Schienenverkehr

Nach einem halben Jahrhundert halten wieder Personenzüge in Hoßkirch

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Zug am Bahnsteig im Hoßkirch.

Nach 55 Jahren hält wieder ein Personenzug in Hoßkirch. Dank eines neuen Bahnsteigs ist die Gemeinde jetzt wieder mit dem Zug zu erreichen.

Letztmalig hielt am 27. September 1964 ein Personenzug am alten Bahnhof Hoßkirch-Königsegg. Danach wurde der Reisezugverkehr der Bahnstrecke Altshausen-Pfullendorf von der Deutschen Bundesbahn eingestellt.

Im Beisein von Verkehrsminister Winfried Hermann und zahlreicher weiterer Ehrengäste ist am 25. Juli der neugebaute Bahnhaltepunkt Hoßkirch Königseggsee feierlich eröffnet worden. 55 Jahre nach der Stilllegung hielt erstmals wieder ein Personenzug in Hoßkirch. Der Sonderzug der DB ZugBus Regionalverkehr Alb-Bodensee brachte die Teilnehmer anschließend über Ostrach nach Pfullendorf, wo die infrastrukturellen Verbesserungen im Zuge des neuen Markenkonzepts „Räuberbahn“ besichtigt werden konnten.

Konkret umfasste das Infrastrukturprojekt in Hoßkirch den Neubau eines 50 Meter langen Bahnsteiges, die Errichtung einer kombinierten Informations- und Wartestele mit Sitzbank und Wetterschutz sowie die Einrichtung eines bahnhistorischen Infopfades zwischen Bahnhaltepunkt und Ortsmitte von Hoßkirch. Die Baukosten betrugen etwa 60.000 Euro. Die Gemeinde Hoßkirch erhielt hierfür Fördermittel aus dem LEADER-Programm der EU sowie einen Sonderzuschuss des Landkreises Ravensburg.

Dem Stilllegungstrend trotzen

Verkehrsminister Winfried Hermann würdigte das unermüdliche Wirken aller Beteiligten und betonte, dass der neugebaute Bahnhaltepunkt der vorläufige Höhepunkt des Ausbauprogramms für die Bahnstrecke Altshausen-Pfullendorf sei: „Dem Stilllegungstrend von Schienenstrecken zum Trotz hat die Region den Stellenwert ihrer Bahnverbindung erkannt und unermüdlich und mit einem Blick für das Machbare an der Reaktivierung gearbeitet. Der neue Bahnhaltpunkt rundet dieses Engagement ab. Ihr Erfolg hat viele Väter. Ihnen allen danke ich herzlich für ihren Einsatz für nachhaltige Mobilität! Der Bahnverkehr ist nicht nur touristisch oder nostalgisch begründet. In Zeiten von Klimaschutz und notwendiger Verkehrswende wird Schienenverkehr wieder wichtiger, auch im ländlichen Raum.“

Hoßkirchs Bürgermeister Roland Haug dankte allen Beteiligten für die Umsetzung. „Für die Gemeinde ist der neue Bahnhaltepunkt der Räuberbahn ein touristischer Standortfaktor, der Ausflüglern den Zugang zum Seebad am Königseggsee erleichtert. Auch für die einheimische Bevölkerung ergeben sich in der Saison damit ganz neue Verbindungen im bodo-Verbund, steht doch bislang am Sonntag nur ein einziger Bus im Fahrplan“, so Roland Haug in seinem Grußwort und frohlockt: „Fahren Sie per Räuberbahn mit uns in die Zukunft!.

