Ländlicher Raum

25 Jahre Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum

Das beschauliche Dorf Hiltensweiler, ein Teilort von Tettnang, wird von der Abendsonne angestrahlt. Im Hintergrund sind der Bodensee und die Alpen zu sehen. (Bild: picture alliance/Felix Kästle/dpa)

Im Rahmen des Entwicklungsprogramms Ländlicher Raum wurden in Baden-Württemberg in den vergangenen 25 Jahren über 26.000 Projekte bewilligt, dabei konnte mit rund 1,6 Milliarden Euro an Fördermitteln ein Investitionsvolumen von 12,6 Milliarden Euro angestoßen werden.

„Die ausgewogene Struktur des Ländlichen Raums in Baden-Württemberg zeigt, dass wir mit dieser integrierten Förderung in den letzten 25 Jahren viele Stellschrauben richtig gesetzt haben. Die enorme Bedeutung des Entwicklungsprogramms Ländlicher Raum (ELR) spiegelt sich auch am wachsenden Förderrahmen wieder. Wichtig dabei ist, dass nicht nur die Mittel aus dem Landeshaushalt über die Jahre deutlich zugenommen haben, auch die Unterstützung des Bundes, gerade für den derzeit besonders bedeutenden Bereich der Grundversorgung, hat sich in den letzten Jahren deutlich erhöht. Durch die Anwesenheit von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner wird auch deutlich, welchen Wert sowohl die Landes- als auch die Bundesregierung dem Thema Ländlichen Raum zuschreiben“, sagte der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk, im Rahmen der Jubiläumsfeier 25 Jahre Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum.

Ländliche Räume müssen attraktiv bleiben

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner sagte: „Die Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse, das ist eine politische Daueraufgabe – das verdeutlicht auch das Jubiläum, das wir heute begehen. Ländliche Räume müssen attraktiv bleiben: Zum Leben und zum Arbeiten. Dazu gehören Grundvoraussetzungen: Es geht um Nahversorgung, Ärzte, Kitas und Schulen, schnelles Internet und eine gute Verkehrsinfrastruktur. Das hält Dörfer und Gemeinden lebendig und lebenswert. Und dafür müssen wir Geld in die Hand nehmen – Förderung für Stadt und Land auf Augenhöhe, darum geht es. Gemeinsam auch mit Baden-Württemberg wollen wir die ländlichen Regionen als Kraftzentren unseres Landes erhalten und stärken.“

Rund 1,6 Milliarden Euro für über 26.000 Projekte

Der umfassende Erfolg des ELR lässt sich an der folgenden Bilanz ablesen: In den 25 Jahren wurden über 26.000 Projekte bewilligt, dabei konnte mit rund 1,6 Milliarden Euro an Fördermitteln ein Investitionsvolumen von 12,6 Milliarden Euro angestoßen werden. Für den Ländlichen Raum bedeutet dies beispielsweise, dass 12.520 Mal zeitgemäßer Wohnraum geschaffen wurde und die Umnutzung von 3.684 Gebäuden ermöglicht wurde. Insgesamt wurden in ELR-geförderte Projekte fast 40.000 Arbeitsplätze geschaffen.

Vor 25 Jahren wurde in Baden-Württemberg mit dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum ein ambitioniertes Projekt gestartet: Durch die Bündelung mehrerer Förderprogramme, entstand ein vielseitiges Programm, in dem die Strukturförderung für den Ländlichen Raum in voller Breite abgedeckt ist. Über die Förderschwerpunkte Innenentwicklung/Wohnen, Grundversorgung, Gemeinschaftseinrichtungen und Arbeiten wird die Strukturentwicklung des Landes seit 1995 umfassend angegangen.

Die kommunale Ebene bildet von Beginn an das solide Fundament des ELR. Die Kommunen stellen zum einen selbst Anträge, beispielsweise um bei der Verwandlung einer innerörtlichen Problemlage in einen kommunikativen Dorfplatz Unterstützung zu erhalten. Aber auch Unternehmen, Vereine und Privatpersonenrichtigen bringen ihre Projektideen über die Gemeinden ins ELR ein. Durch die kommunale Einschätzung und die weitergehende Behandlung der Anträge auf Landkreisebene werden die Vorhaben untereinander verglichen und priorisiert. Durch diese Prozesse gehen der Förderung richtungsweisende Fragen gehen voran: Was brauchen ländliche Gemeinden, um die Innenentwicklung erfolgreich und flächensparend voran zu bringen? Welche Stellschrauben bewirken für die kommunale Zukunft Positives? Wie kann das Land die Gemeinden dabei am besten unterstützen?

