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  • 11.02.2019

PUR-Sänger Hartmut Engler ist Botschafter für Alphabetisierung

  • Hartmut Engler, Sänger der Band Pur, nimmt an einer Pressekonferenz zur Alphabetisierung in Baden-Württemberg teil. (Bild: © dpa)

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Kultusministerin Susanne Eisenmann hat den Sänger und Songwriter der Band PUR, Hartmut Engler, als neuen Botschafter für Alphabetisierung vorgestellt. Dadurch geht das Land einen weiteren Schritt, um dem Thema Alphabetisierung ein Gesicht zu geben und mehr Gewicht zu verleihen.

Hartmut Engler, Sänger und Songwriter der Band PUR, ist Baden-Württembergs neuer Botschafter für Alphabetisierung. Kultusministerin Susanne Eisenmann hat Engler in seiner neuen Funktion der Landespresse vorgestellt. „Es freut mich sehr, dass Hartmut Engler unsere Anstrengungen bei der Alphabetisierung unterstützt. Gerade ein so bekannter Musiker, der glaubwürdig dazu aufruft, sich nicht mit seinen Problemen abzufinden, sondern diese zu lösen, hilft uns sehr. Dadurch kann es uns gelingen, Menschen mit Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben noch besser zu erreichen“, so Eisenmann.

Das Kultusministerium geht mit der Ernennung Hartmut Englers als Botschafter einen weiteren Schritt, um dem Thema Alphabetisierung ein Gesicht zu geben und mehr Gewicht zu verleihen. Engler selbst betont, er engagiere sich aus Überzeugung für das Lernen, egal in welchem Alter: „Mich hat es echt erschlagen, dass es in Baden-Württemberg fast eine Million Erwachsene gibt, die nicht richtig Lesen und Schreiben können. Das muss sich unbedingt ändern. Wie sollen die Leute sonst an irgendetwas teilnehmen können?“ Das Schlimmste sei, nicht hinzuschauen und das Problem nicht anzugehen, so Engler. Er will deshalb mit seiner Bekanntheit dazu beitragen, das Thema der Öffentlichkeit bewusster zu machen und Vorbehalte und Ängste abzubauen. „Stell’ Dich nie blind, taub und dumm, stell‘ Dich wenn es sein muss um - das singe ich, und das meine ich auch so“, stellt Engler dazu fest.

Als Botschafter wird Engler künftig die Ziele des Landes bei der Alphabetisierung unterstützen. So können das Kultusministerium und die Fachstelle für Grundbildung und Alphabetisierung in Veröffentlichungen, im Internet sowie in Interviews oder Filmen mit seinem Namen, mit Fotos und Videobotschaften werben. „Mit Hilfe von Hartmut Engler können wir den Betroffenen klarmachen: Sie sind nicht allein und es gibt gute Chancen, ihr Problem zu lösen“, sagt Susanne Eisenmann.

Alphabetisierung als zentrales Ziel der Bildungspolitik

Die Landesregierung hat die Alphabetisierung und Grundbildung von Erwachsenen zu einem zentralen Ziel ihrer Bildungspolitik erklärt. „Die Digitalisierung der Lebens- und Arbeitswelt setzt funktionale Analphabeten noch stärker unter Druck. Deshalb müssen wir die Betroffenen dazu motivieren, ihre Ängste zu überwinden und sich weiterzubilden. Dann können sie neue Aufstiegschancen nutzen“, so Eisenmann. Um die Kursangebote zur Alphabetisierung auszubauen und neue Grundbildungszentren einzurichten hat das Land im Nachtragshaushalt für 2019 und 2020 rund 1,2 Millionen Euro zu Verfügung gestellt. Das Kultusministerium konnte somit Ende 2018 eine Ausschreibung zur finanziellen Förderung neuer Kurse und Grundbildungszentren starten. Diese Ausschreibung ist am vergangenen Freitag beendet worden. Eine erste Sichtung der Anträge zeigt, dass sich zahlreiche öffentliche und private Weiterbildungsträger beteiligt haben, so dass das Kultusministerium eine qualitativ hochwertige Auswahl treffen und das Budget vollständig ausschöpfen kann.

