlage auf dem Landtag in Stuttgart
Erneuerbare Energien

Photovoltaik-Ziel bereits vorab erreicht

Ein Clown der Narrenzunft Rottenburg läuft beim großen Umzug des Weißnarrentreffens in Villingen-Schwenningen durch die Innenstadt (Quelle: dpa).
Verbraucherschutz

Produktkontrollen für ein unbe­schwertes Feiern des Faschings

Kabinettssitzung in der Villa Reitzenstein in Stuttgart
Landesregierung

Bericht aus dem Kabinett vom 10. Februar 2026

Eine Frau greift nach einem Apfel aus dem Obst- und Gemüseregal eines Reformhauses. (Foto: © dpa)
Landwirtschaft

Land mit vielfältiger Bio-Qualität auf BIOFACH präsent

Ein Mann hält ein Ringbuch mit Bauplänen, mit dem Zeigefinger deutet er auf ein Baufeld
Flächenmanagement

„Flächen gewinnen durch Innenentwicklung“ wird gestärkt

Eine Frau sitzt an einem Computer.
Verbraucherschutz

Chancen und Risiken von Chatbots im Kundenservice

Ein Wolf sitzt im Erlebnispark Tripsdrill in einem Gehege. (Foto: dpa)
Wolfsmanagement

Auffälliger Wolf im Nordschwarzwald soll entnommen werden

Ein älteres Paar wandert bei Sonnenschein auf einem Feldweg bei Fellbach zwischen zwei Rapsfeldern hindurch. (Bild: Christoph Schmidt / dpa)
Ländlicher Raum

Flurneuordnung in Furtwangen bewilligt

Zwei Grundschüler stehen an einer Straße vor einer Schule.
Verkehrssicherheit

Bewerbungen für Verkehrs­präventionspreis ab jetzt möglich

Firma WMB Ventilatoren GmbH in Obersontheim
Ländlicher Raum

Bewerbungsstart für „Spitze auf dem Land!“

Mittelständischer Betrieb in Baden-Württemberg bei der Taschenherstellung aus alten PET-Flaschen (Symbolbild, © dpa)
Wirtschaft

Landtag beschließt neugefasste Mittelstandsförderung

Ein Krebsforscher arbeitet in einem Labor des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen in Heidelberg mit einer Pipette. (Bild: picture alliance/picture alliance / dpa)
Gesundheitsschutz

PFOA-Belastung bei Einwohnern im Landkreis Rastatt sinkt weiter