Biodiversität

Mit dem Sonderprogramm Biodiversität die Grundlage unseres Lebens retten

Eine Hummel sitzt auf einer Distel-Blüte (Foto: © dpa)
Ein Landwirt bei der Mostäpfellese mit Erntehelfern auf seiner Streuobstwiese. (Foto: © dpa)
Förster pflanzt Setzlinge
Ein Admiral (Vanessa atalanta) sitzt bei Bergatreute auf einer Rainfarn-Phazelie (Phacelia tanacetifolia). (Foto: © dpa)
Salbei-Glatthafer-Wiese auf einer Böschung im Frühsommer (Foto: © Dr. Tillmann Stottele)
Mohn- und Kornblumen blühen in einem Getreidefeld (Bild: dpa).

Baden-Württemberg ist Lebensraum für circa 50.000 Tier- und Pflanzenarten, rund 40 Prozent davon sind mittlerweile gefährdet. Der Rückgang der Artenvielfalt ist besorgniserregend und hat vielfältige Ursachen. Um das Artensterben zu stoppen, hat die Landesregierung ein Sonderprogramm zur Stärkung der biologischen Vielfalt aufgesetzt. Denn beim Artensterben handelt es sich – wie beim Klimaschutz – um eine existenzielle Zukunftsfrage der Menschheit.

Baden-Württemberg ist Heimat unterschiedlichster Pflanzen- und Tierarten, circa 50.000 verschiedene Arten sind bekannt. Der wachsende Flächenverbrauch, die Versiegelung der Landschaft, aber auch die land- und forstwirtschaftliche Nutzung haben dazu beigetragen, dass die Zahl der Tier- und Pflanzenarten im Lande seit Jahren zurückgeht. Rund 40 Prozent sind inzwischen gefährdet.

Um dem Artensterben entschieden zu begegnen, hat die Landesregierung im November 2017 ein bundesweit einmaliges Sonderprogramm zur Stärkung der biologischen Vielfalt verabschiedet. Darin verpflichtet sie sich dazu, die biologische Vielfalt als Lebensgrundlage zu erhalten. Zusätzlich sollen verlässliche Daten über das qualitative und quantitative Vorkommen, etwa von Insekten, gesammelt werden. Das Umweltministerium, das Landwirtschaftsministerium sowie das Verkehrsministerium sind gemeinsam für die Umsetzung des Sonderprogramms verantwortlich. Denn Naturschutz geht alle etwas an und kann nur gemeinsam erfolgreich gestaltet werden. „Die Vielfalt der Natur und des Lebens in unserer Heimat zu erhalten, ist für mich nicht nur eine politische, sondern auch eine moralische Verpflichtung“, betont Ministerpräsident Kretschmann.

Insgesamt sind für das Sonderprogramm in den Jahren 2018 und 2019 36 Millionen Euro vorgesehen. Ein Fachgremium mit externen wissenschaftlichen Sachverständigen begleitet die Umsetzung des Sonderprogramms und wird den Erfolg der Maßnahmen bewerten.

„Schatzkisten der biologischen Vielfalt“ schützen

Baden-Württemberg beherbergt aufgrund seiner kleinteiligen Landschaft eine Vielzahl an europaweit geschützten Lebensräumen und -arten. In sogenannten „Natura 2000-Gebieten“ sind viele dieser Tiere und Pflanzen heimisch und besonders geschützt. „Natura 2000-Managementpläne“ zeigen auf, welche geschützten Lebensräume und Arten welche Pflege benötigen. Mithilfe des Sonderprogramms werden die „Natura 2000-Managementpläne“ verstärkt umgesetzt.

Für die über 1.040 Naturschutzgebiete in Baden-Württemberg hat die Naturschutzverwaltung ein Konzept zur Qualitätssicherung für Naturschutzgebiete ausgearbeitet. Die Pflege der Gebiete soll optimiert werden. In vier ausgewählten Landkreisen wird das Konzept bereits dieses Jahr erprobt und 2019 dann landesweit umgesetzt.

