Arbeit

Moderne Arbeitsformen als Gewinn für Frauen und Unternehmen

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Eine Mitarbeiterin des Grundbuchzentralarchivs scannt eine Flurkarte ein (Bild: © dpa).

Moderne Arbeitsformen wie New Work und Flexi-Time sind ein Gewinn für Frauen und Unternehmen. Sie ermöglichen flexiblere und vollzeitnahe Beschäftigungsmodelle für Frauen und Männer und bringen die Bewältigung des Fachkräftemangels entscheidend voran.

Anlässlich des diesjährigen Internationalen Frauentags am 8. März 2023 richtet Ministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, den Blick auf den Fachkräftemangel im Land und die Frage, wie mehr Frauen für vollzeitnahe Beschäftigungsmodelle gewonnen werden können. Die Ministerin dazu: „Moderne Arbeitsformen wie New Work und Flexi-Time ermöglichen flexiblere, vollzeitnahe Beschäftigungsmodelle und die partnerschaftliche Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Sie schaffen den Rahmen, damit mehr Frauen ihre Talente, ihr Know-how und ihre Fähigkeiten ebenso wie Männer ins Erwerbsleben einbringen und ihre individuellen Lebensentwürfe partnerschaftlich umsetzen können.“

Unter dem Begriff „New Work“ (übersetzt „neue Arbeit“) entstanden zunächst in der Digitalbranche neue Arbeitsmodelle, die mehr Raum für persönliche Entwicklungsmöglichkeiten bieten. Mittlerweile organisieren sich auch andere Branchen neu. Ministerin Hoffmeister-Kraut begrüßt diese Entwicklung: „Die Corona-Pandemie hat wie ein Katalysator auf neue Arbeitsmodelle gewirkt und unsere Arbeitswelt verändert.“ Viele Arbeitsplätze seien erst im Zuge der Pandemie so ausgestattet worden, dass sie mehr Flexibilität ermöglichen. New Work stelle den Menschen in den Mittelpunkt, biete individuelle Lösungen und könne einen Beitrag zur sozialen Nachhaltigkeit leisten, so die Ministerin. „Diese positive Entwicklung bietet große Chancen für alle Beteiligten. Frauen erhalten mehr Spielraum, ihre Erwerbstätigkeit angepasst an ihre Lebenssituation zu gestalten und den Arbeitsumfang gegebenenfalls auszuweiten und Karrierebrüche zu vermeiden. Für Unternehmen bietet sich die Chance, als moderne und für neue Beschäftigungsformen aufgeschlossene Firma bei Betriebsangehörigen wie auch im Wettbewerb um gut qualifizierte Fachkräfte zu punkten“, ist Hoffmeister-Kraut überzeugt.

Flexible Beschäftigungsformen

Während der Fokus von New Work auf dem einzelnen Menschen liegt, zielt die Flexi-Time auf Beschäftigungsformen ab, die von herkömmlichen Modellen hinsichtlich der Arbeitsstunden, der Vertragsdauer und des Arbeitsortes abweichen. Die Flexi-Time bietet Vorteile vor allem für Frauen, Alleinerziehende, pflegende Angehörige und Familien. Durch Aufstockung des Arbeitszeitvolumens, Reduzierung der Einkommenslücke, Verbesserung der beruflichen Chancen und Aufstiegsmöglichkeiten, Erhöhung des Lebens-Einkommens und Vermeidung von Altersarmut können im Rahmen der Flexi-Time große Verbesserungen erreicht werden. „Wir brauchen alle Talente. Deshalb sollten Unternehmen alle Möglichkeiten für zukunftsgerechte, flexible und mobile Beschäftigungsmodelle nutzen. Karriere muss auch in vollzeitnaher Teilzeit oder als Job- und Top-Sharing-Modell möglich sein. Ansonsten verkleinert sich der Talentepool“, so die Wirtschaftsministerin.

