Digitalisierung

Den digitalen Wandel gestalten

Ein Arbeiter bei der Firma Wittenstein bedient eine Maschine, die mit 2D-Codes ausgestattet ist. (Bild: © dpa)

Baden-Württemberg gestaltet die Digitalisierung und wird zu einer Leitregion des digitalen Wandels. Dafür hat das Land im Jahr 2017 die Digitalisierungsstrategie „digital@bw“ mit einer Vielzahl konkreter innovativer Projekte und Maßnahmen erarbeitet. Um dieses Anspruchsvolle Ziel zu erreichen, stellt das Land bis 2021 über eine Milliarde Euro zur Verfügung.

Die Digitalisierung ordnet nahezu alle Wirtschafts- und Lebensbereiche neu. Sie verändert grundlegend die Art und Weise wie wir arbeiten und leben, wie wir konsumieren und kommunizieren. Deshalb hat die Digitalisierung für die Landesregierung eine zentrale Bedeutung. Leitlinien der Digitalisierungsaktivitäten des Landes sind die Nachhaltigkeit, der Innovationsgehalt und der konkrete Nutzen für die Bürgerinnen und Bürger.

Digitalisierung muss den Menschen zu Gute kommen

Wir gestalten die digitale Zukunft im Schulterschluss mit den hier lebenden Menschen und den ansässigen Unternehmen. Baden-Württemberg ist zwar in vielen Bereichen längst schon im digitalen Zeitalter angekommen und führend, zum Beispiel bei der Industrie 4.0, der Mobilität oder der Künstlichen Intelligenz. Das Land soll aber stetig besser werden und eine Leitregion digitalen Wandels sein. Dazu setzt sich die Landesregierung ambitionierte Ziele und verfolgt konsequent den Ansatz, von einzelnen Maßnahmen und Projekten zu einer großen strategischen Linie zu kommen.

Vielfältige Themenfelder

Rund 65 Prozent der Schülerinnen und Schüler von heute werden einmal einen Beruf ausüben, den es heute noch gar nicht gibt. Deshalb legt die Landesregierung zum Beispiel einen besonderen Schwerpunkt auf die digitale Bildung. Wichtiges Themenfeld ist außerdem die Digitalisierung im Mittelstand, wo wir Handwerk, Handel und Dienstleistungsgewerbe mit maßgeschneiderten Programmen unterstützen. Die Möglichkeiten der fortschreitenden Digitalisierung können zum Beispiel die medizinische und pflegerische Versorgung verbessern. Die Digitalisierung spielt bei dem Ziel zur Mobilitätsregion Nummer eins zu werden eine wichtige Rolle: digitales Parkraummanagement, die Weiterentwicklung automatisierten Fahrens oder die Ausbalancierung von Verkehrsgeschehen sind nur einige Beispiele.

Da die Digitalisierung keinen Halt vor Ressortgrenzen macht, setzt die Landesregierung bei allen Projekten auf eine enge Vernetzung untereinander. Der Kabinettsausschuss Digitalisierung ist dabei Scharnier und Brücke für alle ressortübergreifenden Digitalisierungsprojekte der Ministerien.

Breitband bis zu jedem Schwarzwaldhof

Die Versorgung mit schnellem Internet ist für Firmen sowie Bürgerinnen und Bürger so wichtig wie die Versorgung mit Strom und Wasser. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, bis 2025 ein flächendeckendes gigabitfähiges Netz in Baden-Württemberg zu schaffen. Dazu investiert die Landesregierung bis zum Ende der Legislaturperiode über eine Milliarde Euro Landesmittel in die Breitbandinfrastruktur aus Glasfaser.

Digitalisierungsstrategie „digital@bw“ und KI-Strategie

Mit der 2017 ins Leben gerufenen ressortübergreifenden Digitalisierungsstrategie „digital@bw“ und der Ende 2018 entwickelten Strategie für Künstliche Intelligenz schreiben wir die Erfolgsgeschichte Baden-Württembergs digital fort.

Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI) haben die vielleicht stärkste Veränderungskraft, die der technische Fortschritt je gesehen hat. Sie verändern Gesellschaft und pflügen Märkte um. Sie erfassen immer mehr Anwendungsbereiche: vom autonom fahrenden Auto, über lernende Maschinen, digitalisierte Medizin, Sprachassistenten, Smart Home oder intelligenten Stromnetzen. Sie betreffen Konzerne, aber auch den Mittelstand und kleine Unternehmen. Baden-Württemberg wird als führendes Hochtechnologieland dran bleiben, um auch morgen erfolgreich zu sein.

Dabei weisen Digitalisierung und KI sehr dynamische Prozesse auf. Entsprechend treiben wir auch Innovation stetig an und investieren in unsere Zukunft und die Zukunft unserer Kinder: Mit den zwei Maßnahmenpaketen hat die Landesregierung fast 80 Projekte mit insgesamt 323,3 Millionen Euro angeschoben.

Hierbei handelt es sich auch um Investitionen in unser aller Lebensqualität, denn wir müssen sicherstellen, dass die neuen Technologieren dem Wohle der Menschen dienen – Digitalisierung muss für den Menschen da sein und nicht umgekehrt.

Die intelligente Mobilität der Zukunft integriert den öffentlichen und privaten Nah- und Fernverkehr, beide funktionieren künftig komplementär – mit weniger Umweltbelastung und weniger Nervenbelastung durch Staus. Ein wichtiger Schritt dorthin war die Eröffnung des Testfelds Autonomes Fahren, wo intelligente Verkehrslösungen entwickelt und erprobt werden. An dieser Entwicklung sind auch digitale Start-ups beteiligt, die generell als Treiber der Digitalisierung fungieren. Darum fördern wir Gründungen umfassend in allen Phasen.

Bei der Gesundheit verbessern digitale Gesundheitsanwendungen die Versorgungsgerechtigkeit, indem sie die Versorgungslücke zwischen ländlichem und urbanem Raum schließen helfen. Ebenso helfen sie auf vielfältige Weise, uns über unser gesamtes Leben hinweg gesünder zu erhalten, indem sie neue Chancen für eine personalisierte Medizin mit auf den individuellen Patienten ausgerichtete Vorsorge, Therapie und Nachsorge bieten.

Digitale Kommunen

Der Ideenwettbewerb „Digitale Zukunftskommune@bw“ hat ein Fördervolumen von 7,6 Millionen Euro. Die vier Siegerkommunen sollen digitale Modellkommunen werden. Damit können sie die Digitalisierung in den Themenfeldern Mobilität der Zukunft, Bildung, Gesundheit oder Nachhaltigkeit vorantreiben. Weitere 50 Kommunen unterstützt das Land dabei, eine digitale Agenda zu entwickeln. Dabei setzen wir auf die enge Zusammenarbeit von Land, Kommunen, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und angewandter Forschung.

Mit dem Projekt „Städte und Gemeinden 4.0 – Future Communities“ unterstützt die Landesregierung 98 Städte und Gemeinden bei ihren ersten digitalen Schritten.

Digitale Bildung für alle

Die Landesregierung will bei der Digitalisierung schon bei den Jüngsten ansetzen und bei den Älteren nicht aufhören. Wir wollen die Schülerinnen und Schüler im Land auf die Herausforderungen einer digitalisierten Lebens- und Arbeitswelt angemessen vorbereiten.

Die Landesregierung stärkt das Fach Informatik in allen Schularten. Zum Schuljahr 2017/2018 hat der Einstieg in den Aufbaukurs Informatik in Klasse 7 begonnen. Den Anfang machten die allgemeinbildenden Gymnasien, alle anderen weiterführenden Schulen folgten ein Schuljahr später. Im Aufbaukurs Informatik erwerben die Schülerinnen und Schüler grundlegende Kompetenzen der informatischen Bildung. Dabei geht es um die Codierung von Daten, den Umgang mit Algorithmen, digitale Kommunikation sowie die Bedeutung und den Schutz von Daten in der Informationsgesellschaft.

Der Aufbaukurs Informatik schließt an den Basiskurs Medienbildung an, der als Teil des neuen Bildungsplans in Klasse 5 verpflichtend ist.

