Klimaschutz

Minister Hermann stellt Klimaschutzszenario in Brüssel vor

Berechne Lesezeit
  • Teilen
Verkehrsminister Winfried Hermann (Bild: © dpa)

Verkehrsminister Winfried Hermann hat in Brüssel ein Klimaschutzszenario vorgestellt. Sollte Deutschland die Ziele des Klimaschutzabkommen von Paris nicht erreichen, so drohen Deutschland neben den Klimaveränderungen auch drastische Ausgleichszahlungen für CO2-Zertifikate.

„Der Verkehrssektor liefert noch keine Beiträge zum Klimaschutz – das muss sich dringend ändern,“ forderte Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann, bei der Vorstellung der Studie „Verkehrsinfrastruktur 2030 – ein Klimaschutzszenario für Baden-Württemberg“ am 6. September 2018 in Brüssel. „Ansonsten werden wir künftig noch viel heißere Sommer als diesen erleben,“ so Hermann.

„Die größten Stellschrauben für Klimaschutz und zur Dekarbonisierung des Verkehrs liegen bei der Europäischen Kommission und beim Bund. Wenn wir das Auto klimaschonender machen wollen, brauchen wir ambitioniertere CO2-Flottengrenzwerte, leichtere und hocheffiziente Fahrzeuge und Tempolimits. Wir müssen auch die Mineralölindustrie in die Pflicht nehmen. Für den Kraftstoffverbrauch sollte eine Erneuerbaren-Quote gelten, die technologieneutral ist. Ob die bisherigen Ölkonzerne dann auf Strom für Elektroautos, Re-Fuels (synthetische Kraftstoffe auf Basis erneuerbarer Energien) oder einen Mix setzen, sollte der Markt entscheiden“, so Minister Hermann weiter.

Der Einladung zur Veranstaltung „Verkehrsinfrastruktur 2030 – ein Klimaschutzszenario für Baden-Württemberg“ folgten am Donnerstag rund 100 Teilnehmer.

Klimaveränderungen und Ausgleichszahlungen

Das Klimaschutzszenario und seine Wirkungen auf die Infrastruktur sowie wirksame Klimaschutzmaßnahmen im Verkehr waren Ausgangspunkt der Diskussion um notwendige Maßnahmen, die es ermöglichen, die anspruchsvollen Ziele des Klimaschutzabkommens von Paris zu erreichen, zu denen sich auch Deutschland verpflichtet hat. Werden die Ziele nicht erreicht, drohen Deutschland neben den Klimaveränderungen auch drastische Ausgleichszahlungen für CO2-Zertifikate.

„Klimaziele sind erreichbar“

Die Kernbotschaft von Verkehrsminister Hermann lautet: „Die Klimaziele sind noch erreichbar. Sie erfordern jedoch weit mehr Investitionen in die Schieneninfrastruktur als von der Europäischen Union und vom Bund vorgesehen und eine Verdopplung des Öffentlichen Verkehrs in den Städten und Regionen. Auch hier brauchen wir die Unterstützung der EU und vom Bund.“

Die Bundesregierung hat 2016 in ihrem „Klimaschutzplan 2050“ erstmals ein Sektorziel für die CO2-Reduktion von 40 bis 42 Prozent bis zum Jahr 2030 gegenüber dem Jahr 1990 vorgegeben, bis heute aber noch keine Maßnahmen benannt oder gar umgesetzt. Auch die EU bleibt mit ihren Vorschlägen zu Flottengrenzwerten deutlich hinter dem aus Klimaschutzsicht erforderlichen Niveau zurück.

„Ein SUV ist kein für Städte geeignetes Fahrzeug“

Hermann weiter: „Die gute Nachricht ist: Unsere Mobilitätsbedürfnisse könnten weiter auf hohem Niveau befriedigt werden, nur auf andere, umweltfreundliche Weise. Unser Klimaschutz-Szenario zeigt aber auch, dass ÖPNV-Angebotsverbesserungen allein nicht zu weniger Kfz-Benutzung führen.“ Es brauche eine intelligente Mischung aus neuen attraktiven Angeboten, preislichen Steuerungsinstrumenten und ein generelles Umdenken. So müsste auch in Baden-Württemberg der Trend zu immer größeren, schnelleren und schwereren Autos hinterfragt werden. Ein SUV ist kein für Städte geeignetes Fahrzeug, der Pick-Up erst recht nicht.

