Kinder und Jugendliche

Umfassende Strategie zum Kinderschutz beschlossen

Zum Schutz von Kindern und Jugendlichen hat die Landesregierung eine umfassende Strategie mit neuen Standards beschlossen und die Mittel auf Rekordniveau erhöht. Ziel ist, Kinderschutz als gesamtgesellschaftliche Aufgabe nachhaltig zu verankern.

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Zwei Kinder malen mit Kreide auf Straßenboden
Symbolbild

Der Schutz von Kindern und Jugendlichen steht in Baden-Württemberg ganz oben auf der Agenda. Der Ministerrat hat daher am Dienstag, 1. Juli 2025, die umfassende und landesweite Strategie Masterplan Kinderschutz (PDF) beschlossen. Die Strategie wurde unter Federführung des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Integration in einem intensiven, breit angelegten Beteiligungsprozess entwickelt. Expertinnen und Experten aus Ministerien, Verwaltung, Praxis, Wissenschaft und Zivilgesellschaft sowie Kinder und Jugendliche selbst haben ihre Perspektiven eingebracht. Um den Kinderschutz wirksam zu stärken, hat das Land die Mittel im Haushalt deutlich erhöht. Statt der bis 2023 im Haushalt veranschlagten 700.000 Euro jährlich stehen mit dem Masterplan Kinderschutz nun dauerhaft rund fünf Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung.

Kinderschutz geht uns alle an und ist eine zentrale Verantwortung unserer Gesellschaft. Mit der Strategie Masterplan Kinderschutz machen wir klar: Die Rechte und das Wohl von Kindern und Jugendlichen stehen im Mittelpunkt unseres Handelns – heute und in Zukunft.
Ministerpräsident Winfried Kretschmann

„Kinderschutz geht uns alle an und ist eine zentrale Verantwortung unserer Gesellschaft. Mit der Strategie Masterplan Kinderschutz machen wir klar: Die Rechte und das Wohl von Kindern und Jugendlichen stehen im Mittelpunkt unseres Handelns – heute und in Zukunft. Wir setzen neue Maßstäbe in Prävention, Intervention und Betroffenenarbeit und stärken den Kinderschutz systematisch, verbindlich und nachhaltig“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann im Anschluss an die Sitzung des Ministerrates.

Sozialminister Manne Lucha sagte: „Kein Kind darf durchs Raster fallen. Die Strategie Masterplan Kinderschutz schafft Orientierung, fördert den Austausch zwischen den Professionen und stärkt die Akteure vor Ort bei ihrer wichtigen Arbeit. Wir stärken Verantwortung, Vernetzung und Handlungssicherheit im ganzen Land. Gewalt gegen Kinder und Jugendliche darf kein Tabuthema sein. Wir müssen das Schweigen brechen und eine Kultur des Hinschauens und Handelns schaffen. Die Strategie Masterplan Kinderschutz ist unser Fahrplan für eine systematische und nachhaltige Stärkung des Kinderschutzes in Baden-Württemberg.“

Fünf Schwerpunkte, 52 Maßnahmen

Die Strategie verfolgt das Ziel, Kinderschutz als gesamtgesellschaftliche Aufgabe nachhaltig zu verankern. Sie setzt auf klare Zuständigkeiten, sektorenübergreifende Zusammenarbeit, und die konsequente Umsetzung von Kinderrechten. Sie folgt damit auch den Empfehlungen der Kommission Kinderschutz und setzt diese um. Die Strategie konzentriert sich auf fünf Schwerpunktthemen:

  • Sensibilisierung und Information
  • Qualifizierung
  • Schutzkonzepte
  • Kinder und Jugendliche mit einem erhöhten Risiko, Gewalt zu erfahren
  • Digitalisierte und mediatisierte Lebenswelten.