Seit dem Schuljahr 2018/2019 wird an den allgemein bildenden Gymnasien als Vertiefungsmöglichkeit aufwachsend für die Klassenstufen 8 bis 10 das Profilfach Informatik, Mathematik, Physik (IMP) angeboten. Im Schuljahr 2019/20 folgte dessen Einführung an der Gemeinschaftsschule.

An den Haupt-/Werkrealschulen und Realschulen wurde zeitgleich das Wahlfach Informatik eingeführt, das die Schülerinnen und Schüler aufwachsend in den Klassen 8 bis 10 freiwillig zusätzlich belegen können. Um die Chancen und Möglichkeiten moderner digitaler Technologie im Schulunterricht voll ausschöpfen nutzen können, hat das Kultusministerium eine Qualifizierungsoffensive für Lehrkräfte mit einem Fördervolumen von rund fünf Millionen Euro auf den Weg gebracht.

Daneben werden derzeit Unterrichtskonzepte für digitales Lernen und digitale Unterstützungssysteme auf ihre Praxistauglichkeit hin erprobt oder weiterentwickelt.    

Die Leistungsfähigkeit der digitalen Bildungsinfrastruktur an Schulen wird im Rahmen des DigitalPakt Schule zwischen Bund und Ländern gestärkt. Insgesamt fünf Milliarden Euro stellt der Bund dafür in den kommenden Jahren zur Verfügung, von denen etwa 650 Millionen Euro nach Baden-Württemberg fließen. Als Anschubfinanzierung von Seiten des Landes und der Kommunen stehen für kommunale Träger in Baden-Württemberg zusätzlich 150 Millionen Euro bereit.

Mit Medienkompetenz zur Teilhabe an der digitalen Gesellschaft

Die Stärkung der Medienkompetenz ist angesichts aktueller Phänomene wie Hatespeech und Fake-News unabdingbar. Im digitalen Zeitalter ist die freie politische Meinungsbildung und damit auch die offene Gesellschaft insgesamt Bedrohungen ausgesetzt, denen wir kraftvoll entgegentreten müssen.

Die Landesregierung hat dafür das landesweite Projekt #RespektBW mit der Kampagne „BITTE WAS?! – Kontern gegen Fake und Hass“ auf den Weg gebracht. Es soll vor allem Kinder und Jugendliche für einen respektvollen Umgang miteinander im Internet sensibilisieren. Darüber hinaus will die Landesregierung mit vielfältigen Maßnahmen über alle Bildungsbereiche hinweg möglichst allen Menschen in Baden-Württemberg die Teilhabe an der digitalen Gesellschaft ermöglichen und Medienkompetenz breit fördern. Die Initiative Kindermedienland Baden-Württemberg unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Winfried Kretschmann bündelt und vernetzt zahlreiche Projekte, Aktivitäten und Akteure im Land und ergänzt sie durch feste Unterstützungsangebote. Partner der Initiative Kindermedienland sind die Landesanstalt für Kommunikation (LFK), der Südwestrundfunk (SWR), das Landesmedienzentrum (LMZ), die Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg (MFG BW), die Aktion Jugendschutz (ajs) und der Verband Südwestdeutscher Zeitungsverleger (VSZV).

Die Mobilität der Zukunft

Baden-Württemberg ist Automobilland. Das Auto wurde hier erfunden, zahlreiche Weltmarktführer der Automobilbranche haben ihren Firmensitz im Land und tragen so zum wirtschaftlichen Erfolg Baden-Württembergs bei. Baden-Württemberg hat aber den Anspruch, auch Wegbereiter für eine nachhaltige Mobilität zu werden. In einer Ideenschmiede beschäftigt sich das Verkehrsministerium mit den Herausforderungen der Mobilität von morgen. Intelligente Verkehrsmanagementsysteme und intelligente Verkehrslenkung bergen das Potenzial, die ökonomische und ökologische Effizienz des bestehenden Verkehrssystems zu steigern und den Verkehr sicherer zu machen.