Kulturlandschaft ist wichtiger Lebensraum für Tiere 

Hecken und Gebüsche, Kleingewässer, Trockenmauern und Steinriegel bilden wertvolle Rückzugsräume und Nahrungsquellen für alle möglichen Tiere. Über die Landschaftspflegerichtlinie können solche Landschaftselemente gezielt gefördert werden. Landwirtschaftsbetrieben stehen zusätzliche Fördergelder zur Verfügung, wenn sie ihre Acker- oder Grünlandflächen weniger intensiv bewirtschaften, auf Pflanzenschutzmittel verzichten oder spezielle Maßnahmen für bedrohte Arten ergreifen. Im Rahmen des Sonderprogramms erhält die Naturschutzverwaltung des Landes für diese Maßnahmen zum Erhalt der wertvollen Kulturlandschaft in den kommenden zwei Jahren zusätzliche Mittel. Gleichzeitig wird mit einem landesweiten Biotopverbund versucht, die einzelnen Lebensräume miteinander zu verbinden, damit die Tiere sich frei zwischen verschiedenen Naturräumen bewegen können. Diesen landesweiten Biotopverbund zu gestalten, steht allen Interessierten, Städten und Gemeinden offen. Ab 2018 wird das Land in einer weiteren Modellregion die Umsetzung des Biotopverbunds unterstützen.

Artenvielfalt mit Landwirtschaft verbinden

Flächen bewirtschaften und gleichzeitig Artenvielfalt schaffen – dies ist kein Widerspruch. Das Landwirtschaftsministerium bietet landwirtschaftlichen Betrieben Beratung dazu an, wie sie diese beiden Ziele vereinbaren können. Mit dem Sonderprogramm werden Maßnahmen in der Landwirtschaft insbesondere im Rahmen des Förderprogramms FAKT ermöglicht, zum Beispiel die Erweiterung der Förderung von Blühstreifen mit Blühmischungen von fünf auf sieben Hektar. Damit wird mehr Fläche gefördert und die Landwirte erhalten entsprechend mehr Zuschüsse. Zusätzliche Maßnahmen sind beispielsweise die Sicherung genetischer Ressourcen der Tier- und Pflanzenwelt vor dem Hintergrund des Klimawandels, regenerative Landwirtschaft, gesamtbetriebliche Biodiversitätsberatung und Reduktion des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln.

Im Bereich des Forsts und der Naturparke werden unter anderem die Projekte Blühender Naturpark, besitzartenübergreifendes Management von Wäldern in Natura 2000-Gebieten, Allianz für Niederwild, Fachkonzept Wildkatze und Biodiversität extensiv genutzter Wälder und ein Monitoring von Waldlebensräumen umgesetzt.

Monitoring der Artenvielfalt

Bislang fehlt es an einer Datengrundlage um belastbare Aussagen darüber zu machen, in welchem Umfang Baden-Württemberg vom globalen Insektenschwund betroffen ist. Die Landesregierung will deshalb ein Insektenmonitoring aufbauen, das Informationen über die Vielfalt an Insekten im Land liefern soll. Diese Lebewesen sind nämlich gleichzeitig Indikatoren für die Qualität ihrer Lebensräume und bilden die wichtigste Nahrungsquelle für Vögel und Fledermäuse. Für Letztere wird ebenfalls ein Monitoring eingerichtet, damit gezielte Schutzmaßnahmen für die heimischen Brutvögel und Fledermäuse ergriffen werden können.

Grünflächen an Straßen ökologisch aufwerten und Lebensräume vernetzen

Grünflächen entlang von Kreis-, Landes- und Bundesfernstraßen sollen ökologisch aufgewertet und die Artenvielfalt dort erhöht werden. Durch strukturreiche Blühflächen auf ausgewählten Kreisverkehren und Rastplätzen an Landesstraßen sollen Lebensräume für Bienen und andere Insekten geschaffen werden. Das Verkehrsministerium verleiht dann außerdem an vorbildlich aufgewertete Kreisverkehre und Rastplätze an Kreis- und Gemeindestraßen eine Auszeichnung. Damit Amphibien bei ihren Wanderungen Straßen gefahrlos überwinden können, wird zudem der Bau von Amphibienschutzanlagen an Kreis- und Gemeindestraßen gefördert. Der Erfolg dieser und weiterer Maßnahmen des Verkehrsministeriums soll über ein Monitoring bis 2019 überprüft werden.

Weiterführende Informationen

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Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz: Sonderprogramm Biodiversität

Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft: Sonderprogramm Biodiversität

Ministerium für Verkehr: Sonderprogramm zur Stärkung der biologischen Vielfalt