Klima

Starkregen und Hochwasser prägten das Jahr 2024

„Land unter“ in Baden-Württemberg: Der klimatische Jahresrückblick der Landesanstalt für Umwelt zeigt, wie stark die Folgen des Klimawandels im Land bereits spürbar sind.

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Einsatzkräfte der Feuerwehr errichten am Nonnenbach in Bad Saulgau im Ortsteil Moosheim einen Damm mit Sandsäcken gegen das Hochwasser.
Einsatzkräfte der Feuerwehr errichten Anfang Juni 2024 am Nonnenbach in Bad Saulgau im Ortsteil Moosheim einen Damm mit Sandsäcken gegen das Hochwasser.

„Land unter“ in Baden-Württemberg: Heftige Starkregenereignisse und außergewöhnliche Hochwasser prägten das Jahr 2024, während der Aufwärtstrend der Temperaturen unvermindert anhielt. Der klimatische Jahresrückblick der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) führt einmal mehr die Folgen des Klimawandels vor Augen.

Klimaschutz bleibt zentrale Aufgabe  

„Die Konsequenzen des Klimawandels zeigen sich überdeutlich und wir alle spüren sie am eigenen Leib. Das macht vielen zu schaffen. Es muss in erster Linie aber Ansporn sein, zu handeln. Wir dürfen auf keinen Fall in unseren Anstrengungen zum Schutz des Klimas nachlassen. Und wir müssen uns bestmöglich aufstellen, um uns gegen die bereits sichtbaren Folgen des Klimawandels zu wappnen. Wir haben Möglichkeiten, uns besser gegen Hitze, Dürre und Wassermassen zu schützen. Diese Instrumente gilt es zu nutzen“, erklärt Umweltministerin Thekla Walker.

Wetterextreme mit verheerenden Folgen

Dr. Ulrich Maurer, Präsident der LUBW, fasst die Wetterextreme des Jahres 2024 zusammen: „Im vergangenen Jahr sorgten intensive Dauer- und Starkregen in Teilen des Landes für ein heftiges Hochwassergeschehen. Zugleich wurde eine hohe Jahresmitteltemperatur verzeichnet. Es kam zu gravierenden Überschwemmungen, die zu Todesfällen und enormen Schäden führten. Auch die Ökosysteme litten unter den extremen Wetterbedingungen.“ Maurer ergänzt: „Es gilt, unsere Städte und Gemeinden gezielt auf die Herausforderungen des Klimawandels vorzubereiten. Die LUBW unterstützt die Kommunen bei dieser Aufgabe mit ihrem Kompetenzzentrum Klimawandel.“

Ausnahmezustand im Mai und Juni

Heftige Regenfälle Ende Mai/Anfang Juni 2024 führten zu außergewöhnlichen Hochwassern insbesondere in östlichen Neckarzuflüssen sowie in den Bodensee- und Donauzuflüssen im Raum Oberschwaben. Rund 60 Prozent der Landespegel registrierten erhöhte Wasserstände. An 18 Messstellen wurden sogar 100-jährliche Hochwasserabflüsse erreicht, das heißt Abflüsse, wie sie statistisch nur alle 100 Jahre oder seltener vorkommen. Die Überschwemmungen hatten zwei Todesfälle im Rems-Murr-Kreis zur Folge und Schäden in dreistelliger Millionenhöhe. Auch am Bodensee stieg der Pegel bis zum Niveau eines 10-jährlichen Hochwassers und überschwemmte Uferbereiche. Insgesamt war das Jahr 2024 mit 1069 Millimetern Niederschlag um neun Prozent feuchter als das langjährige Mittel. Der Mai lag 90 Prozent über dem Monatsmittel der Referenzperiode 1961 – 1990 und verzeichnete somit einen neuen Rekord als feuchtester Monat seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Hohe Temperaturen, früher Sommer, späte Fröste

Mit einer Jahresmitteltemperatur von 10,6 Grad Celsius war 2024 das drittwärmste Jahr in Baden-Württemberg seit Messbeginn 1881. Damit lag das Jahr 2024 nur knapp hinter den Temperaturrekorden der vorherigen beiden Jahre. Alle Monate lagen über den Monatswerten der Referenzperiode 1961 – 1990. Besonders der Februar fiel auf: Er war 6,1 °C wärmer als das Februarmittel der Referenzperiode und damit der wärmste Februar seit Beginn der Aufzeichnungen in 1881. Der Erwärmungstrend zeigte sich auch deutlich in einer erneut verringerten Anzahl an Frost- und Eistagen sowie eine weiter angestiegene Zahl an Heißen Tagen. Ungewöhnlich früh im Jahr wurden Sommertage registriert, zugleich traten bis in den April Fröste auf.

Wetterextreme setzen Landwirtschaft und Ökosysteme unter Druck

Die Vegetationsperiode erreichte 2024 eine neue Rekordlänge und übertraf den bisherigen Höchstwert von 2020 um sechs Tage. Besonders auffällig war die Apfelblüte, die 26 Tage früher als im langjährigen Mittel einsetzte. Dies hatte Folgen für die Landwirtschaft: Ende April führten Kälteeinbruch zu Spätfrostschäden und damit lokal zu erheblichen Ernteausfällen im Obst- und Weinbau. Für Tagfalter war 2024 das zweite Negativrekordjahr in Folge. Die starken Regenfälle im Mai und Juni trafen viele Arten in ihren Entwicklungsphasen – Eier, Raupen und Puppen waren der anhaltenden Feuchtigkeit ausgesetzt, was zu drastischen Bestandseinbrüchen führte.

Klimatischer Jahresrückblick

Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) beobachtet und analysiert fortlaufend die Wetterdaten und Umweltindikatoren im Land. Der Klimatische Jahresrückblick 2024 fasst aktuelle Erkenntnisse zu Temperaturentwicklung, Niederschlagsmustern, Wasserständen und Luftqualität zusammen. Er dient als Grundlage, um Trends zu erkennen und Vorsorgemaßnahmen zu planen. Die anhaltende Erwärmung, veränderte Niederschlagsverteilung und frühere Vegetationsphasen unterstreichen den Einfluss des Klimawandels auf Baden-Württemberg und die Notwendigkeit wirksamer Anpassungsmaßnahmen.

Anpassung an den Klimawandel

Die Landesregierung hat im Jahr 2023 die Strategie zur Anpassung an den Klimawandel fortgeschrieben. Die Strategie fasst klimatische Veränderungen und die Auswirkungen von Hitze, Trockenheit und Niedrigwasser, Starkregen und Hochwasser sowie Wandel von Lebensräumen und Arten in Baden-Württemberg zusammen. In rund 100 Maßnahmen sind für 11 Handlungsfelder Anpassungsschritte zum Umgang mit dem Klimawandel formuliert. Noch vor der Sommerpause wird ein Monitoringbericht zur Umsetzung der Strategie vorgelegt.

Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg: Klimatischer Jahresrückblick 2024

Quelle:

Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg / Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg

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