Umwelt

Land unterstützt Kommunen mit 14 Millionen Euro bei Altlasten-Sanierung

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Ein Arbeiter in Schutzkleidung zieht eine Plane über mit Dioxin verseuchte Erde auf einem Lkw vor einem Sanierungsgrundstück in Rheinfelden am Hochrhein (Symbolbild: © dpa).

Seit fast 30 Jahren erfasst und untersucht Baden-Württemberg systematisch altlastverdächtige Flächen und investiert in deren Sanierung. „Damit beleben wir wertvollen Boden quasi neu, verhindern die Ausbreitung von Giftstoffen, die dort zum Teil schon sehr lange lagern und geben Städten und Gemeinden neue Entwicklungschancen“, erklärte Umweltminister Franz Untersteller.

Im Jahr 2016 steht wieder ein gut zweistelliger Millionenbetrag als Landeszuschuss zur Sanierung von Altstandorten oder zur Beseitigung von Altablagerungen zur Verfügung. Über die Verwendung eines großen Teils der Mittel entscheiden die Regierungspräsidien selbst, Maßnahmen mit einer Förderung über 500.000 Euro müssen von einem Verteilungsausschuss genehmigt werden. In diesem Jahr handelte es sich um drei genehmigungspflichtige Förderanträge.

Altstandort „Gaswerk Lahr“ größtes Förderprojekt in diesem Jahr

Den höchsten Zuschuss bekommt die Stadt Lahr für die Sanierung des früheren Gaswerkgeländes. Von 1858 bis 1964 wurde dort Stadtgas aus der Verschwelung von Steinkohle produziert. Im Laufe der Jahrzehnte sind im Bereich der Produktionsstätte Schadstoffe in den Untergrund gelangt. Ab 1987 wurde die Altlast erkundet und ist inzwischen gesichert. Mit einem Teilaushub und anschließender hydraulischer Nachsorge soll die Fläche jetzt saniert werden. Die Gesamtkosten werden auf rund 3,8 Millionen Euro veranschlagt, der Zuschuss des Landes beträgt 2,3 Millionen Euro.

Mit knapp 2 Millionen Euro wird die Sanierung eines ehemaligen Betriebsgeländes in Bad Liebenzell gefördert, auf dem die Firma Regula-Werk King & Bauser bis 1963 Kameras hergestellt hat. Dazu gehörte auch eine Metallhärterei und ‑entfettung, die maßgeblich für die heutige Altlast verantwortlich sind. Seit 15 Jahren ist das Gelände bereits mit verschiedenen Maßnahmen in der Sanierung. Jetzt soll mit einer Großlochbohrung auf einem eingegrenzten Bereich kontaminierter Boden ausgetauscht werden. Die Gesamtkosten belaufen sich voraussichtlich auf gut 2,1 Millionen Euro.

Die dritte Sanierung, über die der Verteilungsausschuss zu befinden hatte, war ein Altstandort auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs der Stadt Ravensburg. Auf dem Grundstück wurden ein halbes Jahrhundert Mineralöle und Chemikalien umgeschlagen, was zu erheblichen Verunreinigungen geführt hat. Da sich die Kontaminationen räumlich gut eingrenzen lassen, will die Stadt Ravensburg den verunreinigten Boden jetzt ausheben und entsorgen lassen, um die Fläche wieder nutzen zu können. Die Stadt rechnet mit Kosten von 2,8 Millionen Euro, das Land fördert die Maßnahme mit fast 1,7 Millionen Euro.

LUBW veröffentlicht Altlastenstatistik 2015

Zeitgleich mit den diesjährigen Förderentscheidungen hat die LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg die „Altlastenstatistik 2015“ veröffentlicht. Hierin sind detailliert alle Informationen rund um den Stand der Altlastenbearbeitung in Baden-Württemberg zu finden.

“Unser Bericht ist die Informationsgrundlage für das Land rund um das Thema Altlasten und altlastverdächtige Flächen“, erläutert die Präsidentin der LUBW, Margareta Barth. „Er gibt einen Überblick über die bisher in Baden-Württemberg geleistete Arbeit und beschreibt die systematische Vorgehensweise. Die LUBW verantwortet landesweit die fachliche Koordination der Altlastenbearbeitung, informiert und berät die zuständigen Behörden.“

Ein Blick in die Statistiken zeigt, welch zahlreiche Aufgaben seit Beginn der Altlastenbearbeitung in Baden-Württemberg bewältigt wurden. 101.320 Flächen wurden erfasst und bewertet, 3.421 Flächen saniert. Aktuell werden 17.803 altlastverdächtigen Flächen und Altlasten im Kataster geführt. Im vergangenen Jahr wurden rund 815 Verdachtsflächen untersucht und hinsichtlich ihrer Umweltgefährdung beurteilt. Aus heutiger Sicht ist davon auszugehen, dass für eine weitgehende Aufarbeitung des Altlastenproblems mindestens weitere 20 Jahre benötigt werden.

Sanierung von Altlasten

Altlasten wurden durch einen unachtsamen Umgang mit Chemikalien und Abfällen verursacht. In den 1980er Jahren standen bei der systematischen Altlastenbearbeitung vor allem die ehemaligen Müllkippen im Vordergrund, doch viel häufiger sind es stillgelegte Industrie- und Gewerbeanlagen, von denen vergleichsweise größere Schäden im Boden und Grundwasser verursacht wurden. Betrachtet man die ehemalige Nutzung dieser Flächen, zeigt sich, dass folgende Branchen dominieren: metallverarbeitende Betriebe, Tankstellen, Kfz-Werk-stätten, Betriebshöfe und chemische Reinigungen. Mehr als 50 Prozent der altlastverdächtigen Altstandorte können diesen Betriebszweigen zugeordnet werden.

Die bisher am häufigsten erfassten Schadstoffe sind Mineralölkohlenwasserstoffe (MKW) und aromatische Kohlenwasserstoffe (BTXE). Es folgen Schwermetalle, leichtflüchtige Chlorkohlenwasserstoffe (LCKW) und polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK).

Baden-Württemberg startete 1988 als erstes Bundesland mit einer systematischen Aufarbeitung der Altlasten. Über die Förderzuschüsse für die Behandlung kommunaler Altlasten entscheidet ein unabhängiger Verteilungsausschuss beim Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg. Dem Verteilungsausschuss gehören je ein Vertreter des Umweltministeriums (Vorsitz), des Innenministeriums sowie der kommunalen Landesverbände an. Der Landesverband der baden-württembergischen Industrie nimmt beratend an den Sitzungen teil. Der Verteilungsausschuss konzentriert sich auf Altlastenfälle mit einem Fördervolumen über 500.000 Euro und auf Sonderfälle. Über Maßnahmen mit einer Zuwendung unter 500.000 Euro entscheiden die Regierungspräsidien.

Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz: Altlastenstatistik 2015

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