Das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration plant konkret die Umsetzung von 52 Maßnahmen, dazu zählen unter anderem:

  • Landesweite Informationsoffensive Kinderschutz in Baden-Württemberg
  • Webplattform für Fachkräfte
  • Stärkung der Qualifizierung zu Kinderschutzthemen
  • Sensibilisierung von Einrichtungen und Fachkräften für Kinder und Jugendliche mit einem erhöhten Risiko, Gewalt zu erfahren
  • Förderung von Schutzkonzepten in Vereinen und Verbänden
  • Fortbildungs- und Vernetzungsangebote zum Thema Schutzkonzepte
  • E-Learning-Tools zur Medienbildung
  • Angebote für Kinder, Jugendliche und Eltern zur Medienbildung

28 Projekte zur Prävention, Intervention und Betroffenenarbeit

Als Auftakt und wichtigen Impuls für die Strategie Masterplan Kinderschutz hat die Landesregierung für den Zeitraum von 2023 bis 2025 einmalig 9,8 Millionen Euro bereitgestellt. Damit wurden 28 Projekte in den Bereichen Prävention, Intervention und Betroffenenarbeit gefördert, darunter:

  • ein Förderprogramm zur Umsetzung von Schutzkonzepten in Vereinen und Verbänden des Kinderschutzbundes Landesverband Baden-Württemberg. Solche Konzepte tragen dazu bei, Kinderschutz strukturell in den Organisationen zu verankern, in denen Kinder und Jugendliche einen großen Teil ihrer Freizeit verbringen. Es wurden 340 Schutzkonzepte gefördert und 30 Personalstellen in Vereinen und Verbänden speziell für die Begleitung von Schutzkonzepten aufgestockt.
  • die Förderung der multidisziplinären und intersektoralen Arbeit der Childhood-Häuser Heidelberg und Ortenau. Hier werden von sexualisierter Gewalt, körperlicher Misshandlung und Vernachlässigung betroffene Kinder und Jugendliche kindzentriert versorgt.
  • die Förderung des Modellprojektes „Starke Bündnisse gegen sexualisierte Gewalt“ der Landeskoordinierung spezialisierter Fachberatung bei sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend (LKSF), in dem über zwei Jahre hinweg regionale Kooperationsstrukturen in Stadt- und Landkreisen erprobt werden.

Landesweite Aktionstage

Gemeinsam mit Kommunen und der Zivilgesellschaft veranstaltet das Land die landesweiten Aktionstage Kinder- und Jugendschutz. Rund 200 Aktionen – darunter Selbstbehauptungskurse für Kinder und Jugendliche, ein Elternabend zum Thema Mediennutzung, ein Kinderschutztag auf dem Marktplatz, ein Theaterprojekt zum Umgang mit Grenzverletzungen und eine Kinderrechte-Rallye für Familien – sensibilisieren Kinder, Jugendliche, Eltern und Fachkräfte für das Thema und machen konkrete Schutzmaßnahmen vor Ort sichtbar.

Zahlen, Daten, Fakten zum Kinderschutz

Kinder und Jugendliche haben das Recht auf ein gewaltfreies Aufwachsen – verankert in UN-Kinderrechtskonvention, Grundgesetz und Landesverfassung. Es verpflichtet alle Erwachsenen, Kinder vor körperlicher, psychischer, sexualisierter und digitaler Gewalt, vor Verwahrlosung oder Vernachlässigung zu schützen.

Laut Daten des Statistischen Landesamts wurden 2023 in Baden-Württemberg 20.059 Verfahren zur Einschätzung von Kindeswohlgefährdung eingeleitet. In 6.099 Fällen wurde eine akute oder latente Gefährdung durch Vernachlässigung, psychische oder körperliche Gewalt festgestellt.

Laut einer ganz aktuellen bundesweiten Studie von Juni 2025 (Dreßing, H. et al.) (PDF) haben 12,7 Prozent der befragten 18 bis 59-Jährigen in Kindheit oder Jugend sexualisierte Gewalt erlebt. Das wären hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung in dieser Gruppe 5,7 Millionen Menschen bundesweit.

Strategie Masterplan Kinderschutz für Baden-Württemberg (PDF)

Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration: Kinderschutz – Masterplan

Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration: Kinder- und Jugendschutz

Aktionstage Kinder- und Jugendschutz (mit interaktiver Landkarte)

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