Justiz

Justizministerkonferenz trifft wichtige Weichenstellungen

Berechne Lesezeit
  • Teilen
Justizminister Guido Wolf am 09.11.2017 bei der Herbstkonferenz der Justizministerinnen und Justizminister der Länder in in Berlin (Foto: © dpa)

Die Justizministerkonferenz hat auf ihrer Herbsttagung in Berlin bei einer Vielzahl von Themen wichtige Weichenstellungen getroffen. Baden-Württemberg habe dabei mehr als einmal die Richtung gewiesen, so Justizminister Guido Wolf.

Die Justizministerinnen und Justizminister der Länder haben sich auf ihrer Herbstkonferenz in Berlin für eine Kennzeichnungspflicht von Social Bots in sozialen Netzwerken ausgesprochen.

Für Kennzeichnungspflicht von Social Bots in sozialen Netzwerken

Social Bots sind Computerprogramme, die Nutzerkonten in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter verdeckt steuern. So entsteht der Eindruck einer persönlichen Meinungsäußerung, obwohl es sich um einen rein computergesteuerten Vorgang handelt. In großem Umfang eingesetzt, können Social Bots die öffentliche Meinungsbildung im Internet verzerren und so auch den Ausgang von Wahlen beeinflussen. Minister der Justiz und für Europa Guido Wolf sagte: „Das Thema ist hochkomplex. Das Recht hinkt hier der technischen Entwicklung hinterher. Es freut mich, dass die Justizministerkonferenz den Vorschlägen gefolgt ist, die eine Länderarbeitsgruppe unter maßgeblicher Beteiligung Baden-Württembergs erarbeitet hat. Damit können wir Gefahren für unsere Demokratie wirksam begegnen, ohne dabei das Recht auf freie Meinungsäußerung in den sozialen Netzwerken einzuschränken.“

Aufforderung an suizidgefährdete Person unter Strafe stellen

Ebenso beschloss die Justizministerkonferenz auf Initiative von Justizminister Guido Wolf, das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz um Prüfung zu bitten, ob bei der Aufforderung zur Suizidbegehung gesetzgeberischer Handlungsbedarf bestehe. Guido Wolf hierzu: „Ich begrüße sehr, dass meine Kolleginnen und Kollegen dieses Thema weiterverfolgen wollen. Die Aufforderung an suizidgefährdete Person, Suizid zu begehen, muss unter Strafe gestellt werden. Der Schutz des Lebens hat oberste Priorität und deshalb werde ich mich auch in der Zukunft dafür einsetzen, die bestehende Strafbarkeitslücke zu schließen.“ Im Sommer hatte ein Fall in Baden-Baden für Entsetzen gesorgt, als eine suizidgefährdete Person von Schaulustigen aufgefordert wurde, sich von einem Dach zu stürzen.

Vorsitz in Länderarbeitsgruppe zum Thema Legal Tech

Das Ministerium der Justiz und für Europa Baden-Württemberg wird zudem den Vorsitz einer neugegründeten Länderarbeitsgruppe zum Thema Legal Tech übernehmen. Darunter versteht man Software und Online-Dienste, die juristische Arbeitsprozesse unterstützen oder automatisieren. Minister Wolf sagte: „Baden-Württemberg steht bei der Digitalisierung der Justiz an der Spitze. Wir werden unsere Erfahrungen in die neue Arbeitsgruppe einbringen und zusammen mit den Kollegen die digitalen Arbeitsprozesse im Bereich der Justiz auch weiterhin entschlossen fortentwickeln.“

Besonderes Interesse anThemen, die zugleich Justiz und Europa betreffen

Große Unterstützung erfuhr auch der Vorstoß Baden-Württembergs, die Länder in den Umsetzungsprozess zur Errichtung einer Europäischen Staatsanwaltschaft eng einzubinden. Minister Wolf sagte: „Als Minister der Justiz und für Europa stoßen Themen, die zugleich die Justiz und Europa betreffen, auf mein besonderes Interesse. Wie die Europäische Staatsanwaltschaft in Deutschland personell und organisatorisch aufgestellt werden soll, kann nur in enger Abstimmung mit den Ländern entschieden werden.“

Auf die Mitwirkung der Länder an Entscheidungen auf europäischer Ebene zielt auch ein weiterer Beschluss, den Baden-Württemberg als Mitantragsteller unterstützt hat. Danach pochen die Justizministerinnen und Justizminister darauf, dass die Belange der Justiz im Rahmen der Brexit-Verhandlungen ausreichend beachtet werden. Guido Wolf hierzu: „Der Brexit hat für die Länder in ganz unterschiedlichen Bereichen große Auswirkungen. Da liegt es auf der Hand, dass wir unsere Perspektiven und Interessen in die Verhandlungen einbringen werden. Auch das ist Ausdruck des Subsidiaritätsprinzips in Europa.“

Weitere Meldungen

Straßenverkehr in Stuttgart
Bundesrat

Gegen erneute Verbote für Automobilbranche

Im Energiepark Mainz ist der verdichtete grüne Wasserstoff aus einem Elektrolyseur in Tanks gelagert.
Wasserstoff

Bundesweite Abfrage des Strom- und Wasserstoffbedarfs

Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut
Bundesrat

Land setzt sich für landeseigene Forschungsinstitute ein

Bundesrat
Bundesrat

Strobl setzt sich für Schutz der Kritischen Infrastruktur ein

Eine Fernwärme-Anlage im Keller eines Gebäudes.
Energieversorgung

Länder fordern entschlossenes Handeln für bezahlbare Energie

Collage aus sechs Personen vor blauem Hintergrund
Schule

3 Fragen 3 Antworten: mit Gewinnerinnen und Gewinner des Lehrkräfte

Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
Auszeichnung

Kurt Josef Lacher erhält Bundesverdienstmedaille

Ein Intercity steht in einem Bahnhof. (© picture alliance/Klaus-Dietmar Gabbert/zb/dpa)
Sicherheit

Landesweiter Prozess für mehr Sicherheit im Bahnverkehr

Das Thermostat einer Heizung.
Energie

Walker kritisiert Reform des Gebäudeenergiegesetzes

Gruppenbild Teilnehmer Podiumsdiskussion
Wissenschaft

Widerstandskraft von Wissenschaft stärken

Symbolbild zur Künstlichen Intelligenz mit einem Prozessor und dem Schriftzug "AI Artificial Intelligence Technology"
Künstliche Intelligenz

Baden-Württemberg drängt auf praktikable KI-Regeln

Eine Rötelmaus (Clethrionomys glareolus) im Schnee (Bild: © dpa).
Landwirtschaft

Pragmatischer Umgang bei der Bekämpfung von Schadnagern

Wappen von Baden-Württemberg auf dem Ärmel einer Polizeiuniform. (Bild: Innenministerium Baden-Württemberg)
Polizei

Festnahme eines deutschland­weit aktiven Serieneinbrechers

Logo Öffentlicher Gesundheitsdienst. Die Abkürzung "ÖGD" ist in dicken Buchstaben dargestellt. Darunter steht in "Öffentlicher Gesundheitsdienst - Schützt. Hilft. Klärt auf."
Gesundheit

Einheitliche Software-Landschaft für die Gesundheitsämter

Eine muslimische Einwanderin sitzt mit anderen Personen am Tisch und schaut sich während des Englischunterrichts Blätter mit Grammatikaufgaben an.
Integration

Lucha kritisiert Zulassungsstopp bei Integrationskursen