Gemeinschaftsschule FAQ

Bildungsaufbruch

Fragen und Antworten zur Gemeinschaftsschule

Die neue Gemeinschaftsschule ist eine leistungsstarke und sozial gerechte Schule. Dabei steht die individuelle Förderung der Kinder und Jugendlichen im Zentrum. Die Schüler lernen miteinander und voneinander in gemischten Lerngruppen, mit intensiver individueller Förderung. Lehrerinnen und Lehrer verstehen sich als Lernbegleiter. Sie können jedem Kind so eine optimale Entwicklung ermöglichen. Wir beantworten häufig gestellte Fragen zu der neuen Schulart.

Was zeichnet die Gemeinschaftsschule aus?

  • Die neue Gemeinschaftsschule macht die Schule fit für die Herausforderungen der Zukunft: Sie verwirklicht längeres gemeinsames Lernen, Chancengerechtigkeit und bestmögliche individuelle Förderung. Und sie eröffnet ein breites Angebot an Schulabschlüssen. Damit schaffen wir die besten Voraussetzungen, um den Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen konsequent von ihrer sozialen Herkunft zu entkoppeln. Die Folge: Mehr junge Menschen bekommen die für sie passende Schulbildung – und haben damit bessere Zukunftschancen.

    Wir setzen mit der Gemeinschaftsschule auf eine zeitgemäße Pädagogik. Im Zentrum steht gemeinsames Lernen und individuelles Lernen. Schülerinnen und Schüler werden in Lerngruppen nach ihren jeweiligen individuellen Voraussetzungen und Fähigkeiten gefördert. Die Gemeinschaftsschule wird als rhythmisierte Ganztagesschule umgesetzt, damit die Kinder bestmöglich pädagogisch begleitet werden können.

    Die Bildungspläne der allgemeinbildenden Schulen gelten auch für die Gemeinschaftsschulen. Das heißt: Die neue Gemeinschaftsschule bietet die Bildungsstandards von Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien an. Die Schule kann so Schülerinnen und Schüler bestmöglich individuell fördern. Auch die Inklusion – also gemeinsames Lernen von behinderten und nichtbehinderten Kindern – wird an der Gemeinschaftsschule umgesetzt. Ziel ist, Kinder und Jugendliche zu fördern, ihre Verschiedenheit als Wert anzuerkennen und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre Fähigkeiten optimal zu entfalten.

Welche Klassenstufen und Abschlüsse gibt es?

  • Den Kern der Gemeinschaftsschule bilden die Klassenstufen 5 bis 10. Die Abschlüsse der Hauptschule können nach den Klassen 9 oder 10 abgelegt werden, der Realschulabschluss nach Klasse 10. Falls mindestens 60 Schülerinnen und Schüler pro Jahrgang für eine Klassestufe 11 vorhanden sind, kann eine Schule ab dem Schuljahr 2017/2018 eine dreijährige gymnasiale Oberstufe einrichten und das Abitur anbieten. Wahrscheinlich können bis 2021 maximal zehn Standorte eine Oberstufe einrichten. Ansonsten ist nach dem 10. Schuljahr ein Wechsel an ein allgemeinbildendendes oder berufliches Gymnasium möglich, um das Abitur abzulegen.

Wie sieht der Unterricht an einer Gemeinschaftsschule aus?

  • An der Gemeinschaftsschule stehen die einzelnen Schülerinnen und Schüler im Zentrum. Sie lernen miteinander und voneinander in gemischten Lerngruppen, mit intensiver individueller Förderung. Lehrerinnen und Lehrer verstehen sich als Lernbegleiter. So können sie jedem Kind eine optimale Entwicklung ermöglichen.

    Prägende Merkmale des Unterrichts sind:

    • schülerzentrierte Unterrichtsmethoden
    • individuelle Lern- und Förderpläne für alle Schülerinnen und Schüler
    • selbstverantwortliches Lernen – individuell und in variablen Gruppen
    • Praktika in unterschiedlichen Lebensbereichen
    • Leistungsmessung wird durch persönliche Beurteilungen ergänzt


    Die Gemeinschaftsschule bietet als Ganztagesschule ein rhythmisiertes Lernangebot, das den Schultag entzerrt: Unterricht, Phasen des Selbstlernens, des Entspannens und sportliche oder kulturelle Angebote wechseln sich ab.

    Alle Kinder einer Klasse bilden die Lerngruppe. Sie ist das bekannte und sichere Umfeld für die Schülerinnen und Schüler. Es gibt Lernsituationen, die in der gesamten Lerngruppe stattfinden. Darüber hinaus lernen die Kinder in unterschiedlichen Gruppierungen mit individuellen und kooperativen Lernformen weitgehend selbstverantwortlich. Der Klassenteiler liegt bei 28 Schülern.

Lernen leistungsstarke und -schwächere Schüler tatsächlich gut zusammen?

  • Es gibt vielfältige Erfahrungen auf diesem Gebiet innerhalb und außerhalb Baden-Württembergs. Gerade die hervorragenden Ergebnisse aus Skandinavien und Kanada bei der Pisa-Studie machen deutlich: Von längerem gemeinsamen Lernen und individueller Förderung profitieren die schwächeren Schülerinnen und Schüler ebenso wie die leistungsstarken.