Die Landesregierung fördert die digitale Mobilität und intelligente Straßen sowie den intelligenten Einsatz öffentlicher Verkehrsmittel. Kompetenzen in den Bereichen Digitalisierung, Verkehr, Elektromobilität und anderer alternativer Antriebe werden wir personell und finanziell bündeln und vernetzen. In Karlsruhe und Bruchsal geht in Kürze mit Förderung des Landes ein Testfeld für automatisiertes Fahren an den Start.

Silicon Valley? Cyber Valley!

Mit dem Projekt Cyber Valley schafft Baden-Württemberg einen international sichtbaren Hotspot, der die besten Köpfe auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz in die Region locken soll. Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft arbeiten in einem neuen Modell im Bereich Forschung und Entwicklung intelligenter Systeme zusammen.

Das Land unterstützt den Aufbau regionaler Digitalisierungszentren, so genannte Digital Hubs. Dabei stehen die kleinen und mittelständischen Unternehmen als Herzstück der Wirtschaft im Zentrum. Durch branchenübergreifende Strukturen dringt die Digitalisierung in die Fläche des Landes.

Digitale Technologien in Medizin und Pflege

Trotz ihres großen Potenzials bleiben digitale Anwendungen und Kommunikationstechnologien oder alltagsunterstützende Technologien im Gesundheitsbereich nach Ansicht der Landesregierung bislang hinter ihren Möglichkeiten zurück. Die konkreten Einsatzmöglichkeiten digitaler Anwendungen sind jedoch vielfältig. Deshalb stellt die Landesregierung im Bereich der digitalen Gesundheitsanwendungen rund 20 Millionen Euro zur Verfügung.

In strukturschwächeren Regionen können Telemedizin und Telerehabilitation die räumliche Distanz zwischen Arzt und Patienten auch über große Entfernungen hinweg überwinden, einen Mangel an medizinischem und pflegerischem Fachpersonal teilweise ausgleichen und dadurch die medizinische und pflegerische Versorgung sicherstellen. Alltagstechnische Assistenzsysteme können bei pflegebedürftigen Menschen die Selbständigkeit im eigenen Zuhause stärken.

Mit dem Gesundheitsforum Baden-Württemberg führen wir verschiedene Gesundheitsbranchen zusammen und fördern übergreifende Kooperationen und Projekte. In diesem strategischen Format wollen wir sektorenübergreifend neue Partnerschaften und Allianzen schmieden, um Innovationen wie Personalisierte Medizin oder Künstliche Intelligenz zum Wohle der Patientinnen und Patienten voranzubringen. Gleichzeitig wollen wir den Gesundheitsstandort Baden-Württemberg stärken und Arbeitsplätze der Zukunft sichern.

Trotz aller Möglichkeiten, die digitale Technik bietet, steht für die Landesregierung allerdings fest, dass Technik die Behandlung und Pflege durch Menschen niemals ersetzen kann.

Digitaler Wandel in der Landesverwaltung: E-Akte und E-Government

Die Landesregierung ist bestrebt, dass auch die öffentliche Verwaltung einen deutlichen Schritt in Richtung Modernisierung durch Digitalisierung macht. Ein Baustein dazu ist die elektronische Akte (E-Akte BW) in der Landesverwaltung. Seit Ende 2019 nutzen einzelne Pilotbehörden die E-Akte. Ab 2021 folgt nach und nach die Ausstattung weiterer Behörden. Die Landesverwaltung soll flächendeckend mit der E-Akte arbeiten, um nicht nur die Verwaltung effizienter zu machen, sondern auch den Kontakt zwischen den Bürgerinnen und Bürgern und der Verwaltung des Landes zu vereinfachen und zu modernisieren.   

Dies gilt in gleichem Maße für das Verhältnis der Verwaltung zu den Bürgerinnen und Bürgern. Mit dem Aufbau eines Serviceportals für alle Landesbehörden und Kommunen wird E-Government schrittweise zur Realität. Mit Service-BW.de haben dann alle Bürgerinnen und Bürger einen zentralen und barrierefreien Zugang zu zahlreichen Verwaltungsdienstleistungen im Land.

Ein Mann sitzt mit einem Tablet im Wohnzimmer (Bild: © StockRocket - stock.adobe.com)
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