„EU und Bundesregierung müssen die Rahmenbedingungen zugunsten nachhaltiger Mobilität und Klimaschutz verbessern. Und sie müssen endlich mit der Umsetzung anfangen!“, betonte Hermann.

Michael Cramer, Europaabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen ergänzt: „Die Europäische Kommission muss aber auch als Hüterin der Verträge bestehende Regelungen, die von den Mitgliedsstaaten mitbeschlossen wurden, konsequent durchsetzen. Ohne eine Veränderung der Mobilität werden wir den Klimawandel nicht stoppen können.“

Weitere Meldungen

Visualisierung vom Anbau der Frauenklinik am Universitätsklinikum Tübingen Ansicht West
Vermögen und Bau

Frauenklinik am Universitäts­klinikum Tübingen wird erweitert

Verkehrsunfallbilanz 2025
Verkehrsunfallbilanz 2025

Straßenverkehr in Baden-Württemberg wird immer sicherer

Ein Windrad ist auf der Holzschlägermatte bei Freiburg zu sehen.
Erneuerbare Energien

Mehr Windkraft für Baden-Württemberg

PV-Anlage auf dem Landtag in Stuttgart
Erneuerbare Energien

Photovoltaik-Ziel bereits vorab erreicht

Ein Clown der Narrenzunft Rottenburg läuft beim großen Umzug des Weißnarrentreffens in Villingen-Schwenningen durch die Innenstadt (Quelle: dpa).
Verbraucherschutz

Produktkontrollen für ein unbe­schwertes Feiern des Faschings

Kabinettssitzung in der Villa Reitzenstein in Stuttgart
Landesregierung

Bericht aus dem Kabinett vom 10. Februar 2026

Eine Frau greift nach einem Apfel aus dem Obst- und Gemüseregal eines Reformhauses. (Foto: © dpa)
Landwirtschaft

Land mit vielfältiger Bio-Qualität auf BIOFACH präsent

Ein Mann hält ein Ringbuch mit Bauplänen, mit dem Zeigefinger deutet er auf ein Baufeld
Flächenmanagement

„Flächen gewinnen durch Innenentwicklung“ wird gestärkt

Eine Frau sitzt an einem Computer.
Verbraucherschutz

Chancen und Risiken von Chatbots im Kundenservice

Ein Wolf sitzt im Erlebnispark Tripsdrill in einem Gehege. (Foto: dpa)
Wolfsmanagement

Auffälliger Wolf im Nordschwarzwald soll entnommen werden

Ein älteres Paar wandert bei Sonnenschein auf einem Feldweg bei Fellbach zwischen zwei Rapsfeldern hindurch. (Bild: Christoph Schmidt / dpa)
Ländlicher Raum

Flurneuordnung in Furtwangen bewilligt

Zwei Grundschüler stehen an einer Straße vor einer Schule.
Verkehrssicherheit

Bewerbungen für Verkehrs­präventionspreis ab jetzt möglich

Firma WMB Ventilatoren GmbH in Obersontheim
Ländlicher Raum

Bewerbungsstart für „Spitze auf dem Land!“

Mittelständischer Betrieb in Baden-Württemberg bei der Taschenherstellung aus alten PET-Flaschen (Symbolbild, © dpa)
Wirtschaft

Landtag beschließt neugefasste Mittelstandsförderung

Ein Krebsforscher arbeitet in einem Labor des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen in Heidelberg mit einer Pipette. (Bild: picture alliance/picture alliance / dpa)
Gesundheitsschutz

PFOA-Belastung bei Einwohnern im Landkreis Rastatt sinkt weiter