Digitalisierung

Landesregierung initiiert „Cyberwehr Baden-Württemberg“

Berechne Lesezeit
  • Teilen
Mitarbeiter sitzen im Cyberabwehrzentrum in der deutschen Hewlett-Packard-Zentrale in Böblingen (Bild: dpa).

Baden-Württemberg baut eine Cyberwehr auf. Sie soll eine Kontakt- und Beratungsstelle vor allem für kleine und mittlere Unternehmen sowie eine landesweite Koordinierungsstelle bei Hackerangriffen. Dabei wird die Cyberwehr eng mit Sicherheitsbehörden, Wirtschaft und Wissenschaft vernetzt.

„Baden-Württemberg soll zur digitalen Leitregion werden, dazu haben wir vor dem Sommer die Digitalisierungsstrategie digital@bw vorgestellt. Eine wichtige Voraussetzung dabei ist die Cybersicherheit. Gefahren und Angriffen aus dem Netz müssen wir uns gezielt entgegenstellen, denn Cyberattacken wie Wannacry verunsichern die Bürgerinnen und Bürger und sie gefährden Geschäftsmodelle“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann.

„Für jedes digitale Projekt ist Daten- und Übertragungssicherheit eine notwendige Grundlage. Digitale Assistenzsysteme in der Pflege, das autonome Fahren oder beispielsweise Smart Home Anwendungen – all das wird nur funktionieren, wenn es sicher ist. Deshalb starten wir jetzt schwerpunktmäßig Projekte, um Baden-Württemberg im Bereich derCybersicherheit ganz nach vorne zu bringen“, so der Stellvertretende Ministerpräsident und Minister für Inneres, Digitalisierung und Migration, Thomas Strobl, der zuvor im Ministerrat einen Mündlichen Bericht zur „Cyberwehr Baden-Württemberg“ gegeben hatte. 

Das Land wird hierfür die „Cyberwehr Baden-Württemberg“ aufbauen: eine Kontakt- und Beratungsstelle vor allem für kleine und mittlere Unternehmen sowie eine landesweite Koordinierungsstelle bei Hackerangriffen. „Die Cyberwehr ist die Feuerwehr des 21. Jahrhunderts, erreichbar an sieben Tage in der Woche, 24 Stunden am Tag. Wir schaffen damit eine Stelle mit einheitlicher Notfallnummer. Die Cyberwehr wird zudem eine Einrichtung, die die Notfall-Hilfe mit bereits bestehenden Einrichtungen verknüpft und Unternehmen damit eine ganzheitliche Lösung für Cybersicherheit bietet“, so Strobl weiter.

Enge Vernetzung mit Sicherheitsbehörden, Wirtschaft und Wissenschaft

Zusammen mit Cyber-Spezialisten aus Wirtschaft, Forschung und Verwaltung werde dort an standardisierten Vorgehen bei Hackerangriffen gearbeitet, Qualitätsanforderungen für die digitale Notfallhilfe definiert und Zertifizierungen für regionale Experten durchgeführt. Die Cyberwehr wird dabei eng mit bestehenden Institutionen wie dem ZAC (zentrale Ansprechstelle Cybercrime) beim Landeskriminalamt, dem Landesamt für Verfassungsschutz im Bereich der Cyberspionage, dem CERT BW (Computer Emergency Response Team Baden-Württemberg) und dem Forschungszentrum Informatik am Karlsruher Institut für Technologie zusammenarbeiten.

Der Aufbau eines entsprechenden Netzwerks beginne noch in diesem Monat. Nach einer ersten Pilotphase von 15 Monaten soll die Cyberwehr dann in der Fläche verankert werden. Das Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration habe für die Cyberwehr im kommenden Haushalt rund drei Millionen Euro angemeldet, hinzu kommen acht Millionen Euro für weitere Maßnahmen im Bereich der Cybersicherheit.

„Natürlich arbeiten wir dabei auch eng mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, dem BSI, zusammen. Ich habe mich deshalb mit dem BSI-Präsidenten Arne Schönbohm auf einen noch engeren Austausch verständigt und angeregt, eines der geplanten Verbindungsbüros des BSI bei uns in Baden-Württemberg anzusiedeln“, so Minister Thomas Strobl.

Hohe Dunkelziffer bei Hackerangriffen

Laut einer Online-Befragung zur Lage der IT-Sicherheit in Deutschland, die für das BSI durchgeführt wurde, waren im Jahr 2016 rund 66 Prozent der Institutionen Ziel von Cyberangriffen. Bei knapp der Hälfte waren die Angriffe erfolgreich. „Das werden wir in einer Studie zur Cybersicherheit jetzt speziell für Baden-Württemberg in den Blick nehmen. Gerade bei Cyberangriffen gehen wir von einer hohen Dunkelziffer aus. Deshalb werden wir genauer untersuchen in welcher Art und Weise gerade kleine und mittlere Unternehmen von Cyberattacken betroffen sind und was wir daraus für Lehren ziehen können“, so der Digitalisierungsminister.

