Großbrand, Überschwemmung, Stromausfall – wenn die Krise da ist, ist es zu spät, sich vorzubereiten. Die Landesregierung möchte mit den Menschen vor Ort die Resilienz der Gesellschaft stärken.
Zu diesem Zweck hat Barbara Bosch, Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung, das Projekt „Gut vorbereitet für den Ernstfall – in unserer Kommune packen wir gemeinsam an“ angestoßen:
„Ich habe dieses Projekt initiiert, weil wir alle merken, dass wir uns wappnen müssen. Die Bevölkerungsschutzorganisationen und Behörden tun dies, indem sie ihre Erfahrungen aus Kriseneinsätzen und Übungen auswerten. Doch eine Gruppe wurde dabei bislang nicht einbezogen: die Bevölkerung. Dabei hat sie als Betroffene ihre eigene Sicht auf das, was passiert ist. Diese Lücke möchte ich schließen. Die Zivilgesellschaft soll sich nicht nur besser vorbereiten können. Sie zeigt zudem in der Krise große Bereitschaft, anderen zu helfen. Das soll vor Ort wirkungsvoll unterstützt und besser mit den Profis verzahnt werden. Davon profitieren alle – nicht nur im Ernstfall.“
Erste Phase mit fünf Pilotkommunen abgeschlossen
Die erste Phase des Projekts ist abgeschlossen: In fünf Kommunen wurden Fokusgruppen durchgeführt, in denen Bürgermeister, Einsatzkräfte und Betroffene ihre Erfahrungen aus Krisensituationen ausgetauscht haben. Thematisiert wurden unter anderem Hochwasserereignisse in Rudersberg und Meckenbeuren, ein Innenstadtbrand in Villingen-Schwenningen, der Fund einer Weltkriegsbombe in Rastatt sowie ein Zugunglück in Riedlingen. Die Berichte und Erkenntnisse wurden systematisch dokumentiert und ausgewertet. Erstmals wurden dabei alle Perspektiven einbezogen – auch die der betroffenen Bevölkerung.
Das Projekt startet nun in die zweite Phase, die von der Baden-Württemberg Stiftung finanziert wird.
„Die Förderung einer resilienten Demokratie ist uns als Baden-Württemberg Stiftung ein großes Anliegen, für das wir uns mit ganz unterschiedlichen Programmen und Formaten einsetzen. Das Projekt passt sehr gut zu unserem Engagement in diesem Bereich, weil es Verwaltung, Hilfs- und Rettungsdienste, lokale Vereine sowie engagierte Bürgerinnen und Bürger gezielt zusammenbringt und lokale Netzwerkstrukturen stärkt“, sagte die Geschäftsführerin der Baden-Württemberg Stiftung, Theresia Bauer: „Auf diese Weise werden die verschiedenen Akteure vor Ort so miteinander vernetzt, dass sie im Krisenfall schnell zusammenarbeiten und vorhandene Kompetenzen und Ressourcen wirksam einsetzen können – insbesondere auch im ländlichen Raum.“
Krisenvorsorge vor Ort stärken
Ziel ist es, die gewonnenen Erkenntnisse auf andere Kommunen zu übertragen und die Krisenvorsorge vor Ort zu stärken. Ab Sommer 2026 entwickeln interessierte Städte und Gemeinden gemeinsam präventive Maßnahmen, begleitet und moderiert von der Allianz für Beteiligung. Gleichzeitig soll der gesellschaftliche Zusammenhalt gestärkt werden – eine zentrale Erkenntnis aus der ersten Phase.
Im weiteren Verlauf entsteht ein Methodenkoffer, der Kommunen künftig eine eigenständige Vorbereitung auf Krisen ermöglicht. Das Konzept wurde in Zusammenarbeit mit Expertinnen und Experten aus Innen- und Sozialministerium, kommunalen Landesverbänden sowie Organisationen des Katastrophen- und Bevölkerungsschutzes und der Wohlfahrtspflege entwickelt.
Stimmen der beteiligten Bürgermeister
„Die professionelle Nachbearbeitung eines solchen Ereignisses in der Fokusgruppe ist für alle Beteiligten ein Mehrwert. Insbesondere mit dem zeitlichen Abstand konnten verschiedene Themen nochmals sachlich und in verschiedenen Perspektiven betrachtet werden. Ich hoffe, dass unsere Erfahrungen im Rahmen des Projekts anderen Städten und Gemeinden helfen können, solche außergewöhnlichen Lagen erfolgreich zu bewältigen.“
„Ein Blick in die Welt und auf unsere Erfahrungen vor Ort zeigt deutlich: Ein funktionierender Bevölkerungsschutz ist heute wichtiger denn je. Ob Bombenfunde, Stromausfälle, Cyberangriffe, Extremwetterereignisse oder andere Krisenlagen – auf den Ernstfall können wir uns nur gemeinsam vorbereiten. Dabei ist es besonders wichtig, Bürgerinnen und Bürger einzubinden.“
„Der Großbrand in unserer Altstadt im Juni 2025 war ein einschneidendes Ereignis für uns alle. Zugleich hat er gezeigt, wie stark unsere Stadtgesellschaft und unsere Strukturen sind. Das Projekt ‚Gut vorbereitet für den Ernstfall‘ des Staatsministeriums ist daher wichtig: Es unterstützt Kommunen bei der Vorsorge und bindet die Menschen vor Ort als Teil der Lösung ein. Genau deshalb ist das Projekt ‚Gut vorbereitet für den Ernstfall‘ so wertvoll: Es bringt Verwaltung, Blaulichtorganisationen und Bürgerschaft zusammen, damit wir aus Erfahrungen lernen und unsere Resilienz stärken.“
„Eine zentrale Erkenntnis der Fokusgruppe war für mich: Resilienz entsteht durch Zusammenarbeit. Verwaltung, Einsatzkräfte und Bürgerschaft müssen im Ernstfall ineinandergreifen. Dafür brauchen wir geübte Rollen, klare Kommunikation und ein starkes Unterstützungsnetz auch für unsere Helferinnen und Helfer – unmittelbar im Einsatz und bei der Verarbeitung danach. Dazu hat sich die Stadtverwaltung Riedlingen seit einiger Zeit auf den Weg begeben. Stabsarbeit und punktuelle Ergänzung der Ausstattung. Das wollen wir sukzessive vertiefen und ganzheitlich betrachten. Dazu hat uns auch die Fokusgruppe einen wichtigen Impuls gesetzt, der die Erwartungen der Öffentlichkeit moderierend in den Fokus nimmt.“
„Auch zwei Jahre nach dem Hochwasser hat die Fokusgruppe gezeigt, wie wertvoll der gemeinsame Austausch ist – viele Erinnerungen und konkrete Ideen werden dadurch wieder präsent. Gleichzeitig wissen wir, wie schnell solche Ereignisse in Vergessenheit geraten. Umso wichtiger ist es, Strukturen zu pflegen, sich gut vorzubereiten und als Kommune gemeinsam handlungsfähig zu bleiben.“
















