Extremismus

Radikalisierungsprävention bei Jugendlichen

Bei einem landesweiten Fachaustausch haben Experten aus den Bereichen Schule, Innere Sicherheit und Demokratiebildung über Radikalisierungsprävention bei Jugendlichen diskutiert. Ziel des kooperativen Zusammenwirkens aller Akteure ist es, eine möglichst effektive Radikalisierungsprävention für Jugendliche weiter zu fördern.

„Immer wieder stehen wir vor der Frage, wieso werden junge Menschen radikal? Warum wenden sie sich extremistischen Gruppierungen zu? Wir müssen gemeinsam, im Schulterschluss mit allen wichtigen Akteuren, Handlungs- und Entscheidungsoptionen anbieten und dafür sorgen, dass die rettende Hand ausgestreckt bleibt“, sagte der stellvertretende Ministerpräsident und Innenminister Baden-Württembergs, Thomas Strobl, anlässlich des Expertenforums im Innenministerium.

Diesen wichtigen Fragen und den gemeinsamen Antworten widmete sich heute der Fachtag „Radikalisierungsprävention bei Jugendlichen“, der vom Kompetenzzentrum zur Koordinierung des Präventionsnetzwerks gegen Extremismus in Baden-Württemberg (KPEBW) im Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration, vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg und vom Demokratiezentrum Baden-Württemberg ausgerichtet wurde.

Mehr als 200 Experten aus dem ganzen Land konnten sich bei der Veranstaltung in mehreren Fachvorträgen informieren und an Diskussionen beteiligen.

Radikalisierung möglichst frühzeitig erkennen

In seinem Grußwort stellte der Landeskriminaldirektor der Polizei Baden-Württemberg, Klaus Ziwey, die realen Gefahren von Radikalisierung für die Rechts- und damit die Gesellschaftsordnung in den Vordergrund und hob die damit zusammenhängende Notwendigkeit von Präventionsarbeit deutlich hervor. „Jeden, den wir gegen Extremismus immunisieren, egal welcher Spielart und ideologischen Richtung, ist ein Gewinn. Und zudem eine Entlastung für unsere Sicherheitsbehörden. Mir ist dabei besonders wichtig, dass das KPEBW seine Aufgabe im engen Schulterschluss mit dem Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg, dem Demokratiezentrum Baden-Württemberg und allen weiteren Partnern angeht“, betonte der Landeskriminaldirektor.

Seitens des Kultusministeriums wurde auf die Bedeutung von Radikalisierungsprävention für Schulen hingewiesen. Es gehe in der Schule darum, Prozesse der Radikalisierung möglichst frühzeitig zu erkennen, Hilfe und Orientierung zu geben oder zu vermitteln sowie auf Gefahren aufmerksam zu machen und diese zu vermeiden. Gezielte Fortbildungsangebote, wie dieser Fachtag, sowie weitere Angebote, wie die Publikation „Jugendliche im Fokus salafistischer Propaganda“ und das Extremismusportal des Kultusministeriums bieten den Schulen hierfür wichtige Unterstützung.

Jugendliche werden über vermeintlich einfache Antworten geködert

Professor Dr. Dr. Jan Ilhan Kizilhan brachte in seinen Vortrag seine praktischen Erfahrungen ein, die er unter anderem aus seiner direkten Arbeit mit traumatisierten Menschen aus den Kriegsgebieten, wie Syrien und dem Irak, erworben hatte. Hierbei berichtete er in seiner Eigenschaft als medizinisch therapeutischer Leiter des Projekts der Landesregierung Baden-Württemberg „Sonderkontingent schutzbedürftiger Frauen und Kinder aus dem Nordirak“. Weiterhin ging es ihm um die Erfahrungen aus Interviews von Angehörigen der islamistischen Terrororganisation Islamischer Staat (IS), bei denen er Täter und Opfer gleichermaßen beriet. Auf besonderes Interesse stieß sein Bericht über die Beratung von zahlreichen Jugendlichen, die der Terrororganisation IS angehörten und gemeinsam mit ihren Familien mit dem Tod bedroht wurden, wenn sie die Organisation verlassen würden. Nach deren Ausstieg wurden diese ehemaligen „Kindersoldaten“ des sogenannten IS aufgrund ihres psychischen Zustandes durch Prof. Dr. Dr. Kizilhan weiterbetreut.