Niederschwellige Hilfe durch Grundbildungszentren

Seit 2018 gibt es zwei Grundbildungszentren im Land: an der VHS Landkreis Konstanz e.V. und bei der BBQ Berufliche Bildung gGmbH in Heidelberg. Diese beiden Zentren zeigen vielversprechende Ansätze. In einem aufwachsenden Prozess sollen daher in den Jahren 2019 und 2020 jeweils bis zu vier weitere Grundbildungszentren im Land entstehen, so dass ab 2020 bis zu acht neue eingerichtet sein können. Grundbildungszentren ermöglichen Betroffenen einen niederschwelligen Zugang zu Kursangeboten, beispielsweise über Lerncafés oder Schreibbüros. Sie vernetzen lokale Angebote, bieten Betroffenen und ihrem Umfeld Beratung, ermitteln den Kursbedarf und bieten Schulungen unter anderem für Mitarbeiter von Verwaltungen und Jobcentern an. Als Kompetenzzentren für den gesamten Grundbildungsbereich entwickeln sie eine Strahlkraft in die Raumschaft hinein. Für die Einrichtung neuer Grundbildungszentren sind im Nachtragshaushalt für das Jahr 2019 200.000 Euro vorgesehen. Im Jahr 2020 sollen dann Mittel in Höhe von 400.000 Euro zur Verfügung gestellt werden. Dabei ist pro Grundbildungszentrum ein Förderbetrag von 50.000 Euro pro Betriebsjahr vorgesehen.

Evaluierung: Kurse bauen Hemmschwellen und negative Erfahrungen ab

Die Mittel im Nachtragshaushalt dienen darüber hinaus dazu, Lernangebote aus dem abgelaufenen Projekt „Alphabetisierung und Grundbildung als Weg zu Erfolg und Teilhabe in Beruf und Gesellschaft“ des Europäischen Sozialfonds (ESF) fortzusetzen und die hierbei erfolgreichen Verfahren wirksam zu verstetigen. Mit diesem Projekt konnten von 2015 bis 2018 rund 700 Erwachsene an zwölf Standorten weiterqualifiziert werden. Der Fokus lag hierbei auf arbeitsplatzorientierten Lernangeboten. Diese Kurse sind im Auftrag des ESF vom Kölner Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik (ISG) evaluiert und positiv bewertet worden: Hemmschwellen gegenüber schulischem Lernen und negative Erfahrungen seien abgebaut worden. Durch die Kurse sei es den häufig ungelernten Teilnehmern möglich geworden, den beruflichen und privaten Alltag besser zu bewältigen und die Situation auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Auch die Arbeitgeber seien mit den Ergebnissen der Kurse, die teilweise in den Unternehmen stattfanden, zufrieden. Das ISG fordert deshalb ausdrücklich, diese Projekte für funktionale Analphabeten weiterzuführen. „Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass die Kurse und Projekte zur Alphabetisierung und Grundbildung Wirkung zeigen. Umso wichtiger ist, dass wir unser Engagement jetzt auch mit Hilfe von Hartmut Engler weiter verstärken, damit noch mehr Menschen aktiv werden und Hilfe suchen“, betont Ministerin Eisenmann. Für die unmittelbare Förderung von Kursen und Lernangeboten sind für das Jahr 2019 300.000 Euro vorgesehen, für 2020 sind weitere 300.000 Euro eingeplant.

Landesstrategie Alphabetisierung und Grundbildung

Im Sinne einer nachhaltig wirksamen Grundbildungsoffensive hat das Kabinett das Kultusministerium Ende des Jahres 2018 damit beauftragt, federführend und mit Unterstützung der Fachstelle für Grundbildung und Alphabetisierung eine Landesstrategie zu entwickeln. Ziel ist, durch wirksame Maßnahmen das Grundbildungsniveau sichtbar zu heben und erwachsene Bürger des Landes mit Lese- und Schreibschwierigkeiten nachhaltig zu unterstützen. 

Weitere Informationen

Das Kultusministerium hat seine Anstrengungen bei der Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener in den vergangenen Jahren stark ausgebaut. Ziel war dabei, einen breiten gesellschaftlichen Schulterschluss zu suchen, um möglichst viele Menschen zu erreichen. Dazu hat die Landesregierung unter Federführung des Kultusministeriums im November 2017 den Landesbeirat für Alphabetisierung und Grundbildung gegründet, um die Arbeit zu koordinieren, die unterschiedlichen Zielgruppen besser zu erreichen und die Öffentlichkeit stärker zu informieren. An diesem Gremium beteiligen sich inzwischen 33 Mitglieder, darunter der Volkshochschulverband, die Arbeitgeber, das DGB-Bildungswerk, die Kirchen, die Pädagogische Hochschule Weingarten, der Landessportverband und die kommunalen Landesverbände. Hinzu kommen neben dem Kultusministerium das Wirtschaftsministerium, das Sozialministerium, das Wissenschaftsministerium sowie das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz.


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