Straßenbrücken

Land nutzt versiegelte Flächen für Tiere und Pflanzen

Versiegelte Flächen unter Straßenbrücken sollen in Baden-Württemberg künftig ökologisch aufgewertet werden. Für 39 Standorte wurden bereits konkrete Maßnahmen entwickelt.

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Das Bild zeigt den Raum unter einer Brücke. Links ist ein Fluss zu sehen und daneben ein Waldweg.
Symbolbild

Unter vielen Straßenbrücken in Baden-Württemberg liegen heute versiegelte, wenig genutzte Flächen. Künftig sollen diese Orte einen neuen Zweck bekommen und zu kleinen, aber wichtigen Lebensräumen für Tiere und Pflanzen entwickelt werden.

Neuer Baustein des Landeskonzeptes Wiedervernetzung an Straßen

Das Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg stellt dafür einen neuen Baustein des Landeskonzepts „Wiedervernetzung“ vor. Ziel ist es, bestehende Infrastrukturräume ökologisch aufzuwerten – schnell, kostengünstig und ohne zusätzliche Flächen zu verbrauchen.

Verkehrsminister Winfried Hermann erklärte: „Jede Straße, jede Brücke greift in unsere Landschaft ein. Umso wichtiger ist es, Verantwortung zu übernehmen und der Natur wieder Raum zu geben. Wenn wir selbst kleine, bislang unbeachtete Flächen unter Brücken in lebendige Lebensräume verwandeln, stärken wir den Biotopverbund ganz konkret. Unser Anspruch ist es, Mobilität und Naturschutz zusammenzubringen. So wird aus Infrastruktur ein aktiver Beitrag für mehr Artenvielfalt in Baden-Württemberg.“

Warum Flächen unter Brücken wichtig sind

Bundes- und Landesstraßen zerschneiden häufig Lebensräume. Für viele Tiere werden sie zur kaum überwindbaren Barriere. Zwar gibt es bereits Grünbrücken, Grünunterführungen oder Amphibienschutzanlagen, doch auch kleinere Maßnahmen können viel bewirken. Die Flächen unter bestehenden Brücken bieten das Potenzial, dass Tiere die Landschaft besser durchwandern können. Für Aufwertungsmaßnahmen unter Brücken können bestehende Infrastrukturräume genutzt werden, um Eingriffe in Natur und Landschaft auszugleichen. So entstehen ökologische „Trittsteine“, die Tiere bei der Wanderung unterstützen und Lebensräume wieder besser miteinander verbinden.

Welche Maßnahmen sind geplant?

Je nach Standort können unterschiedliche Schritte umgesetzt werden, zum Beispiel:

  • Einbau von Steinen oder Wurzelstöcken als Rückzugsorte
  • Entsiegelung kleiner Teilflächen
  • Anlage von Leitstrukturen, die Tiere sicher zu der Brücke und unter dieser hindurchführen
  • Verbesserung der Einbindung in die umgebende Landschaft

Ziel ist es, die Bereiche unter Brücken für möglichst viele Artengruppen nutzbar zu machen – von Säugetieren wie der Wildkatze und dem Dachs über Amphibien bis hin zu Insekten. Um Synergien nutzen zu können, sollen die Aufwertungsmaßnahmen vorrangig als Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen oder Ökokontomaßnahmen umgesetzt oder aber bei anstehenden Baumaßnahmen auf Umsetzbarkeit geprüft werden.

Projekt mit 39 Brückenstandorten

Für 39 Brücken an Bundes- und Landesstraßen in Baden-Württemberg wurden konkrete Vorschläge erarbeitet. Ein Fachbüro wählte Bauwerke mit besonders hohem Vernetzungspotenzial aus und untersuchte sie vor Ort.

Das Ergebnis ist ein ausführlicher Projektbericht (PDF) sowie 39 Steckbriefe zu ausgewählten Unterführungsbauwerken (PDF). Darin werden die jeweiligen Bauwerke beschrieben, bestehende Defizite aus Sicht des Biotopverbunds benannt und konkrete Maßnahmen zur Verbesserung vorgeschlagen. Die Empfehlungen reichen von kurzfristig realisierbaren Anpassungen bis hin zu mittel- und langfristigen Entwicklungsmaßnahmen. Vor einer Umsetzung werden die Vorschläge jeweils im Hinblick auf die konkrete örtliche Situation geprüft und weiter ausgearbeitet.

Landeskonzept Wiedervernetzung

Mit dem nun fertig gestellten Projekt „Aufwertung unter bestehenden Brücken zur Verbesserung des Biotopverbunds“ erhält das Landeskonzept Wiedervernetzung an Straßen Baden-Württemberg einen vierten Baustein. Das Landeskonzept Wiedervernetzung setzt sich somit zusammen aus:

  1. den prioritären Abschnitten des Bundesprogramms Wiedervernetzung,

  2. den Konfliktstellen auf Basis der Fachpläne des Landes zum Biotopverbund,

  3. den Amphibienwanderstrecken an Straßen sowie

  4. den Maßnahmenvorschlägen zur Aufwertung unter bestehenden Brücken.

Die Bausteine 1 und 2 wurden in Zusammenarbeit mit der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) und einem Fachbüro erarbeitet, bei Baustein 3, den Amphibienwanderstrecken an Straßen, handelte es sich um ein Kooperationsprojekt mit dem NABU Baden-Württemberg.

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