Baden-Württemberg in Zahlen

Bevölkerung

Menschen auf der Freitreppe am Stuttgarter Schlossplatz

Lange Zeit wuchs die Bevölkerung in Baden-Württemberg. Heute resultiert der Zuwachs fast ausschließlich auf Zuwanderung von außen. Trotz der Zuwanderung steigt das Durchschnittsalter im Land.

In Baden-Württemberg leben rund 11,1 Millionen Menschen (Stand: 31. Dezember 2019). Damit hat sich die Einwohnerzahl seit 1952, dem Gründungsjahr des Südweststaates, um über vier Millionen oder 64 Prozent erhöht und einen neuen Höchststand erreicht. Um 1900 lebten nur 4,1 Millionen Menschen im Südwesten. 2008 ging seit 1984 zum ersten Mal die Bevölkerungszahl leicht zurück. 2009 sank die Zahl der Baden-Württemberger um gut 4.500. Seitdem wächst die Bevölkerung wieder.

Baden-Württemberg hat mehr Einwohner als viele andere europäische Länder. So leben etwa in Österreich rund 8,8 Millionen und in Finnland sogar nur gut 5,5 Millionen Einwohner.

Zuwanderung

In der Vergangenheit stellten die Wanderungsbewegungen den „Hauptantrieb“ für das Bevölkerungswachstum im Land dar. Seit 1952 erlebte das Land zusammengenommen rund 19,7 Millionen Zuzüge über die Landesgrenzen. Dies war zurückzuführen auf Flüchtlings- und Vertriebenenströme nach dem Zweiten Weltkrieg, auf Gastarbeiterzuwanderung sowie Arbeitskräftezuwanderung aus anderen Teilen Deutschlands, Bürgerkriegsflüchtlinge und die einigungsbedingte Zuwanderung aus Ostdeutschland. Im gleichen Zeitraum wanderten aber auch knapp 15,9 Millionen Menschen aus Baden-Württemberg ab. Per Saldo ergab sich also ein Wanderungsgewinn von insgesamt fast 3,8 Millionen Menschen seit Bestehen des Landes. Damit resultierten etwas mehr als 75 Prozent des bisherigen Bevölkerungswachstums aus den Zuwanderungen, die übrigen knapp 25 Prozent aus Geburtenüberschüssen. Da die zuwandernden Personen im Durchschnitt etwa zehn Jahre jünger sind als diejenigen, die bereits im Lande leben, bewirken die Zuwanderungen einen gewissen, wenn auch begrenzten „Verjüngungseffekt“. Dennoch haben die Zuwanderungen nicht verhindern können, dass in den vergangenen fünf Jahrzehnten die baden-württembergische Bevölkerung deutlich „gealtert“ ist.

Bevölkerungsbilanz

Die Differenz zwischen Geburten und Sterbefällen eines Jahres wird als natürliche Bevölkerungsbilanz bezeichnet. Seit dem Jahr 2006 fällt diese – vor allem aufgrund sinkender Geburtenzahlen – auch in Baden-Württemberg erstmals seit 1978 negativ aus. Betrug das Defizit 2006 noch 707, stieg es 2012 auf 11.107. Im Jahr 2016 gab es erstmals wieder 856 mehr Geburten als Todesfälle. Im Jahr 2018 wurde allerdings wieder ein Geburtendefizit von 2.215 verzeichnet.

Ohne Zuwanderung würde bei diesem Trend die Bevölkerungszahl wieder schrumpfen. Durch Zuwanderung im Jahr 2018 kamen insgesamt 374.793 Menschen ins Land. Gleichzeitig verließen aber auch 323.886 Menschen Baden-Württemberg. So kamen per Saldo 50.907 Neu-Baden-Württemberger hinzu, die meisten davon aus Ländern der Europäischen Union.

Der Anteil der weiblichen Bevölkerung betrug 2018 50,2 Prozent. In absoluten Zahlen ausgedrückt: Es gab rund 66.147 Frauen mehr als Männer.

Altersstruktur

Seit 1970 ist die Zahl der über 65-jährigen im Land stark angestiegen. Seit 1960 hat sich der Anteil dieser Altersgruppe nahezu verdoppelt. Die größte Gruppe waren 2018 die 40- bis 65-jährigen. Ihr Anteil lag bei 35 Prozent. Ein knappes Drittel der Bevölkerung war zwischen 15 und 40 Jahren alt. Unter 15 Jahren waren nur noch 14 Prozent. 1980 lag dieser Wert noch bei 19 Prozent. Aufgrund der niedrigen Geburtenrate altert die Gesellschaft weiter.

Baden-Württemberger mit Migrationshintergrund

Der wirtschaftliche Aufschwung, Änderungen in der Altersstruktur und längere Ausbildungszeiten verursachten in den 1960er-Jahren in der Bundesrepublik Deutschland einen Arbeitskräftemangel. Mit der verstärkten Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wurde versucht, dem entgegenzuwirken. Wegen der hiesigen Wirtschaftsstruktur und der guten Erwerbsmöglichkeiten kamen besonders viele Menschen nach Baden-Württemberg. Ende 2019 lebten annähernd 1,77 Millionen Menschen mit ausländischem Pass im Südwesten. Das waren rund 15,9 Prozent der Gesamtbevölkerung.

In Baden-Württemberg lebten 2017 3.366.000 Menschen mit Migrationshintergrund, das entspricht einem Anteil von 30,9 Prozent. Damit hat Baden-Württemberg damit den zweitgrößten Migrantenanteil unter den deutschen Flächenländern.

Knapp 50 Prozent der hier lebenden Ausländer kommen aus einem der 28 EU-Staaten, vor allem aus Italien und Rumänien. Die größte Gruppe von Migranten außerhalb der EU stammt aus dem ehemaligen Jugoslawien und der Türkei. Regional gesehen haben sich die Migrantinnen und Migranten sehr unterschiedlich über das Land verteilt. Während die eher ländlich geprägten Landkreise einen deutlich unterdurchschnittlichen Anteil zeigen, üben die industriellen Ballungsräume des Landes traditionell eine hohe Anziehungskraft auf die Migrantinnen und Migranten aus. In der Region Stuttgart, Region Nordschwarzwald und Region Heilbronn-Franken hat inzwischen jeder dritte bis vierte Mitbürger einen Migrationshintergrund.

Die Zahl der Einbürgerungen stieg zwischen 2008 und 2017 kontinuierlich an. Im Jahr 2018 haben mit 16.286 etwas weniger ausländische Staatsangehörige in Baden-Württemberg einen deutschen Pass erhalten. Seit dem Inkrafttreten der neuen Regelungen des Staatsangehörigkeitsrechts im Jahr 2000 haben sich über 327.000 Menschen im Land einbürgern lassen, darunter vor allem Menschen aus anderen EU-Staaten und der Türkei.