    So ist etwa die Lichtenberg-Gesamtschule Göttingen auf der Grundlage dieser Pädagogik 2011 von der Robert-Bosch-Stiftung als beste Schule Deutschlands ausgezeichnet worden. Konzepte des gemeinsamen Lernens machen es möglich, die Abschlüsse und Leistungen in den Schulen deutlich zu verbessern.

    Das Vorurteil, dass gute Schüler in der Gemeinschaftsschule nicht ausreichend gefördert würden, ist falsch. Die Praxis beweist das Gegenteil: Alle Schülerinnen und Schüler profitieren in der Regel davon, wenn die Leistungsstärkeren die Schwächeren unterstützen. Zum einen müssen die Guten den Stoff selbst in den Griff bekommen, um ihn erklären zu können. Auch Wiederholungen sind da sinnvoll. Zum anderen sind selbst gute Schüler in verschiedenen Fächern unterschiedlich leistungsstark. Sie kommen so auch selbst immer wieder in die Situation des Hilfesuchenden und können von diesem System profitieren.

Wie werden Eltern ins Schulleben eingebunden?

  • Die Gemeinschaftsschule geht mit den Eltern eine Erziehungspartnerschaft ein. In engem, regelmäßigem Kontakt verständigen sich Lehrkräfte und Eltern über den Leistungsstand der Kinder und treffen gemeinsam Absprachen über sinnvolle Fördermaßnahmen sowohl in der Schule als auch im Elternhaus.

Gibt es an einer Gemeinschaftsschule Noten?

  • In der Gemeinschaftsschule müssen keine Noten gegeben werden. Allerdings können Eltern die „Übersetzung” des Leistungsstands ihrer Kinder in Noten verlangen. In jedem Fall gibt es differenzierende Beurteilungen über den individuellen Entwicklungs- und Leistungsstand der Schülerinnen und Schüler. In den Abschlussklassen sind Noten verpflichtend.

Welche Lehrer unterrichten an der Gemeinschaftsschule?

  • An der Gemeinschaftsschule unterrichten Lehrerinnen und Lehrer aller Schularten. Wenn die Gemeinschaftsschule eine gymnasiale Oberstufe anbietet, unterrichten dort nur Gymnasiallehrerinnen und -lehrer.

    Alle an der Gemeinschaftsschule eingesetzten Lehrerinnen und Lehrer verfügen über eine gute wissenschaftliche Ausbildung in ihren Unterrichtsfächern und in Erziehungswissenschaft. Der Umgang mit heterogenen Lerngruppen ist Bestandteil der modernen Lehrerausbildung, insbesondere an den Pädagogischen Hochschulen. Die Lehrer, die an Gemeinschaftsschulen arbeiten wollen, interessieren sich für gemeinsames Lernen und haben nicht selten bereits umfangreiche Qualifizierungsmaßnahmen absolviert. Zudem erhalten Lehrerinnen und Lehrer zahlreiche Fortbildungs- und Unterstützungsangebote.

Wie wird die Gemeinschaftsschule eingeführt?

  • Bei der Einführung der Gemeinschaftsschule folgen wir dem Motto: Gute Schule wächst von unten. Kommunen haben die Möglichkeit, vor Ort Gemeinschaftsschulen einzurichten. Grundsätzlich können sich alle allgemeinbildenden weiterführenden Schulen – egal ob Hauptschule, Realschule oder Gymnasium – zu Gemeinschaftsschulen entwickeln. Dazu müssen sie ein sehr gutes pädagogisches Konzept vorlegen.

    Das zeigt: Wir wollen das Schulsystem gemeinsam mit den Betroffenen vor Ort reformieren – und nicht von oben herab. Überall dort, wo die Schulträger, Eltern und Lehrkräfte das wollen, können Gemeinschaftsschulen eingeführt werden.

Wie viele Gemeinschaftsschulen gibt es bereits?

  • Mit dem Schuljahr 2012/2013 sind die ersten 41 Gemeinschaftsschulen an den Start gegangen. Seither entwickelt sich die neue Schulart zum Erfolgsmodell: Schon jetzt gibt es 304 Gemeinschaftsschulen im ganzen Land. Das zeigt: Die neue Schulart kommt bei Kommunen, Lehrern, Eltern und Schülern gut an und ist schon jetzt breit im Land verankert.

    Eine Übersicht aller Gemeinschaftsschulen finden Sie auf unserer interaktiven Karte

Was passiert, wenn eine Familie umzieht?

  • Schülerinnen und Schüler können jederzeit an andere Schulen, auch in anderen Bundesländern, wechseln. Da die Gemeinschaftsschule die nationalen Bildungsstandards von Hauptschule, Realschule und Gymnasium als Voraussetzung hat, ist ein Wechsel aus der Gemeinschaftsschule an jede andere allgemein bildende Schule jederzeit möglich. Eltern können sicher sein, dass ihre Kinder bei einem Umzug in anderen Schulen Anschluss finden.

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