Asiye Sari-Turan, wissenschaftliche Referentin Landesbildungszentrum Deradikalisierung des KPEBW, stellte diese neue Einrichtung des Landes und die von nun an zielgruppenspezifisch ausgerichteten Weiterbildungsangebote für Fachkräfte, wie beispielsweise Polizeibeamte oder Schulpsychologinnen und Schulpsychologen, vor.

Aaron Kunze vom Landesamt für Verfassungsschutz informierte über die Anziehungskraft des Salafismus für Jugendliche. Hierbei wies er besonders auf die perfide Strategie hin, Jugendliche, die sich gerade in einer Sinnkrise befinden, über vermeintlich einfache Antworten zu ködern. Weiterhin zeigte er die Bedeutung sozialer Medien auf und ging dabei beispielsweise auf geschilderte Narrative mit extremem Inhalt ein, die gepostet werden, um bei Jugendlichen Interesse zu wecken, gelikt und weiterverbreitet zu werden.

Mit dem Präventionsprojekt „ACHTUNG?!“ des Polizeipräsidiums Ludwigsburg stellte Polizeihauptkommissarin Andrea Glück einen aktuellen Ansatz der Sekundärprävention vor, der eine große Vielschichtigkeit an Vermittlungsansätzen in einem Projekt vereint. Mit einer Kombination aus Theaterpädagogik, Diskussionsrunden für Schülerinnen und Schüler, Ausstellungen und Elternabenden wirkt dieses Projekt bereits seit zwei Jahren an Schulen in den Landkreisen Ludwigsburg und Böblingen extremistischen Bestrebungen wirksam entgegen.

Radikalisierungsprävention für Jugendliche weiter fördern

Der Fachtag unterstrich zusätzlich auch die Bedeutung des kooperativen Zusammenwirkens aller Akteure, sich mit ihrer jeweiligen Fachkompetenz am Diskurs um innovative Ansätze zu beteiligen und die Notwendigkeit Ressourcen und Wissen zu bündeln, um das gemeinsame Ziel einer möglichst effektiven Radikalisierungsprävention für Jugendliche weiter zu fördern.

Landesbildungsserver Baden-Württemberg: Extremismusprävention

Kultusministerium: Jugendliche im Fokus salafistischer Propaganda. Was kann schulische Prävention leisten? – Teilband 1 (PDF)

Kultusministerium: Jugendliche im Fokus salafistischer Propaganda. Beispiele und Anregungen für die unterrichtliche und pädagogische Praxis – Teilband 2.1 (PDF)

Rückenansicht eines Polizisten der Polizei Baden-Württemberg.
  • Polizei

Präventionsfilm über „Falsche Polizeibeamte“

Schüler der Oberstufe (Quelle: dpa)
  • Schule

Vier weitere Oberstufen an Gemeinschaftsschulen

An Fahnemasten hängen die Fahne der EU, die französische Fahne und die baden-württembergische Fahne.
  • Europa

Virtueller Festakt zum Deutsch-Französischen Tag

Eine Frau trägt einen Mund-Nasen-Schutz vor einem Frage- und Ausrufezeichen.
  • Coronavirus

An Schulen gelieferte Masken des Typs „Ryzur“ sind gut geeignet

  • Landtag

„Unsere Strategie zahlt sich aus“

Stv. Ministerpräsident und Innenminister Thomas Strobl im Gespräch mit Generalkonsul Ivan Sablić.
  • Feuerwehr

Unterstützung aus dem Land für Kroatien

Ein Netzwerk-Kabelstecker leuchtet in der Netzwerkzentrale einer Firma zu Kontrollzwecken rot. (Bild: picture alliance/Felix Kästle/dpa)
  • Digitalisierung

Innenausschuss berät Gesetz zur Verbesserung der Cybersicherheit

Zwei Polizeibeamte bei einer Streife.
  • Polizei

Corona-Bilanz der Polizei vom Wochenende

Der neue Polizeihubschrauber beim Start
  • Polizei

Jahresbilanz 2020 der Polizeihubschrauberstaffel

  • Bildung

Kitas und Grundschulen in Baden-Württemberg bleiben geschlossen

Eine Reisende wird im Corona-Testzentrum am Flughafen Stuttgart getestet.
  • Coronavirus

