Bildung

Landesstrategie zur Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener vorgelegt

Berechne Lesezeit
  • Teilen
Eine Schülerin schreibt das ABC an die Tafel. (Foto: dpa)

Mit einer ressortübergreifenden Landesstrategie bündelt und verstärkt das Land seine Maßnahmen zur Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener. Menschen mit Lese- und Schreibschwäche sollen damit vor Arbeitslosigkeit geschützt und Aufstiegschancen geboten werden.

Rund 6,2 Millionen Menschen in Deutschland können nicht ausreichend lesen und schreiben. Für Baden-Württemberg geht die wissenschaftliche Forschung von rund 700.000 Betroffenen aus. Mit einer ressortübergreifenden Landesstrategie (PDF) wird die Landesregierung ihre Maßnahmen zur Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener bündeln und vor allem in der digitalen Grundbildung deutlich verstärken. Das federführende Kultusministerium hat zusammen mit dem Wirtschaftsministerium, dem Sozialministerium, dem Wissenschaftsministerium sowie dem Ministerium für Ländlichen Raum eine Strategie erarbeitet, um möglichst viele Betroffene mit einer zu geringen Grundbildung und unzureichenden Fähigkeiten im Lesen, Schreiben und Rechnen zu erreichen und weiterzubilden. Sie sollen über passgenaue Angebote möglichst niederschwellig in ihrem Alltag angesprochen und für eine Teilnahme an Kursen motiviert werden. Das Kabinett hat dieser Landesstrategie grünes Licht erteilt.

„Nur wer Texte gut lesen und verstehen kann, kann sich selbstständig informieren und am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Insbesondere durch die umfassende Digitalisierung in Wirtschaft und Gesellschaft sind das unverzichtbare Schlüsselkompetenzen. Wir werden deshalb unsere Anstrengungen erhöhen, um Menschen mit Schwächen im Lesen und Schreiben vor Arbeitslosigkeit zu schützen und ihnen Aufstiegs- und Erfolgschancen zu bieten“, sagt Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann und fügt an: „Wir möchten den Betroffenen Mut machen und ihnen zeigen, dass sie es schaffen können, ihre Schwächen im Lesen und Schreiben auszugleichen.“

Gezielte Ansprache von Betroffenen

Zu den Zielgruppen der Landesstrategie zählen insbesondere Erwerbstätige und Arbeitslose, Menschen mit Migrationshintergrund, Armutsgefährdete und Langzeitarbeitslose sowie Rentnerinnen und Rentner. Die Handlungsfelder, die von den beteiligten Ressorts aufgegriffen werden, reichen von der finanziellen und gesundheitlichen bis hin zur politischen Grundbildung. Sie umfassen den Aufbau von Selbsthilfegruppen ebenso wie die Ansprache von Menschen in prekären Lebenssituationen. „Die gezielte Ansprache von Betroffenen ist oftmals die größte Herausforderung. Hier haben wir in den vergangenen Jahren durch das große Engagement der Kursleitenden sehr positive Erfahrungen mit den Grundbildungszentren im Land gemacht. Das bestätigt auch die aktuelle Evaluation“, sagt Kultusministerin Eisenmann. Ein Ziel des Kultusministeriums ist deshalb auch, die erfolgreiche Arbeit der neuen Grundbildungszentren fortzusetzen. Hierfür soll das laufende Landesprogramm zur Alphabetisierung und Grundbildung, für das seit 2019 insgesamt 1,9 Millionen Euro eingesetzt werden, ab 2022 mit einer Förderung des Europäischen Sozialfonds (ESF) fortgesetzt werden. Zur Landesstrategie zählt auch die Entwicklung, Erprobung und Umsetzung digitaler Lehr- und Lerninstrumente im Rahmen der neu beschlossenen ressortübergreifenden Weiterbildungsoffensive der Landesregierung WEITER.mit.BILDUNG@BW (PDF). Dafür steht eine Million Euro zur Verfügung.

