Klimaschutz

Klimaschutz erfordert erheblichen Ausbau der Schieneninfrastruktur

Berechne Lesezeit
  • Teilen
Eine Gleisbaustelle der Deutschen Bahn (Bild: © Deutsche Bahn AG).

Die Klimaziele bis zum Jahr 2030 sind erreichbar. Jedoch erfordern sie weit mehr Investitionen in die Schieneninfrastruktur als im Bundesverkehrswegeplan 2030 der Bundesregierung vorgesehen und mehr Investitionen in den öffentlichen Verkehr.

Heute wurden die Ergebnisse des Gutachtens „Verkehrsinfrastruktur 2030: Ein Klimaschutzszenario für Baden-Württemberg“ vorgestellt. „Die Klimaziele sind erreichbar. Jedoch erfordern sie weit mehr Investitionen in die Schieneninfrastruktur als im Bundesverkehrswegeplan (BVWP) 2030 der Bundesregierung vorgesehen und mehr Investitionen in den öffentlichen Verkehr“, so Verkehrsminister Winfried Hermann. Das Ministerium für Verkehr hat das Gutachten Ende 2014 in Auftrag gegeben. 

Es zeigt für das Jahr 2030, wie die Verkehrsinfrastrukturen ausgelastet sind, wenn die Klimaschutzziele erreicht werden: Welche Bedeutung hat welches Verkehrsmittel dann und wie sähen die Infrastrukturen aus? Die Bundesregierung hat in Folge des Klimaschutzabkommens von Paris für das Jahr 2030 eine CO2-Reduktion von 40 bis 42 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 als Ziel im Verkehrssektor vorgegeben. 

Minister Hermann weiter: „Wir können unsere heutigen Mobilitätsbedürfnisse weiterhin erfüllen. Allerdings brauchen wir dafür auch Infrastrukturen für umweltfreundliche Verkehrsmittel. Ein „Weiter so“ geht nicht, die Folgen des Klimawandels würden unbeherrschbar und die Folgekosten höher als die Klimaschutzkosten.“

Verkehrsinfrastruktur 2030: Ein Klimaschutzszenario für Baden-Württemberg

Das Verkehrsministerium Baden-Württemberg hatte die gleichen Gutachter, die für das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) die Verkehrsverflechtungsprognose zum BVWP 2030 erstellt haben, ein Klimaschutzszenario rechnen lassen. Es nutzt die gleichen Modelle und Methoden wie die Verflechtungsprognose. Geändert wird, dass die CO2-Emissionen des Verkehrs bis 2030 gegenüber 1990 stärker abnehmen müssen. Bei der BVWP-Verflechtungsprognose werden für das Land nur 21 Prozent Reduktion erreicht, bundesweit 26 Prozent. Dies liegt unter anderem am für Baden-Württemberg prognostizierten weiteren Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum. Das Klimaschutzszenario für Baden-Württemberg, welches primär Maßnahmen zur Verlagerung des Verkehrs auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel im Fokus hat, erreicht immerhin eine Minderung von 34 Prozent.

Die Umsetzung des Klimaszenarios Baden-Württemberg würde zu einer Verringerung der Verkehrsbelastungen im Straßennetz sowie zu Mehrbelastungen im öffentlichen Verkehr in Baden-Württemberg führen. Mit der Senkung des Kfz-Verkehrs ist eine Reduktion des CO2-Ausstosses verbunden, die Reisezeiten auf der Straße verkürzen sich deutlich durch weniger Staus, auch Unfälle nehmen ab. Die Durchschnittsgeschwindigkeit auf Autobahnen steigt um sechs Prozent, die Unfallkosten sinken um 24 Prozent im Vergleich zum BVWP-Szenario.

Zusätzliche Sensitivitätsanalysen belegen, dass die Klimaschutzziele der Bundesregierung und die Klimaschutzziele des Landes für das Jahr 2030 voraussichtlich nicht ausschließlich aufgrund verbesserter Fahrzeugtechnik oder durch den Einsatz von Elektrofahrzeugen erreicht werden können. Ein realistisches Klimaschutzszenario lässt sich demnach nur verwirklichen, wenn parallel verschiedene Instrumente zur Anwendung kommen.   

