Der Südwesten bis 1945

Von der Urzeit bis Napoleon

Die Venus vom Hohle Fels im Urzeitgeschichtlichen Museum Blaubeuren.
Die Venus vom Hohle Fels im Urzeitgeschichtlichen Museum Blaubeuren.
Spuren der Französischen Revolution: Ritzzeichnung am Chor im Münster Freiburg, Kanonen und Jakobinermütze (Bild: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg)
Spuren der Französischen Revolution: Ritzzeichnung am Chor im Münster Freiburg, Kanonen und Jakobinermütze
Napoleon im Kreise seiner Familie mit König Friedrich I. von Württemberg (2. Person links neben Napoleon) 1809 - Kupferstich von A. Godefroy. (Bild: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg)
Napoleon im Kreise seiner Familie mit König Friedrich I. von Württemberg (2. Person links neben Napoleon) 1809 - Kupferstich von A. Godefroy.

Die historischen Vorgängerstaaten Baden und Württemberg sowie die Hohenzollernschen Lande blicken auf eine lange und ereignisreiche Geschichte zurück. An deren Ende steht das geeinte Land Baden-Württemberg. Baden-Württemberg lebt von seiner historischen Vielfalt und der „fruchtbaren Spannung” der historischen Landesteile. 

Die Siedlungsgeschichte auf dem Gebiet des heutigen Baden-Württembergs reicht mindestens 40.000 Jahre zurück. Frühmenschliche Spuren wie der 500.000 Jahre alte Unterkiefer des Homo heidelbergensis weisen noch weiter in die Vergangenheit. 

Im Juli 2017 entschied die UNESCO, die „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“ in die Welterbeliste aufzunehmen. Sie sind Fundorte der ältesten mobilen Kunstwerke der Welt. Damit werden die einzigartigen Fundstätten im Ach- und Lonetal als Wiege der Kunst und Musik gewürdigt. Hierzu zählen sechs Höhlenfundstellen und die sie umgebende Landschaft im Ach- und Lonetal, die Fundorte von über 50 aus Elfenbein oder Knochen gearbeiteten Figuren sind. Die gefundenen Objekte sind zwischen 35.000 und 43.000 Jahre alt. Dazu zählen das Elfenbein-Mammut von der Vogelherdhöhle, die Venus vom Hohle Fels und der Löwenmensch aus dem Hohlenstein-Stadel, sowie acht Flöten.

Bis zur „napoleonischen Flurbereinigung“ zu Beginn des 19. Jahrhunderts war der deutsche Südwesten mit seinen rund 600 selbstständigen Territorien das klassische Land deutscher „Kleinstaaterei“ gewesen. Die Kleinteiligkeit wurde lange Zeit als rückständig bewertet. Heute jedoch erweist sich die kulturelle Vielfalt als Reichtum des Landes. 

Ein Teil dieser Territorien war evangelisch, die anderen katholisch, die Reichsstädte Biberach und Ravensburg gar paritätisch. Getreu dem Grundsatz des Augsburger Religionsfriedens von 1555 – cuius regio, eius religio (wessen Gebiet, dessen Religion) – konnte jeder Landesherr die Konfession seiner Bevölkerung bestimmen. So bunt gescheckt wie die Karte der Herrschaftsgebiete war auch die Konfessionskarte.

