Sozialversicherung

Land fordert Steuerfinan­zierung versicherungsfremder Leistungen

Mit einer Bundesratsinitiative fordert das Land den Bund auf, Krankenkassenbeiträge für Bürgergeldbeziehende und versicherungsfremde Leistungen in der Pflegeversicherung aus Steuermitteln zu finanzieren.

Berechne Lesezeit
  • Teilen
Eine Pflegekraft hilft einer alten Frau beim Trinken aus einem Becher in einem Seniorenheim (Bild: Patrick Pleul / dpa)
Symbolbild

Die gesetzlichen Krankenkassen und die soziale Pflegeversicherung stehen unter massivem finanziellem Druck. Baden-Württemberg will jetzt gegensteuern: Der Ministerrat hat am Dienstag, 16. Dezember 2025, beschlossen, eine Entschließung in den Bundesrat einzubringen, mit der die Bundesregierung aufgefordert wird, versicherungsfremde Leistungen endlich vollständig aus Steuermitteln zu finanzieren.

„Die Beitragsspirale dreht sich immer weiter, und das hat einen klaren Grund: Der Bund kommt seiner Finanzierungsverantwortung nicht nach“, sagte der baden-württembergische Gesundheitsminister Manne Lucha. „Es kann nicht sein, dass Versicherte und Arbeitgeber Milliardenlücken stopfen müssen, für die der Bund zuständig ist.“

Gesundheitskosten von Bürgergeldbeziehenden

Zum Jahresbeginn erwarten die Krankenkassen einen durchschnittlichen Zusatzbeitrag von über drei Prozent. Das belastet Beschäftigte, Rentnerinnen und Rentner ebenso wie Unternehmen. Besonders schwer wiegt dabei die unzureichende Finanzierung der Gesundheitskosten von Bürgergeldbeziehenden. Nach einem Gutachten des Instituts für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES) decken die Bundesbeiträge seit Jahren nur rund 40 Prozent der tatsächlichen Ausgaben. Allein dadurch entsteht den Krankenkassen eine jährliche Deckungslücke von rund zehn Milliarden Euro.

„Diese Milliarden fehlen im System – und sie werden über steigende Beiträge auf die Solidargemeinschaft abgewälzt“, so Lucha. „Das ist unsolidarisch und schadet dem Wirtschaftsstandort Deutschland.“

Die Krankenkassen sehen inzwischen keine andere Möglichkeit mehr und verklagen den Bund wegen der unzureichenden Finanzierung. Gleichzeitig hat die vom Bund eingesetzte FinanzKommission Gesundheit das Thema versicherungsfremde Leistungen erst für Ende 2026 auf die Agenda gesetzt. „So lange können und dürfen wir nicht warten“, betonte Lucha.

Rentenversicherungsbeiträge für pflegende Angehörige

Neben der gesetzlichen Krankenversicherung nimmt auch die soziale Pflegeversicherung gesamtgesellschaftliche Aufgaben wahr, ohne dafür einen angemessenen Ausgleich zu erhalten. Dazu zählen etwa die Rentenversicherungsbeiträge für pflegende Angehörige. „Das sind keine Versicherungsleistungen, sondern staatliche Aufgaben. Sie müssen aus Steuermitteln finanziert werden“, sagte der Minister.

Mit der Bundesratsinitiative fordert Baden-Württemberg insbesondere

  • eine umgehende, kostendeckende Finanzierung der Krankenkassenbeiträge für Bürgergeldbeziehende und
  • eine steuerliche Gegenfinanzierung versicherungsfremder Leistungen in der Pflegeversicherung, insbesondere der Rentenbeiträge für pflegende Angehörige.

„Die dauerhafte Unterfinanzierung von Kranken- und Pflegeversicherung muss ein Ende haben“, so Lucha. „Es geht um die Stabilität unserer Sozialversicherungen – und um die Frage, wer Verantwortung übernimmt. Der Bund muss jetzt handeln.“

Weitere Meldungen

Gisela Splett mit Patenschaftsurkunde
Vermögen und Bau

Patenschaft für Kronenkranich in der Wilhelma

Auf dem Bild ist Ministerin Dr. Nicole-Hoffmeister-Kraut mit Herrn Dr. Andreas Zekorn zu sehen. Beide lächeln in die Kamera. Die Ministerin hält eine Urkunde in beiden Händen.
Ehrung

Dr. Andreas Zekorn mit Staufermedaille geehrt

Bürger wählt (Foto: © dpa)
Landtagswahl 2026

Informationsangebote zur Sicherheit im Wahlkampf

Ein Biber, fotografiert an einem Fluss (Quelle: dpa).
Artenschutz

Biberverordnung hilft bei Konfliktfällen

Kabinettssitzung in der Villa Reitzenstein in Stuttgart
Landesregierung

Bericht aus dem Kabinett vom 20. Januar 2026

Ein Mitarbeiter einer Biogasanlage von Naturenergie Glemstal befüllt die Anlage mit Biomasse.
Bioökonomie

Grand Est und Land mobilisieren für Zukunft der Bioökonomie

von links nach rechts: Thomas Strobl, Stellvertretender Ministerpräsident und Innenminister, Sandra Boser, Staatssekretärin im Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, Marion Gentges, Ministerin der Justiz und für Migration, Dr. Ute Leidig, Staatssekretärin im Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration, Florian Haßler, Staatssekretär im Staatsministerium
Kabinettsausschuss

46 Maßnahmen gegen Hass und Hetze

Gesprächsrunde mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann (rechts) am 26. November 2025 an der Wilhelmsschule in Stuttgart-Wangen, an der ein Pilotprojekt der Familiengrundschulzentren eingerichtet wird.
Bildung

Land stärkt Erziehungspartnerschaft

Ein Apotheker holt eine Medikamentenverpackung aus einer Schublade in einer Apotheke.
Gesundheit

Kritische Arzneimittel wieder stärker in Europa produzieren

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Mitte) mit den Mitgliedern des Normenkontrollrats Baden-Württemberg
Bürokratieabbau

Normenkontrollrat übergibt Tätigkeitsbericht 2025

Illustration eines Zuges. Dieser fährt an einem Schild mit der Aufschrift "Digitaler Knoten Stuttgart" vorbei.
Schienenverkehr

340 Millionen Euro für Digitalen Knoten Stuttgart

Grüne Woche 2026
Landwirtschaft

Baden-Württemberg bei der Grünen Woche 2026 erleben

Eine Frau tippt auf einem Tablet. Daneben liegt ein Smartphone.
GesellschaftsReport BW

Vielfältige Angebote zur Stärkung der Medienkompetenz

Seitenansicht eines Doppelstockzuges
Schienenverkehr

Weitere 26 Doppelstockzüge für Baden-Württemberg

Symbolbild: Symbolbild: Ein Passant geht an dem Logo der Agentur für Arbeit vorbei. Das Bundesverfassungsgericht hat am Dienstag, 5. November 2019, sein Urteil zu Leistungskürzungen für unkooperative Hartz-IV-Bezieher verkündet. (Bild: picture alliance/Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa)
Bürgergeld

Hoffmeister-Kraut unterstützt geplante Bürgergeld-Reform