Gesundheit

Digitaler Fachtag zum Umgang mit Hitze

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Hitze

Längere und intensivere Hitzewellen werden in Baden-Württemberg zunehmend zu einem Problem. Am 5. Juni veranstaltet das Aktionsbündnis Klimawandel und Gesundheit in Baden-Württemberg deshalb einen digitalen Fachtag „Umgang mit Hitze – Fokus alleinlebende ältere Menschen“.

Der Klimawandel ist eine größer werdende Bedrohung für unsere Gesundheit. Durch ihn entstehen längere und intensivere Hitzewellen, die in Baden-Württemberg zunehmend zu einem Problem werden. In diesem Jahr findet am 5. Juni wieder der bundesweite Hitzeaktionstag statt mit dem Ziel, Hitzeschutz in allen Lebensbereichen, aber auch in den Bundes- und Ländergesetzen zu verankern. Aus diesem Anlass veranstaltet das Aktionsbündnis Klimawandel und Gesundheit in Baden-Württemberg einen digitalen Fachtag „Umgang mit Hitze – Fokus alleinlebende ältere Menschen“ und startet eine Sensibilisierungskampagne zu Hitzeschutz. Das Aktionsbündnis Klimawandel und Gesundheit setzt sich zusammen aus dem baden-württembergischen Gesundheitsministerium, dem Deutschem Wetterdienst, der Landesärztekammer und der Landesapothekerkammer als neuem Mitglied.

Für einige Menschen ist Hitze besonders gefährlich

Hitze belastet alle Menschen, kann aber besonders gefährlich werden für ältere, pflegebedürftige oder vorerkrankte Menschen, Schwangere, Säuglinge und Kinder sowie für Menschen mit Behinderungen, Obdachlose und Menschen, die im Freien arbeiten. Im schlimmsten Fall kann Hitze bis zum Tod führen. Nach Schätzungen des Statistischen Landesamtes werden in Baden-Württemberg pro Jahr im Schnitt etwa 1.500 Todesfälle durch Hitze mitverursacht.

Gesundheitsminister Manne Lucha sagte dazu: „Hitzeschutz ist in Baden-Württemberg von zunehmender Bedeutung. Daher müssen wir handeln und die Menschen im Land sensibilisieren – insbesondere die Risikogruppen und die Akteurinnen und Akteure in deren Umfeld. Der Fachtag und die Hitzeschutz-Kampagne leisten hierbei einen wichtigen Beitrag. Damit setzen wir ein Zeichen dafür, dass es Engagierte auf allen Ebenen braucht, die sektorenübergreifend zusammenarbeiten. Denn gesundheitlicher Hitzeschutz ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Mit der Landesapothekerkammer konnten wir einen weiteren wichtigen Partner für das Aktionsbündnis Klimawandel und Gesundheit gewinnen. Fachkräfte in Apotheken sind ebenso wie Mitarbeitende in Arztpraxen und Gesundheitsämtern wichtige Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, um die Risikogruppe der älteren Menschen zu erreichen.“

Temperaturgerechter Umgang mit Arzneimitteln

Auf eine ganz entscheidende Rolle der Apotheken vor Ort beim Hitzeschutz weist auch der Präsident der Landesapothekerkammer (LAK), Dr. Martin Braun, hin: „Die pharmazeutische Beratungskompetenz der Apothekerinnen und Apotheker umfasst auch Punkte zur Belastung durch Hitze und Sonneneinstrahlung, was insbesondere für ältere Menschen von Bedeutung ist. Mit ihrem Fachwissen gibt die Apothekerschaft gezielt Auskunft zur temperaturgerechten Lagerung und zur sicheren Anwendung von Arzneimitteln auch bei hohen Temperaturen. Einige Medikamente wirken sich zum Beispiel auf den Flüssigkeitshaushalt des Körpers aus oder können in Verbindung mit Sonneneinstrahlung zu Unverträglichkeitsreaktionen führen.“ Dr. Björn Schittenhelm, Vorstandsmitglied und Koordinator für Prävention, Umwelt und Verbraucherschutz der LAK ergänzt: „Die Apotheken vor Ort haben stets die Bedürfnisse ihrer Patientinnen und Patienten im Blick. Durch Angebote wie Botendienste ersparen sie gerade vulnerablen Gruppen unnötige Wege in der Hitze und gewährleisten gleichzeitig eine niedrigschwellige und kompetente Arzneimittelversorgung.“