Die Auswirkungen der Französischen Revolution auf den Südwesten

1789 kam es in Frankreich zur Revolution. Dieses Ereignis hatte Folgen für den ganzen Kontinent. Zuvorderst für die direkten Nachbarn des revolutionären Frankreichs. In Baden kam es ebenfalls zu Unruhen und Erhebungen, die gewaltsam niedergeschlagen wurden. Die revolutionären Truppen Frankreichs besetzten 1793 die linksrheinischen Gebiete. Daraufhin erklärte das Heilige Römische Reich Deutscher Nation Frankreich den Krieg. Nachdem Preußen einen Separatfrieden mit Frankreich schloss, übernahm Österreich die Kriegsführung gegen Frankreich. Österreich handelte nach einer verheerenden Niederlage ebenfalls einen Waffenstillstand aus und zog sich aus dem Reich zurück. Vorderösterreichische Besitzungen, vor allem der Breisgau gingen verloren. Doch statt Frieden gab es 1799 einen zweiten Koalitionskrieg. Die militärischen Erfolge der Franzosen zwangen Österreich und das Reich erneut zum Frieden. Die linksrheinischen Gebiete fielen an Frankreich. Als Ausgleich sollten Baden und Württemberg neue, zunächst kirchliche und dann auch weltliche, Territorien zugeschlagen werden. Besiegelt wurden die Neuordnung der Gebiete und die Eingliederung ehedem freier Reichsstände in die Länder durch den Reichsdeputationshauptschluss von 1803. Sowohl Baden als auch Württemberg profitierten. Baden, noch mehr als Württemberg, gewann trotz der linksrheinischen Verluste ein Vielfaches an Territorium und Untertanen dazu. Aus der Markgrafschaft Baden wurde ein Kurfürstentum und 1806 ein Großherzogtum. Das Herzogtum Württemberg wurde ebenfalls zum Kurfürstentum und 1806 zum Königreich.

Napoleon drängte die Fürsten der Mittelstaaten, die einen Puffer zwischen Frankreich und den Großmächten Preußen, Österreich und Russland bildeten, in einen Bund unter seiner Führung. Mit der 1806 in Paris unterzeichneten Rheinbundakte sagten sich Baden, Württemberg, Bayern und die hohenzollerischen Fürstentümer Hechingen und Sigmaringen nebst weiteren elf Reichsständen vom Deutschen Reich los. Keine vier Wochen nach der Unterschrift endete die fast tausendjährige Geschichte des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation mit der Niederlegung der deutschen Kaiserkrone durch Franz II. Bis 1810 gewannen Baden und Württemberg weitere Territorien hinzu. Die Grenzen der Länder entsprachen nun weitestgehend denen, die bis nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bestand hatten.

Zwar kämpfte Württemberg in der Völkerschlacht bei Leipzig noch auf Seiten Napoleons. Im Hintergrund bereitete der württembergische König Friedrich II. jedoch schon seinen Seitenwechsel vor. Keinen Monat nach der Völkerschlacht wechselte Friedrich mit dem Vertrag von Fulda auf die österreichische Seite und schloss sich dem antifranzösischen Bündnis an. Auch Baden wandte sich, wenn auch zögerlich, Ende 1813 von Napoleon ab. Zum Beweis ihrer neuen Bündnistreue, und um die durch Napoleon hinzugewonnenen Gebiete behalten zu können, mussten beide Länder Soldaten für den Kampf gegen Napoleon stellen.

Nachdem Napoleon geschlagen war, ordneten die Sieger Europa neu. Liberalen Bestrebungen traten die Mächtigen entschlossen entgegen. Trotzdem kam es 1848 zur Deutschen Revolution. Lesen Sie weiter...

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  • Vorgeschichte

Restauration und Revolution

Vom Wiedererstehen der Monarchie bis zur Märzrevolution 1848

König Wilhelm I. von Württemberg mit Kaiser Alexander II. von Russland (r.) und Napoleon III (l.). zu Pferde. Ankunft auf dem Cannstatter Volksfest. Lithographie von 1857 (Ausschnitt).  (Bild: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg)
  • Der Südwesten bis 1945

Revolution von oben

Nach der gescheiterten Revolution kommt die Reichseinheit von oben.

Blick auf eine Menschenmenge im Hof der Rotebühlkaserne in Stuttgart. Verteilen der Waffen am 09. November 1918. (Bild: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg)
  • Der Südwesten bis 1945

Erster Weltkrieg, Weimarer Republik und Nationalsozialismus

Zwei Kriege und viele Millionen Tote zeichnen die Geschichte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Landtag von Baden-Württemberg: Berufung der ersten vorläufigen Landesregierung 1952 durch Ministerpräsident Reinhold Maier (FDP/DVP) (rechts).
  • Aus drei wird eins

Entstehung des Südweststaats

Am 25. April 1952 wurde Baden-Württemberge aus der Taufe gehoben und vereinte Baden, Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern in einem Bundesland.