Corona-Pandemie

Öffnen mit Umsicht und Vorsicht: Startschuss für 19 Modellprojekte

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Einige Menschen stehen in einer Schlange, um sich für einen Schnelltest in der Tübinger Innenstadt anzumelden.

Um weitere Öffnungsschritte in Baden-Württemberg abzusichern, soll es im Land insgesamt 19 Modellprojekte in den Bereichen Kultur, Jugend, Tourismus, Freizeit und Sport geben. Die Durchführung der Projekte wird wissenschaftlich eng begleitet.

Das Sozialministerium und die Kommunalen Landesverbände geben vorläufig grünes Licht für insgesamt 19 Modellprojekte aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen, um weitere Öffnungsschritte in Baden-Württemberg abzusichern. Die Vorhaben umfassen insbesondere die Bereiche Tourismus, Kultur, Kinder- und Jugendarbeit sowie den Sport. Die ausgewählten Projekte wurden von den örtlichen Gesundheitsämtern vorab geprüft, von dort erfolgt dann auch die offizielle Zulassung. Die Durchführung der Projekte wird wissenschaftlich eng begleitet.

Entscheidung für einzelne Modellprojekte nicht leicht

„Auch in Baden-Württemberg sinkt die Inzidenz und das Infektionsgeschehen nimmt ab. Deshalb sind weitere Modellprojekte möglich“, sagte Gesundheitsminister Manne Lucha. „Die Auswahl ist uns natürlich nicht leichtgefallen, und ich bitte auch all jene um Verständnis, die mit ihren Vorhaben nicht zum Zug gekommen sind. Zentrale Kriterien waren neben einer engen wissenschaftlichen Begleitung auch eine zeitnahe Umsetzung, sodass die Erkenntnisse möglichst schnell vorliegen und am Ende alle Branchen davon profitieren.“

Gemeinsam mit den Kommunalen Landesverbänden hatte das Sozialministerium einen Aufruf gestartet und bis zum 20. Mai 2021 um Vorschläge für entsprechende Modellprojekte gebeten. Insgesamt 83 Anträge sind eingegangen, davon 39 im Bereich Kultur. „Der Anteil von gut 50 Prozent aus dem Kulturbereich zeigt, wie dringend gerade diese Branche Öffnungsperspektiven braucht. Dies haben wir bei unserer Projektauswahl ebenfalls berücksichtigt“, so Minister Lucha.

Kriterien für die Auswahl waren neben der wissenschaftlichen Begleitung auch die Übertragbarkeit der Projekte auf den jeweiligen Lebens- und Branchenbereich, die Qualität von Test- und Hygienekonzepten sowie die digitale Kontaktpersonennachverfolgung und vor allem eine zeitnahe Durchführung. Grundvoraussetzung für alle Modellprojekte ist auch weiterhin, dass die 7-Tages-Inzidenz im jeweiligen Stadt- oder Landkreis stabil unter 100 liegt und die Bundesnotbremse nicht in Kraft ist. Nähere Details zur Umsetzung der Projekte müssen in den kommenden Tagen aber noch zwischen dem Sozialministerium und den betroffenen Projektträgern abgestimmt werden.

Modellprojekte in zwei Kategorien

In dem gemeinsamen Auswahlverfahren von Sozialministerium und Kommunalen Landesverbänden wurden die ausgewählten Modellprojekte zwei Kategorien zugeordnet:

  • Modellvorhaben, die bei entsprechenden Voraussetzungen gegebenenfalls nach circa 2 Wochen in landesweite Öffnungen übertragen werden können (Kategorie 1)
  • Modellvorhaben, die bei entsprechenden Voraussetzungen gegebenenfalls nach cica 4 oder mehr Wochen in landesweite Öffnungen übertragen werden können (Kategorie 2)

Die Kommunalen Landesverbände begrüßen, dass das Land damit ihren Vorschlag zur Bildung von Modellkategorien aufgegriffen habe. So werde sichergestellt, dass die erreichten Erkenntnisgewinne perspektivisch auch schnellstmöglich auf landesweite Öffnungskonzepte übertragen werden können. Der Präsident des Gemeindetags, Steffen Jäger, das Geschäftsführende Vorstandsmitglied des Städtetags, Gudrun Heute-Bluhm, und der Hauptgeschäftsführer des Landkreistags, Alexis von Komorowski, sind sich daher in ihrer Bewertung einig: „Die Zahl von 83 Anträgen für das Erproben weiterer verantwortlicher Öffnungsschritte bestätigt ein weiteres Mal, dass die Städte, Gemeinden und Landkreise tatkräftig und innovativ zur bestmöglichen Pandemiebewältigung beitragen.“ Allerdings liege es bei so vielen Modellprojekten in der Natur der Sache, dass nicht alle Projekte berücksichtigt werden könnten.