Zum Vorschlag der Vier-Tage-Arbeitswoche, die im Kontext der Flexi-Time aktuell diskutiert wird, sagt Hoffmeister-Kraut: „Unser Arbeitszeitgesetz lässt bereits heute zu, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Rahmen einer Vier-Tage-Arbeitswoche an bis zu zehn Stunden am Tag zu beschäftigen. Allerdings darf die geleistete Arbeitszeit über ein halbes Jahr hinweg nicht mehr als acht Arbeitsstunden pro Werktag betragen. Ich würde mir daher wünschen, dass die Bundesregierung die Spielräume der europäischen Arbeitszeitrichtlinie besser nutzt und im deutschen Arbeitszeitrecht noch mehr Flexibilität zulässt.“ Im Einzelfall komme es darauf an, dass individuelle Lösungen zwischen Beschäftigten und ihrem Arbeitgeber gefunden würden, so Hoffmeister-Kraut.

Award „familyNET 4.0 – Unternehmenskultur in einer digitalen Arbeitswelt“

Abschließend stellt Ministerin Hoffmeister-Kraut fest: „Es gibt bereits gute Vorbilder im Land, die Nachahmer suchen. Ich kenne Unternehmen die ganz bewusst auf eine lebensphasenorientierte und familienfreundliche Personalpolitik und moderne Unternehmenskultur setzen und deren Attraktivität als Arbeitgeber aber auch als Unternehmen insgesamt deutlich zugenommen hat. Unternehmen mit innovativen und nachhaltigen Konzepten zeichnen wir jährlich im Rahmen eines Wettbewerbs gemeinsam mit dem Arbeitgeberverbänden Südwestmetall und Chemie und dem Landesfamilienrat mit dem Award ‚familyNET 4.0 – Unternehmenskultur in einer digitalen Arbeitswelt‘ aus.“ Gerade mit Blick auf aktuelle und kommende Generationen gut ausgebildeter junger Menschen sei das ortsungebundene Arbeiten ein entscheidender Faktor bei der Berufs- und Unternehmenswahl. „Darauf müssen sich die Unternehmen im Wettbewerb um Fachkräfte einstellen.“

Um das Bewusstsein von Unternehmen und Beschäftigten für das Thema „Voll-zeitnahe flexible Beschäftigung“ weiter zu schärfen, wird das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg die Frauenwirtschaftstage 2023 unter das Schwerpunktthema „#NewWork und #Flexi-Time – ein Gewinn für Frauen und Unternehmen“ stellen. Die Frauenwirtschaftstage 2023 werden am 5. Oktober 2023 im Rahmen einer zentralen Auftaktveranstaltung eröffnet und finden landesweit von 18. bis 21. Oktober 2023 statt.

Nach Angaben des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg waren 49,2 Prozent der abhängig erwerbstätigen Frauen im Jahr 2021 teilzeitbeschäftigt – aus unterschiedlichen Gründen: etwa wegen Kinderbetreuung, Betreuung pflegebedürftiger Personen, Aus- und Fortbildung oder eigener Krankheit. Mit der Erhöhung des Arbeitszeitvolumens von Frauen wäre ein Potenzial von bis zu 112.000 Vollzeitäquivalenten in Baden-Württemberg möglich, verstärkt um ein zusätzliches Potenzial bei der generellen Erhöhung der Erwerbsbeteiligung von Frauen, insbesondere von Frauen mit Migrationshintergrund, so eine Analyse der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit.

Kontaktstellen Frau und Beruf

Im Rahmen des Landesprogramms Kontaktstellen Frau und Beruf Baden-Württemberg erhalten (auch geflüchtete) Frauen Beratung in allen beruflichen Belangen. Die Kontaktstellen leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Integration von Frauen ins Erwerbsleben und unterstützen Frauen in allen Stationen ihres Berufsweges, passend zur jeweiligen Lebensphase: zu Neu- und Umorientierung, Wiedereinstieg, berufliche Weiterentwicklung und Aufstieg, Existenzgründung und Berufsorientierung. Sie setzen sich für Chancengleichheit von Frauen im Berufsleben ein und unterstützen Unternehmen bei der Fachkräftesicherung durch Information und Beratung zu Themen wie Gewinnung und Bindung weiblicher Fachkräfte, Unternehmensnachfolge durch Frauen, Teilzeitausbildung, flexible Arbeitszeitmodelle, Diversity Management.

Interessierte Frauen und Unternehmen finden Informationen über die digitalen Angebote und Vor-Ort-Angebote der Kontaktstellen sowie zu wichtigen Themen im Kontext Frau und Beruf in Baden-Württemberg auf der zentralen Informationsplattform.

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