„Klar ist jedenfalls schon jetzt: Ziel von Cyberangriffen sind nicht nur Großunternehmen, sondern beispielsweise auch Handwerksbetriebe, niedergelassene Ärzte oder kleine und mittlere Unternehmen. Für diese ist die ‚Cyberwehr Baden-Württemberg‘ eine verlässliche und kompetente Kontaktstelle – das ist für das Mittelstandsland Baden-Württemberg von großer Bedeutung“, so Ministerpräsident Kretschmann.

„Um die Schlagkraft im Bereich der Cybersicherheit zu erhöhen, werden wir auch ganz gezielt innovative Startups aus dem Bereich der IT-Sicherheit fördern. Mit dem IT-Security Lab setzen wir jetzt auch ein Programm auf, das jungen IT-Unternehmen hilft, ihre Produkte und Dienstleistungen zur Marktreife zu bringen“, so Strobl. Dabei sollen jährlich bis zu zehn Gründungsvorhaben aus dem Bereich Cybersicherheit und insgesamt bis zu 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch Spezialisten betreut werden, denn hohe IT-Sicherheitsstandards werden immer mehr zu einem Wettbewerbsvorteil auf den Weltmärkten. „Wir wollen dabei auch den Wettbewerb und den Innovationsgrad für Sicherheitslösungen ankurbeln“, so Digitalisierungsminister Thomas Strobl.

Weitere Meldungen

Ein Ingenieur kontrolliert in einem Labor mit einem Mikroskop einen Chip zum Einsatz in einen Quantencomputer.
Innovation

Land fördert 14 Prototypen für Zukunftstechnologien

Gewinnerteam Regional Cup Tübingen
Start-up BW

ELASTheal gewinnt den Regional Cup Tübingen

Eine Mitarbeiterin der Firma Lütze fertigt Bauteile für elektronische Steuerungen für Schienenfahrzeuge.
Innovation

Land fördert Technologie­kooperation mit der Ukraine

Logo und Schriftzug der „Agentur für Arbeit“ an einem Gebäude.
Arbeitsmarkt

Verhaltene Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt

Die NECOC-Versuchsanlage am KIT produziert festen Kohlenstoff aus klimaschädlichem Kohlenstoffdioxid.
Wirtschaft

Land fördert innovatives Verfahren für klimaneutrale Produktion

Bescheidübergabe am 31. März 2026
Wirtschaft

Land stärkt Automotive-Standort im Rems-Murr-Kreis

Hand hält Smartphone mit geöffneter MeinELSTER+-App, die eine vorausgefüllte Steuererklärung und Abgabe per Klick zeigt, im hellen Bürohintergrund.
Steuern

Anmeldestart für Steuererklärung mit einem Klick

Straßenbaustelle an der B31 im Schwarzwald (Bild: © dpa).
Straßenbau

500 Millionen Euro für Straßenerhalt im Land

Neue Herausforderungen für die Kriminaltechnik in Bayerns
Wirtschaft

Länder fordern Anpassung der Chemieagenda 2045

Die CO.VISION Co-Teams beim Kick-off-Treffen im März 2026 in Stuttgart auf einem Gruppenfoto.
Kreativwirtschaft

Neun interdisziplinäre Innovationsprojekte für kreative Transformation

Regional Cup Böblingen - Elevator Pitch 2025/26
Start-up BW

MatheBuddy gewinnt den Regional Cup Böblingen

Siegerehrung Start-up BW Elevator Pitch Vorentscheid Rems-Murr
Start-up BW

Fibryx GmbH im Landesfinale des „Start-up BW Elevator Pitch"

Logo von Start up BW
Start-up BW

EasZotic GmbH im Landesfinale des „Start-up BW Elevator Pitch"

Eine Person in medizinischer Kleidung hält eine Digitalkamera speziell für den klinischen Einsatz. (Bild: Maja Hitij/dpa)
Technologie

Land fördert Miniatur-Batterien für Medizintechnik

von links nach rechts: Steffen Jäger, Präsident des Gemeindetages Baden-Württemberg, stellvertretender Ministerpräsident und Innenminister Thomas Strobl, Landrat Dr. Achim Brötel, Präsident des Landkreistags Baden-Württemberg, Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup, Präsident des Städtetages Baden-Württemberg
Digitalisierung

Schnellere Digitalisierung der Verwaltung