Weinbau

Herbstpressekonferenz des Badischen Weinbauverbandes

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Ein Mann pflückt in einem Weinanbaugebiet Weintrauben von den Reben.

Die spürbaren Zeichen des Klimawandels waren auch in diesem Jahr eine Belastung für die Winzerinnen und Winzer und machen eine Risikovorsorge notwendig. Das betonte Staatssekretärin Sabine Kurtz bei der Herbstpressekonferenz des Badischen Weinbauverbandes.

„Das Jahr 2022 wird als weiteres extremes Jahr in Erinnerung bleiben, denn der Sommer war geprägt von Trockenheit und Hitze. Diese an Häufigkeit und Schadensausmaß zunehmenden Wetterextreme zeigen auf, wie unerlässlich ein betriebliches Risikomanagement ist, um für solche Ereignisse vorbereitet und abgesichert zu sein. Das Land Baden-Württemberg unterstützt die Winzerinnen und Winzer dabei. Bereits im Jahr 2019 hat die Landesregierung als bundesweites Pilotprojekt dieFörderung von Ertragsversicherungen im Obst- und Weinbau gegen die Risiken Starkfrost, Sturm und Starkregen aufgelegt. Die Zahl der teilnehmenden Obst- und Weinbaubetriebe bestätigt, dass dieser eingeschlagene Weg richtig ist und auf breite Akzeptanz trifft. Daher soll das Pilotprojekt zukünftig als Förderprogramm verstetigt werden“, sagte die Staatssekretärin im Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Sabine Kurtz am 5. September 2022 in Waldkirch-Buchholz im Landkreis Emmendingen, anlässlich der Herbstpressekonferenz des Badischen Weinbauverbandes.

Wie die vergangenen Jahre gezeigt haben, muss auch mehr für den Schutz gegen Frostschäden und gegen Trockenheit getan werden. Deshalb unterstützt die Landesregierung die Weinwirtschaft beim Aufbau gemeinschaftlich genutzter Infrastruktur zum Frostschutz und zur Beregnung bei Trockenheit. „Damit haben wir einen weiteren Baustein beim Aufbau eines betrieblichen Risikomanagements zum Schutz vor den Auswirkungen des Klimawandels geschaffen“, betonte Staatssekretärin Sabine Kurtz.

2022er Weinjahrgang dürfte Erwartungen erfüllen

Die Rebe als sogenannte Tiefwurzlerin kam mit der Trockenheit besser zurecht als manch andere landwirtschaftliche Kultur. Dennoch mussten Rebanlagen, zumindest auf Standorten mit zu wenig Niederschlag und unzureichender Wasserführung, bewässert werden. Dadurch entstand für die betroffenen Betriebe ein zusätzlicher Aufwand. Letztlich wird die Ertragslage in diesem Jahr vielerorts von der Bewässerung abhängen. Positiv ist, dass die hohen Temperaturen und die langen Trockenperioden die Ausbreitung von Pilzkrankheiten unterbunden haben, was grundsätzlich eine gute Voraussetzung ist, um hochwertige Traubenqualitäten zu erzielen. „Hinsichtlich der Qualität des 2022er Weinjahrgangs in Baden gehe ich davon aus, dass er die Erwartungen erfüllen wird“, so Staatssekretärin Sabine Kurtz.

„Seit circa zwei Jahren leben wir im Krisen-Modus. Erst die Corona-Pandemie, die unsere Betriebe bis heute stark fordert und aktuell auch der Krieg in der Ukraine. Durch dessen Auswirkungen sind auch unsere badischen Winzerinnen und Winzer durch die stark gestiegenen Rohstoffpreise für Energie, Kraftstoffe, Dünger und Pflanzenschutzmittel, aber auch für Flaschen und Unterstützungsmaterial belastet. Das Land kann zwar in das globale Marktgeschehen nicht aktiv eingreifen, die Folgen einer Krise jedoch durch spezifische Hilfen abfedern. Das haben Bund und Land bereits in der Corona-Krise bewiesen“, betonte Staatssekretärin Sabine Kurtz. Die Europäische Union (EU) hat für die Agrarsektoren der Mitgliedstaaten eine Beihilfe in Höhe von insgesamt 500 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Auf Deutschland entfällt ein Anteil in Höhe von rund 60 Millionen Euro, den der Bund um zusätzliche 120 Millionen Euro zur Unterstützung der Landwirtinnen und Landwirte erhöht hat. Die Höhe der Beihilfe beträgt im Weinbau 63 Euro je Hektar.

Die Stärkung der Biodiversität spielt in Baden-Württemberg eine bedeutende Rolle. So soll auch der Ökolandbau ausgedehnt werden. Um Betrieben den Umstieg auf den Ökoanbau weiter attraktiv zu machen, werden die Prämiensätze im Förderprogramm für Agrarumwelt, Klimaschutz und Tierwohl (FAKT) erhöht. Die einmalige Umstellungsprämie soll von 1.275 Euro pro Hektar und Jahr auf 1.450 Euro und die Beibehaltungsprämie von 750 Euro pro Hektar und Jahr auf 1.000 Euro ab 2023 angehoben werden. „Nach wie vor ungelöst ist allerdings, dass wir keine praxistauglichen Pflanzenschutzmittel-Alternativen zu Kupfer und Kaliumphosphonat zur Bekämpfung des Falschen Mehltaus im Ökoweinbau zur Verfügung haben. Deshalb werden wir die Bemühungen der Branche auch weiterhin intensiv unterstützen“, so Staatssekretärin Sabine Kurtz.

Pilzdruck im Ökoweinbau

Trotz höchstem Einsatz auf politischer wie auch fachlicher Ebene ist es bisher nicht gelungen, die Europäische Kommission dafür zu gewinnen, die rechtlichen Voraussetzungen zu schaffen, damit Kaliumphosphonat im Ökoweinbau wieder nutzbar ist. Dieses Mittel hat eine gute Wirkung gegen Falschen Mehltau und war bis 2013 auch im Ökoweinbau einsetzbar. Trotz intensiver Forschungsarbeit ist es bisher nicht gelungen, praxistaugliche Alternativen zu Kupfer und Kaliumphosphonat für den Ökoweinbau zur Verfügung zu stellen.

Pilzwiderstandsfähige Rebsorten sind ein wichtiger Ansatzpunkt, um mit dem Pilzdruck gerade in nassen Jahren besser zurecht zu kommen, weil sie mit deutlich weniger Pflanzenschutzmitteln auskommen. Allerdings ist der Weg bis zur umfassenden Etablierung solcher Sorten am Markt noch weit.

Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz: Weinbau in Baden-Württemberg

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