Menschen mit Behinderungen

Neue Kooperation „Einmischen? Mitmischen!“ gestartet

Das Land hat die neue Kooperation „Einmischen? Mitmischen!“ gestartet. Ziel ist, mit Menschen mit Behinderungen eine Fortbildung zu erarbeiten, um sie zu ermutigen sich einzubringen und für sich einzustehen.

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Ein Mädchen mit Downsyndrom lebt mit ihrer Mutter in einem Mehrgenerationenhaus (Symbolbild, © dpa).
Symbolbild

„Einmischen? Mitmischen!“, so lautet das Motto einer neuen Kooperation der Beauftragten der Landesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Simone Fischer und der Allianz für Beteiligung, die nun angelaufen ist.

Simone Fischer sagt dazu: „Menschen mit Behinderungen müssen die Möglichkeit haben, ihr Lebensumfeld mitzugestalten und sich in die Gesellschaft einbringen zu können. Dies ist Personen, die beispielsweise in besonderen Wohnformen und Einrichtungen leben, vielfach nicht möglich. Sie erleben häufig einen stark geregelten Alltag, dürfen in vielen Situationen nur wenig selbst entscheiden und fühlen sich dadurch fremdbestimmt. Es ist für sie oft nicht möglich, selbst zu bestimmen, mit wem sie ihre Freizeit verbringen, wann sie ihr Mittag- und Abendessen einnehmen oder zu Bett gehen. Für viele ist es nicht möglich, sich in Projekten oder Initiativen in der Nachbarschaft bis hin zu Bürgerbeteiligungsprozessen einzubringen – weil Barrierefreiheit fehlt und die nötigen Voraussetzungen noch nicht darauf ausgerichtet sind. Viele Menschen mit Behinderungen sind es häufig noch nicht gewohnt, für ihre Interessen und Belange einzutreten oder es wird ihnen nicht zugetraut. Ich habe die Kooperation ins Leben gerufen, damit sich das ändert.“

Kernstück der Kooperation „Einmischen? Mitmischen!“ ist es, mit Menschen mit Behinderungen eine Fortbildung zu erarbeiten, um sie zu ermutigen sich einzubringen und für sich einzustehen. Das Programm wird in drei Kooperationsphasen (Erprobung der Fortbildungen, Fachgruppengespräche, Ergebnis) erstellt und soll im August 2025 vorgestellt und veröffentlicht werden. „Das Motto meiner Amtszeit lautet ‚Beteiligung schafft Gesellschaft. Einfach Inklusion‘, deshalb sind ausdrücklich Menschen mit Behinderungen im Land eingeladen, sich an der Entwicklung der Kooperation zu beteiligen“, so die Landes-Behindertenbeauftragte Simone Fischer.  Neben der Allianz für Beteiligung bringen sich bereits Menschen ein, die Eingliederungshilfe nach dem Sozialgesetzbuch Neuntes Buch (SGB IX) in den Angeboten der Lebenshilfe Baden-Württemberg, der Johannes-Diakonie Mosbach und der Zieglerschen Wilhelmsdorf nutzen.

Möglichkeiten für Beteiligung und Teilhabe schaffen

Die Auftaktveranstaltung der Kooperation „Einmischen? Mitmischen!” hat erfolgreich stattgefunden. Zahlreiche Interessierte aus ganz Baden-Württemberg folgten der Einladung. Anni Schlumberger, Annika Bachmann und Hannes Schuster von der Allianz für Beteiligung stellten die Kooperation „Einmischen? Mitmischen!“ vor. Begrüßt wurden die Teilnehmenden von der Landes-Behindertenbeauftragten und Kooperationsinitiatorin. Zwei Impulsvorträge von Julia Huber und Milena Buhl der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Stuttgart zum Thema: „Partizipation von Menschen mit Behinderungen stärken: im Wohnraum, in der Nachbarschaft und in der Gesellschaft“ und „Partizipation im Gewaltschutz“ verdeutlichten, wie wichtig es ist, dass Menschen mit Behinderungen sich für Ihre Belange und Themen einsetzen. Anschließend wurden in der Fachgruppensitzung Fragen geklärt, diskutiert und Wünsche zur Kooperation geäußert. Das nächste Fachgruppengespräch findet im Frühjahr 2025 statt.

Die Allianz für Beteiligung ist ein Verein, der sich für die Stärkung der Gesellschaft und Bürgerbeteiligung in Baden-Württemberg einsetzt. „Wir wollen Menschen bestärken und ermutigen, sich für ihre eigenen Interessen einzusetzen“, sagt Annika Bachmann. „Es handelt sich um eine partizipative Kooperation, bei der sich die Menschen möglichst oft einbringen können“, so der Projektleiter Hannes Schuster.

Menschen aus dem ganzen Land sollen aktiv mitwirken

Die Landes-Behindertenbeauftragte Simone Fischer betont: „Es ist wichtig, dass wir Möglichkeiten schaffen, damit es selbstverständlich wird, dass Menschen mit Behinderungen sich beteiligen und einbringen – also mitmischen – können. Mit der Allianz für Beteiligung habe ich eine professionelle Partnerin gefunden, die durch eine Vielzahl von Beteiligungs- und Quartiersprozessen eine hohe Expertise mitbringt. Zentral ist, dass Menschen mit Behinderungen aus dem ganzen Land in der Kooperation aktiv mitwirken.“

Die Kooperation „Einmischen? Mitmischen!“ setzt sich mit einer zentralen Frage auseinander: Wie können Menschen mit Behinderungen stärker über ihr eigenes Leben bestimmen? Dabei stehen entscheidende Lebensbereiche im Fokus – etwa die Wahl des Wohnorts, die berufliche Tätigkeit oder die Gestaltung der Freizeit.

UN-Behindertenrechtskonvention

Die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen (UN-BRK) sagt in Artikel 29, dass Menschen mit Behinderungen im politischen und öffentlichen Leben mitentscheiden dürfen. Und sie dürfen über das eigene Leben entscheiden. In Baden-Württemberg gibt es einen Plan, um die UN-BRK umzusetzen.

Eine wissenschaftliche Untersuchung aus dem Jahr 2020 zeigte, dass Menschen mit Behinderungen in Baden-Württemberg trotzdem noch nicht genug mitentscheiden dürfen. Deswegen beschloss die Landesregierung im Mai 2022 den Plan gemeinsam mit Menschen mit Behinderungen weiterzuentwickeln. Das Sozialministerium beauftragte die Allianz für Beteiligung diesen Beteiligungsprozess durchzuführen. Simone Fischer hat den Prozess beraten. Im Beteiligungsprozess forderten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mehr Möglichkeiten, um Menschen mit Behinderungen aktiver einzubeziehen. Dazu gehören Angebote, die Menschen mit Behinderungen ermutigen und befähigen, ihre Bedürfnisse zu formulieren.

Vor diesem Hintergrund soll mit „Einmischen? Mitmischen!“ erarbeitet werden, wie Menschen mit Behinderungen ihr Recht auf Mitentscheidung in verschiedenen Beiratskontexten wahrnehmen können.

Quelle:

Beauftragte der Landesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen

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