Mobilität

Verkehrswende auch auf dem Land einleiten

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Die Strohgäubahn steht im Bahnhof von Korntal. (Foto: dpa)

Über 150 Teilnehmer haben sich im Rahmen der Fachtagung „Mobilität in Deutschland“ getroffen und über konkrete Ansätze für die Verkehrswende auch auf dem Land ausgetauscht. Erstmals liegen auch Analysen und Ergebnisse zum Mobilitätsverhalten in Ländlichen Regionen in Baden-Württemberg vor.

Wie stellen wir uns den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) der Zukunft in dünn besiedelten Regionen vor? Wie können Menschen gesellschaftlich teilhaben und Möglichkeiten des Einkaufens und der Freizeitbeschäftigung besser erreichen – auch ohne für jede Strecke auf das eigene Auto angewiesen zu sein? Eine neue Studie im Auftrag des Landes zeigt: Mehr Busse und Bahnen im Ländlichen Raum sowie eine Stärkung des Radverkehrs sind machbar. Erstmals liegen Analysen und Ergebnisse zum Mobilitätsverhalten in Ländlichen Regionen in Baden-Württemberg vor.

Interessierte Bürger diskutieren Ideen

Auf Einladung von Verkehrsminister Winfried Hermann und Peter Hauk, Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, sind Vertreter der baden-württembergischen Landkreise und Gemeinden sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger nach Leonberg gekommen, um über Ideen für eine bessere Erreichbarkeit sowie mehr öffentlichen Verkehr und Radverkehr im Ländlichen Raum zu diskutieren. 

Im Rahmen der Fachtagung „Mobilität in Deutschland“ besprachen über 150 Personen konkrete Ansätze, die die Studie „Mobilität in Deutschland – Analysen und Konzepte für ländliche Regionen in Baden-Württemberg“ bündelt. 
Der Studie vorausgegangen war die Verkehrserhebung „Mobilität in Deutschland“ (MiD 2017) des Bundesministeriums für Verkehr und Infrastruktur

Für verschiedene Städte und Regionen in Baden-Württemberg hatte das Land eine vertiefende Stichprobe beim Institut für angewandte Sozialwissenschaften GmbH (infas) beauftragt. 

Ländlichen Raum zukunftsfähig machen

Der Verkehrsminister freute sich über die rege Diskussion und sagte: „Wir müssen gemeinsam ein Verkehrsangebot schaffen, das Klimaschutz, Lebensqualität und Arbeitsplätze in Einklang bringt. Alle – auch die Menschen auf dem Land – müssen die Möglichkeit haben, mobil zu sein. Dies ist eine Voraussetzung, den ländlichen Raum zukunftsfähig zu machen. Um endlich Emissionen im Verkehr einzusparen, müssen wir auch in ländlich geprägten Regionen die Verkehrswende in Angriff nehmen. Dabei sind Kommunen und Landkreise wichtige Partner.“

Minister Hauk, Vorsitzender des Kabinettsausschusses Ländlicher Raum, auf dessen Initiative die Veranstaltung zurückgeht, sagte im Vorfeld der Tagung: „Erreichbarkeit ist das wesentliche Leitmotiv eines zukunftsfähigen Ländlichen Raumes. Mobilität und die Entwicklung der Ländlichen Räume müssen unter Einbeziehung aller Verkehrsbereiche und insbesondere unter dem Blickwinkel der Potenziale neuer Technologien zusammengedacht werden. Die Sicherstellung gesellschaftlicher Teilhabe durch eine gute Infrastruktur und durch die Mobilität aller Bevölkerungsgruppen ist eine bedeutende Voraussetzung, damit der Ländliche Raum zukunftsfähig bleibt“.

Unterschiede zwischen ländlich geprägten Regionen

Die Vertiefungsstudie zeigt deutliche Unterschiede zwischen ländlich geprägten Regionen auf. Im Bereich des Radverkehrs werden diese beispielsweise deutlich: Während im Landkreis Lörrach bereits elf Prozent der Bewohner mit dem Fahrrad unterwegs sind, sind es in anderen Landkreisen lediglich fünf Prozent.   

Weiter gibt die Studie zu erkennen, dass eine bessere Nahversorgung zu mehr Fuß- und Radverkehr führt. Auch eine höhere Taktung im ÖPNV sowie Zuverlässigkeit tragen dazu bei, die Menschen zum Umsteigen auf klimaschonendere Verkehrsmittel zu bewegen. Trotzdem würde die Zahl der Autos pro tausend Einwohner in den letzten Jahren weiterhin stark ansteigen, so lautet ein Ergebnis der infas-Studie. 

Für Hermann ist dies eine „Herausforderung, der wir uns dringend stellen müssen“, sagte der Verkehrsminister und ergänzte: „Wir werden genau prüfen, wie der ÖPNV verbessert, das heißt auch flexibler werden kann, um den Mobilitätsbedürfnissen im ländlichen Raum gerecht zu werden und welche Chancen der Radnetzausbau und Pedelecs auch in dünn besiedelten Regionen bieten.“

Für die Verkehrswende im Ländlichen Raum muss weiterhin an tragfähigen Ansätzen für die Neue Mobilität gearbeitet werden. Wie stellen wir uns den ÖPNV der Zukunft in dünn besiedelten Regionen vor? Verlässlicher ÖPNV im Stundentakt, bessere Nahversorgung, mehr Rad- und Fußverkehr und alternative Antriebe sind hierzu erste Antworten. 

Mobilität in Deutschland

Die Tagung (zur Studie „Mobilität in Deutschland“ Analysen und Konzepte für ländliche Regionen in Baden-Württemberg) wird gemeinsam durch das Verkehrsministerium und das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz veranstaltet und von der Akademie Ländlicher Raum organisiert. Eine Broschüre zur Mobilität im Ländlichen Raum ist derzeit am Entstehen und steht in Kürze online zur Verfügung.

Das infas Institut für angewandte Sozialwissenschaften GmbH hat die Erhebungen für die Studie „Mobilität in Deutschland“ 2017 durchgeführt. Dabei wurden rund 35.000 Personen in Baden-Württemberg beziehungsweise rund 316.000 in ganz Deutschland zu ihrem Mobilitätsverhalten befragt. Für sechs ländliche Gebieten Baden-Württembergs gibt es vertiefende Ergebnisse:  

  • Verband Region Rhein-Neckar 
  • Planungsregion Nordschwarzwald 
  • Planungsregion Schwarzwald-Baar-Heuberg
  • Landkreis Lörrach
  • Bodenseekreis
  • Landkreis Tübingen

Verkehrsministerium: Mobilität in Deutschland – Ergebnisse 2017

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