Wald

Waldstrategie Baden-Württemberg 2050 vorgestellt

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Ein Forstwirt des Landratsamtes Breisgau-Hochschwarzwald fällt bei St. Märgen eine Fichte. (Bild: Patrick Seeger / dpa)

Der Wald leidet unter den Auswirkungen des Klimawandels. Zudem sind die gesellschaftlichen Anforderungen an den Wald gestiegen. Um mit diesen Herausforderungen zielgerichtet und effizient umgehen zu können, wurde in einem breiten Dialogprozess eine Waldstrategie für Baden-Württemberg erarbeitet.

„Intakte und leistungsfähige Wälder haben eine weitreichende Bedeutung für unsere Gesellschaft. Mit Blick auf den Klimawandel stehen wir vor der gemeinsamen Aufgabe, den Wald in Baden-Württemberg als bedeutenden Teil unserer Natur und Landschaft klimastabil und zukunftsfähig zu erhalten. Dies ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die einen langen Atem erfordert und bei der wir alle beteiligten Akteure und gesellschaftlichen Gruppen mitnehmen müssen“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Forstminister Peter Hauk hatte hierzu in der heutigen Kabinettssitzung die Waldstrategie Baden-Württemberg 2050 vorgelegt.

Große Herausforderungen für Wald und Waldsektor

„Der Wald und der Waldsektor in Baden-Württemberg sehen sich großen Herausforderungen gegenüber. Wir stehen vor der wichtigen Aufgabe, die notwendigen Rahmenbedingungen weiterzuentwickeln, um den Wald zu erhalten und die vielfältigen Waldfunktionen zu sichern. Wir befinden uns dabei in einem langfristigen Veränderungsprozess, der neben den sich ändernden klimatischen Rahmenbedingungen auch sich wandelnde gesellschaftliche Anforderungen an den Wald umfasst. Um mit diesen Herausforderungen zielgerichtet und effizient umgehen zu können, haben wir die Waldstrategie erarbeitet. Diese stellt den langfristigen Handlungsrahmen für die Waldwirtschaft in Baden-Württemberg dar und ist die Richtschnur für unsere Entscheidungen“, sagte der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk. Die Themenfelder, die die Waldstrategie abdecke, reichten vom Klimawandel über die Biodiversität, das Waldeigentum und die Wald-Mensch-Beziehung, die Entwicklung der gesellschaftlichen Megatrends, der Frage von Schutz und Nutzung der Waldressourcen bis hin zur Digitalisierung. Zu diesen Themenfeldern wurden 23 Ziele und daraus abgeleitet Handlungsfelder und erste operative Maßnahmen für einen umfassenden Maßnahmenplan formuliert.

Breite gesellschaftliche Beteiligung

„Bei der Erarbeitung der Strategie wurde auf eine breite gesellschaftliche Beteiligung gesetzt. Entscheidend ist, dass die Waldstrategie am heutigen Tag nicht endet, sondern einen dynamischen Prozess zur Weiterentwicklung einleitet. So kann ein Ausgleich zwischen den vielfältigen Anforderungen gelingen, die wir an den Wald als Lebensraum für Tiere und Pflanzen, als Klimaschützer, als Ort der Erholung aber auch als Produzent eines klimafreundlichen, nachwachsenden Rohstoffes stellen“, erklärte der Ministerpräsident.

„In einem ersten Schritt haben wir die Maßnahmen identifiziert, die eine hohe Priorität haben. Hierzu zählen beispielsweise Anpassungen an den waldbaulichen Konzepten, eine Stärkung der Rolle, die der Wald für die Gesundheitsförderung wahrnimmt, die Weiterentwicklung von Werkzeugen zum Ausgleich unterschiedlicher Interessen oder die Anpassung des Beratungsangebotes für die Waldbesitzer, insbesondere auch mit Blick auf den Klimawandel“, erklärte Minister Hauk.

Wichtig mit Blick auf die zunehmenden Belastungen sei auch die Schaffung eines Instrumentariums zur Honorierung der Leistungen, die die Waldbesitzer zur Aufrechterhaltung und Entwicklung der Ökosystemleistungen erbringen. „Aus den Holzerlösen ist derzeit eine umfassend nachhaltige Waldbewirtschaftung nicht mehr zu finanzieren“, betonte Hauk. Weitere Anreize sollen im Bereich Waldnaturschutz geschaffen werden.

Waldportal geplant

Auch die Digitalisierung mache vor dem Wald nicht halt. In einem breit angelegten Waldportal sollen daher umfassende Informationsmöglichkeiten für Waldbesitzer und Waldbesucher geschaffen werden. Dies solle dann vom EDV-gestützten Auffinden von Waldgrundstücken bis zur Abwicklung von Förderanträgen reichen, die in Zukunft ohne zeitaufwändige und fehlerträchtige Medienbrüche möglich sein sollen.

„Alle drei Jahre soll die Waldstrategie evaluiert werden, um sie aktuellen Entwicklungen und Anforderungen anzupassen. Die Landesregierung sieht den Waldstrategie-Prozess auch als große Chance, mit der wir die Zukunft des Waldlandes Baden-Württemberg aktiv und für Mensch und Natur gleichermaßen gewinnbringend gestalten können“, betonte Ministerpräsident Kretschmann.

Landesregierung will Waldforschung länderübergreifend stärker bündeln

„Die wachsenden Anforderungen an die Wälder sowie die klimabedingten Herausforderungen machen eine Verstärkung der Zusammenarbeit im forstlichen Versuchs- und Forschungswesen erforderlich“, erklärte Forstminister Hauk. Aufgrund der standörtlichen Gegebenheiten und der seit über 60 Jahren bestehenden, engen Kooperation mit Rheinland-Pfalz im Bereich Waldschutz soll die Zusammenarbeit zwischen der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) Baden-Württemberg und der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft (FAWF) Rheinland-Pfalz weiter intensiviert werden.

„Alle Details zu diesem Vorhaben sollen im Rahmen der Arbeitsgruppe in den kommenden Monaten ausgearbeitet werden“, erklärte Hauk. Die Einrichtung einer gemeinsamen Anstalt bedürfe zu einem späteren Zeitpunkt der Zustimmung des Kabinetts. Sie würde auf Basis eines Staatsvertrages gegründet.

Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz: Waldstrategie Baden-Württemberg

Waldstrategie Baden-Württemberg 2050 – Bericht zum Waldstrategie-Prozess (PDF)

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