Investitionen in die Schiene reichen nicht aus

Das Szenario bestätigt darüber hinaus, dass auch die Investitionen des BVWP 2030 zur Schiene nicht ausreichen. Nur mit einem stärkeren Ausbau der Schienenkapazitäten sowie mit dem Abbau von Hindernissen bei der Nutzung der Schiene ist in Baden-Württemberg eine deutliche Verlagerung vom Straßen- auf den Schienenverkehr erreichbar. Ein erheblicher Ausbau der Schieneninfrastruktur, und zwar über das im BVWP gegebene Maß hinaus, vor allem in den Ballungsgebieten ist erforderlich. Die Investitionen werden voraussichtlich erheblich sein. Für diese gilt es, einen Finanzierungsrahmen zu schaffen. Selbst mit zusätzlichen verkehrspolitischen Maßnahmen sind die Ziele bis zum Jahr 2030 sehr schwer zu erreichen. Der Ausbau des Angebots für umweltfreundliche Verkehrsmittel allein reicht dabei bei weitem nicht aus. 

Die zusammenfassende Broschüre ist im auf der Seite des Verkehrsministeriums verfügbar. Dort wird auch das gesamte Klimaschutzszenario sowie begleitende Berichte zu dem verwendeten Modell und zu möglichen Maßnahmen zum Klimaschutz veröffentlicht. Das Klimaschutzszenario wurde von dem Konsortium Intraplan Consult, IVV GmbH, Planco Consulting und TTS TRIMODE Transport Solutions GmbH erstellt. Als wissenschaftliche Begleitung fungierten Universität Stuttgart (Institut für Straßen- und Verkehrswesen) sowie PTV Transport Consult GmbH.

Ministerium für Verkehr: Klimaschutz und Mobilität – Rahmenbedingungen und Ziele

Weitere Meldungen

Ein Motorradfahrer fährt auf einer Landstraße. (Bild: dpa)
Verkehrssicherheit

Bundesweiter Aktionstag „sicher.mobil.leben“

Zahlreiche Menschen sind auf einem Radweg bei Sonnenschein auf ihren Fahrrädern und E-Roller unterwegs.
Radverkehr

STADTRADELN 2026 startet

Ein Messegast lässt sich eine so genannte ORC-Anlage erläutern.
Klimaschutz

Land fördert Energiefahrpläne für Unternehmen und Einrichtungen

Zitterpappel
Forst

Zitterpappel bereichert Wald und Bioökonomie

Ein Bauarbeiter schaut auf ein Gebäude, das als Testobjekt aus Recyclingbeton gebaut wird.
N!BBW

Neue Termine für Workshops „Nachhaltiges Bauen“

Absperrung auf einer Straße. Im Hintergrund eine Autobrücke.
Kommunaler Straßenbau

Land unterstützt Kommunen beim Umbau der Straßeninfrastruktur

Neubau Kollegiengebäude 1, Pädagogische Hochschule Freiburg, Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten, Stuttgart
Holzbau

Klimafreundlich Bauen mit Holz

Ein Mitarbeiter von Kawasaki führt bei der Industriemesse Hannover Messe am Messestand von Microsoft die Überwachung und Steuerung einer Maschine mit einer AR-Brille (Augmented Reality) vor.
Industrielle Innovation

Baden-Württemberg auf der Hannover Messe 2026

Minister Hermann und die Bine von bwegt klatschen sich ab
Nahverkehr

bwegt-Wanderweg Tübingen-Rottenburg eröffnet

Drohne mit Auslegearm zum Einölen der Eier beim Anflug an einen Baum mit Kormorannestern
Fischerei

Drohnen-Testflug zum Kormoranmanagement am Bodensee

links: Behältnis, das am Ostersonntag (5. April 2026) in einem Garten gefunden wurde; rechts: Laboranalyse
Strahlenschutz

Fundstück enthielt zu keinem Zeitpunkt Polonium-210

Polizeistreife bei Verkehrsunfall
Polizei

Bilanz des europaweiten Speedmarathons 2026

Asiatische Hornisse
Artenmanagement

Königinnen und Nester der Asiatischen Hornisse melden

Wengenviertel in Ulm
Städtebau

Städtebauförderprogramm 2027 startet

Kläranlage des Abwasserzweckverbandes Raum Offenburg bei Griesheim (Symbolbild: © dpa).
Wasserwirtschaft

Land unterstützt Wasserwirt­schaft mit 265 Millionen Euro