Tierschutz

Tierschutz auf die lange Bank geschoben

Berechne Lesezeit
  • Teilen
Säue schauen durch die Absperrung eines Stalles auf einem Bauernhof. (Bild: © dpa)

Die Landestierschutzbeauftragte Julia Stubenbord hat sich gegen die Kastenstandhaltung von Sauen ausgesprochen. Die kürzlich vom Bundesrat beschlossene Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung bringt erst in acht Jahren Verbesserungen in der Sauenhaltung.

Jetzt konnte auch die Politik nicht mehr anders und musste einsehen, dass die seit langem praktizierte Sauenhaltung alles andere als tiergerecht ist. Am Freitag beschloss der Bundesrat nach mehr als einjährigem Ringen eine Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung. Nach langem politischen Tauziehen werden nun die Anforderungen für Sauenhaltungen geändert. Aber nicht dahingehend, dass es – wie mehrfach betont – ein Verbot des Kastenstandes gibt, denn es wird noch weitere acht Jahre erlaubt sein, die Sau über die Hälfte des Jahres in einem Käfig zu fixieren. Erst
danach wird die Haltung der Sau während der Deckzeit im Kastenstand verboten sein. Die Übergangsfrist, dass die Sau nicht mehr noch fünf Wochen zum Zeitpunkt der Geburt im Kastenstand gehalten wird, endet erst in fünfzehn Jahren. Diese Zeit verkürzt sich dann auf fünf Tage.

Kastenstand schränkt Sauen stark ein

Seit 1992 gilt, dass sich die Sau im Kastenstand wenigstens mit ausgestreckten Beinen hinlegen können muss. Die meisten Kastenstände erlauben dies jedoch nicht, da sie zu schmal sind. So stoßen die Sauen häufig an den Körper der Nachbarsau, was zu einer Einschränkung des Grundbedürfnisses des ungestörten Ruhens führt. Darüber hinaus schränkt der Kastenstand das Normalverhalten der Sau stark ein und führt in vielen Fällen zu Verhaltensstörungen und Erkrankungen, wie viele Studien zeigen. Die Sau kann sich auch keinen kühleren oder wärmeren Platz suchen, da sie fixiert ist. Es gibt bereits Länder, etwa die Schweiz und Schweden, die den Kastenstand verboten haben.

Die Nutztierhaltung in Deutschland wurde schon 2015 vom wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung sowie kürzlich vom Ethikrat kritisiert. Der Vorschlag des Bundeslandwirtschaftsministeriums zur Änderung der Verordnung sah zunächst eine Übergangsfrist von bis zu siebzehn Jahren vor, in der es nur eine Änderung der Dauer der Fixation im Kastenstand gab und nicht – wie jetzt – ein Gebot der Gruppenhaltung nach acht Jahren im Deckzentrum. Zudem sollte zunächst das Urteil des Oberverwaltungsgerichts des Landes Sachsen-Anhalt, welches letztlich zur Verordnungsänderung geführt hat, nicht berücksichtigt werden, denn es wurde im Vorschlag des Bundesministeriums der Satz gestrichen, dass die Sau die Füße ungehindert ausstrecken können muss. Es ist dem massiven Einsatz der Tierschutzorganisationen zu verdanken, dass die jetzige Änderung wenigstens diesen Kompromiss der Parteien ergeben hat.

Abschaffung bedeutet mehr Tierwohl

„Aus Tierschutzsicht wäre eine kurzfristige Abschaffung des Kastenstandes für mehr Tierwohl notwendig. Dafür stellt die Bundesregierung Geld für den Bau von Ställen für eine tiergerechtere Haltung zur Verfügung. Es bleibt zu hoffen, dass dies seitens der Landwirte zu einem zeitnahen Umbau in der Sauenhaltung führt und die langen Übergangsfristen keinesfalls verlängert werden“, so die Landestierschutzbeauftragte, Dr. Julia Stubenbord. Sachsen-Anhalt und Berlin lehnten den Kompromiss-Entwurf ab, da Sachsen-Anhalt bereits die durch das Bundesverwaltungsgericht bestätigte Änderung der Haltung von Sauen in 60 Prozent der Betriebe umgesetzt hatte. Die meisten Bundesländer haben dies jedoch nicht.

Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz: Landestierschutzbeauftragte

Weitere Meldungen

Eine muslimische Einwanderin sitzt mit anderen Personen am Tisch und schaut sich während des Englischunterrichts Blätter mit Grammatikaufgaben an.
Integration

Lucha kritisiert Zulassungsstopp bei Integrationskursen

Stuttgart Neckarpark
Wohnraumoffensive

Land unterstützt Kommunen mit Bau-Turbo

Gruppenbild anlässlich der Unterzeichnung einer Absichtserklärung zur Intensivierung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Baden-Württemberg und der ukrainischen Region Lwiw
Absichtserklärung

Baden-Württemberg und Lwiw vertiefen wirtschaftliche Zusammenarbeit

Forscher im Forschungszentrum M3 des Universitätsklinikums Tübingen
Innovation

Land fördert Digitales Innovationszentrum am Uniklinikum Freiburg

Ein Windrad ist auf der Holzschlägermatte bei Freiburg zu sehen.
Erneuerbare Energien

Mehr Windkraft für Baden-Württemberg

Ein Clown der Narrenzunft Rottenburg läuft beim großen Umzug des Weißnarrentreffens in Villingen-Schwenningen durch die Innenstadt (Quelle: dpa).
Verbraucherschutz

Produktkontrollen für ein unbe­schwertes Feiern des Faschings

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Dritter von rechts) und der Antisemitismusbeauftragte Dr. Michael Blume (Vierter von links) mit den Vorständen der Israelitischen Religionsgemeinschaften Württembergs und Baden
Religion

Kretschmann trifft Vorstände der jüdischen Gemeinschaften

Kabinettssitzung in der Villa Reitzenstein in Stuttgart
Landesregierung

Bericht aus dem Kabinett vom 10. Februar 2026

Flur in einem Krankenhaus
Gesundheit

248 Millionen Euro für Investitionen an 20 Kliniken

Eine Frau greift nach einem Apfel aus dem Obst- und Gemüseregal eines Reformhauses. (Foto: © dpa)
Landwirtschaft

Land mit vielfältiger Bio-Qualität auf BIOFACH präsent

Eine Frau sitzt an einem Computer.
Verbraucherschutz

Chancen und Risiken von Chatbots im Kundenservice

Container werden auf einem Container-Terminal transportiert. (Foto: © dpa)
Außenwirtschaft

Wirtschaftsrepräsentanz in Japan neu besetzt und gestärkt

Ein Wolf sitzt im Erlebnispark Tripsdrill in einem Gehege. (Foto: dpa)
Wolfsmanagement

Auffälliger Wolf im Nordschwarzwald soll entnommen werden

Ein älteres Paar wandert bei Sonnenschein auf einem Feldweg bei Fellbach zwischen zwei Rapsfeldern hindurch. (Bild: Christoph Schmidt / dpa)
Ländlicher Raum

Flurneuordnung in Furtwangen bewilligt

Firma WMB Ventilatoren GmbH in Obersontheim
Ländlicher Raum

Bewerbungsstart für „Spitze auf dem Land!“