Als Vertreter des kommunalen Bahnbetreibers, der Regionalen öffentlichen Bahn Altshausen-Pfullendorf, betonte Bürgermeister Thomas Kugler aus Pfullendorf das kommunale Engagement: „Seit 2005 engagieren wir uns für die Bahn, die wir mittlerweile gekauft haben und erfolgreich in Eigenregie betreiben. Das fördert auch die interkommunale Zusammenarbeit mit Ostrach und Altshausen als Miteigentümer der Bahnstrecke.“

Bahnangebot für den Freizeitverkehr noch attraktiver

Der Eisenbahnbetriebsleiter und Planungschef der Regionalen öffentlichen Bahn Altshausen- Pfullendorf Frank von Meißner sieht mit der Inbetriebnahme des Haltepunkts Hoßkirch Königseggsee einen weiteren Meilenstein in der Aufwertung der oberschwäbischen Bahnstrecke in ihrem zehnten Jahr seit ihrer Reaktivierung: „Damit erschließen wir das Seebad des Hoki-Sees und machen unser beliebtes Bahnangebot für den Freizeitverkehr noch attraktiver.“ Seit 2018 erfahre die Räuberbahn einen Aufwärtstrend sowohl bei den Fahrgastzahlen der sonntäglichen Ausflugszüge als auch im Güterverkehr: „Diese Erfolge geben uns Recht und sind Ansporn, hier nicht nachzulassen, sondern mit weiteren innovativen Ideen die Eisenbahnstrecke voranzubringen.“ 

Der Bodensee-Oberschwaben Verkehrsverbund ist Partner bei der Vermarktung und Angebotsentwicklung der Räuberbahn. Prokurist Bernd Hasenfratz glaubt an die Zukunft der Schiene im ländlichen Raum: „Wir setzen große Hoffnung in die vom Land initiierte Untersuchung zur Reaktivierung stillgelegter Nebenstecken. Dabei wollen wir die Zukunft aktiv mitgestalten und arbeiten mit unseren kommunalen Partnern konzeptionell an innovativen Vermarktungsideen und Angebotskonzepten.“

Die ersten planmäßigen Züge halten am neuen Bahnhaltepunkt Hoßkirch Königseggsee am Sonntag, den 28. Juli. Dafür hat sich der Verkehrsverbund bodo ein besonderes Bonbon einfallen lassen: Die Züge der Räuberbahn Aulendorf-Pfullendorf und Moorbahn Aulendorf-Bad Wurzach dürfen anlässlich der Inbetriebnahme des Haltepunkts und des zehnjährigen Jubiläums der Streckenreaktivierung am Sonntag, den 28. Juli kostenlos benutzt werden.

Die Räuberbahn-Strecke

Die Räuberbahn-Strecke, die Pfullendorf, Ostrach und Altshausen verbindet, war 2004 von der DB stillgelegt worden. Die drei Anliegerkommunen pachteten diese 27 Kilometer lange Bahnstrecke zuerst von der DB, um sie dann 2009 für den Zugverkehr zu reaktivieren. 2019 feiert die Bahn damit das zehnjährige Jubiläum der Streckenreaktivierung. Seit 2011 fahren hier zwischen Mai und Oktober die Freizeitzüge, die sich inzwischen zu einer festen Größe im Freizeitbereich entwickelt haben und gemeinsam mit dem Verkehrsverbund Bodensee-Oberschwaben bodo unter dem Namen „Räuberbahn“ vermarktet werden.

Dass drei Anliegerkommunen eine Eisenbahnstrecke betreiben, ist landes- beziehungsweise deutschlandweit nahezu einmalig. Dahinter steckt das Ziel, diese Strecken für die Zukunft zu erhalten und weiterzuentwickeln, um damit einerseits einen wichtigen Standortfaktor für die Wirtschaft zu erhalten, um aber auch andererseits den Tourismus zu stärken.

Im März 2019 wurde die Räuberbahn für ihr innovatives Konzept zur Belebung des Ausflugsverkehrs mit dem ÖPNV-Innovationspreis des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet.

15 Jahre nach der Einstellung des Güterregelverkehrs zwischen Altshausen und Pfullendorf rollten auf der Strecke im Frühjahr 2017 erstmals auch wieder Güterzüge. Inzwischen rollt der Güterverkehr regelmäßig.

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