Weitere Maßnahmen

Das Sozialministerium stellt seit 2015 jährlich 4,2 Millionen Euro für die Sprachförderung von Migrantinnen und Migranten bereit, die auch Alphabetisierungskurse und niedrigschwellige Sprachförderangebote umfasst. Auch diese sollen fortgesetzt werden. Mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums wurde zum Wintersemester 2016/17 an der Pädagogischen Hochschule Weingarten der bundesweit einmalige Masterstudiengang „Alphabetisierung und Grundbildung“ eingerichtet. Das Wissenschaftsministerium plant zudem, über den ESF eine wissenschaftliche Beratungsstelle zur Professionalisierung außerschulischen Lehrpersonals im Bereich Alphabetisierung und Grundbildung (Literacy coaches) zu fördern. An der Entwicklung der Landesstrategie waren über die fünf Ressorts hinaus auch Mitglieder des Landesbeirats für Alphabetisierung und Grundbildung Baden-Württemberg beteiligt. Der Beirat wurde im Jahr 2017 ins Leben gerufen; ihm gehören 33 Verbände beziehungsweise Beratungsgremien an, unter anderem die Kommunalen Landesverbände, der Volkshochschulverband Baden-Württemberg, die Landeszentrale für politische Bildung, der Landessportverband, Wirtschaftsvereinigungen und die vier großen Kirchen.

Ministerium für Kultus, Jugend und Sport: Landesstrategie zur Förderung der Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener in Baden-Württemberg (PDF)

WEITER.mit.BILDUNG@BW (PDF)

Weitere Meldungen

Zitterpappel
Forst

Zitterpappel bereichert Wald und Bioökonomie

Ein Bauarbeiter schaut auf ein Gebäude, das als Testobjekt aus Recyclingbeton gebaut wird.
N!BBW

Neue Termine für Workshops „Nachhaltiges Bauen“

Ein Netzwerk-Kabelstecker leuchtet in der Netzwerkzentrale einer Firma zu Kontrollzwecken rot. (Bild: picture alliance/Felix Kästle/dpa)
Sicherheit

Strobl begrüßt Einigung zur Speicherfrist von IP-Adressen

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (links) und Tadeusz Matacz (rechts) stehen vor Fahnen und präsentieren die Verleihungsurkunde.
Auszeichnung

Ehrentitel Professor an Tadeusz Matacz

Renato Gigliotti
Polizei

Neue Leitung für das Polizeipräsidium Ravensburg

Ein Mitarbeiter von Kawasaki führt bei der Industriemesse Hannover Messe am Messestand von Microsoft die Überwachung und Steuerung einer Maschine mit einer AR-Brille (Augmented Reality) vor.
Industrielle Innovation

Baden-Württemberg auf der Hannover Messe 2026

Projektteam, Ministerin der Justiz und für Migration Marion Gentges (Dritte von links), Direktorin des Amtsgerichts Nürtingen Dr. Sabine Kienzle-Hiemer (Vierte von links), Dr. Markus Volz Vizepräsident des Landgerichts Stuttgart (5. v. l.)
Justiz

Pilotprojekt „Zivilgerichtliches Online-Verfahren“ gestartet

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (links) überreicht Dr. Edwin Ernst Weber (rechts) die Staufermedaille des Landes Baden-Württemberg.
Auszeichnung

Staufermedaille an Dr. Edwin Ernst Weber

Landessieger von „Jugend debattiert“ stehen fest (Bild: Kultusministerium Baden-Württemberg)
Schule

Siegerinnen und Sieger von „Jugend debattiert“ gekürt

Wort-Bild-Marke der Innovationsallianz Baden-Württemberg
Innovation

Land stärkt Innovationsallianz mit über 40 Millionen Euro

Euro-Banknoten
Krankenversicherung

Versicherungsfremde Leistungen endlich aus Bundeshaushalt finanzieren

Quantum for all
Quantenforschung

Weitere 4,5 Millionen Euro für Graduiertenschule

Erläuterungen für Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Mitte) und Umweltministerin Thekla Walker (rechts)
Nationalpark

Erweiterung des Nationalparks Schwarzwald

Ministerpräsident Winfried Kretschmann sitzt am Schreibtisch.
Ministerpräsident

Serenade zur Verabschiedung von Ministerpräsident Kretschmann

In einer braunen Biomülltonne liegen Lebensmittel.
Ernährung

Zweite Runde der Lebensmittelretter-Challenge startet