Europäisches Einheitspatent auf der Zielgeraden

Berechne Lesezeit
  • Teilen
Blick durch Glastür auf die Sitzung des Bundesrates (Foto: Kay Nietfeld/dpa)

Das Einheitliche Europäische Patentgericht soll mit einer Lokalkammer nach Mannheim kommen. Zunächst stimmt der Bundesrat über das Gesetz zu dem Übereinkommen über ein Einheitliches Patentgericht ab, welches im Bundestag mit einer Zweidrittelmehrheit angenommen wurde.

Das Einheitliche Europäische Patentgericht mit einer Lokalkammer in Mannheim könnte morgen Realität werden. Nachdem der Bundestag am 26. November 2020 das Gesetz zu dem Übereinkommen über ein Einheitliches Patentgericht mit der erforderlichen Mehrheit beschlossen hat, kann das Gesetzgebungsverfahren mit Zustimmung des Bundesrates in dessen Sitzung am Freitag, 18. Dezember, nun abgeschlossen werden. Bereits im Jahr 2017 war das Zustimmungsgesetz im Bundestag zwar einstimmig, aber nicht mit der erforderlichen Zweidrittel-Mehrheit beschlossen worden, weshalb es zunächst durch Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts für nichtig erklärt worden war.

Neue Lokalkammer im Mannheim geplant

Justiz- und Europaminister Guido Wolf sagte: „Die morgige Bundesratsbefassung könnte den Schlussstein eines langen Prozesses markieren und den Weg frei machen für das Europäische Einheitspatent. In Mannheim sind wir darauf gut vorbereitet. Es freut mich, dass aus der Theorie nun endlich Praxis werden und Mannheim eine zentrale Rolle in dem seit den sechziger Jahren angestrebten europäischen Patentsystem spielen kann. Mannheim ist bereits ein international anerkannter Patentgerichtsstandort, der mit der Lokalkammer des Einheitlichen Europäischen Patentgerichts noch weiter ausgebaut wird.“

Die neue Lokalkammer in Mannheim hat ihren Sitz in den Räumlichkeiten des Verwaltungsgerichtshofes. Mit ersten Verfahren wird zwar erst Ende des nächsten Jahres zu rechnen sein, dennoch stehen Sitzungssaal, Besprechungsräume und Arbeitszimmer bereits zur Verfügung und sind mit modernster IT-Technik ausgestattet. Die Richterbank der Lokalkammer in Mannheim wird mit drei Richterinnen beziehungsweise Richtern besetzt sein, von denen zwei deutsche Staatsangehörige sein müssen. Der dritte Richter muss aus einem anderen Vertragsstaat des Einheitlichen Patentgerichts (EPGÜ) kommen. Es wurde ein europaweites Bewerbungsverfahren für die Richterstellen durchgeführt. Gesucht wurden erfahrene Patentrichterinnen und -richter, wie sie zum Beispiel beim Landgericht Mannheim in den beiden Patentkammern und beim Oberlandesgericht Karlsruhe im Patentsenat tätig sind.

Einheitliches Europäisches Patentgericht

Das Einheitliche Europäische Patentgericht (Unified Patent Court) ist eine auf der Grundlage eines Übereinkommens von 26 europäischen Mitgliedstaaten gegründete eigenständige Patentgerichtsbarkeit. Sie wird unter anderem zuständig sein für Streitigkeiten über das europäische Patent mit einheitlicher Wirkung. Dieses Einheitspatent wird künftig neben den nationalen Patenten und den klassischen europäischen Patenten bestehen.

Das Einheitliche Patentgericht wird aus zwei Rechtszügen bestehen: In der ersten Instanz wird es eine Zentralkammer mit Sitz in Paris und Außenstellen in London und München geben. In Deutschland werden vier Lokalkammern eingerichtet werden mit Sitz in Mannheim, München, Hamburg und Düsseldorf. Die Berufungsinstanz des Gerichts wird ihren Sitz in Luxemburg haben.

Weitere Meldungen

Bundesrat Berlin
Bundesrat

Hagel zum Vorsitzenden des Bundesrat-EU-Ausschusses gewählt

Justizminister Moritz Oppelt (rechts) auf der Justizministerkonferenz
Justiz

Reform der Politikerbeleidigung gefordert

von links nach rechts: Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Georg Kräusslich, Präsident der Heidelberger Akademie der Wissenschaften; Prof. Dr. Irena Kogan, Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung; Prof. Dr. Largus Angenent, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät der Universität Tübingen; Wissenschaftsministerin Petra Olschowski und Prof. Dr. Robert Zeiser, Medizinische Fakultät der Universität Freiburg
Forschung

Landesforschungspreise 2026 verliehen

Landgericht Ulm
Justiz

Richterin aus Baden-Württemberg zur Bundesrichterin gewählt

Ein Arzt hält in einem Behandlungszimmer in seiner Praxis in Deizisau im Landkreis Esslingen ein Stethoskop in der Hand, mit der anderen Hand bedient er eine Computertastatur. (Bild: dpa)
Gesundheitsreform

Nachbesserungen bei Kranken­versicherung-Reform gefordert

Ein Mitarbeiter montiert im Porsche Werk in Stuttgart-Zuffenhausen eine Vorderachse mit Elektromotor. (Foto: © dpa)
Automobilindustrie

Anpassungen bei EU-CO₂-Regulierung gefordert

Einsatzkräfte der Feuerwehr errichten am Nonnenbach in Bad Saulgau im Ortsteil Moosheim einen Damm mit Sandsäcken gegen das Hochwasser.
Klimawandel

Land rüstet sich für Extremwasserereignisse

Kabinettssitzung in der Villa Reitzenstein in Stuttgart
Landesregierung

Anzeige nach der Karenzzeitregelung

Innenminister Manuel Hagel (Mitte) besucht das Reutlinger Umspannwerk, in dem es in der Nacht gebrannt hatte.
Stromausfall

Ermittlungen nach Brand in Reutlinger Umspannwerk

Ministerpräsident Cem Özdemir spricht während des BMDS-Akademiegesprächs „Staatsmodernisierung mit Wirkung“.
Staatsmodernisierung

Schulterschluss für weniger Bürokratie

Ein selbstfahrendes Auto des Forschungszentrumes Informatik fährt während der Eröffnung des "Testfelds Autonomes Fahren" in Karlsruhe mit zwei Entwicklern autonom im Straßenverkehr. (Foto: © dpa)
Autonomes Fahren

Land gestaltet Europas Testfelder für autonomes Fahren mit

Bevölkerungsschutztag 2026
Bevölkerungsschutz

Land richtet bundesweiten Bevölkerungsschutztag aus

Eine Mitarbeiterin eines Pharmahändlers bestückt in Stuttgart-Münster in Baden-Württemberg eine Kommissioniermaschine.
Wirtschaft

Investitionen in Pharmaindustrie wandern ab

Beratung Landwirtschaft
Landwirtschaft

Beratungssystem „Beratung.Zukunft.Land“ wird fortgeführt

Eine Frau arbeitet von zu Hause aus. (Bild: dpa)
Unternehmensgründungen

Pilotprojekt „Schneller Gründen“ gestartet