Bioökonomie

Grand Est und Baden-Württemberg mobilisieren für Zukunft der Bioökonomie

Im Europäischen Parlament haben Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft aus Grand Est und Baden-Württemberg die neue EU-Bioökonomiestrategie diskutiert.

Berechne Lesezeit
  • Teilen
Ein Mitarbeiter einer Biogasanlage von Naturenergie Glemstal befüllt die Anlage mit Biomasse.
Symbolbild

Im Kontext der erst kürzlich aktualisierten Bioökonomiestrategie der Europäischen Union (EU), organisierten die Vertretung von Grand Est bei der Europäischen Union und das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg am 20. Januar 2026 im Europäischen Parlament in Straßburg eine politische Veranstaltung mit dem Namen „Die neue EU-Bioökonomiestrategie: Ein Vorteil für Wettbewerbsfähigkeit und Dekarbonisierung“.  Am Treffen nahmen auch Jessika Roswall, EU-Kommissarin für Umwelt, Resiliente Wasserversorgung und Wettbewerbsfähige Kreislaufwirtschaft sowie zahlreiche Mitglieder des Europäischen Parlaments, Vertreterinnen und Vertreter aus Institutionen, Wirtschaft und Wissenschaft beider Regionen teil, die sich für den Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft engagieren.

Wirtschaftsfaktor Bioökonomie

Die Bioökonomie basiert auf der nachhaltigen Nutzung biologischer Ressourcen aus Land- und Forstwirtschaft sowie auf der effizienten Verwertung von Abfällen und Nebenprodukten. Sie dient als strategischer Hebel zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und zur Beschleunigung der Dekarbonisierung der europäischen Wirtschaft. Mit einem geschätzten Umsatz von 2,3 Milliarden Euro und über acht Prozent der europäischen Arbeitsplätze bietet sie Perspektiven für Wachstum, Resilienz und die Schaffung lokaler Arbeitsplätze, insbesondere in ländlichen Gebieten. Zwischen 2012 und 2021 stieg die Wertschöpfung in bio-basierten Sektoren um 39 Prozent, maßgeblich getrieben durch die biobasierte Fertigungsindustrie.

Grand Est und Baden-Württemberg, führende Regionen auf diesem Gebiet, verfolgen seit Langem gezielte Strategien zur Förderung und Unterstützung der Entwicklung von Bioökonomiesektoren sowie regionaler und lokaler Ökosysteme. Die beiden Regionen pflegen zudem eine enge Zusammenarbeit, die durch einen regen politischen, wissenschaftlichen und industriellen Austausch in Brüssel, Straßburg und im gesamten grenzüberschreitenden Raum gestärkt wird.

Stimmen zur Veranstaltung

Anne Sander, Präsidentin von Grand Est-Europe, ehemaliges Mitglied des Europäischen Parlaments und Regionalrätin von Grand Est, betont: „Die Bioökonomie ist eine strategische Chance zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit Europas. Sie bietet auch unseren Regionen eine strategische Chance, die wir weiterhin nutzen werden, um die ökologische Transformation, die wirtschaftliche Entwicklung und die Schaffung lokaler Arbeitsplätze, auch in ländlichen Gebieten, miteinander zu verbinden. Im künftigen mehrjährigen Finanzrahmen der Europäischen Union (2028 bis 2034) ist es unerlässlich, dass regionale Akteure weiterhin als Treiber des Wandels fungieren und Zugang zu Finanzierungsinstrumenten erhalten, die auf ihre spezifischen Gegebenheiten zugeschnitten sind, um die Umsetzung der neuen europäischen Bioökonomiestrategie zu unterstützen.“

„Die Bioökonomie ist ein wichtiger Treiber für eine resiliente und zukunftsfähige Weiterentwicklung der europäischen Industrie und Wirtschaft. Ländliche Regionen und Primärproduzenten bilden das Rückgrat der Bioökonomie, indem sie wichtige Rohstoffe liefern, entscheidendes Fachwissen einbringen und Forschung und Innovation mit nachhaltigen Lösungen umsetzen. In Baden-Württemberg fördern wir die Bioökonomie aktiv, indem wir in Forschung und Entwicklung investieren, Netzwerke schaffen und Start-ups sowie kleine und mittlere Unternehmen unterstützen, um die Regionen zu stärken und Arbeitsplätze im Ländlichen Raum zu schaffen. Dafür benötigen wir klare und verlässliche Rahmenbedingungen, um die Entwicklung der Bioökonomie zu fördern und Europas führende Position in diesem Bereich gemeinsam zu sichern. Wir setzen auf eine enge Zusammenarbeit mit der EU-Kommission, um diese Ziele zu erreichen und eine nachhaltige und wettbewerbsfähige europäische Wirtschaft zu schaffen“, sagte Peter Hauk, Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.

Jessika Roswall, EU-Kommissarin für Umwelt, Resiliente Wasserversorgung und Wettbewerbsfähige Kreislaufwirtschaft, zuständig für Bioökonomie, schließt: „Wir sind führend in der Bioökonomie. Es gilt, fokussiert zu bleiben, um diese Führungsposition zu sichern und weiter voranzubringen.“

Die Veranstaltung am 20. Januar 2026 hat maßgeblich dazu beigetragen, die politische Debatte über die neue EU-Bioökonomiestrategie zu intensivieren. Dabei wurde die bedeutende Rolle der Regionen für den Erfolg des ökologischen und ökonomischen Wandels deutlich hervorgehoben. Darüber hinaus wurden wichtige Hebel identifiziert, um die Bioökonomie aus ihrer bisherigen Nischenposition herauszuführen und sie zu einer weit verbreiteten, nachhaltigen sowie wettbewerbsfähigen Praxis in ganz Europa zu entwickeln.