Zusätzliche Öffnungsperspektiven

Die aktuell sehr positive Inzidenzentwicklung habe es dabei ermöglicht, mit dem Land Einvernehmen darüber zu erzielen, dass Stadt- und Landkreise mit einer stabilen 7-Tages-Inzidenz unter 50 rasch zusätzliche Öffnungsperspektiven erhalten sollen. Insbesondere soll die Corona-Verordnung – vorbehaltlich der Zustimmung der Ressorts – bereits zum 7. Juni 2021 dahingehend angepasst werden, dass die betreffenden Stadt- und Landkreise unmittelbar in die Öffnungsstufe 3 einsteigen können, ohne die vorhergehenden Öffnungsstufen durchlaufen zu müssen. Diese generelle Öffnungsperspektive biete zahlreichen eingereichten Modellvorhaben die Möglichkeit der regulären Umsetzung im Rahmen der Corona-Verordnung.

Die Verantwortlichen der ausgewählten Projekte sind nun aufgefordert, nach zwei beziehungsweise vier Wochen einen Zwischenbericht vorzulegen. Auf dieser Basis wird das Sozialministerium dann kurzfristig über weitere Schritte entscheiden.

Bereits gestartete Modellprojekte

Im Zusammenhang mit einem ersten Modellprojekt des Europaparks in Rust (gestartet am 21. Mai 2021) sollen schon in den kommenden Tagen erste wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen. Damit wird den Freizeitparks im gesamten Land eine zeitnahe Öffnung Anfang Juni 2021 in Aussicht gestellt. Dieses Vorgehen soll letztlich auch als Vorbild für die Bewertung der übrigen, jetzt ausgewählten Modellvorhaben dienen. Bereits frühzeitig starten konnte beispielsweise auch ein Jugendprojekt aus dem Landkreis Emmendingen, das über Pfingsten Erkenntnisse für Jugendfreizeiten für die anstehenden Sommerferien liefern soll.

Außerdem wurden sogenannte Selbstläufer-Vorhaben identifiziert. Bei diesen wird davon ausgegangen, dass sie perspektivisch aufgrund des zu erwartenden abnehmenden Infektionsgeschehens und der damit einhergehenden Öffnungsschritte ohnehin durchgeführt werden können und nicht als Modell erprobt werden müssen. Sicherheitshalber wurden aber auch für diese Vorhaben bereits Vorratsbeschlüsse gefasst.  

Sozialministerium und Kommunale Landesverbänden haben gemeinsam ein Konsenspapier zur Einordnung der Modellvorhaben und zur Erläuterung der weiteren Schritte erstellt:

Clusterung der Modellvorhaben nach der Corona-Verordnung (PDF)

Die Modellprojekte im Einzelnen:

Landkreis / Stadtkreis     Inhalt     Antragsteller
Breisgau-Hochschwarzwald (Blas-)Musikproben und -konzerte Bund Deutscher Blasmusikverbände e.V.
Ortenaukreis (Blas-)Musikproben und -konzerte Stadt Achern
Landkreis Karlsruhe (Blas-)Musikproben und -konzerte Stadt Ettlingen
Sigmaringen Tourismus Stadt Mengen, Stadt Sigmaringen, Stadt Bad Saulgau, Stadt Pfullendorf
Breisgau-Hochschwarzwald / Lörrach / Waldshut Tourismus Hochschwarzwald Tourismus
Calw Tourismus Stadt Bad Wildbad
Rastatt Freiluft-Theater Gemeinde Ötigheim
Schwäbisch-Hall Freiluft-Theater Freilichtspiele Schwäbisch Hall
Ravensburg Feste Stadt Weingarten
Alb-Donau-Kreis Indoor Theaterveranstaltungen Stadt Ulm
Stadt Stuttgart Indoor Theaterveranstaltungen Staatstheater Stuttgart
Ortenaukreis Sport Südbadischer Fußballverband
Ostalbkreis Sonstige Lebensbereiche Stiftung Internat. Musikschulakademie, Kulturzentrum Schloss Kapfenburg
Ludwigburg Kinder- und Jugendarbeit Stadt Ludwigsburg
Ravensburg Öffnung von zwei Clubs Stadt Ravensburg
Mannheim 5 Tanzveranstaltungen NEXT Mannheim
Stadtkreis Freiburg Sitzplatzvergabe, freie Sitzplatz/Stehplatz-Wahl Jazzhaus Freiburg
Konstanz Proben- und Spielbetrieb (Theater) Landkreis Konstanz
Tübingen Trainingsbetrieb für Kinder und Jugendliche (Sport) Dr. Lisa Federle

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