Freiwillige Tests für Personal in Schulen und Kitas

v.l.n.r.: Philipp Weimann, Boris Wieczorek, Diensthundelehrwart Roman Schnetz, Justizminister Guido Wolf, Michael Geist und Florian Weiner
  • Justiz

Neue Spürhunde für den Justizvollzug

Zwei Polizeibeamte bei einer Streife.
  • Polizei

Corona-Bilanz der Polizei vom Wochenende

Ein Polizist geht an einem Warndreieck mit der Aufschrift „Unfall“ vorbei. (Foto: © dpa)
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Weniger Stau dank digitaler Unfallaufnahme

Eine Asylbewerberin trägt ihr kleines Kind auf dem Arm. (Bild: dpa)
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Jahresbilanz Flüchtlinge 2020

Abgelehnte Asylbewerber steigen in ein Flugzeug. (Foto: © dpa)
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Jahresbilanz des Sonderstabs Gefährliche Ausländer

Ein Schüler arbeitet mit einem iPad im digitalen Unterricht. (Bild: picture alliance/Ina Fassbender/dpa)
  • Coronavirus

Informationen zum Schul- und Kita-Betrieb nach den Weihnachtsferien

Wappen der Polizei Baden-Württemberg. (Bild: © Steffen Schmid)
  • Polizei

Neues Präventionskonzept „Sicher in Glaubensgemeinschaften“

Ein Mitarbeiter des Landesamtes für Geologie in Freiburg zeigt vom Erdbeben im Südwesten Baden-Württembergs ein Seismogramm der Erdbeben-Messstelle in Gaienhofen (Kreis Konstanz).
  • Bevölkerungsschutz

„Erdbebendienst Südwest“ wird dauerhaft fortgeführt

Feuerwehrleute verladen eine Palette mit Hilfsgütern für das kroatische Erdbebengebiet auf einen LKW.
  • Feuerwehr

Feuerwehren aus dem Land helfen in Kroatien

Ehrenamt im Bevölkerungsschutz von Baden-Württemberg
  • Bevölkerungsschutz

Aufwendungsersatz für ehrenamtliche Helfer im Bevölkerungsschutz

Polizeibeamte kontrollieren während einer Schwerpunktkontrolle zur Einhaltung der Maßnahmen, um die Coronavirus-Pandemie einzudämmen, in einem Einkaufszentrum. Dazu gehört zum Beispiel das Tragen einer Maske. In Baden-Württemberg sollen bis zum 13. Dezember 2020 noch verstärkt Kontrollen stattfinden.
  • Polizei

Bilanz der Silvesternacht

Polizeibeamte kontrollieren während einer Schwerpunktkontrolle zur Einhaltung der Maßnahmen, um die Coronavirus-Pandemie einzudämmen, in einem Einkaufszentrum. Dazu gehört zum Beispiel das Tragen einer Maske. In Baden-Württemberg sollen bis zum 13. Dezember 2020 noch verstärkt Kontrollen stattfinden.
  • Polizei

Aufruf zu Vernunft, Disziplin und Verzicht an Silvester

V.l.n.r.: Willi Holder MdL Fraktion Grüne, LPP Gerhard Klotter, LKD Klaus Ziwey, Michael Kashi, IRGW-Vorstand, Rami Suliman, Vorsitzender des Oberrates IRG Baden, Susanne Jakubowski, IRGW-Vorstand, Stv. Ministerpräsident und Innenminister Thomas Strobl, Prof. Barbara Traub, Vorstandssprecherin IRGW, Beauftragte der Landesregierung gegen Antisemitismus Dr. Michael Blume und Rabbiner Yehuda Pushkin umrahmt von Polizeischülern.
  • Polizei

Polizei Baden-Württemberg bekommt Polizei-Rabbiner

Eine Erzieherin ließt drei Kleinkindern aus einem Buch vor (Bild: © dpa).
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Investitionen in die Bildung steigen kontinuierlich