Zahlen zur Bioökonomie in der Region Grand Est

  • Acht Prozent der regionalen Beschäftigung sind mit der Bioökonomie verbunden (Quelle: Observatoire Régional Emploi-Formation 2024)
  • Über 200 Industrieprojekte wurden seit 2020 gefördert
  • 54 Millionen Euro an regionalen Fördermitteln wurden mobilisiert (Gesamtbudget: 1,8 Milliarden Euro)
  • 137 Startups in Bioökonomie-Sektoren (Bioenergie, pflanzenbasierte Chemie, biobasierte Materialien, nachhaltige Lebensmittel) werden unterstützt
  • 400 Akteure sind in den Sektoren beteiligt: ​​Industrieunternehmen (InVivo, Cristal Union, Vivescia), Bioraffinerien (acht regionale Plattformen), Universitäten und Forschungszentren (Exebio, Europäisches Zentrum für Biotechnologie und Bioökonomie, Bioeconomy4Change)
  • Drei Branchenabkommen vereinen über 300 Akteure: nachhaltige Biokraftstoffe, Pflanzenfasern, pflanzenbasierte Chemie und industrielle Biotechnologie
  • Die Region ist weltweit die neuntgrößte Region für ausländische Investitionen

Zahlen zur Bioökonomie in Baden-Württemberg

  • 200 Millionen Euro regionale öffentliche Fördermittel seit 2020
  • 16 Förderprogramme mit Schwerpunkt auf bioökonomischen Themen seit 2021
  • Über 150 geförderte und kofinanzierte Projekte im Themenfeld Bioökonomie seit 2019
  • Mehr als 20 Netzwerke und Cluster mit Fokus auf verschiedene Bereiche wie beispielsweise Ernährung, Energie und Biogas, Biotechnologie, biobasierte Materialien, Leichtbau und Architektur
  • 35 Startups und Unternehmen wurden mit dem Bioökonomie-Innovationspreis für innovative Geschäftsmodelle und Produkte ausgezeichnet, die zu einer regenerativen, biobasierten und zirkulären Wirtschaft beitragen
  • Mehr als 70 Universitäten und über 100 renommierte Forschungseinrichtungen und Technologietransferzentren sowie Investitionen in Höhe von 5,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Forschung, Entwicklung und Innovation
  • Rund 1.000 Biogasanlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung, Biomethan-, Bio-CNG- und Bio-LNG-Produktion sowie als

Weitere Meldungen

Eine Krankenpflegerin schiebt ein Krankenbett durch einen Flur.
Gesundheitssystem

Hildenbrand kritisiert Umsetzung der GKV-Reform

Ein Mitarbeiter scannt den Barcode eines Artikels für den Paketversand. (Bild: © dpa)
Wirtschaft

Hoffmeister-Kraut begrüßt Maßnahmen zum Bürokratieabbau

Portrait Dr. Simon Veser Amtsleiter Finanzamt Ludwigsburg
Verwaltung

Neuer Leiter des Finanzamts Ludwigsburg

Ein Landwirt betankt sein Gespann mit Gülle um diese anschließend auf einem Feld auszubringen. (Foto: © dpa)
Landwirtschaft

Gentges fordert Aufstockung des Hilfspakets für Düngerpreise

Rauchverbotsschild (Foto: © dpa)
Gesundheit

Schülerinnen und Schüler sagen Nein zu Tabak und Nikotin

Elektrischer Zug in schwarz-gelbem Design fährt durch eine grüne Landschaft.
Öffentlicher Nahverkehr

SWEG fährt künftig auch am Hochrhein

Kisten mit Gemüse und Obst.
Ernährung

Ernährungsbildung junger Erwachsener stärken

Ein Mitarbeiter montiert im Porsche Werk in Stuttgart-Zuffenhausen eine Vorderachse mit Elektromotor.
Automobilwirtschaft

Spitzengespräch zur Stärkung des Automobilstandorts

Ein Mitarbeiter des Fraunhofer Instituts, führt bei der Eröffnung des neuen "Future Work Lab" des Fraunhofer Instituts in Stuttgart einen Roboterarm. (Foto: dpa)
Hochschulen und Forschung

Resilienz des Wissenschaftssystems braucht Mut und Haltung

Landgericht Ulm
Justiz

Bekämpfung von sexuellem Kindesmissbrauch auf der Kippe

Abschlussveranstaltung zum Projekt "Nachhaltige Schulverpflegung" am 07.07.2026
Ernährung

Nachhaltige Schulverpflegung prägt Bewusstsein

Ein Ingenieur der Porsche AG vermisst für die Digitalisierung einen Panamera (Bild: © dpa).
Automobilwirtschaft

Wirtschaftsministerin lädt zu Spitzengespräch ein

Forschende im Forschungszentrum M3 des Universitätsklinikums Tübingen
Hochschulen

Schnellbau-Initiative bringt zusätzlichen Investitionsschub

Übergabe des Förderbescheids durch Staatssekretär Thomas Dörflinger (zweiter von rechts)
Wirtschaft

Rund 400.000 Euro für Digitalisierung im Handwerk

Symbolbild: Eine Frau sitzt an einem Dorfbrunnen. (Foto: © dpa)
Baukultur

Land fördert kommunale Gestaltungsbeiräte