Positive Impulse zur Strukturentwicklung im Ländlichen Raum

„Um den Ländlichen Raum zu stärken, ist beides nötig: Die Kombination verschiedener infrastruktureller Impulse sowie in der Zusammenarbeit unterschiedlichster Organisationsebenen. Die intensive Einbindung der Bürgerinnen und Bürger ist wichtig und wertvoll, ebenso die Verankerung des Themas auf landes- bis bundespolitischer Ebene. Genau dies gelingt uns mit dem ELR seit Jahrzehnten. Ich bin persönlich immer wieder überrascht und erfreut, wenn ich bei den Programmentscheidungen sehe, wie frisch und lebendig das ELR auch nach 25 Jahren noch ist“, so der Minister.

Neue Ideen zur kommunalen Entwicklung, die Schaffung von zeitgemäßem Wohnraum, die Umnutzung leerstehender Gebäude, das mutige Umsetzen neuer Geschäftsideen und das Erkennen individueller lokaler Potentiale – all greift das ELR auf und unterstützt mit Förderbeträgen zwischen 5.000 Euro und einer Million. „Dieses Fördermodell ist für mich uneingeschränkt zukunftstauglich. Den steten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel können wir damit im Sinne der Bürgerinnen und Bürger zu unterstützen. Für mich daher klar, dass das ELR auch bei der Bewältigung der anstehenden Herausforderungen eine entscheidende Hilfesein wird. Unsere Sonderlinie Dorfgastronomie/Grundversorgung hat in diesem Jahr deutlich gemacht, dass das ELR bei Bedarf schnell und effektiv zur Stelle ist“, so Minister Hauk.

Förderschwerpunkte

  • Im Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum wurden 26.163 Projekte bewilligt und größtenteils umgesetzt.
  • Im Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum wurden 1,6 Milliarden Euro an Fördermitteln ausbezahlt.
  • Das sich daraus ergebende gesamte Investitionsvolumen beträgt 12,6 Milliarden Euro.
  • In 41 Schwerpunktgemeinden fand und findet 5 Jahre lang eine besonders intensive Strukturentwicklung statt.

Wohnen

  • Auch auf dem Land ist der Wohnraum knapp – das Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum unterstützte die Modernisierung und Schaffung von 12.520 Wohnungen.
  • Seit 2018 fließen jedes Jahr rund 50 Prozent der Mittel in den Wohnungsbau.
  • Aus leer wird belebt: durch die Umnutzung von alten Gebäuden wie leerstehenden Scheunen und ehemaligen Schulen sind 3.684 neue Wohneinheiten entstanden.
  • Platz für Neues – 2004 umgesetzte Baulückenschlüsse und 63 Aufstockungen geben den Ortsmitten ein vitales Gesicht. Dabei sind in zentralen Lagen 2669 zeitgemäße Wohneinheiten entstanden.
  • Klimafreundlicher und innovativer Holzbau wird im Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum besonders unterstützt. Seit dem Programmjahr 2019 haben 306 Projekte eine zusätzliche Förderung von 5 Prozent erhalten – das entspricht einem Fünftel der Projekte im Jahr 2019.
  • Attraktive Ortsmitten für Gegenwart und Zukunft: 1592 Maßnahmen mit dem Ziel das Wohnumfeld nachhaltig aufzuwerten, wurden gefördert.

Arbeiten

  • 39.179 neue Arbeitsplätze entstanden durch ELR-geförderte Projekte.
  • Essen, übernachten, sich treffen: 517 vielseitige gastronomische Projekte wurden gefördert. Die 31 Millionen Euro Fördergelder für Dorfgaststätten, Hofcafés und Hotels zogen ein Investitionsvolumen von 325 Millionen Euro nach sich.
  • Wenn Unternehmen in engen, innerörtlichen Lagen wachsen und das Umfeld beeinträchtigen, tut die Verlagerung in passende Gewerbegebiete gut. Über 1.500 Mal wurden die Kosten der Verlagerung durch das Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum abgefedert.

Gemeinschaftseinrichtungen

  • Seit 2015 werden Freibäder gefördert: in den 30 Bädern treffen sich jeden Sommer die Bürger und genießen Ihre Freizeit gemeinsam.
  • Diskutieren und feiern, Ideen schmieden und Theateraufführungen ansehen – in einem der 309 geförderten Dorfgemeinschaftshäuser.
  • Die Bürger vor Ort wissen am besten was Ihr Dorf braucht – seit 2015 wurden im Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum bereits 40 Prozesse zur Bürgerbeteiligung unterstützt.

Grundversorgung

  • In 246 geförderten Bäckereien gibt es frische Brezeln und Brötchen – lecker!
  • 182 geförderte Metzgereien tragen mit Wurst und Fleisch zur Grundversorgung bei.194 geförderte, meist lokal stark verwurzelte Hof-und Dorfläden tragen in den ländlich geprägten Gemeinden zur Grundversorgung bei. Dabei wurden auch 505 Arbeitsplätze geschaffen.

Das Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) ist seit 1995 das zentrale Förderprogramm der Landesregierung zur integrierten Strukturentwicklung von Städten und Gemeinden im Ländlichen Raum sowie von ländlich geprägten Orten im Verdichtungsraum und den Randzonen um den Verdichtungsraum.

Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz: Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum

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