Justiz

Austausch mit Bayern über Herausforderungen im Justizvollzug

Berechne Lesezeit
  • Teilen
Eine JVA-Angestellte verständigt sich mittels eines Video-Dolmetschers mit einem weiblichen Häftling. (Foto: © dpa)

Die Justizminister von Baden-Württemberg und Bayern haben über aktuelle Herausforderungen im Justizvollzug diskutiert. Dabei ging es unter anderem um Gefangene mit islamistischem Hintergrund und den Einsatz von Videodolmetschern.

Die Justizminister von Bayern und Baden-Württemberg, Prof. Dr. Winfried Bausback und Guido Wolf, haben mit hochrangigen Vertretern des Justizvollzugs über aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze im Justizvollzug diskutiert. Die Veranstaltung steht im Kontext des engen fachlichen Austauschs, den Bayern und Baden-Württemberg auch in Fragen des Justizvollzugs traditionell pflegen.

In seiner Einleitung betonte Guido Wolf die Bedeutung des Justizvollzugs für die innere Sicherheit und würdigte die gute fachliche und rechtspolitische Zusammenarbeit der Länder Bayern und Baden-Württemberg: „Die aktuellen Herausforderungen im Justizvollzug treffen die Justizverwaltungen beider Länder in ähnlicher Weise. Daher bin ich dankbar, dass wir den Austausch über unsere Erfahrungen auf allen Ebenen pflegen und gemeinsam nach den besten Lösungen suchen.“

In der anschließenden Diskussion skizzierte Prof. Dr. Bausback die Herausforderungen für den Justizvollzug in Bayern: „Seien es nicht unerheblich gestiegene Gefangenenzahlen oder vermehrt Gefangene mit islamistischem Hintergrund: Der Justizvollzug muss die richtigen Antworten geben. Denn ein sicherer Justizvollzug ist ein zentraler Baustein für die erfolgreiche Resozialisierung der Gefangenen und damit für die Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger!“ Guido Wolf pflichtete dieser Analyse für Baden-Württemberg bei und verwies ergänzend auf die gestiegenen Sprachbarrieren in Folge des stark gestiegenen Anteils ausländischer Gefangener: „Sprachlosigkeit führt zu Missverständnissen, Frustration, nicht selten auch zu Aggression und Gewalt. Sprache ist das beste Mittel zur Deeskalation. Daher müssen wir versuchen, kommunikative Brücken zu bauen und die Sprachlosigkeit zu überwinden.“

Land setzt Videodolmetscher ein

Im Weiteren diskutierten die Teilnehmer Lösungsansätze für die Herausforderungen. Prof. Dr. Bausback stellte dabei die vielfältigen bayerischen Bemühungen zur Deradikalisierung islamistischer Gefangener vor: „Das Phänomen, dass Islamisten gezielt versuchen, im Justizvollzug potentielle Kandidaten für den Dschihad anzuwerben, ist nicht neu. Wir schauen deshalb in Bayern in unseren Gefängnissen bei Islamisten und bei Personen, bei denen entsprechende Verdachtsmomente vorliegen, ganz genau hin. Wir tun mit einem ganzen Bündel an Maßnahmen, zum Beispiel der Zentralen Koordinierungsstelle für Maßnahmen gegen Salafismus/Islamismus in meinem Haus, alles Mögliche, um etwaige Radikalisierungstendenzen frühzeitig zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken.“

Guido Wolf schilderte die Erfahrungen im baden-württembergischen Justizvollzug mit dem Videodolmetschen für fremdsprachige Gefangene: „Um die Verständigungshürden zu überwinden haben wir im Jahr 2017 in einer Reihe von Justizvollzugsanstalten den Einsatz von Videodolmetschern erprobt. Damit können wir in kürzester Zeit Dolmetscher zuschalten und aufkommende Konflikte entschärfen. Die Erfahrungen waren so gut, dass wir das Videodolmetschen gerade auf sämtliche Justizvollzugsanstalten des Landes übertragen.“

Einigkeit herrschte schließlich darüber, dass trotz aller innovativen Lösungsansätze der Strafvollzug seine Aufgaben nur mit einer ausreichenden Personaldeckung erfüllen könne. Bausback abschließend: „Unsere gut ausgebildeten und hochmotivierten Bediensteten sind das Herzstück unseres Vollzugs. Ohne sie sind letztlich alle Maßnahmen nur Stückwerk! Es ist daher ganz wichtig, den Personalausbau der vergangenen Jahre auch in Zukunft fortzusetzen.“

Quelle:

Ministerium der Justiz und für Europa Baden-Württemberg und Bayerisches Staatsministerium der Justiz

Weitere Meldungen

Eine Krankenpflegerin schiebt ein Krankenbett durch einen Flur.
Gesundheitssystem

Hildenbrand kritisiert Umsetzung der GKV-Reform

Ein Mitarbeiter scannt den Barcode eines Artikels für den Paketversand. (Bild: © dpa)
Wirtschaft

Hoffmeister-Kraut begrüßt Maßnahmen zum Bürokratieabbau

Ein Landwirt betankt sein Gespann mit Gülle um diese anschließend auf einem Feld auszubringen. (Foto: © dpa)
Landwirtschaft

Gentges fordert Aufstockung des Hilfspakets für Düngerpreise

Landgericht Ulm
Justiz

Bekämpfung von sexuellem Kindesmissbrauch auf der Kippe

Forschende im Forschungszentrum M3 des Universitätsklinikums Tübingen
Hochschulen

Schnellbau-Initiative bringt zusätzlichen Investitionsschub

Von links nach rechts im Bild: Ministerialdirektorin Gerda Windey, Präsident des Landgerichts Baden-Baden a.D. Dr. Frank Konrad Brede, Minister der Justiz und für Migration Moritz Oppelt, Präsident des Oberlandesgerichts Karlsruhe Jörg Müller.
Justiz

Präsident des Landgerichts Baden-Baden geht in Ruhestand

Logo der Wirtschaftsministerkonferenz der Länder
Wirtschaftsministerkonferenz

Wirtschaftsminister der Länder tagen in Konstanz

Innenminister Manuel Hagel (links) und Kapitän zur See Michael Giss, Kommandeur des Landeskommandos der Bundeswehr Baden-Württemberg (rechts)
Sicherheit

Zukunft des Landeskommandos Baden-Württemberg gesichert

Europa, Deutschland, Schwarzwald
Landwirtschaft

Nachbesserungen bei Wieder­herstellungsverordnung gefordert

Das Logo der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg ist am Eingang eines Gebäudes der Rentenversicherung angebracht.
Rentenkommission

Zügige Umsetzung der Rentenreform gefordert

Kränze am Gedenktag
Heimat

Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung

Eine Jugendliche schaut aus dem Fenster.
Zusammenhalt

Land wird Bündnis gegen Einsamkeit gründen

Ministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut
Arbeit

Hoffmeister-Kraut kritisiert Umsetzung der Arbeitszeitreform

Flur im Krankenhaus mit Personal und Betten
Gesundheit

Kliniken sichern, Versorgung stärken, Lasten fair verteilen

Symbolbild: Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. (Bild: picture alliance/Uli Deck/dpa)
Demokratie

Bundesverfassungsrichterin besucht Schule in Leimen