Naturschutz

Artenreiche Lebensräume schaffen und verbinden

Berechne Lesezeit
  • Teilen
Mohn- und Kornblumen blühen in einem Getreidefeld (Bild: dpa).

Wir erleben in Deutschland einen dramatischen Rückgang der Insektenarten. Viele kleine Maßnahmen können helfen, Insekten wieder mehr Lebensraum zu geben. Ein Baustein ist, die Artenvielfalt im Straßenbegleitgrün wieder zu erhöhen. Eine weitere Maßnahme des Verkehrsministerium sind Amphibienschutzanlagen, die durch Straßen zerschnittene Lebensräume wieder verbinden.

„Wir haben uns zum Ziel gesetzt, durch eine Aufwertung der straßenbegleitenden Grünflächen und durch die Förderung von Amphibienschutzanlagen dem Artenrückgang aktiv entgegenzutreten und die biologische Vielfalt zu fördern“, erklärte Verkehrsminister Winfried Hermann bei der Besichtigung einer Grünfläche, die vom Neckar-Odenwald-Kreis durch Aushagerung in eine arten- und blütenreiche Wiese umgewandelt wird.

Nachdem in den letzten Jahren die Artenvielfalt in Deutschland dramatisch gesunken ist, hat die Landesregierung im Dezember 2017 das „Sonderprogramm zur Stärkung der biologischen Vielfalt“ ins Leben gerufen und für die Jahre 2018 und 2019 insgesamt 30 Millionen Euro bereitgestellt. Das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz und das Ministerium für Verkehr nutzen das Sonderprogramm, um in ihrem Zuständigkeitsbereich ganz unterschiedliche zielführende Maßnahmen zur Förderung der biologischen Vielfalt umzusetzen.

Artenvielfalt im Straßenbegleitgrün erhöhen

Das Verkehrsministerium möchte im Rahmen des Sonderprogramms durch ein Maßnahmen- und Förderprogramm unter anderem die Artenvielfalt im Straßenbegleitgrün erhöhen. Dazu werden ausgewählte Grasflächen an Straßen, bei denen bisher das gemulchte Schnittgut auf der Fläche verblieb, durch zweimaliges Mähen und Abfuhr des Schnittgutes ausgehagert. Ausgehagerte, also nährstoffarme Standorte („Magerstandorte“), sind für den Naturschutz besonders interessant, da auf ihnen seltene und hoch spezialisierte Arten vorkommen, die aus unserer durch intensive Nutzung geprägten Landschaft zusehends verschwinden. Viele dieser Arten dienen blütenbesuchenden Insekten als wichtige Nektar- und Pollenquelle und bieten einer Vielzahl anderer Tierarten einen Lebensraum.

Der Neckar-Odenwald-Kreis ist einer der Landkreise, die sich an dem Programm beteiligen und einzelne Flächen entlang von Straßen durch das zweischürige Mähen ökologisch aufwerten. Darüber hinaus beteiligt sich der Kreis am Modellprojekt des Verkehrsministeriums zur Erhöhung der Artenvielfalt im Straßenbegleitgrün. Dabei wird untersucht, wie die biologische Vielfalt entlang von Straßen gefördert werden kann, ohne dass dem Straßenbaulastträger erhebliche Mehrkosten entstehen.

Lebensräume wieder verbinden

Über die Optimierung straßenbegleitender Flächen hinaus, fördert das Verkehrsministerium im Rahmen des Sonderprogramms auch den Bau von Amphibienschutzanlagen an Kreis- und Gemeindestraßen, die an Hauptwanderwegen von Amphibien liegen. So soll sichergestellt werden, dass Kröten, Frösche und Molche gefahrlos zu ihren Laichgewässern gelangen können. „Der Artenschwund schreitet auch in Baden-Württemberg immer schneller voran. Nur durch gemeinsame Anstrengungen kann es gelingen, diesen bedrohlichen Trend zu stoppen“, so Hermann. „Es stimmt zuversichtlich, dass uns der Neckar-Odenwald-Kreis bei unseren Bemühungen zum Erhalt der Artenvielfalt so engagiert unterstützt.“ „An dieser Stelle möchte ich auch den anderen Kreisen und Gemeinden sowie den Regierungspräsidien danken, die sich durch die ökologische Aufwertung von Straßennebenflächen und durch den Bau von Amphibienschutzanlagen am Sonderprogramm beteiligen und so zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen.“

Großes Potential für den Artenschutz

Aufgrund einer Flächengröße von über 27.000 Hektar allein in Baden-Württemberg, seiner linearen Struktur sowie der gleichmäßigen Verteilung im ganzen Land hat das von der Straßenbauverwaltung betreute Straßenbegleitgrün auch eine große Bedeutung für den Naturschutz. Zwar dient die Pflege des Straßenbegleitgrüns entlang von Straßen vorrangig dem sicheren Betrieb der Straßen, aber die Gras- und Gehölzflächen können bei richtiger Anlage und Pflege auch vielen Tier- und Pflanzenarten Rückzugs- und Ersatzlebensräume bieten. Zahlreiche Tierarten wie Insekten, Kleinsäuger und Vögel finden dort ein breites Nahrungsangebot, Deckungs- und Fluchtmöglichkeiten sowie Nist- und Brutplätze vor, die ihnen in ihren angestammten Lebensräumen zunehmend verloren gehen. Straßenbegleitende Hecken, Gräben und Mulden stellen Leitlinien und Ausbreitungskorridore dar, welche die Erschließung neuer oder Wiederbesiedlung ehemaliger Lebensräume – etwa durch Fledermäuse, Kleinsäuger oder Insekten – begünstigen.