Körpereigenes Kühlsystem überlastet

Der Präsident der Landesärztekammer, Dr. Wolfgang Miller, warnte: „Bei Hitze kann das körpereigene Kühlsystem – gerade bei älteren Menschen – überlastet werden. Im einfachsten Fall treten Regulationsstörungen und Kreislaufprobleme auf. Aber auch viele Herzinfarkte oder Schlaganfälle entstehen ursächlich durch Hitzewellen, besonders bei Vorerkrankten und gerade zu Beginn des Sommers.“ Der Klimaschutzbeauftragte der Landesärztekammer, Dr. Robin Maitra, ergänzte: „Wir beobachten mit Sorge, dass auch die Sterblichkeit durch Hitze zunimmt: Bei chronischen Erkrankungen der unteren Atemwege führen Hitzewellen bis zum Ende des Jahrhunderts zu einer Verdoppelung bis Verfünffachung der Mortalität. Bei der koronaren Herzkrankheit wird die Sterbezahl im gleichen Zeitfenster zwischen drei- bis neunmal höher liegen als aktuell. Als Ärzte sehen wir jetzt bereits eine Ausbreitung vieler bislang bei uns nicht vorkommender Krankheiten, auch bestehende Erkrankungen können sich durch Hitze und Klimawandel verstärken.“

Hitzewellen werden in Zukunft weiter an Intensität gewinnen

Dr. Stefan Muthers vom Deutschen Wetterdienst erklärte: „Die Sommer der letzten Jahre haben gezeigt, dass der Klimawandel bereits stattfindet. Die Hitzewellen der letzten Sommer waren dabei aber nur ein Vorgeschmack auf das, was uns im Rahmen des Klimawandels noch erwartet. Laut Weltklimarat und wissenschaftlichen Untersuchungen werden die Hitzewellen in Zukunft weiter an Intensität gewinnen, ihre Dauer wird ansteigen und die Häufigkeit zunehmen. Seit 2005 nutzte der Deutsche Wetterdienst sein Hitzewarnsystem für die menschliche Gesundheit, um die Bevölkerung, Träger des Gesundheitssystems und Behörden zu informieren, wenn die nächste Hitzewelle bevorsteht. Die aktuellen Hitzewarnungen finden Sie in der Warnwetter-App und beim Hitzewarnsystem des Deutschen Wetterdienstes.“

Alleinlebende ältere Menschen im Fokus

Der digitale Fachtag am bundesweiten Hitzeaktionstag richtet sich speziell an Akteurinnen und Akteure, die mit der Risikogruppe alleinlebender älterer Menschen zu tun haben. Im Vordergrund der Veranstaltung steht das Thema, wie alleinlebende ältere Menschen in Hitzephasen unterstützt werden können. Mit dem Hitzeaktionstag startet zudem eine Hitzeschutz-Kampagne zur Sensibilisierung der Allgemeinbevölkerung. Postkarten im The Länd-Design sollen die Bevölkerung mit Eyecatcher-Sprüchen wie „STÄY COOL“ und „BEATHEAT“ auf das Thema aufmerksam machen. Auf der Rückseite der Karte finden Interessierte Tipps, wie sie auch an heißen Tagen möglichst fit und gesund bleiben. Die Postkarten werden über Gesundheitsämter, Arztpraxen und Apotheken an die Bevölkerung gestreut.

Das Gesundheitsministerium führt anlässlich des Hitzeaktionstags erstmalig eine landesweite Umfrage zum Entwicklungs- und Umsetzungsstand von Hitzeschutz-Maßnahmen bei allen Kommunen durch. Damit soll ein umfassender Überblick über die bereits bestehenden Aktivitäten im Land gewonnen und diese sichtbar gemacht werden. Zudem sollen Erfolgsfaktoren und mögliche Hürden der Kommunen beim Thema Hitzeschutz identifiziert werden. Diese sollen eine bedarfsorientierte Unterstützung von Risikogruppen durch die Landes- und Kreisebene ermöglichen.

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