Bodenverunreinigungen

1,2 Millionen Euro für PFAS-Forschung

Mit 1,2 Millionen Euro unterstützt das Land das Forschungsvorhaben SPIRIT. Untersucht werden Ansätze, die möglicherweise auch auf den mit PFAS verunreinigten Bodenflächen in den Regionen Rastatt/Baden-Baden und Mannheim zum Einsatz kommen könnten.

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Wasser läuft aus einem Wasserhahn in ein Glas.
Symbolbild

Das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft stellt 1,2 Millionen Euro für das Forschungsvorhaben SPIRIT – Strategien für die PFAS in-situ-Reinigung mittels innovativer Technologien zur Verfügung. Untersucht werden Ansätze, die möglicherweise auch auf den mit PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) verunreinigten Bodenflächen in den Regionen Rastatt/Baden-Baden und Mannheim zum Einsatz kommen könnten.

Projekt mit vielversprechenden Ansätzen

„PFAS gefährden Mensch und Umwelt. Wir müssen verhindern, dass sie weiterhin in die Böden und ins Wasser gelangen. Wo das schon passiert ist, gilt es, mit Nachdruck nach Methoden zu forschen, mit denen wir die Ewigkeitschemikalien entfernen oder unschädlich machen können. Wir unterstützen das Forschungsprojekt SPIRIT, weil es uns dabei einen wichtigen Schritt voranbringen könnte“, sagt Baden-Württembergs Umweltministerin Thekla Walker.

Ins Grundwasser vorgedrungen

In Mittelbaden und Mannheim sind etwa 1.700 Hektar Ackerland mit PFAS belastet. Die Verunreinigung, die durch mit Papierschlämmen versetztem Kompost verursacht wurde, ist bereits ins Grundwasser vorgedrungen. Im Bereich Rastatt/Baden-Baden sind auch Trinkwasserfassungen betroffen. Seit 2013 arbeiten die Vollzugsbehörden an der Aufarbeitung des Schadensfalls. Bis Mitte 2025 beliefen sich die Ausgaben der öffentlichen Hand hierzu auf rund 26 Millionen Euro. Für die Sicherstellung der Verbrauchersicherheit müssen dauerhaft Maßnahmen im Bereich der Wasserversorgung und der Landwirtschaft ergriffen werden.

Bisher meist Bodenaustausch

In den verunreinigten Böden ist ein großes Reservoir an immobilen PFAS-Vorläuferverbindungen vorhanden. Ohne Sanierungsmaßnahmen werden aus diesem Reservoir noch über Jahrzehnte mobile PFAS in das Grundwasser sickern. Bisher wird deshalb oftmals durch lokalen Bodenaustausch oder Versiegelung der weitere Eintrag unterbunden. Dringend gesucht wird eine Methode, PFAS ohne Bodenaushub aus den Böden zu entfernen (in-situ Sanierung).

Feldversuche im Landkreis Rastatt und Stadtkreis Baden-Baden

Zu diesem Zweck werden in einem Forschungsvorhaben der Versuchseinrichtung zur Grundwasser- und Altlastensanierung (VEGAS) der Universität Stuttgart in Zusammenarbeit mit dem DVGW-Technologiezentrum Wasser (TZW) drei erfolgversprechende Ansätze zu in-situ Sanierungstechnologien für die Böden in der Oberrheinebene untersucht. In der ersten Phase des Projekts werden diese Technologien zunächst im Labor getestet. Dabei wird versucht, die im Boden festsitzenden PFAS-Vorläufersubstanzen durch Wärmezufuhr vom Boden zu lösen (thermische Desorption) oder durch beschleunigte mikrobielle Transformation zu mobilisieren, aufzufangen und zu entfernen. Ebenso wird untersucht, ob das Grundwasser unter den Böden durch geeignet platzierte Drainagen im Boden geschützt werden kann.

In der zweiten Phase sollen die erfolgreich im Labor angewandten Ansätze in Feldversuchen im Landkreis Rastatt sowie im Stadtkreis Baden-Baden getestet werden.

Ergebnisse der Phase 1 des Projekts werden im Februar 2027 erwartet.

PFAS-Problematik

Per- und Polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS, „Ewigkeitschemikalien“) sind aktuell eines der größten Probleme in unserer Umwelt. Sie sind seit den 1950er Jahren bekannt, mittlerweile weltweit verbreitet, gesundheitsschädlich, teilweise sogar krebserregend. Die Stoffgruppe ist groß, es gibt tausende Einzelsubstanzen von denen nur wenige quantitativ analysierbar sind. Einige PFAS sind mobil, werden daher leicht im Untergrund transportiert und in das Grundwasser eingetragen. Andere binden stark an Bodenmaterial, was die Auswaschung verhindert. Unter den unterschiedlichen Stoff- und damit auch Transporteigenschaften im Untergrund gibt es eine Gemeinsamkeit: Alle Einzelstoffe besitzen Fluor-Kohlenstoff-Bindungen. Diese Bindungen sind sehr stabil, führen zu den persistenten Eigenschaften von PFAS und sind zusammen mit den unterschiedlichen Transporteigenschaften die Gründe, warum es bisher kaum in-situ Sanierungstechnologien in der Anwendung gibt. Bisher werden PFAS mit verschiedenen Aufbereitungstechniken aus verunreinigtem Wasser, zum Beispiel in Wasserwerken entfernt, aber nicht an der Quelle der Verunreinigung im Boden. 

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