Dem Verkehrsministerium stehen zur Umsetzung des Sonderprogrammes zur Stärkung der biologischen Vielfalt für die Haushaltsjahre 2018 und 2019 jeweils 1,5 Millionen Euro an zusätzlichen Haushaltsmitteln zur Verfügung. Die Mittel werden verwendet, um die Artenvielfalt in den straßenbegleitenden Grünflächen zu erhöhen und dem Artenschwund bei den Amphibien entgegenzuwirken. Dazu werden ausgewählte Grasflächen an Straßen ausgehagert, Kreisverkehre und Rastplätze durch die Anlage von strukturreichen Blühflächen aufgewertet und Neubauflächen mit insektenfreundlichen gebietsheimischen Blühmischungen eingesät. Außerdem wird der Bau von Amphibienschutzanlagen gefördert.

Verkehrsministerium: Sonderprogramm zur Stärkung der biologischen Vielfalt

Weitere Meldungen

Eine Hand hält am 18.04.2016 an einer Tankstelle in Tübingen (Baden-Württemberg) einen Tankstutzen.
Verbraucherschutz

Hauk fordert schnelle Entlastungen bei Energiepreisen

Eine Frau sammelt in einem Wald Bärlauchblätter ein, die den Waldboden fast komplett bedecken. (Bild: dpa)
Verbraucherschutz

Wichtige Tipps zum Start der Bärlauch-Saison

Ein Wolf sitzt im Erlebnispark Tripsdrill in einem Gehege. (Foto: dpa)
Wolfsmanagement

Ausnahmegenehmigung zum Wolfsabschuss wird nicht verlängert

Verkehrsminister Winfried Hermann
Online-Dialog

Online-Dialog mit Verkehrsminister Winfried Hermann

Ein Wolf sitzt im Erlebnispark Tripsdrill in einem Gehege. (Foto: dpa)
Wolfsmanagement

Auffälliger Wolf im Nordschwarzwald: Fragen und Antworten

Im Energiepark Mainz ist der verdichtete grüne Wasserstoff aus einem Elektrolyseur in Tanks gelagert.
Wasserstoff

Bundesweite Abfrage des Strom- und Wasserstoffbedarfs

Bundesrat
Bundesrat

Strobl setzt sich für Schutz der Kritischen Infrastruktur ein

Ein Thermometer zeigt fast 36 Grad Celsius an.
Klimawandel

2025 deutlich zu warm und mit ausgeprägter Hitzephase

Europa, Deutschland, Schwarzwald
Landlicher Raum

Starke Perspektiven für den Ländlichen Raum

Eine Fernwärme-Anlage im Keller eines Gebäudes.
Energieversorgung

Länder fordern entschlossenes Handeln für bezahlbare Energie

Stuttgart, 03.03.2026: Staatssekretär Andre Baumann (zweiter von links) mit den Gründern des Ombudsverein Erdwärme e. V. (von links): Dr. Herbert Pohl (Geschäftsführer, Deutsche ErdWärme GmbH), Staatssekretär Dr. Andre Baumann, Dr. Horst Kreuter (Vulcan Energie Ressourcen GmbH), Andreas Mühlig (Leiter GE Erzeugung Betrieb EnBW Energie Baden-Württemberg AG), Dr. Hansjörg Roll (Mitglied des Vorstands, MVV Energie AG), Klaus Preiser (Geschäftsführung, badenova Wärmeplus GmbH & Co. KG), Jürgen Scheurer (Geschäftsführer, Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg e. V.), Jörg Dürr-Pucher, (Vorsitzender, Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg e. V.)
Energiewende

Ombudsverein Erdwärme für schnelle Schlichtungen gegründet

Der Luchs wird eingefangen, um ihn zu besendern
Forst

Luchs im Landkreis Rastatt mit Halsbandsender ausgestattet

Kabinettssitzung in der Villa Reitzenstein in Stuttgart
Landesregierung

Bericht aus dem Kabinett vom 3. März 2026

Das Bild zeigt den Raum unter einer Brücke. Links ist ein Fluss zu sehen und daneben ein Waldweg.
Straßenbrücken

Land nutzt versiegelte Flächen für Tiere und Pflanzen

Ein Landwirt pflügt ein Feld. Luftaufnahme mit einer Drohne. (Foto: Patrick Pleul / dpa)
Landwirtschaft

FIONA-Antragssaison 2026 startet